Beiträge von Tom123

    Schade, Kris. Wenn es bei euch tatsächlich so schlimm ist, solltet ihr euch zusammentun und euch wehren. Personalvertretungen, Gewerkschaften, Klage. Was meinst du wie schnell die oben reagieren, wenn erstmal davon in der Presse berichtet wird. Aspekte wie Fürsorgepflicht gelten in allen Bundesländern.

    Es ist absolut inakzeptabel, wenn Lehrkräfte aufgrund von übermäßigen Vertretungsunterricht gesundheitlichen Schaden erleiden. Notfalls geht man zum Arzt und lässt sich krankschreiben.

    Das Problem ist ja auch die Größe des Systems. Die klassische Grundschule hat 8 Klassen. Also 10-12 Lehrkräfte. In den älteren Klassen unterrichten 3-4 Lehrkräfte. Wenn dann irgendwo Corona ausbricht, ist gleich ein drittel des Kollegiums weg. Da gibt es nicht mehr viel zu kompensieren. Bei der Tochter einer Kollegin viel mal vor Corona die Schule 3 Tage aus, weil mehrere Lehrkräfte die Grippe hatten. Danach ging es auch erstmal reduziert weiter.

    Das scheint ja bei euch wirklich alles sehr einfach zu sein, wenn ich das so lese... Bei uns darf Präsenzunterricht nicht so einfach gekürzt werden.

    Steht zum Beispiel im Leitfaden Schule in Coronazeiten. Ich kenne allerdings nur den für allgemeinbildende Schulen.

    Die Frage ist, was willst du sonst machen? Lehrkräfte fallen aus, weil zu den vulnerablen Gruppen gehören. Lehrkräfte gehen ggf. in Quarantäne. Die Notbetreuung muss sichergestellt werden. Wenn keine Lehrkräfte da sind, muss Unterricht also ausfallen.

    Was macht ihr denn normalerweise, wenn eine Lehrkräfte morgens ausfällt?

    Mir war zu Beginn der Diskussion wichtig, dass derjenige, der länger ausfällt, es ehrlich mitteilt, damit die Last auf möglichst viele Schultern verteilt wird, damit es evtl. zu einer Vertretung von außen kommt.

    (Bei dir klingt es so, als ob die SL es absichtlich oder gedankenlos macht, um uns zu ärgern. Das ist sicher nicht der Fall, sie möchte zufriedene Kollegen. Unsere hat alles offen kommuniziert, es wurde gemeinsam überlegt.)

    Die wenigsten werden am Anfang ihrer Krankheit wissen, wie lange sie ausfallen. Die wenigsten Ärzte werden dich gleich monatelang krank schreiben. Man kann höchstens durch die Blume mitteilen, dass man wohl länger ausfallen könnte. Das hilft aber gegenüber der Schulbehörde aber auch relativ wenig.

    Ausgangspunkt für mich war deine Aussage, dass du bereits zweimal durch Vertretungsunterricht gesundheitlichen Schaden hattest bzw. kurz vom Zusammenbruch standst. Und das geht überhaupt nicht.

    Auch ist als Begründung nicht ausreichend, dass der Kollege krank ist. In Niedersachsen soll/darf man zum Beispiel nur maximal 40 Überstunden machen.

    In deinen Fall wäre die erste Frage, ob der Unterricht überhaupt stattfinden muss oder ob er (teilweise) ausfallen kann. Beispielsweise nur einstündig statt zweistündig. Ist es eine Abikurs oder nur die 5. Klasse?

    Dann könnten auch Kollegen, die das Fach nicht unterrichten, eingesetzt werden. Beispielsweise könnten diese anderen Unterricht von den Chemielehrkräften übernehmen. Die wenigsten Lehrkräfte werden ja nur ein Fach haben. Oder Sie machen in den betroffenen Klassen ein anderes Fach und der Chemieunterricht wird nachgeholt.

    Sind Abordnungen von anderen Schulen möglich?

    Gibt es Vertretungsreserven?

    Können woanders Stunden eingespart werden?

    Sind Zusammenlegungen der Klassen/Kurse möglich?

    Können Inhalte selbstständig zu Hause eingeübt werden?

    ...

    Am Ende wird aber immer die Aussage stehen, dass niemand seine eigene Gesundheit gefährden muss, um Vertretungsunterricht zu geben. Ich sage nur mal Fürsorgepflicht. Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber in Niedersachsen fällt ständig Unterricht aus, weil Lehrkräfte ausfallen. Wenn das Land das nicht möchte, muss es mehr Lehrkräfte besorgen.

    Ich habe so viel Erfahrung mit Lehrkräftemangel, weil wir in den letzten Jahren immer Ausfälle hatten.

    Es ist Augenwischerei zu meinen, es würde sich einfach regeln lassen. Gerade in NDS gibt es an den Grundschulen ein merkwürdiges Vertretungskonzept, dass von den gesunden Lehrkräften schnell ungezählte Mehrarbeit verlangt, weil Unterricht für die pädagogischen Mitarbeitenden geplant werden muss. Als Mehrarbeit zählt aber immer nur die Arbeit vor der Klasse.

    Sowohl das eine als auch das andere stimmt so nicht. Richtig ist, dass du nach Möglichkeit den Unterricht für die pädagogischen Mitarbeiter planen sollst. Da reicht es aber auch zu sagen, dass sie im Mathebuch arbeiten sollen. Wenn du das zeitlich nicht schaffen kannst, muss die SL Möglichkeiten finden. Entlastung in anderen Bereichen etc.. Grundsätzlich muss die SL solche Mehrarbeiten sowieso berücksichtigen. Sie darf nicht einfach von dir eine zusätzliche unbezahlte Mehrarbeit verlangen. Wenn du sagst, ich brauche pro Woche 1 h um die PMs einzuweisen, dann muss das kompensiert werden.

    Wie bereits geschrieben, wie hatten bei uns jetzt einfach weniger Präsenzunterricht. Die aktuellen Erlasse geben da auch gerade jetzt viele Möglichkeiten. Der Nachmittagsbereich fällt weg, Zusatzstunden fallen weg, dann darf der Präsenzunterricht gekürzt werden. Nur die Notbetreuung soll auf jeden Fall sichergestellt werden.

    Klar. Der Lehrkräftemangel ist hausgemacht und nur entstanden, weil Lehrkräfte alles mit sich machen lassen.

    Das eine hat doch rein gar nichts mit dem anderen zu tun? Natürlich gibt es einen Lehrermangel und da können die Lehrkräfte am wenigsten dafür. Aber deswegen muss ich mich doch nicht opfern, um das zu kompensieren?

    Wenn nicht genug Lehrer da sind, muss das Land sich Gedanken machen und das kompensieren. Statt dessen gibt es immer genug Lehrkräfte besonders an die Grundschulen, die meinen, dass sie die Welt retten müssen. Ist ja auch ok. Aber bitte dann nicht anschließend meckern. Bei uns gab es jetzt mehrere Grundschulen, wo in der Coronazeit Teile des Wechselunterrichts ausfielen, weil nicht genug Lehrkräfte zur Verfügung standen. Und das ist auch richtig so. Es könnten auch Teilzeitlehrkräfte Vollzeit arbeiten. Aber das wollten diese nicht. Oder halt Risiko-Lehrkräfte trotzdem arbeiten. Statt dessen hatte man halt 1-2 Tage weniger Präsenzunterricht pro Klasse.

    Wer sich selbst schützen möchte, darf das durch die Impfung natürlich gerne freiwillig tun.

    Und wer versorgt dann die Kranken, wenn die Krankenhäuser überlastet sind? Und was machst du, wenn das Kind dann am Freitag im Restaurant war und am Montag dann die Klassenkameraden oder der Papa die Arbeitskollegen ansteckt?

    Das Problem ist doch, dass eine solche Sichtweise nicht geht. Wenn jemand Drogen nimmt, Übergewicht hat, raucht oder was auch immer, kannst du so argumentieren. Dadurch wird kein anderer angesteckt. Aber bei Corona gefährdest du nicht nur dich sondern auch alle anderen, die Kontakt zu dir haben müssen. Du gehst ins Restaurant, ist dann positiv und deine Schüler werden ebenfalls krank oder müssen zu mindestens in Quarantäne.

    Also ich möchte dir da nicht zu nahe treten. Aber bei uns ist oft das Problem, dass die Lehrkräfte auf der einen Seite meckern aber auf der anderen Seite alles mit sich machen lassen. Oft wird einfach das gemacht, was die SL will. Da muss sich dann auch jeder an seine Nase fassen. Wir lassen oft viel zu viel mit uns machen.

    Doch es gibt Ausgleich über BUG-Stunden, das habe ich mehrfach geschrieben (ich hatte sogar einmal 5 dank Schweinegrippe).

    NRW schuldet mir übrigens seit 20 Jahren noch 3 Deputatsstunden (Vorgriffstunden), die ich dank Bundeslandwechsel nie erhalten habe.

    Aber bei den BUG-Stunden geht es doch nur, um den Ausgleich. Wenn die SL Mehrarbeitet anordnet, stellt sich die Frage, ob man diese durch andere Tätigkeiten ausgleichen kann. Beispielsweise macht der Kollege A die Bibliothek. Da der Kollege aber für Vertretungsunterricht gebraucht wird, lässt er diese Arbeiten für eine Zeit ruhen. Dadurch hat der Kollege im Idealfall keine Mehrarbeit. Das gleiche gilt natürlich auch für AGs, Förderstunden, ...

    Es wurde dir sicherlich gesagt, dass du die Stunden bei einem Bundeslandwechsel verlierst. Oder du hättest dich zu mindestens informieren können. Ich kenne da die rechtliche Lage nicht, aber NRW wird dich sicherlich nicht gezwungen haben, den Arbeitgeber zu wechseln. Falls du tatsächlich einen Rechtsanspruch auf diese Stunden hast => Personalrat => Gewerkschaft => Anwalt. Wo ist das Problem? Das schöne bei uns ist doch, dass wir unsere Rechte durchsetzen können ohne größere negative Sanktionen des AG befürchten zu müssen. Das sieht beim einem kleinen Handwerker ganz anders aus.

    Wenn du mich einladen würde, würde ich ohne Bedenken bereits heute in der Innengastronomie Speis und Trank zu mir nehmen. Ich bin seit Beginn der Pandemie der Meinung, dass Innengastronomie kein maßgeblicher Infektionstreiber ist. Die Hochphasen der Pandemie waren zudem auch stets während Zeiten, in denen die Innengastronomie geschlossen war.

    Es gab in Leer einen sehr schönes Beispiel dazu:

    https://www.ndr.de/nachrichten/ni…corona3202.html

    Es gab am Ende auch 2 oder 3 Todesfälle.

    Nach allem was wir wissen, sind sicherlich alle Indooraktivitäten das kritischste.

    Land ist stärker (eine Schülerin hat sich z. B. an Kretschmann persönlich gewandt). Danach musste jede ausgefallene Stunde begründet werden.

    Sei mir nicht böse. Aber das ist doch Blödsinn. Es gibt Gesetze und Vorgaben und daran muss sich das Land halten. Die SL bittet dich darum, Mehrarbeit zu leisten. Du lehnst es aus den und den Gründen ab. Wenn die SL es dann trotzdem verlangt und du es nicht möchtest, wird wahrscheinlich die Schulbehörde den Fall prüfen. Notfalls geht es zum Anwalt. Du kannst dir dabei Hilfe vom Personalrat und von der Gewerkschaft holen.

    Wenn du mal googelst, findest du einiges zum Thema Mehrarbeit in Baden-Würtemberg. Da ist nicht einfach mal eben anordnen. Vor allem 4 Stunden ohne Ausgleich über ein halbes Jahr? Das würde ich tatsächlich auf einen Prozess ankommen lassen. Wobei die Schulbehörde sicherlich schon vorher nachgibt. Sie müsste ja erstmal nachweisen, dass es keine anderen Möglichkeiten gibt. Abordnungen, andere Kollegen, Ausgleich über den Wegfall anderer Aufgaben, ...

    P.S.

    Ich will einfach nur sagen: Das Problem sind Lehrkräfte, die das mit sich machen lassen.

    Ja, ich konnte sie als MAU-Stunden abrechnen. 200+ Euro (netto) mehr im Monat sind schön (ausbezahlt ein halbes Jahr später) , aber statt 25 Deputatsstunden plötzlich 29 und 4 statt 2 Nachmittage (und alle Vormittage) sind am Gymnasium zu viel.

    Ich glaube, dass du da einfach zu nett warst. Wahrscheinlich hättest du einfach sagen müssen, dass es dir nicht passt. Ggf. hätte man sich zu 1-2 Stunden Mehrarbeit bereiterklärt.

    Anhand welcher Kennzahl kann man das Verhalten denn erfassen, wenn nicht anhand des Mobilitätsverhaltens? Und wenn ich meine Kontakte reduziere, ändert sich damit nicht ebenfalls mein Mobilitätsverhalten?

    Erstens gibt es halt Dinge, die man nicht erfassen kann. Ich habe mich eine Zeit lang nur mit 2 anderen Familien und mit meinen Eltern im Pflegeheim getroffen. Andere Aktivitäten sind weggefallen, dadurch war ich viel öfters im Pflegeheim. Das Pflegeheim ist aber in einer anderen Stadt. Ich bin pro Monat sicherlich um die 1.000 km dadurch zusätzlich gefahren. Normal hätte ich die Zeit gar nicht gehabt.

    Wenn ich mich 5x die Woche mit meiner besten Freundin treffe, ist das infektionsmäßig sicherlich unbedenklicher als wenn ich mich 5x mal mit verschiedenen Leuten treffe. Wenn ich mich aufgrund von Corona draußen treffe, ist was anderes als wenn wir im Wohnzimmer sitzen. Ich habe in den letzten Wochen ganz viele dienstliche Präsenzgespräche gehabt. Alle in der Mensa mit offenen Fenstern und mehreren Metern Abstand. Aber trotzdem viel Mobilität.

    Die flächendeckenden Schul- und Kita-Schließungen im ersten Lockdown fand ich ebenfalls akzeptabel, da zu diesem Zeitpunkt nur wenige Erkenntnisse über Covid vorlagen. Im Anschluss hätte man massig Zeit gehabt, diese Erkenntnisse gezielt zu sammeln, indem man z. B. ein systematisches Screening in zahlreichen Schulen (also mit einer ausreichend großen Stichprobe) etabliert hätte. Auf diese Weise wäre greifbar geworden, wie groß die Infektionsgefahr in Schulen unter Einhaltung der Infektionsschutzmaßnahmen wirklich ist.

    Es gibt eine ganz Reihe von Studien zu Schulschließungen. Problem ist, dass sie nicht alle eindeutig sind und du vor allem trotzdem die Folgen von Schulschließungen bedenken musst.

    Schule unter "Einhaltung der Infektionsschutzmaßnahmen" ist immer ein toller Begriff. In der Praxis ist das immer was anderes. Klar ich kann eine Studie an einer Musterschule durchführen. Aber in der Praxis hast du erstmal einen Anteil von 10-20% Querdenker. Dann lassen sich bestimmte Maßnahmen in der Praxis gar nicht umsetzen, weil die Voraussetzungen nicht da sind. Wir haben jeweils einen Sanitärraum für Jungen und Mädchen. Es sollen sich aber alle Kinder immer schön brav die Hände waschen... Die Kinder sollen Maske tragen, kriegen es aber nicht vernünftig hin. Und letztlich gibt es immer wieder die vielen Kleinigkeiten, wo gegen die Regeln verstoßen wird. Man redet doch mal eben mit der Kollegin ohne Maske. Oder hält irgendwo den Abstand nicht ein. Usw.

    Letztlich gibt es Maßnahmen, die immer etwas bringen. Halbe Klassen, Luftreiniger, ... Aber die werden halt nicht gewollt. Was Geld kostet, ist immer schwierig...

    Danke, dass Du mich in die Querdenker-Ecke schiebst. Das ist ein wirklich hervorragender Diskussionsstil.

    Ich habe dich nicht in eine Ecke geschoben. Ich habe dir nur deutlich gemacht, dass die Aussage Wissenschaftler XY hat festgestellt, dass Maßnahme X nichts bringt eine klassische Querdenkerargumentation ist.

    Du schreibst, dass sich das Mobilitätsverhalten nicht geändert hat. Dass ist aber nur ein kleines Aspekt. Frage ist eher, wie Verhalte ich mich im privaten. Reduziere ich Kontakte? Nutze ich Test? Etc.. Das lässt sich auch nicht einfach an der Mobilität ablesen. Da die meisten vor allem zur Arbeit und einkaufen fahren, ist die Mobilität sowieso schon eingeschränkt. Die meisten Freizeitaktivitäten fallen ja weg.

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