Beiträge von Tom123

    Natürlich. Der Mitarbeiter in der Werbeagentur, der 5 Tage lang einfach nur über einen neuen Slogan nachdenkt und sich dabei in der Agentur aufhält, bekommt das auch als Arbeitszeit angerechnet und bezahlt. Und wenn er dafür Zeitschriften durchblättert, im Internet surft etc. oder stundenlang mit Kollegen brainstormt, dann ist das auch Arbeit.

    Genau. Der sitzt im Büro. Nebenan ist sein Chef und in der Regel wird sein Chef ihn sagen, was er machen soll und ggf. mal fragen, wie der Stand ist.

    Und nun denk mal daran, wie Du arbeitest? Wann hat dein Chef dir das letztes Mal gesagt, was Du machen sollst? Wie oft arbeitest Du wirklich im Büro? Wir arbeiten eher wie selbstständige als wie Angestellte. Das ist eine Schwierigkeit bei der Zeiterfassung, wo wir sehen müssen, wie der Dienstherr das regeln wird.

    Wahnsinn. Überall klagen Schulen und Länder darüber, dass die Lehrkräfte alle in die Stadt wollen und zu wenige auf dem Land arbeiten wollen. Nur eine kleine Schule in der Nähe von Münster. Da ist es andersrum. Die Leute nehmen sogar weniger Gehalt in Kauf nur damit sie neben der Schule wohnen können.

    Bei uns gibt es Schulen rund um die Großtstädte, da sind etliche Lehrkräfte, die pendeln und weil sie gerne in der Großstadt wohnen. Wahnsinn, dass es das bei euch nicht gibt. Ist Münster so hässlich oder euer Dorf so toll?

    Und ob ich für das sonderpädagogische Gutachten 30 oder 50h brauche (der Landesrechnungshof schrieb von über 40h), ist dann Arbeitszeit. Da ist es egal, ob ich langsam tippe oder gründlicher teste oder das Anamnesegespräch (mit vorgegebenem Fragebogen) länger dauert.

    Gutachten sind doch nur ein kleiner Teil unserer Tätigkeit. Betrachten wir doch nur mal die Unterrichtsvorbereitung. Letztlich entscheide ich momentan selbst, wie viel Zeit ich investiere. Natürlich wird der Unterricht tendenziell besser, wenn ich mehr Zeit in die Vorbereitung investiere. Aber wer entscheidet bei einer Arbeitszeiterfassung wie viel angemessen ist. Kann ich stundenlang eine einzelne Stunde vorbereiten und das dann als Überstunden angeben? Oder das Gutachten liegen lassen, wenn ich nach der Unterrichtsvorbereitung keine Zeit mehr habe?

    Würden mein Team und ich das bei der Stundenplanerstellung tun, gäbe es zum jeweiligen Halbjahr oder anderen Zeitpunkten keinen Stundenplan - oder wahlweise einen wirklich grottigen Stundenplan, der nicht die Bedürfnisse der TZ-Kräfte berücksichtigt.
    Es gibt Arbeitsbereiche, in denen geht das nicht.

    Ja, genau das meine ich aber. Ich kann meinen Job in der Zeit machen, wenn ich ihn schlecht mache. Bei einer Arbeitszeiterfassung besteht dann die Gefahr, dass der Dienstherr einfach sagt das schlechte Ergebnis muss reichen...

    Hat die Dienststelle das Material bezahlt und verfolgt das Ganze einen pädagogisch-didaktischen Zweck? Dann ist es Arbeitszeit.

    Hat die Kollegin die Osterhasen aus eigener Tasche gezahlt? Dann ist es privates Engagement und ihr persönliches Hobby, also konsequenterweise auch keine Arbeitszeit.

    Ein Koch nutzt auch seine eigenen Messer. Vielleicht bringt er auch ein Rezept von Zuhause mit. Entscheidend wäre die Frage, ob der Dienstherr das angeordnet oder genehmigt hat. Ich befürchte, wenn wir eine effektive Arbeitszeiterfassung bekommen, geht die auf Dauer mit einer Einschränkung unsere Freiheit ein. Ich würde als Dienstherr dann auch sagen. Das mit den Osterhasen ist eine tolle Idee, aber die 2 Stunden sind sie mir nicht wert. Und das gilt natürlich auch für vieles anderes. Wenn Deutschlehrer 20 h ein neues Buch liest, dass er vielleicht im Unterricht behandeln will, sagt der Dienstherr vielleicht nehmen sie noch mal das vom letzten Jahr.
    Und bevor jetzt jemand meckert. Das sollen nur Beispiele sein, warum eine Arbeitszeiterfassung bei Lehrkräften nicht ganz so einfach ist.

    Es ist halt einfach so, dass diese Vergleiche und das Gegenrechnen immer auf (empfundene) Ungerechtigkeiten herauslaufen wird. Ich persönlich empfinde es als ungerecht, dass ich in Bayern mit meiner Regelbeförderung auf A14 ohne konkrete Aufgabe gleich besoldet werde wie in anderen Bundelsändern Schulleiter von (kleinen) Grundschulen.

    Es geht nicht um eine erfundene Ungerechtigkeit. Es geht um die Frage, wie die Besoldung fair gestaltet werden kann. Letztlich hat der Dienstherr aktuell zwei Möglichkeiten. Er kann die Besoldungen allgemein erhöhen und er kann über Zuschläge versuche die Besoldung allgemein niedrig zu halten und nur die Fälle zu verbessern, die ihm juristisch Schwierigkeiten bereiten können. Er könnte Probleme die Kinderzuschläge deutlich kürzen und die Besoldung um 1.000 € anheben. Dann gebe es für das erste Kind nichts und für das zweite maximal einen kleinen Zuschuss. Statt dessen versucht er durch Orts- und Kinderzuschläge Geld zu sparen. Das ist sein Recht. Man muss das aber auch gut finden ohne gleich eine Neiddebatte auszulösen.

    Der Dienstherr setzt dort sehr ungeschickte Anreize. Beispielsweise macht es auf einmal Sinn, dass wenn meine Schule im Speckgürtel einer großen Stadt ist, dass ich aus dem Speckgürtel wegziehe in die Innenstadt, weil ich dort mehr verdiene als wenn ich neben der Schule wohne.
    Wir haben Probleme Lehrkräfte zu finden, die auf dem Land arbeiten wollen. Als Ausgleich besolden wir die Lehrkräfte in der Stadt deutlich höher. Die aber auch den Vorteil haben, dass sie in der Stadt wohnen.

    Das ist sicherlich am eine fiskalische und eine politische Frage. Allerdings nicht gleich eine Neiddebatte.

    Ne, Kinderlose werden schon deshalb höher honoriert, weil die Besoldung für eine 4köpfige Familie bemessen ist.

    Wenn davon nur 1 unterhalten wird, fällt es mir schwer da eine Unteralimentierung zu finden.

    Nicht ganz richtig. Auch bei der vierköpfigen Familie werden die Kinderzuschläge für das erste und zweite Kind sowie ggf. der Familienzuschlag für die Ehefrau berücksichtigt. In Köln bei zwei Kinder sollten das läppische 1.200 € sein, die man mehr bekommt. Natürlich pro Monat. Also nichts mit 1 bekommt Geld für 4.

    Richtig ist aber auch, dass die Zuschlag dann ab dem dritten Kind stärker steigt, weil letztlich nur die Summe relevant ist und wie du richtig schreibst, das Gehalt dann nichts mehr ausgleicht.

    Das Argument kommt ja immer wieder aber ich sehe den Unterschied zu anderen Jobs mit genauer Zeiterfassung nicht so, vor allem Jobs im Öffentlichen Dienst. Als ich vor Jahren in die Behörde abgeordnet war, habe ich alle diese Fälle analog beobachten können. Der eine bastelt sich schnell für eine Abrechnung eine Exceltabelle, der andere staubt erstmal den Taschenrechner ab.

    Als Lehrkraft arbeiten wir eher wie selbstständige. Natürlich hast Du irgendwo feste Aufgaben aber eigentlich entscheidest Du Recht frei, was Du machst und wie viel Zeit Du dafür aufwenden möchtest. Welchen Unterricht bereite ich intensiv vor, wo mache ich "nur" im Buch weiter? Welches Buch lese ich überhaupt, um es eventuell im Unterricht zu behandeln? Welche Ausflüge mache ich? Welche Fortbildungen besuche ich? Was für eine AG biete ich an?

    Zu mindestens an den Grundschulen haben wir unwahrscheinlich viel Freiheit unsere Arbeit zu gestalten. Eine Lehrkraft hat jetzt 20 Osterhasen für ihre Klasse als Geschenk gebastelt. War sicherlich eine nette Aktion, aber war das nun Arbeitszeit? Wenn wir über Arbeitszeiterfassung reden, müssten auch Aufgaben klar sein. Ich kann schlecht selbst entscheiden, welche Aufgaben ich mache und das dann der Schule als Überstunden verkaufen.

    Der Kinderzuschlag muss nicht zwingend alle Kosten der Kinder decken. In der Summe muss der Beamte eine entsprechende Besoldung erhalten. Wir könnten das Grundgehalt um 2.000 € erhöhen und den Kinderzuschlag streichen. Das wäre verfassungsmäßig legitim. Kinder sind ja auch eine Lebensentscheidung. Das es einen Zuschlag gibt finde ich richtig. Aber die Verhältnismäßigkeit muss passen.

    Und das gleiche gilt natürlich auch für die Schulleitung. Wenn Lehrkraft Y mit 3 Kindern deutlich mehr bekommt als der SL ohne Kinder, kann man das alles mit dem Alimentationsprinzip begründen. Viele werden das aber als nicht fair bewerten. Dadurch schwächst Du das Leistungsprinzip und am Ende hat keinen mehr Lust mehr zu leisten. Wohin das führt, sehen wir am Beispiel DDR.

    Das stimmt so einfach nicht, wir rechnen ja mit 6 Wochen Urlaub, da ist dann egal, wieviele Tage du in der Woche in der Schule bist und dann passt das auch.

    Auch in der normalen Arbeitswelt darf der Urlaub nur reduziert werden, wenn man weniger Arbeitstage die Woche hat, die Anzahl der Wochen bleibt überall gleich, in Stunden dürfen Urlaubstage in Deutschland nie umgerechnet werden!

    Wir rechnen in Nds. nicht mit 5 Tagen, da du Anspruch auf mind. einen freien Tag hast. Daher passt das Argument schon, sofern die TZ-Kraft nicht 5 Tage arbeitet.

    Was ist daran schwierig?

    Das fängt damit an, dass es sehr individuell ist. Eine Kollegin verliert sich regelmäßig darin, irgendwelche Sachen für die Unterricht zu basteln, Materialien vorzubereiten etc.. Das ist nett und schön, aber muss nicht sein.
    Ich arbeite digital. Kollegen, die analog arbeiten sind tendenziell langsamer.
    Kollege A benötigt für die gleiche Klausur 50% mehr Zeit als Kollege B.
    Lehrkraft C schreibt immer sehr schöne Zeugnisbemerkungen. Das kostet aber auch Zeit.
    Lehrkraft D besucht gerne Fortbildungen. Lehrkraft nur das nötigste.
    Solange wir als Lehrkräfte unsere Arbeit relativ frei einteilen können - was toll ist - ist auch mit der Arbeitszeiterfassung schwierig. Ich kann eine Stunde in Sachunterricht innerhalb von 15 min vorbereiten oder eine Feuerwerk machen und auf die Vorbereitung 2h verwenden. Eine nette Kollegin von mir führt immer lange Elterngespräche. Wenn ich dabei bin, empfinde ich es als tierisch anstrengend. Ich mache die Gespräche eher kurz und knackig. Aber soll man ihr nun sagen, dass sie schneller sein soll? Bekommt sie es angerechnet, wenn sie zwischendurch noch etwas Smalltalk macht?

    Und wenn ich auf dem Sofa sitze und Fußball sehe und nebenbei die Arbeiten korrigieren. Arbeitszeit zu 100%?

    Aber Beamte mit Kinder bekommen den Zuschlag, weil ihre Ausgaben aufgrund der Kinder größer sind und sie sonst "unter ihren amtsangemessenem Lebensstandard" fallen würden.

    Das ist auch alles schön und gut. Aber es muss ja auch die Leistung das Amt eine Rolle spielen. Lehrkräfte bekommen auch eine höhere Besoldung als Polizisten oder Hausmeister. Die Relationen stimmen da einfach nicht mehr.

    Doch. Mit der amtsangemessenen Alimentierung und dem Punkt, dass die auch bei Beamten mit Kindern gilt

    Das ist die formale Begründung, die juristisch greift. Aber viele empfinden das nicht als richtig.

    Genau genommen könnte das Land auch die Besoldung allgemein erhöhen, um auf eine amtsangemessene Besoldung zu kommen. Es gibt keine Vorgabe, dass nur Kinder- und Ortszuschläge erhöht werden müssen. Es gibt verschiedene Wege, wie das amtsangemessen Alimentation erreicht werden kann. Und es sicherlich auch im Sinne des Landes, das die Besoldung von den Mitarbeitern als fair wahrgenommen wird. Und wenn am Ende der Wohnort- und die Anzahl der Kinder als die Tätigkeit, wird das sicherlich von vielen nicht mal als fair empfunden werden.

    Es wären 46:38 Stunden bei einer angenommenen 40h-Woche, die Verwaltungsbeamte haben.

    https://www.gew.de/aktuelles/deta…er-hochbelastet

    Danke Palim, aber gab es nicht später auch noch eine zweite kleinere? Ich meine mich da dunkel erinnern zu können.

    Wenn man in die Studie steht da übrigens, dass man die Defizite bei Teilzeitkräften nur lösen kann, indem man die Stundenzahl verringert. Wenn sich die einzelnen Aspekte der Arbeitszeit ansieht, sieht man auch, dass es ansonsten sehr wenig Bereiche gibt, wo man außerhalb von Unterricht, Vorbereitung, Nachbereitung etc. Zeit sparen kann. Letztlich geht zu viel Zeit für den Unterricht und das viele, was dazu gehört, drauf. Die anderen Aufgaben und Ausflüge etc. machen am Ende wenig aus.

    Ich glaube, dass die 43 aus der Arbeitszeitstudie in Niedersachsen kommen. Die Ferien komplett frei, passt ja auch nicht. Wir haben die letzte Woche der Sommerferien in der Regel 2-3 Tage in der Schule. Meistens ist man auch am Ferienbeginn noch ein Tag in der Schule, um Restarbeiten zu erledigen. Dazu natürlich noch die normalen Aufgaben in den Ferien. Unterrichtsplanung, Korrekturen, Berichte/Zeugnisse etc. schreiben. Am Ende müsste man es mal genau zählen. Dazu fehlt mir aber die Lust.

    Also alles wie bei mir als Lehrkraft mit 2 Unterschieden:

    1. Ich bin nicht fertig mit der Arbeit, wenn ich heimkomme. Da ich nach so langen Tagen meist nicht mehr in der Lage bin, noch was zu tun, bleibt Vieles liegen, das ich dann am Wochenende oder in den Ferien erledigen muss.

    2. Mein Arbeitszeit an der Schule wird immer wieder unterbrochen durch zeitlich nicht erfasste Phasen, die ich dank fehlenden eigenen Arbeitsplatzes nicht so effektiv nutzen kann, wie erforderlich wäre.

    Du bist jeden Tag durchgehend an der Schule? Das ist bei uns natürlich nicht der Fall. Ich bin höchstens 1-2 mal in der Woche über Mittag in der Schule.
    Den Arbeitsplatz sehe ich auch als großen Nachteil. Dazu kommt noch, dass man sich Arbeitsmittel viel zu oft selbst kaufen muss, wenn man etwas vernünftiges haben will.
    Wir haben das Glück, dass wir so gut wie keine Freistunden haben. Die Zeiten, die ich an der Schule bin und kein Unterricht habe, kann ich daher immer relativ gut nutzen. Ich bleibe sogar eher länger, um noch eben zu kopieren etc..

    Die Grenzen dessen was einzurechnen ist und was nicht zieht das BVerfG. Das sollen die dort auch weiter machen.

    Die Vorgaben macht der Gesetzgeber. Das BVerfG soll eigentlich nur prüfen, ob es verfassungsgemäß ist. Es ist eine Unart, die sich in Deutschland aber auch in anderen Ländern zeigt, dass die Gerichte mehr und mehr zum Gesetzgeber werden und dem Gesetzgeber konkrete Vorgaben machen. Oft auch deswegen, weil der Gesetzgeber seiner Pflicht nicht nachkommt. Richtig ist es trotzdem nicht.

    Ich dachte auch schon daran, dass die Kinderzuschläge animieren sollen, nicht so viel in Teilzeit zu arbeiten und somit den Lehrkräftemangel zu verbessern.

    Wenn man Alimentation konsequent durchzieht, ist die Frage, ob es überhaupt richtig ist, die Zuschläge bei Teilzeit zu kürzen. Man könnte auch fordern, dass die Kinderzuschläge weiter voll bezahlt werden.
    Das zeigt aus meiner Sicht auch wieder, dass man das ganze System einfach mal neu überdenken muss.

Werbung