Massives Mobbing im Referendariat

  • Zunächst möchte ich mich vorstellen, auch wenn mein Anlass sicher kein schöner ist, aber es lässt mich nicht zur Ruhe kommen. Heute ist auch wieder so eine Nacht, in der ich absolut keinen Schlaf finde, obwohl ich mit den Nerven runter bin. Ich befinde mich im Vorbereitungsdienst und habe einen kleinen 5 jährigen Sohn. Seit August 25 bin ich im Ref. Mittlerweile ist das erste Jahr fast um. Leider ist es aktuell mein schlimmster Alptraum. Anfangs habe ich mich an der Schule sehr wohl gefühlt, bis meine fachbegleitende Lehrerin erkrankt und ausgefallen ist. Ob sie wiederkommt, ist noch ungewiss. Ab da gingen die Probleme los, denn ich bekam eine neue Kollegin an die Seite gestellt, die es von Anfang an sehr genau verstand, mich fertig zu machen. Leider ist sie sehr dick mit unserer Schulleitung und es wird jede Möglichkeit genutzt um mich zu schikanieren

    Ich muss dazu sagen, dass ich alleinerziehend bin. Leider ist mein Kind nicht mit der besten Gesundheit gesegnet, weshalb ich allein in diesem Jahr bereits 5 Wochen im Krankenstand war. Ich selbst bin auch nicht die Fitteste und wenn er wieder gesund war, fing mein Rheuma an oder ich riss mir jeden verdammten Infekt auf (Mal den Norovirus, mal die Influenza oder eine Lungenentzündung). Mittlerweile werde ich, wenn ich im Krankenstand bin, systematisch schikaniert.

    Beispiel: Gestern musste ich mich krankmelden, weil ich eine Bronchitis habe und mein kleiner ebenfalls flach liegt . Ich hatte der Planung mitgeteilt, dass ich den SuS Aufgaben einstelle. Das tat ich gleich am Morgen und schickte meiner fachbegleitenden Lehrerin schon am Vortag alle Vorbereitungen.

    Am Tag meiner Krankmeldung schreibt mich die Schulleitung sehr unfreundlich an, wann ich denn vorhabe meine Aufgaben einzustellen. Ich habe dann sehr sachlich zurückgeschrieben, dass ich bereits alles verteilt und versandt habe. Es kam keine Entschuldigung. Es hieß nur okay, dann hat sich das erledigt, dann laden Sie auch noch Aufgaben für den Rest der Woche hoch. Ich frage mich, wozu ich im Krankenstand bin, wenn ich dann trotzdem mit Fieber arbeite.

    Heute Abend kam dann die nächste Mail meiner fachbegleitenden Lehrerin mit einer Lesebestätigung. Sie würde mein Material nicht nutzen und ihre eigenen Ansätze behandeln. Die Inhalte (die sie mir aber zuvor benannt hat) wären für die SuS nicht wichtig. Letzte Woche hat sie mir dann im Beisein der SuS vorgeworfen, dass ich im Lehrplan hinterher hänge und lautstark vor den SuS meine Unterrichtsmethoden hinterfragt. Das war für mich ein Zeichen, dass ich da die Reißleine ziehen muss.

    Heute gegen Abend erreichte mich dann kurz darauf die nächste Mail. Sie ist nächste Woche auf Exkursion und sie verlangt zeitnahe den Stoffverteilungsplan. Ich hatte schon überlegt, ob ich eine Nachricht schicke, in der ich noch einmal ausführe, dass ich im Krankenstand bin und mich nicht regenieren kann, wenn ich permanent belagert werde, habe es dann aber des Frieden Willens verworfen. Es ist aber nicht nur meine fachbegleitende Lehrerin.

    Auch die Schulleitung nutzt jede Kleinigkeit mich zu schikanieren.

    Mal habe ich angeblich Vertretungsstunden nicht gesehen, die nie im Plan standen, mal höre ich wie sie mit der Fachbegleitung über mich tuschelt oder ich werde für Dinge, die ich nicht zu verschulden habe ermahnt. Seitdem hat sich auch mein Verhältnis zu den anderen Kollegen aus dem Fachbereich verschlechtert. Man ist sehr distanziert und meidet mich. Nicht alle, aber die, die bei der Schulleitung glänzen wollen. Ich werde systematisch von Kollegiumsfahrten und Veranstaltungen fern gehalten.

    Das Seminar hat mir nicht geholfen. Gespräche haben eher alles verschlechtert und ich habe das Gefühl, dass ich seitdem noch eher Spießruten laufe. Es sind mittlerweile viele Sachen vorgefallen. Gerüchte werden über mich verbreitet und ich bekomme keine gut gemeinte Kritik. Stattdessen versucht mir meine fachbegleitende Lehrerin stets eins reinzuwürgen. Meine Klassen wechseln ständig und ich bekomme meistens die schlimmsten, die niemand haben will.

    Meine fachbegleitende Lehrerin sitzt dauerhaft und jede Stunde hinten bei mir im Unterricht, obwohl es laut Fachleiter gar keinen Grund gibt. Sie findet aber hundert Gründe. Mal bin ich Schuld, dass SuS zu wenig Noten haben (ich hatte die Klasse seit 3 Wochen!), mal bin ich zu inkonsequent, weil es zu laut ist, mal zu langsam im Stoff. Sie findet immer etwas und es ist nicht so formuliert, als ob sie wirklich Interesse hat, dass ich weiterkomme.

    Bei meiner vorherigen Mentorin hatte ich konstruktive Kritik auf Augenhöhe. Man hat wirklich gemerkt, dass sie wollte, dass ich es schaffe und hat sich sehr bemüht. Hier habe ich (tut mir leid für die Wortwahl) das Gefühl eine krankhafte Narzisstin vor mir zu haben. Es fallen übergriffige Sätze wie „Wollen Sie für Ihren Sohn nicht mal ein Kindermädchen organisieren? „

    Oder: „Das Pensum mussten wir früher auch und sogar mit mehreren Kindern schaffen. Haben Sie keine Oma für das Kind?“ Leider vergisst sie, dass es bei ihrem früher keine permanente Erreichbarkeit gab und sie eine gut funktionierende Familie hatte. Ich ärgere mich manchmal selbst, dass ich nicht schlagfertig reagiere, weil mir regelrecht die Sprache wegbleibt.

    Ich bin vor der Frau mehrfach von netten Kollegen gewarnt worden und hatte noch gedacht, dass es gar nicht so schlimm werden kann. Ich muss sagen, dass ich mich getäuscht habe. Sie ist nun die einzige Lehrkraft in diesem Bereich und ein Kollege warnte mich, dass sie versuchen wird mich wegzubeißen, weil sie nicht will, dass ihr jemand die Stunden streitig macht.

    Ich habe im Seminar mehrmals gefragt, ob ich wechseln kann. Statt mich zu unterstützen wurde gesagt, dass ich ja nur noch ein Jahr durchzuhalten hätte. Wenn das so weiter geht, dann wird das mit dem Jahr nichts, weil ich vorher so psychisch von der Rolle bin, dass ich bis dahin abbreche.

    Ich bin mittlerweile den zweiten Tag krankgeschrieben und seitdem terrorisieren mich die Frau und die Schulleitung mit Mails. Mal soll ich allen Kollegen Aufgaben schicken, mal einen neuen Stoffverteilungsplan, den ich permanent aktualisieren soll. Wenn ich der fachbegleitenden Lehrerin dann etwas schicke, signalisiert sie mir, dass sie es nicht verwendet.

    Ich habe den Stoffverteilungsplan seitdem sie meine fachbegleitende Lehrerin ist bestimmt 5 Mal! aktualisiert und ihr immer wieder schicken müssen. Es ist als wäre sie wie vernarrt in den Plan. Ich bin im Krankenstand und werde ständig belagert. Ich habe von gestern bis heute 9 E-Mails schreiben müssen.

    Mittlerweile fühle ich mich derart unter Druck gesetzt, dass ich regelmäßig Panikattacken bekomme, wenn ich schon lese, dass sie geschrieben hat. Ich überlege sogar schon mich noch eine weitere Woche krankschreiben zu lassen. Vermutlich wird es eh auf Verlängerung hinauslaufen, weil ich durch Kind krank und meine eigenen Infekte sehr oft gefehlt habe, aber die Verlängerung will ich definitiv nicht an dieser Schule machen.

    Ich hatte bereits mit dem Personalrat gesprochen, der aber den Kopf einzieht und Angst vor der SL hat.

    Meine Frage: Könnte man auch direkt zum Bezirkspersonalrat gehen und den Personalrat an der Schule überspringen? Ich sehe da keine Chance, weil gefühlt alle eng mit der Schulleitung verbunden sind. Ich will einfach nur noch weg von dieser Schule, weiß aber nicht wie. Es ist, als ob man es darauf auslegt, dass ich es nicht schaffe und mich loswerden will.

  • Eine Frage wäre, an welchem Bundesland du bist. Wir hatten in Nds. zu meiner Zeit neben dem Personalrat an der Schule auch eine Ansprechpartner über das Seminar. Wir konnten uns also auch dort Hilfe holen.

    Grundsätzlich ist es natürlich für dich eine blöde Situation. Deine Krankheit hat negative Auswirkungen auf deine Ausbildung. Die negativen Auswirkungen auf deine Ausbildung sind schlecht für deinen Gesundheitszustand. Das Ref. ist eine schwierige Zeit und wenn man viel krank ist, ist das noch schwieriger. Vielleicht macht es Sinn eine Auszeit zu nehmen und dann einen neuen Anlauf zu wagen.

    Ansonsten würde ich dir nur raten den Weg über das Seminar zu nehmen. Ich befürchte, dass Du in der Schule nur schwierig auf einen grünen Zweig kommst. Selbst wenn das Problem ausschließlich bei der betreuenden Lehrkraft liegen würde, hättest Du es schwer wieder auf einen grünen Zweig zu kommen. Ich würde der Schule klar machen, dass ich krankgeschrieben bin und daher momentan nicht dienstfähig bin. Letztlich ist das Tischtuch sowieso zerschnitten und Du giltst als "andauernd krank". Dann hilft es auch nicht mehr viel deine Gesundheit zu gefährden, indem Du während der Krankheit dich dem Stress aussetzt. Krank ist Krank. Aus meiner Sicht muss deine Priorität auf deiner Gesundheit liegen. Du solltest versuchen wieder fit zu werden, um dann volle Kraft für das Ref. zu haben. Ggf. mit einem Neustart an einer anderen Schule.
    Vielleicht kannst Du auch bezogen auf dein Kind Unterstützung bekommen. Das ist am Ende eine begrenzte Zeit. Vielleicht gibt es Paten, Freunde, Verwandte oder einen bezahlen Babysitter, die dich ggf. unterstützen können. Es macht durchaus Sinn in dieser Zeit notfalls Geld für jemanden zu investieren, um dir die Freiräume für deine Ausbildung zu schaffen. Wenn Du zu lange krank bist, könntest Du auch Probleme mit der Verbeamtung bekommen. Daher Priorität wieder fit zu werden.

    Wenn Du uns dein Bundesland nennst, kann vielleicht jemand auch noch spezifischer helfen. Dir erstmal alles Gute und vor allem Gesundheit.

    P.S. Auch wenn es am Seminar keinen Ansprechpartner gibt, ist der Weg zum Bezirkspersonalrat immer möglich. Ebenso kannst Du ggf. auch über die Gewerkschaften Hilfe finden. Wenn Du eine Schwerbehinderung hast, gibt es auch dazu noch extra Ansprechpartner.

  • Hallo Tom,

    ich habe leider keinen Kontakt zu meiner Familie, die ohnehin 400 Kilometer entfernt wohnt. Bundesland im Referendariat ist Brandenburg. Ich wohne aber im Nachbarbundesland, komme ursprünglich aus Hessen. Ich war damals zur Familie meines Ex-Partners gezogen, aber die möchte meinen Sohn nicht mehr sehen seitdem ich mit seinem Vater nicht mehr zusammen bin.

    Genau wie du sehe ich das auch. Ich bin verbrannt an dieser Schule und habe kaum noch eine Chance. Der Weg über das Seminar hat leider gar nichts gebracht, außer noch mehr Ärger. Ich hatte überlegt, ob ich zur Schulbehörde gehe und das über den Bezirkspersonalrat regele, denn es ist augenscheinlich Mobbing. Ich versuche auch immer alles zu dokumentieren. Mittlerweile komme ich kaum noch nach.

    Ich habe mir bereits eine Therapeutin genommen, die ich aus eigener Tasche bezahlt habe, damit mir nichts für die Verbeamtung im Weg steht. Sie sagte ebenfalls, dass dort nichts mehr zu retten ist und nur noch ein Schulwechsel möglich wäre. Sie gab mir auch den Rat nur noch 80 und nicht mehr 100 Prozent zu geben, da man ja eh immer wieder nach Schwachstellen sucht. Leider scheint es schwierig zu sein und gleichzeitig habe ich auch Angst, dass alles noch kompizierter ist. Das nächst liegende Gymnasium ist noch weiter weg, was für meinen kleinen und mich vieles logistisch erschweren würde.

    Lieben Dank für die Genesungswünsche.

    Kann man auch bei der GEW nachfragen, ohne Mitglied zu sein und wie gesagt gleich den Bezirkspersonalrat einschalten? Ich dachte immer, dass man den Weg einhalten muss und zuerst mit dem Personalrat der Schule sprechen muss?
    Und wie ist die Regelung bei Krankheit? Bin ich richtig informiert, dass man im Krankenstand nichts schicken oder weiterleiten muss?

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