Neue Förderschulen bauen: Verhinderung der Inklusion oder eine logische Folge des Scheiterns?

  • Zeugt von tiefer Kenntnis der Materie.

    Das zeigt, dass Du Probleme mit dem Verstehen meines Beitrages hast. Bei einem Kind mit körperlichen Einschränkungen sind die Probleme in der Regel sichtbar. Dazu haben die Eltern in der Regel auch jahrelange Erfahrungen mit Ämtern etc.. In der Regel liegen auch ausführliche Arztberichte etc. vor.

    Wenn Du ein ESE oder ein Kind mit dem Förderschwerpunkt Lernen an die Grundschule bekommst, liegt oft noch gar nichts vor. Wir hatten auch schon GE Kinder, die keine Vorbefunde etc. hatten. Bei dem Kind im Rollstuhl, weiß ich bereits bei der Anmeldung, dass er besondere Bedürfnisse hat. Da geht es eher darum welche Maßnahmen sind notwendig und können wir sie rechtzeitig umsetzen. Ich hatte in meiner letzten ersten ein extremes ESE-Kind, dass dann in der zweiten Klasse auch an eine spezielle Schule gewechselt ist, weil eine Beschulung bei uns nicht möglich war.
    Das Kind ist vorher nicht aufgefallen. Es war nicht im Kindergarten und Zuhause bei Mama und Papa bekam es alles was es wollte. Eltern sehen dann natürlich auch gerne weg.
    Also haben wir die ersten Wochen beobachtet, um unseren ersten Eindruck erstmal zu festigen.
    Dann brauchten wir Schweigepflichtsentbindungen und mussten die Eltern "überzeugen". Das sie einen Arzttermin brauchen. Unter Umständen geht es dann erstmal zum Kinderarzt und dann zum Psychologen. Termine beim spezialisierten Psychologen dauern bei uns zwischen 6 Monaten und 2 Jahren. Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen kommen bei uns auch oft aus bildungsfernen Schichten. Da fällt es den Eltern überhaupt schon schwer einen Termin beim Arzt zu machen oder Anträge bei Behörden zu stellen.
    Dann haben wir ein System, wo jemand kommt, sich das Kind anschaut und dann über den Bedarf entscheidet. In der Regel kommt die Personen für eine Stunde zum Hospitieren. Wenn es dann in der Stunde läuft, Pech gehabt. Dann ist der Bedarf halt nicht so hoch. Und wenn man doch noch irgendwelche Sachanschaffungen möchte wie z.B. spezielle Stühle oder so dann geht das eigentlich nur über den begrenzten Schuletat. Da muss dann halt an anderen Stellen gespart werden. Also entweder neue Musikinstrumente oder neuen Stuhl.

  • Ich glaube sowohl in der Öffentlichkeit als auch hier im Forum wird ein bisschen die Bandbreite des Förderschwerpunkts 'Körperliche und motorische Entwicklung' unterschätzt. 'Nur ein Fahrstuhl' reicht da allenfalls für die leichten Fälle.

    War auch nur ein Beispiel. Letztlich sind es mehr Dinge, bei denen es klar ist, dass sie gemacht werden müssen. Es diskutiert keiner, dass das Kind die Räume erreichen muss, das Mobiliar passen muss oder die Toiletten entsprechend ausgestattet sein muss. Wenn ich für einen ESE-Kind einen speziellen Stuhl haben möchte, gibt es lange Diskussionen und am Ende darf ich es großzügigerweise aus unserem Lehrmitteletat bezahlen, wenn ich woanders spare.

    Da hast du schon recht. Angesichts der knappen Finanzlage ist es aber trotzdem richtig, dass man sie absolut notwenigen Maßnahmen priorisiert.

    Die Frage ist, ob und wie priorisiert wird. Ich habe das Gefühl, dass es da erstmal danach geht, wie gut sich die Eltern durchsetzen und als zweites nach Förderschwerpunkt. Ich habe es inzwischen so oft erlebt, dass plötzlich für Dinge, die vielleicht einen kleinen Vorteil bieten, viel Geld ausgegeben und an Stelle wo es brennt, wie gespart. Wir wollten für 500 € Software für den DaZ Unterricht kaufen. Das war nicht drin. Unser GE-Kind hat aber gegen unsere Empfehlung ein Gerät zum Lernen bekommen für rund 10.000 €. Es wurde zweimal ausprobiert und steht nun in der Ecke. Ist so eine Art Computer mit Zusatzausstattung.

  • Dazu haben die Eltern in der Regel auch jahrelange Erfahrungen mit Ämtern etc..

    Das haben Eltern neurodivergenten Kindern genauso. Unser Kind hat nicht mal einen festgestellten Förderbedarf, trotzdem haben wir schon sehr sehr viel Kontakt zu Ämtern, Ärzten und Therapeuten gehabt.

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