Beiträge von Tom123

    Gut, dann stellst du dir jetzt 20 harte Halbjahre vor ...


    Wenn alles immer so locker-flockig wäre, wie es bei dir klingt, dann wären Klassenfahrten vielleicht gar kein so großes Problem,

    aber es soll ja Schulen geben, da fehlen Lehrkräfte, Schulleitungen etc.

    ...

    Ja, aber grundsätzlich sollten Schulen in Niedersachsen auch zu mindestens annähernd gleich ausgestattet sein. Wir haben seit Jahren an den Grundschulen eine Unterrichtsversorgung um die 100% gehabt. Und das PMs Unterricht erteilen war vor Corona schlicht und einfach verboten. Das kann man natürlich von außen nicht beurteilen aber letztlich liegt es dann auch an Schulleitung und Referenten das zu lösen. Aber das ist bei einer durchschnittlichen Unterrichtsversorgung von 100% sicherlich nicht der Regelfall. Und wenn an einer Schule Probleme sind, ist es doch klar, dass dann Sachen nicht gehen.


    Selbst wenn es eine Dienstpflicht ist, muss es auch da Ausnahmen geben, wenn die Person nicht belastbar ist und die Verantwortung einer Klassenfahrt nicht tragen kann.

    Selbstverständlich. Das macht man doch sowieso. Kollegen, die keine Aufsichten machen müssen oder bestimmte Vorrechte beim Stundenplan bekommen. Kollegen mit Beeinträchtigungen. Aber um die geht es ja auch nicht.

    Die Schule hat sich hier ein Problem gebacken, indem sie ein Fahrtenkonzept beschlossen hat, dessen Umsetzung sie nicht sicher stellen kann. Ist denken bei euch auch freiwillig?

    Du musst echt mal lesen, was man schreibt. Aber ich versuche es noch mal.


    Das Land sagt, dass die Teilnahme für Lehrer und Schüler freiwillig ist.

    Das Land sagt aber auch, dass Klassenfahrten wichtig sind und die Schulen sie anbieten sollen.


    Daher macht die Schule ein Konzept. Jetzt haben wir mal rechnerisch eine Grundschule mit 8 Klassen und 8 Lehrkräften. Jetzt sagen 7 von 8 Lehrkräften: Mit einer eigenen Klasse möchte ich das gerne machen. Im Schulvorstand sind in der Regel Schulleitung und Eltern sowieso dafür.

    Jetzt will Lehrkraft Nummer 8 aber nicht fahren. Wenn jetzt -nur als Beispiel- die Schule in Klasse 2 und 4 eine Fahrt mit Übernachtung macht, hat man alle 2 Jahre ein Problem. Entweder man lässt die betroffene Klasse zu Hause. Das ist für die Kinder nicht schön und zieht einen ganzen Rattenschwanz an weiteren Problemen hinterher. Oder man muss jemanden finden. Aber meistens ist es ja so, dass man zwar gerne mit der eigenen Klasse fährt aber nicht mit fremden Klassen. Auch nicht gut.

    Jetzt können wir natürlich sagen, wir fahren alle gar nicht. Einmal fänden das 7/8 Lehrern doof. Kann man vielleicht sagen, dass sie ja auch nur mit ihrer eigenen Klassen fahren wollen.


    Aber jetzt kommt vor allem noch das Land hinzu. Das Land sagt nämlich: Klassenfahrten sind ganz wichtig. Und man unterstützt es, dass die Lehrer auf Klassenfahrt fahren. Und man hat auch gerade erst die Rahmenbedingungen noch mehr verbessert. Und das Lehrer nicht fahren wollen, kann man gar nicht verstehen.

    Und spätestens hier fängt mein Problem an.


    Daher entweder sagt das Land, sorry Klassenfahrt sind Besonderheiten und eigentlich nicht vorgesehen und wenn eine Klasse nicht fährt ist das vollkommen ok oder das Land sagt Klassenfahrten sollen sein und es ist Pflicht. Wir hatten die ganze Aktion ja beim Klassenfahrtboykott. Die Lehrkräfte am Gymnasium haben keine Klassenfahrten mehr gemacht, weil sie mehr arbeiten sollten. Darauf hat das Land sich hingestellt und gesagt, dass es das überhaupt nicht versteht und Lehrkräfte hier ihre Wünsche auf den Rücken der Kinder durchdrücken.

    Ja, man kann sich das auch schön reden.

    Wie nimmst du denn deine Plus-Stunde, wenn die Vertretungskräfte (PM) alle im Pflichtunterricht stecken?

    Ich glaube tatsächlich, dass ihr eine sehr besondere Situation habt. Was macht ihr denn sonst mit euren Überstunden? Wenn jemand zum Beispiel mal Vertretungsunterricht gibt? Wir machen das genau so wie das Land es vorsieht. Wenn jemand Überstunden aufbaut, feiert er sie i.R. sofort oder im nächsten Halbjahr wieder ab.


    Wieso erteilen bei euch PMs Pflichtunterricht? Das ist doch eigentlich verboten oder gibt es da irgendwelche Corona-Sonderregelungen. Auch im Rahmen des Vertretungskonzeptes werden Sie zur Beaufsichtigung eingesetzt. Die Vorbereitung macht eine Lehrkraft. Hier findet man zum Beispiel etwas:

    https://www.mk.niedersachsen.d…Anregungen_und_Hilfen.pdf


    Soweit ich weiß, gibt es dieses Jahr auch die Möglichkeit Stunden aus dem Ganztag zu nehmen und nur eine Notbetreuung anzubieten, wenn ihr die Stunden nicht habt.


    Wir hatten auch schon mal ein hartes Halbjahr als eine Vollzeitkraft plötzlich komplett ausfiel. Nach 3 Monaten gab es dann eine Feuerwehrlehrkraft. Aber als Dauerzustand habe ich das in unserer Gegend noch nicht gehört. Was ist natürlich gibt, ist das DaZ oder andere Förderunterricht ausfällt oder gekürzt wird. Gerade bei den Sonderpädagogen gibt es immer mal wieder einen Mangel.

    Aber ansonsten hast du dich so geäußert als würden TZ-Lehrerinnen mit Kindern grundsätzlich die Kinder "vorschieben", nur um irgendwo nicht mitzumachen und das finde ich ziemlich daneben, v. a. wenn du scheinbar keine Ahnung hast, wie sehr man sich zwischen Job und Kindern manchmal zerreißt, insbesondere wenn Nachmittagsunterricht, außerschulische Termine usw. anstehen, was organisatorisch nicht immer einfach ist. Das ist kein "Vorschieben".

    Nein, ich habe gesagt, dass wenn das Land möchte, dass wir auf Klassenfahrt fahren, das Land es auch als Dienstpflicht machen soll. Entweder keine Klassenfahrten bzw. Klassenfahrten als Besonderheit oder aber sicher stellen, dass genug Personal zur Verfügung stehen. Das momentane Modell ist in der Praxis keineswegs so gut, wie es von außen aussieht, weil du ein Problem bekommst, wenn Leute nicht fahren wollen.


    Nebenbei: Ich habe auch mehrfach geschrieben, dass Teilzeitkräfte so etwas auch nur anteilig machen sollten. Aber wenn ich an einer Ganztagsschule arbeite, kann ich nicht die Erwartungen haben, dass ich nur vormittags eingesetzt werde.

    Doch, das geht total gut. Es fahren die, die wollen. Die anderen nicht. Und alle sind zufrieden. ...

    Ich verstehe dein Problem nicht. Die in Niedersachsen geltende Regelung ist aus Lehrerinnen-Sicht die beste. Was wären denn die Alternativen? Keine fährt? Oder alle müssen (potenziell) fahren. So oder so. Für einen Teil der Lehrerinnen verschlechtert sich etwas.

    Darf ich fragen, woher Du die Erkenntnis hast, dass es total gut läuft? Bei euch ist es doch eine Pflicht und du bist an einer Berufsschule. Woher weißt du denn, dass es in Niedersachsen gut läuft?


    Das Problem habe ich ja schon dargestellt. Für die Schulen gibt es / sollte es geben ein Konzept für Schulfahrten. Beispielsweise findet in der 5. eine Kennenlernfahrt statt. Wenn Kollegin nicht mitfahren wollen, ist das für die Schule ein Problem. Entweder man lässt die Klasse zu Hause oder jemand muss einspringen. Leider gibt es nur sehr wenige Kollegen, die juhu rufen. Einfaches Beispiel von uns. Im letzten Jahr ist ein Jahrgang gefahren. Die Klassenlehrkräfte natürlich auch. 2 Lehrkräfte sind aber für 2 Klassen zu wenig. Eine dritte Lehrkraft war aber nicht zu finden. Am Ende ist wieder die Person mitgefahren, die es halt dann notgedrungen immer macht. Das ist auch nicht Sinn der Sache. Alternative wäre gewesen Klasse und Klassenlehrer zu Hause lassen. Ist auch keine tolle Lösung.


    Deswegen, wie ich ich bereits schrieb, entweder Klassenfahrten finde grundsätzlich nicht statt und sind dann nur ein Bonus oder Dienstpflicht.

    Dass das Land unheimlich viel dafür tun würde, kann ich gar nicht sehen, wenn ich 4 24Stunden-Schichten am Stück mache und keinen Ausgleich bekomme, wenn ich alle Stolpersteine selbst aus dem Weg räumen muss und am Ende doch zur Verantwortung gezogen werde, weil klar war, dass die Aufsichtssituation nicht einfach ist etc.

    Das Land kümmert sich nicht vorher und nicht hinterher um seine Lehrkräfte.

    Das Problem ist richtig aber es ist auch in allen Bereichen so. Ich hätte auch gerne deutlich mehr Personal in jeder Klasse. Grundsätzlich hat das Land aber die Situation durchaus verbessert. Die Kosten müssen übernommen werden. Der Verzicht ist nicht mehr so wie früher möglich. Die Erstattungssätze wurden angehoben (Ich bekomme eigentlich jedes Jahr mehr Geld wieder als ich bezahlt habe). Aufhebung der Deckelung der Entlastungsstunden.

    https://www.mk.niedersachsen.d…iedersachsen--138305.html


    Wie gesagt, ich verstehe es, wenn man sagt man fährt grundsätzlich nicht. Aber das ist ja nicht der Fall. Man sagt, dass man fahren soll und nur mit Freiwilligen. Und das geht halt nicht.

    Hast du Kinder?


    Das kommt jetzt schon zum 2. Mal, dass du diesen allg. Vorwurf des "Vorschiebens" (kleine Kinder zu haben und daher dies und das nicht zu können). Ich finde das ziemlich anmaßend.

    Habt ihr keine Kollegen, die sich gerne mal drücken? Dann herzlichen Glückwunsch. Grundsätzlich erwarte ich von jemanden der Vollzeit arbeitet und Vollzeit bezahlt wird auch dass er die gleiche Arbeit leistet wie jeder andere. Wir haben eine alleinerziehende Kollegin mit einem Kind im Grundschulalter. Sie macht alles normal mit. Sie kommt zum Aufräumen, ist bei jeder DV, kommt zum Elternsprechtag. Da hätte ich volles Verständnis, wenn sie mal nicht kommen würde.


    Wir hatten mal eine Kollegin mit einem Kind im SEK 1-Bereich (Klasse 7 -10). Diese Kollegin wollte nachmittags nicht arbeiten, damit ihr Kind nicht so viel alleine ist. Sie ist gegangen als ihr Kind in die 10. gekommen ist. Ihre Einstellung war von 7-10 gleich.

    Wir hatten einmal Kollegin, die nicht auf Klassenfahrt gefahren ist, weil ihr Oberstufenkind 12. Klasse !!!! dann eine Woche mit dem Vater alleine wäre.

    Es gibt Kollegen, die grundsätzlich bei jeder DV etc. ihre pflegebedürftigen Eltern zum Arzt begleiten müssen. Oder grundsätzlich ihre Facharzttermine auf den Vormittag legen. Das kann alles passieren, aber irgendwann fällt es auf.

    Ich war mal an eine Schulung abgeordnet. Da ist diese Kollegin nach ihrer eigenen Zeugniskonferenz, die man extra als erstes gemacht hat, nach Hause gegangen, um "mit ihrer Mutter noch einkaufen zu fahren". Der SL hat später mal erklärt, er wüsste dass das alles nicht geht. Aber wenn er Druck macht, fällt sie erstmal für ein paar Wochen aus...


    Wie gesagt, es gibt immer mal Fälle, wo es einfach doof läuft und wo man die Kollegen auffangen und unterstützen sollte. Aber je mehr Kollegen, sich alles rausnehmen wollen, desto mehr schaden sie denjenigen, die wirkliche Probleme haben.


    Und wenn ich ein Grundschulkind zu Hause habe und Vollzeit arbeite, muss ich mir halt auch einfach Gedanken um eine Betreuung machen. Oder halt keine Klassenlehrerschaft übernehmen und nur Teilzeit arbeiten.

    Genug Stunden hieße genug Personal, dass nach 8 Stunden Klassenfahrtschicht jemand anderes übernähme und ich dann in mein amtsangemessenes Hotelzimmer ginge, nachdem ich meine amtsangemessene Mahlzeit eingenommen habe? Ja, so sollte das laufen.


    Dann sehe ich aber immer noch nicht, dass der Nutzen den Aufwand rechtfertigt.

    Bei euch ist es doch sogar eine Dienstpflicht?

    Das mit dem amtsangemessen ist natürlich immer eine Frage. Mal so als Vergleich. Ärzte, Feuerwehrleute, etc. haben auch Bereitschaftsdienste und bekommen dann kein angemessenes Hotelzimmer etc. gestellt.. Unsere Berufsfeuerwehren kochen in der Regel selber. Was machen andere pädagogische Berufe? Sozialpädagogen, die Jugendfreizeiten begleiten? Sind die dann nebenan im Hotel untergebracht.

    Man könnte ja mal behaupten, dass Klassenfahrten zum Job des Lehrer dazugehören. Nun muss man fragen, ob man es dir zumuten kann alle paar Jahre für eine Woche in eine Jugendherberge zu gehen.

    Nebenbei gibt es übrigens auch genug Jugendherberge mit Leiterzimmern, die es durchaus mit Hotels aufnehmen können.

    Der Erlass regelt, dass z.B. in Klasse 3+4 bis zu fünf Tage mit Übernachtung in Anspruch genommen werden KÖNNEN.

    Das regelt das Maximum.

    ...

    Du verstehst mein Argument nicht. Normalerweise sollte es an den meisten Schulen ein Fahrtkonzept geben. Das regelt wann man fährt und ggf. wie lange und wohin. Zum mindestens an den weiterführenden Schulen ist das normal. Z.B. Kennenlernfahrt im 5. Jahrgang. Klassenfahrt in 8. innerhalb Deutschland. Abschlussfahrt in der 10. Klasse.

    Auch Grundschulen haben das teilweise. Meine erste Praktikumsschule hatte sogar eine Beteiligung an einem Schullandheim, wo man 2 mal hingefahren ist. Wir haben auch die Absprache, dass man immer Anfang Klasse 4 fährt.


    Natürlich ist es dann immer noch freiwillig. Aber das ist doch gerade das Problem. Hast du damals nicht mitbekommen, was für Ärger gab als die Gymnasien alle Fahrten wegen der Mehrarbeit abgesagt haben? Sowohl Eltern als aber auch das KM haben das groß kritisiert. Und genau das kann es doch nicht sein. Möglichkeit 1 ist, dass wir sagen in Niedersachsen finden grundsätzlich keine Klassenfahrt statt. Es gibt Ausnahmen aber normal ist es nicht vorgesehen. Das ist aber nicht vorgesehen. Es wird vom Land ganz offiziell gesagt, wie wichtig Klassenfahrten und andere Fahrten mit Übernachtung sind, das man ja ganz viel tut, um das zu unterstützen usw.. Richtig ist, dass es natürlich keine Vorgabe gibt, dass du in Klasse XY so und so viele Tage fährst. Richtig ist aber auch, dass eine Fahrtenkonzept haben muss. Für deine Schule müsste da also drin stehen: Wir fahren grundsätzlich nicht auf Klassenfahrten. Finde ich sogar ok. Aber der Regelfall ist doch, dass man in bestimmten Jahrgängen fährt. Und dann ist es ein Problem, wenn man sagt, ob die Lehrkräfte mitkommen muss jeder selber entscheiden. Weil dann machst du ein Angebot, ohne dass du sicher bist dass du das Personal hast. Und das endet damit, dass manche Mehrarbeit leisten für andere, die zu Hause bleiben. Es ist doch utopisch zu sagen, dass Klasse 5c sich nicht an der Kennenlernfahrt beteiligt, weil die Lehrerin nicht mitfahren möchte.

    Also entweder konsequent sagen, wir fahren nicht. Oder sagen wir fahren und jeder KL, der keine echten besonderen Gründe hat, muss mit.

    Stimmt.

    Aber weil Klassenfahrten dann doch nicht so wichtig sind, ist es nur ein Wunsch, den man ablehnen kann, u.a. mit der Begründung, dass man diesen Wunsch zwar erfüllen möchte, aber nicht kann, weil die individuelle Arbeitszeit und Belastung es nicht ermöglichen und die Unterrichtsversorgung innerhalb der Schule seit Jahren so klamm ist, dass man keine weiteren Ausfälle für die eine Woche wie auch im Anschluss tragen kann.


    Anders sieht es eigentlich bei DaZ, Förder etc. aus, das ist nämlich per Erlass geregelt.

    Dennoch ist es offenbar nicht wichtig genug dafür, dass man entsprechende Stunden in der Unterrichtsversorgung zur Verfügung stellt und auch für entsprechende Vertretungsstunden sorgt.

    Und der Erlass Schulfahren regelt was genau?

    Und wenn jetzt der Schulvorstand eines Gymnasiums beschließt, dass in der 5. Klasse eine Kennenlernfahrt stattfindet. Das ist z.B. bei unseren Gymnasium und wahrscheinlich bei vielen anderen auch der Fall. Jetzt sagen 4 Klassenlehrkräfte ok und Nummer 5 nee, kein Bock. Dann sagst du den Eltern der 5. Klasse, dass das eher so ein Wunsch ist? In der Praxis wird irgendeine andere Lehrkraft überredet, weil man ja schlecht eine Klasse zu Hause lassen kann.

    Bei uns an den Grundschulen ist es übrigens auch so. Bei euch müsste dann der Schulvorstand beschließen, dass aufgrund eurer Situation keine Schulfahren stattfinden. Aber das ist natürlich fast nirgendswo der Fall...

    Man hat ja auch keinen DaZ, Förderunterricht, Sportförder, Stunden für Inklusion etc., weil sie Jahr für Jahr zu Vertretungszwecken gestrichen werden, um den Pflichtunterricht besetzen zu können.

    Wenn man nicht genug Personal hat, müssen Klassen zu Hause bleiben.


    Fahren also 2 Lehrkräfte auf Klassenfahrt, bleibt mindestens eine andere Klasse zeitgleich zu Hause, damit für den Rest der Unterricht bzw. die Betreuung gewährleistet werden kann?

    Dann habt ihr aber auch eine besondere Situation. Momentan ist bei uns auch eng. Aber die Jahre vorher hatten die Schulen bei uns im Landkreis immer eine gute Versorgung.

    Warum sind diese Aufgaben nicht in der Arbeitszeit generell mit eingebunden, sodass es dann zu keinem Ungleichgewicht kommen kann? Wie wäre es, wenn ein angemessener Ausgleich für die Klassenfahrt gewährt würde? 4 oder 5 Tage 24 Stunden statt 8 Stunden Dienst - im Anschluss 2 Wochen frei, und zwar ohne Vertretungsmaterial hinlegen zu müssen, Bereitschaft zu haben, für Absprachen oder Konferenzen zur Verfügung zu stehen.

    Wie kommst du denn darauf, dass solche Aufgaben nicht mit eingebunden sind? Theoretisch ist die Arbeitszeit so berechnet, dass alle Aufgaben mit eingerechnet sind. Also z.B. dass du alle 3 Jahre mal auf Klassenfahrt fährst. Durch diese ganze Berechnung ergibt sich deine Stundenzahl als Vollzeitlehrkraft. Natürlich haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer dazu unterschiedliche Auffassungen. Es gab doch bei uns die große Arbeitszeitstudie der GEW. Da wurden auch Klassenfahrten berücksichtig. Momentan verhandelt man darüber, welche Entlastungsmaßnahmen man macht. Mehr Stunden für Schulleiter oder die 4 Covid-Entlastungsstunden kommen daher. Natürlich muss da noch viel mehr machen. Wobei laut GEW-Studie, die normalen Grundschullehrkräfte noch relativ gut dastehen.


    Bei allen anderen Sachen ist natürlich auch so. Aber da ist es klar, dass es eine Dienstpflicht ist. Trotzdem haben wir auch Lehrkräfte, die keine Aufsicht machen können, keinen Ganztag oder für gemeinsame Aktionen sowieso keine Zeit haben. Auch nicht antteilig. Und wenn ich Vollzeit arbeite, muss ich mir auch mal einen Nachmittag einplanen um beispielsweise die Sammlungen meiner Fächer aufzuräumen. Aber dann kommt "Ich habe ja kleine Kinder / pflegebedürftige Eltern / eigene Krankheit." Das schlimme ist ja, dass das alles auch gute Gründe sein können. Aber viele schieben es vor und machen das Leben für die, die wirkliche Probleme haben schwerer.


    Aber zurück zur Klassenfahrt: Ich sage nicht, dass wir genug Stunden bekommen. Meine Kritik ist, dass das Land ganz offiziell sagt, dass wir als Schule auf Klassenfahrt fahren sollen aber auf der andere Seite es für die Lehrkräfte freiwillig macht. Entweder müsste das Land sagen: Sorry, für Klassenfahrten haben wir nicht die benötigen Mittel oder es als Dienstpflicht machen. Momentan haben wir eine sehr unfaire Verteilung. Einige Kollegen fahren, weil sie es als ihre Pflicht ansehen. Andere sagen einfach, mach ich nicht. Entsprechend fahren andere mehr. Kollegen, die das gerne machen, haben wir nur wenige. Die meisten machen es, weil sie finden, dass es zu unserem Job dazu gehört.

    Vielleicht solltest du einmal vernünftige Leute kennenlernen. :rotfl:

    Du meinst die erwachten Menschen? Die trifft man leider heutzutage viel zu oft. Mein Favorit sind immer die Menschen, die meinen das ihr Kind durch einen Test eine seelische Behinderung bekommt. Oder auch die, die sich weigern im Schulgebäude die Maske aufzusetzen, weil sie ja gesund sind. Mit denen kann man viele tolle Diskussionen führen. Die haben alle ungefähr das gleiche Niveau.


    Mal im ernst, wie machst du es eigentlich in der Schule? Was machst du wenn du auf solche Eltern triffst? Sagst du dann: Sie haben Recht? Ich kann mir schon vorstellen, dass für Lehrer die eher den Maßnahmengegnern nahe stehen echt schwer sein muss.

    Fahren also 2 Lehrkräfte auf Klassenfahrt, bleibt mindestens eine andere Klasse zeitgleich zu Hause, damit für den Rest der Unterricht bzw. die Betreuung gewährleistet werden kann?

    Das ist aber ein großer Unterschied:

    Deine Aussage ist: Wir können in der konkreten Situation keine Klassenfahrten anbieten, weil wir (aktuell) nicht genug Stunden haben. Das verstehe ich und sehe ich genauso.


    Meine Aussage ist: Wenn wir grundsätzlich Klassenfahrten anbieten sollen, müssen wir das als Pflicht machen, damit es fair auf alle verteilt wird.


    Da geht es um zwei verschiedene Sachen.


    Wenn ihr genug Stunden und genug Reisekostenbudget hättet, würdet ihr dann auf Klassenfahrt gehen? Wie würdet ihr dann damit umgehen, wenn 90% sagen ok, aber nicht jedes Jahr und 10% sagen wir fahren gar nicht. Fahren dann nur bestimmte Klassen und wer Pech hat, bleibt halt zu Hause? Ist dann sinnvoll, dass manche jedes Jahr fahren müssen und andere gar nicht fahren? Das Problem gibt es doch genauso bei ganz vielen schulischen Aufgaben. Manche drücken sich, andere müssen mehr machen. Und selbstverständlich ist es vollkommen ok, dass Teilzeitkräfte nur entsprechend anteilig mitmachen.

    Bei deiner Bewertung solltest du, Tom123 , im Blick behalten, dass du von 5 Betreuungspersonen für 2 Klassen ausgehst, von jungen BuFdis, die Aufgaben übernehmen, und offenbar nicht davon, dass man sich über Jahre mit Unterversorgung irgendwie über Wasser hält. Auch die schlechte Unterrichtsversorgung ist ein Grund, weshalb Klassenfahrten unmöglich erscheinen. Wenn ich den Unterricht so schon nicht besetzen kann, ist keine zweite Lehrkraft zu entbehren - mit den neuen PM-Verträgen dann auch nicht mehr zu vertreten.

    Das sind ja alles Probleme, die wir auch haben. Aber das eine hat aus meiner Sicht nichts mit den anderen zu tun. Wenn wir jetzt sagen, wir machen wieder einen Klassenfahrtstreik, weil wir nicht genug Lehrerstunden haben, bin ich sofort dabei. Oder wir machen keine freiwilligen Aufgaben mehr bis das Deput angemessen gesenkt wird. Aber leider sind die meisten unserer Kollegen dazu leider nur sehr begrenz bereit.


    Aber das eine ist das Problem der Unterversorgung / Arbeitsbelastung. Da bin ich voll bei dir.


    Das andere ist das Problem, dass das Land etwas wünscht aber es auf Freiwillige abschiebt. Das kann nicht sein. Machen wir ja bei anderen Aufgaben auch nicht so. Klassenlehrerschaften wären das gleiche Problem. Was wäre, wenn das Land sagt, dass man in Zukunft nur noch Freiwillige für die Klassenlehrerschaften nehmen soll? Das hinkt natürlich etwas, weil man ohne Klassenfahrten auskommt, aber man braucht auch keinen DaZ, Förderunterricht, Sportförder, Einschulungsfeiern, ...

    Ich hoffe, dass damit klarer ist, was mein Problem damit ist.

    Habe dazu in letzter Zeit einige Artikel in der Presse mit Berichten von Ärzten gelesen. Und höre es aktuell auch aus dem Umfeld. Es gab auch vor längerer Zeit schon Berichte von Medizinern die genau das befürchtet hatten.

    Die Diskussion gab es letztens auch bei Facebook. Da hatte aber wohl noch keiner belastbare Daten dazu. Damals hieß es nur, dass das befürchtet wird, dass es so sein kann. Aber halt keiner wüsste, ob es wirklich so ist. Das kann auch schnell zu selbst erfüllenden Prophezeiung werden, wenn nun jeden Infekt auf den Lockdown schiebt. Wie groß das Problem am Ende wirklich ist, wird man wahrscheinlich frühestens in einem halben Jahr sagen können. Vielleicht hat der Lockdown auch nur geringe Auswirkungen...

    Die Schulleitung sieht die Mehrarbeit, nicht nur bei Schulfahrten, und ihr ist daran gelegen, dass die KollegInnen längere Zeit im Unterricht stehen und nicht kurzfristig ausbrennen.

    Da ist sicherlich etwas wahres dran. Andererseits sind wir auch Pädagogen und wollen etwas erreichen. Letztlich sollte ich auch meine Unterricht möglichst so gestalten, dass er für mich wenig Arbeit macht, damit ich meine Arbeitszeit nicht überschreite. Trotzdem machen die meisten gerne noch zwischendurch mal etwas Besonderes. Nach deiner Schulleitung wäre das ja auch nicht erwünscht...

    Was habt ihr für Kinder? Für unsere gilt das vielleicht ab Nacht drei.


    Ich glaube tatsächlich, dass das Erziehungssache bzw. Einstellungssache ist. Ich fahre seit Jahren auch im Sportverein mit. Wir reden vorher mit Eltern und Kindern darüber, dass auch die Lehrkräfte einen langen Tag haben und nicht mehr nachts hinterherrennen können, dass alle schlafen. Wir sagen auch von Anfang an, dass wir dabei konsequent sind und ggf. jemand nach Hause fährt. Um 21:00 Uhr oder so gehen alle duschen und danach ist Ruhe. Natürlich achten wir auch darauf, dass sie sich vorher auspowern können. Sport oder entsprechende Spiele. Wenn nach 22:00 Uhr wirklich noch Action auf den Zimmern ist, dann hat das ernste Konsequenzen. Wir hatten mal eine Fahrt, wo ein Zimmer bis 23:30 Uhr am ersten Abend Stress gemacht hat. Da haben wir am nächsten gemeinsam mit den Kindern die Eltern angerufen und ausgemacht, dass die Eltern sie am Abend noch abholen müssen, wenn es wieder so ist. Wenn man das von Anfang an so kommuniziert, ist das kein Problem. Wir fahren zu unseren Bedingungen und wem das nicht passt, der kann zu Hause bleiben.

    Heimweh haben wir auch mal, aber selten. Das ist natürlich etwas ganz anderes. Aber da gibt es auch genug Möglichkeiten.

    Wo steht das denn?


    Zum Beispiel: http://www.schure.de/304/82021.htm


    Es gab auch 2014 mal einen Klassenfahrtboykott der Gymnasien, weil die Lehrer eine Stunde mehr arbeiten konnten. Das Mk hat sich da auch sehr eindeutig geäußert.


    Wie gesagt, wenn man das nicht will, kann man ja einfach sagen: Niedersachsen bietet keine Klassenfahrten an. Aber zu sagen, wir wollen dass die Lehrer auf Klassenfahrten aber wir machen das freiwillig ist murks. Sage mal einer Abschlussklasse, dass sie nicht fahren, weil es dir zu stressig ist. Das ist doch auch scheiße für die Schüler. Die einen haben Glück, die anderen haben Pech? Sorry, aber so etwas muss feststehen. Entweder wir fahren und es ist Pflicht oder wir fahren grundsätzlich nicht. Aber auf der einen Seite propagiert das MK, dass Schulfahren dazu gehören auf der anderen Seite hat man Angst es verbindlich zu erklären.

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