Ich bekomme Stehhaare, wenn ich lese, dass an der Grundschule Tablet genutzt werden. Ich bin ITler durch und durch, aber bis zur 8. Klasse ist ein digitales Gerät quatsch. Dis sollen lesen, schreiben und rechnen lernen. Und zwar analog. Im Sachunterricht Dinge begreifen im wahrsten Sinne des Wortes. Und am Tablet hin und her wischen bringt gar nichts.
Da zeigt sich leider, dass Du didaktisch nicht auf der Höhe der Zeit bist. Ich habe schon im Studium eine Arbeit über den Taschenrechnereinsatz in der Grundschule geschrieben. Einfaches Beispiel: Am Taschenrechner ist die Ziffer 7 defekt und kann nicht genutzt werden. Wie kannst Du trotzdem die Aufgabe 777*99 rechnen?
Aber auch aktuell gibt es so viele sinnvolle Möglichkeiten, Tabletts oder andere neue Medien produktiv einzusetzen. Die Frage ist immer, wo digitale Medien einen Vorteil gegenüber analogen Möglichkeiten haben.
Wenn ich nur mal an den Mathematikunterricht denke:
Es gibt Apps mit denen man Aufgaben automatisieren kann. Die Apps geben den Schüler direkt eine Rückmeldung, ob das Ergebnis richtig ist. Wenn sie gut sind, werden die Aufgaben auch direkt basierend auf den Fehlermustern der Schüler gestellt.
Die App zu unserem Mathematikbuch stellt Aufgaben direkt mit der passenden didaktischen Anschauung. Also entsprechend Plättchen, Hunderterfeld, etc. Nachdem ich es analog eingeführt haben, können die Kinder noch beim Üben die Aufgabe visuell sehen.
Manche Aufgabenformate lassen sich analog nicht oder nur mit großem Aufwand durchführen. Einführung des Hunderterfeldes. Die Kinder bekommen von der App eine Zahl gesagt und müssen die richtige Stelle am Hunderterfeld antippen. Gewichte: Es gibt eine Balkenwaage und 5 Bälle mit verschiedenen Gewichten. Durch Vergleichen sortieren die Kinder die Gewichte nach Größe.
Bei Würfelgebäuden kann ich Pläne in der App erstellen, mir Seitenansichten zeigen lassen etc.
Auf der andere Seite dokumentieren die Kinder ihre Arbeit mit Fotos und wir können es am Ende an der digitalen Tafel gemeinsam besprechen.
Bei Referaten über berühmte Mathematiker nutzen die Kinder entsprechende Webseiten um Informationen zu sammeln.
Schon im Einsatz für Klasse 1: Simultane Zahlerfassung: Die App zeigt eine Anzahl von Plättchen in einem 20er-Feld und die Kinder sagen die Anzahl. Das kann ich natürlich auch analog gemeinsam machen. Das mache ich auch. Aber danach üben die Kinder noch mal 10-20 Minuten am Tablett. Jedes Kind ist aktiv und sich sehe am Ende von jedem das Ergebnis.
Am Ende muss ich natürlich bei jedem Einsatz überlegen, ob es sinnvoll ist oder nicht. Es sind auch nur Möglichkeiten. Aber den Einsatz komplett abzulehnen ist einfach nicht mehr zu unseren heutigen Welt passend.