Beiträge von Conni

    Ich schließe mich Seph hier an. Jedes kleine Detail dokumentieren, auch Zitate, wenn sie beleidigend sind. Jedes Telefonat als Mini-Protokoll in der Schülerakte dokumentieren.
    Die Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen nacheinander durchführen. Es kann sein, dass es zu oft einen "Tadel" gab und nie etwas Schlimmeres folgte.

    Die Schulleitung regelmäßig ansprechen wegen der Probleme, damit sie mitbekommt, dass nicht alles gut läuft - bitte von verschiedenen Seiten. Man könnte ja auch "Pubertät, über die Ferien offenbar deutlich schlimmer geworden" anführen, wenn es mal wieder um die Aktenlage geht. (Jeder vernünftige und klar denkende SL kennt im Übrigen seine "Pappenheimer" unter den Kollegen oder weiß zumindest, dass es möglich ist, Akten unvollständig zu führen oder Probleme zu "deckeln", die dann bei Folgelehrern eskalieren.)
    Möglicherweise regelmäßig Klassenkonferenzen mit Elternvertretern, Schülersprechern und Schulleitung sowie abwechselnd den Jungen und deren Eltern - falls es euch sinnvoll erscheint.
    Manchmal kann es sinnvoll sein, die Eltern zu nerven. Wir haben jedes Jahr ca. 2 auffällige Schüler, die die Schule verlassen, weil ihre Eltern finden, dass das Kind lieb und brav ist und ungerechterweise die Schule ständig anruft und nervt. Klar, die Kinder nehmen die Probleme mit und es ist nicht besonders pädagogisch - aber an der anderen Schule sind vielleicht nur 2 Chaoten in der Klasse und bei euch dann einer weniger - denn die restlichen 20 gehen ja so, wie du es beschreibst, unter.

    Ihr könntet - wenn SL sich weiter taub stellt - Überlastungsanzeigen stellen (Infos beim Personalrat). Wenn man das alleine macht, kann es auf einen selber schnell mal zurückfallen. Wenn sich aber mehrere Fachlehrer zusammenfinden würden, wäre es wirkungsvoller - alle gleichzeitig. Kopie an Personalrat schicken. In die Überlastungsanzeige schreibt ihr, welche negativen Folgen auftreten könnten - für euch, für die Klasse. Der SL muss daraufhin seine Fürsorgepflicht wahrnehmen und reagieren. Es muss dann ein Gespräch mit konkret in einem Protokoll festgehaltenen Maßnahmen geführt werden und da könnt ihr einen Personalrat einladen.
    In meinem Bezirk gibt es demnächst eine Personalversammlung zum Thema "Gewalt an unseren Schulen". Ich weiß nicht, ob es dort neue Erkenntnisse gibt und es diese bei euch auch gibt, aber bei Personalversammlungen kann man Kontakt zu Personalräten aufnehmen.

    Der Sozialarbeiter muss eingreifen, das ist sein Job, egal ob er überfordert ist, vielleicht mit 3 Wochen Wartezeit, aber es ist einfach seine Aufgabe. Die Kinder sind nächstes Jahr 6. und im Übergangsjahr wird meiner bisherigen Erfahrung nach alles eher schlimmer. Bei uns gibt es aufgrund der hohen Arbeitsbelastung von Schulsozialarbeit Formulare, mit denen man ein Kind oder eine Klasse dort "anmelden" kann. Man muss das Problem kurz beschreiben und eine Idee, wobei Schulsozialarbeit helfen könnte. Geht auch wirklich kurz. Vielleicht macht ihr die Anfragen auch schriftlich? Kopie an die SL, Kopien in die Akten der Kinder.
    Beleidigungen sind psychische Gewalt, Grad I. Es gibt an jeder Schule einen Ordner mit Notfallplänen. Darin gibt es Formulare zum Melden. Stufe I ist an der Schule zu klären, d.h. man könnte so ein ausgefülltes Formular u.U. Schulsozialarbeit und SL reinlegen. Ferner muss es bei euch ein Krisenteam geben, auch die könntet ihr ansprechen und zumindest theoretisch sollten die sich zuständig fühlen. Dazu gibt es auf der Seite Telefonnummern der Schulpsychologen, die für Gewaltvorfälle zuständig sind. Vielleicht wäre das ein Ansprechpartner?


    Nun am Ende noch ungeordnete Vorschläge für den Umgang mit den Kindern, wobei ich nicht weiß, ob diese bei dieser Masse an Störern hilfreich sind:
    Gäbe es zusätzlich die Möglichkeit, mit einzelnen "Verhaltensverträge" zu schließen? Also Vereinbarungen, 1 Kind, Klassenleiterin und Fachlehrerin anwesend. Das Kind auswählen, das in dem Fach am schlimmsten nervt, wenn es Aussicht auf Erfolg gibt. Wenn nicht, das nehmen, was man am ehesten aus diesem Verhalten rausholen könnte.

    Möglich wäre auch ein Token-System: Stempel für jede Stunde, in der ein Kind leise am Unterricht teilnimmt. Wenn eine bestimmte Zahl von Stempeln voll ist, darf das Kind in die Schatzkiste greifen, die enthält kleine Spielzeuge, Armbänder etc. Diese Stempelkarten gibt es für jedes Kind und sobald die ersten etwas geschenkt bekommen, sind viele andere auch motiviert und strengen sich an (und dann muss man die Hürde zum Erreichen des Stempels für die schwierigen Kinder so legen, dass sie dies mit Anstrengung schaffen können).

    Einen Tisch vor die Tür stellen. Einen Störer mit einer unangenehmen Aufgabe ransetzen. (Bleiben leider noch 4.)

    Klassenraum umräumen. Die Störer zusammen an einen Gruppentisch. Die anderen mit etwas Abstand an die anderen Gruppentische. Erhöhe den Anteil an schriftlichen Aufgaben, versuche damit, diesen mündlichen Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Gehe bewusst häufig zu den leisen Tischen und sage ihnen, wie fleißig sie arbeiten - so, dass die Störer das hören. Ich vermute, dass die Eltern die Zensuren nicht interessieren? Kann allerdings auch daneben gehen, wenn die am Störertisch dann noch mehr Halligalli machen.

    Und ganz wichtig: Wenn die Stunde mal wieder so richtig schief läuft, denke dir: Diese Kinder sind keine "Kunden" in der Schule, die wollen nichts lernen. Ihr Ziel ist es, aufzumischen, Kontra zu bieten und zu rebellieren. Das hat mit euch persönlich nichts zu tun. Die Eltern unterstützen euch nicht, die SL und die KL offenbar auch nur wenig. Versucht, euch innerlich zu distanzieren. (Und ja, das ist total schwer, ich scheitere auch immer wieder dran, aber an den Tagen, an denen es mir gelingt, gehe ich nicht mit der "Problemklasse" aus der Schule.)

    Overheadprojektoren tun ja auch ohne zu Murren jahrzehnte ihre Dienste. Und die Folien aus den Siebzigern sind noch gut. Themen, wie "die Verdauung des Hausrinds" oder "unsere sozialistischen Bruderländer" ändern sich ja nicht so schnell.

    Ich liebe unaufgeräumte Lehrkabinette :verliebt:

    Bei dem einzigen OH (liebevoll "Polylux" genannt) in unserer Etage ist die Glühbirne durchgebrannt und der Hausmeister kann leider keine neue einsetzen. Ich habe mal ein halbes Uralt-Kabinett weggeworfen und schäme mich heute noch dafür. So macht man sein Karma kaputt. Da waren kilometerweise altes Papier auf der Rolle dabei und Bildelemente für die Tafel, bei denen man schon nicht mehr erkennen konnte, was es mal sein sollte.

    Kreide. Ich darf Kreide holen, so viel ich mag. Also auch von der farbigen! Und Klopapier ist meistens da. Das graue :geschenk:

    Bei uns gibt es jetzt Klopapier auf Schülerklos. Nach Jahren! Und Papierhandtücher in Handtuchspendern. Möglicherweise sind noch Kreidereste da, aber keine bunten. (Ich habe in 12 Jahren 2 Pakete bunte Kreide erhalten und sie noch nicht aufgebraucht, habe also noch. Puh!)
    Im ersten Jahr kam der Chef rein, schaute auf den einen Mülleimer (nicht auf die Klassenraumdeko für die Einschulung oder so) und fragte: "Trennen Sie keinen Müll?" Ich: "Doch: Grüner Punkt wird von links reingeworfen, Restmüll von rechts. Falls die Schule noch einen Eimer hätte, wäre es natürlich noch einfacher." Seither habe ich genug Eimer zum Mülltrennen.
    Vor 5 Jahren habe ich nach jahrelangen Anträgen eine Pinnwand für den Klassenraum bekommen, die vor 3,5 Jahren angebracht wurde.
    Vor 4 Jahren bekam ich einen neuen Tafellappen.
    Vor 3 Jahren fand ich einen frauchenlosen Zirkel traurig und verstaubt herumliegend und adoptierte ihn.
    Letztes Jahr gab es gleich 2 tolle Sachen: Ein Holz-Zeichendreieck im Mülleimer des Lehrerzimmers (ebenfalls adoptiert) und den 2. Tafelschwamm meines Lehrerlebens.
    Achja: Einen CD-Player bekam ich nach mehreren Jahren meiner Tätigkeit als Musiklehrerin dann doch auch.

    PS: Da muss man einen gewissen Galgenhumor entwickeln. Kann ja nicht jedes Wochenende eine Delfintherapie machen.

    Gerade im Geometrieteil wird im Primarbereich (zugunsten der Arithmetikthemen) oft gekürzt, was vor allem für diejenigen Kinder, die besser mit konkret-handelnden Themen zurecht kommen, schade ist. Außerdem fehlt das Wissen dann an anderer Stelle, z.B. wenn es in der Sek I um komplexere geometrische Themen, die auf den Grundlagen der Grundschule aufbauen, geht, oder eben, wie von immergut bereits genannt, VERA.

    Ich möchte mal die SEK-I-Lehrer hören, wenn die Grundschulen die Geometrie ausführlich behandeln würden, dann aber z.B. wegen der mangelnden Zeit / sich schwer tuenden Schülerschaft z.B. die Division weglassen würden.

    :staun: das wiederum scheint mir (eingeschliffener?) Masochismus zu sein... monatlicher Elternsprechtag! 2 Nachmittage pro Woche Rederunde...? Gibt's da keine Vorgaben für Konferenzen?

    Nein, gibt es nicht. Wer was sagt, ist für immer unten durch bei der SL, daher traut sich keiner außer mir.
    Und das sind auch keine "Rederunden". Da werden sehr wichtige Kernkompetenzen des neuen Curriculums be....äh....redet? 8) Sehr wichtig.

    Alles inklusive: Bei uns inzwischen 2 verbindliche Nachmittagstermine (Konferenzen, Arbeitsgruppen, Projektgruppen, Planungsgruppen, Jahrgangsteams, Fachteams) + ein für Fortbildungen freizuhaltender Nachmittag + einmal monatlich Elternsprechtage + Schulfeste + Subbotnik (Umgraben am Samstag).
    Unterrichtsvorbereitung wird überbewertet und ist eigentlich ein Hobby.

    Ansonsten bist du zu Fortbildungen und sonstigen Veranstaltungen verpflichtet, wie schon angesprochen wurde.

    - sprich in einfachen Worten möglichst langsam und deutlich, unterstreiche deine Worte mit Gesten. Klingt blöd, aber bei sprachlich so schwachen Kindern ist es wichtig! rede nicht zu viel, aber rede deutlich und klar.

    Mir wurde mal geraten, bei Kindern mit großen Konzentrationsschwierigkeiten in 2-Wort-Sätzen zu reden. Das ist dauerhaft nicht machbar, aber hat mich dazu gebracht, mich in kribbeligen Situationen zu beschränken. Kurze Arbeitsanweisungen in Form von Hauptsätzen, keine Nebensätze, keine Begründungen.

    Was auch hilft: Eine Lernhaltung / Zuhörhaltung, wie auch immer man die gestaltet. Lernhaltung: Arme vor der Brust auf dem Tisch, Blick zu mir. Dann habe ich die Aufmerksamkeit kurz und die Kinder reagieren nach recht kurzer Zeit auf "Lernhaltung" als Aufforderung. Manche haben den Leisefuchs. Einige meiner Kolleginnen klatschen, wenn es zu unruhig wird, verschiedene Rhythmen und zwar solange, bis alle mitmachen können. (Aufmerksamkeit, Hände frei haben) Meins ist das nicht.

    Das einzige Ritual ist, dass ich die Stunde gemeinsam im Sitzkreis beginne und am Smartboard darstelle, was wir heute alles machen werden. Geplant war eigentlich, dass ich zum Schluss noch mal den Sitzkreis bilden lasse, um die Ergebnisse zu besprechen, allerdings ist dies nicht möglich, da nicht alle rechtzeitig/kaum mit den Aufgaben fertig werden.Ob es ein Tokensystem gibt, muss ich noch herausfinden.
    Die sprachlichen (Schreib-)Probleme wirken sich in den Fächern der Klassenleitung kaum aus, sodass ich denke, dass es ihr kaum auffällt.
    In der letzten Stunde habe ich versucht, die Schüler einzeln mit Namen anzusprechen und ihnen mitzuteilen, dass sie gerade zu laut sind. Einen Schüler habe ich 2 mal vor die Tür geschickt. Danach hat er sich darüber lustig gemacht und gefragt, ob er erneut und diesmal für 10 Minuten vor die Tür kann...
    Ich habe 17 Schüler in der Klasse. Das klingt erstmal wenig, ist aber für mich bereits mehr als genug.
    Vor allem bereitet mir aber das fachliche Sorge. So wie die Klasse gerade ist, kann Sie kaum was von mir lernen. Plenumsunterricht (Sitzkreis) ist auch so nicht möglich, da jeder einen anderen Kompetenzstand hat.

    Zusätzlich zum von anderen Geschriebenen:
    Übernimm Rituale und Regeln von der Klassenleiterin.
    Den Sitzkreis könntest du anfangs weglassen, wenn es dabei schon unruhig wird. Meine Erfahrung: Setzen in den Sitzkreis oder Aufstehen und ein paar Schritte gehen im Unterricht wird als "Wir haben Pause und können machen, was wir wollen / uns nett unterhalten / zum Freund gehen" missverstanden und wenn das bei mehreren passiert, könnte hier "das Schiff Unterrichtsstunde" bereits "anfangen zu schlingern".
    Wenn Kinder nicht fertig werden, kann man sie auch unterbrechen. Allerdings ist das momentan vermutlich dein geringstes Problem.
    Tokensystem: Wenn der Klassenleiter eins hat, übernehmen. Wenn nicht, eigenes schaffen. Beispiel unserer Englischlehrer: Es gibt eine große "Ampel" aus laminiertem Tonpapier: Roter Kreis, gelber Kreis, grüner Kreis. (Gelb könnte man sogar weglassen und nur Rot und Grün haben.) Die 3 Kreise sind noch untereinander auf eine Pappe geklebt oder mit Schnur verbunden. Dazu eine Wäscheklammer mit dem Namen jedes Kindes. Anfangs sind alle auf dem grünen Kreis, bei Störungen geht es auf Gelb oder Rot. Bei gewünschtem Verhalten (z.B. "Ich bin leise im Unterricht.") geht es wieder in Richtung Grün. Wer am Ende auf Grün steht, bekommt neben dem persönlichen Lob einen Stempel auf sein Stempelblatt. Wer das Stempelblatt voll hat, greift in die "Überraschungskiste", in der sich begehrte Kleinigkeiten befinden: kleine Spielzeuge, Leuchtknete, Stifte, Lineale mit aktuellen Filmmotiven. Spätestens wenn der erste dort reingreifen darf, sind viele andere auch motiviert. Wichtig ist, die Hürde nicht zu hoch zu hängen, nicht zu viele Stempel sammeln zu müssen (vielleicht so, dass ein vorbildlicher Schüler in 2 Wochen das Blatt voll hat), gegen Ende der Stunde motivierend tätig sein, um möglichst viele Kinder auf "Grün" zu bekommen und damit klarzumachen, dass gewünschtes Verhalten zu Erfolg führt.
    Vielleicht kannst du die Klassenleiterin dazu bringen, sich die Stempelkarten zeigen zu lassen und diejenigen zu loben, die viele Stempel haben. Die Ampel hat den Vorteil, dass du die Klammern wortlos verschieben kannst und deine Stimme schonst.
    Alternativ wäre ein Token-System für die ganze Klasse möglich, das funktioniert aus meiner Erfahrung her aber nur dann gut, wenn ein "Gemeinschaftsgefühl" existiert.

    Versuche den Schüler, der sich lustig gemacht hat (10 Minuten vor die Tür) in der kommenden Stunde in eine andere Klasse zu setzen. Gibt ihm Aufgaben mit, die anstrengend sind, aber nichts, wofür er Hilfe braucht, z.B. eine Abschreibübung. Völlig egal, ob es zum derzeitigen Unterrichtsstoff passt, darum geht es nicht. Es muss unangenehm sein. Ideal wäre eine ältere Klasse, da trauen sie sich meist nicht zu piepsen und eine strenge Kollegin. Das ganze machst du nicht "heimlich, damit der arme Schüler nicht bloßgestellt wird", sondern du erklärst den Kindern direkt am Anfang der Stunde ganz neutral und sachlich, warum der Mitschüler heute nicht dabei ist und dass er die Stunde mit einer anstrengenden Aufgabe in einer anderen Klasse verbringt. (Du musst das den Seminarleitern nicht erzählen, das ist keine wirklich moderne Pädagogik, aber ich finde, mit moderner Pädagogik kann man immernoch anfangen, wenn die Grundbedingungen stimmen.)
    Ich habe früher immer gedacht, dass man sofort eine Konsequenz parat haben muss (Folge der Ausbildung) und bin dann an meinen Ansprüchen gescheitert oder habe aufbrausend / mit wechselnder Konsequenz reagiert. Von der letzten Erzieherin, mit der ich zusammenarbeiten durfte, habe ich gelernt: Neutral-sachlich eine Konsequenz ankündigen und sagen, dass man sich diese noch überlegen wird oder mit der Klassenleiterin besprechen wird. Die Konsequenz muss dann bald (z.B. am nächsten oder übernächsten Tag) folgen und vorher erinnere ich noch einmal an den Auslöser. Ich kann feststellen, dass das wirkt und mich entlastet, indem ich nicht immer sofort alles entscheiden und auf alles reagieren muss.

    Schüler, die - mal abgesehen von der Aufsichtspflicht, das ist wirklich problematisch - vor die Tür gehen, müssen übrigens immer nachholen, was sie verpasst haben. Und wenn sie nur mündliche Arbeit verpasst haben, schreiben sie halt etwas aus den Schul- oder Klassenregeln ab. Im Anschluss an die Stunde müssen sie noch dableiben und es gibt ein Gespräch über das Verhalten. Es ist nicht wichtig, dass es lange dauert, 30 Sekunden können reichen, aber das Kind muss merken, dass sein Verhalten Konsequenzen hat. Sprich ruhig, sage auch etwas Positives: "Du bist klug und ich weiß, dass du richtig gut Englisch lernen kannst, dazu musst du aber aufpassen. Wie kannst du das in der nächsten Stunde schaffen?" Es ist außerdem wichtig, dass du diese Konsequenz ebenfalls vor der Klasse ankündigst: "XY muss nun noch mit mir ein Gespräch führen." XY ist hier nämlich einer, der versucht, die Führungsposition zu erlangen: Er will vor seinen Mitschülern gut dastehen und dich in die Pfanne hauen. Wenn du es schaffst, solche Kinder auf deine Seite zu bringen (eine Bindung / gute Beziehung aufzubauen), folgen die Mitläufer.

    Bevor du über "alles hinwerfen" nachdenkst (was ich gut nachvollziehen kann), denke bitte immer erstmal Folgendes:
    Die Schüler testen dich aus. Das machen sie bei jedem, egal ob Referendarin oder nicht.
    Die Kinder waren erst 1 Jahr in der Schule, jetzt waren Ferien und am Anfang der 2. ist man manchmal erstaunt, was an Regeln alles "weg" ist. Selbst bei meiner 4. fange ich jetzt gerade mit Regeltraining an. Wichtig ist, dass die Regeln klar und positiv formuliert sind und dass es wenige sind. 2 bis 3 reichen für den Anfang (es sei denn, die Klasse hat Klassenregeln, die du übernehmen kannst). Falls es keine Klassenregeln gibt, würde ich mit dieser Klasse kein demokratisches Regelfinden veranstalten, solange sie sich so aufführen. Da würde ich die Regeln vorgeben. Bitte auch visualisieren, schöne Visualisierungen für Regeln gibt es beim Zaubereinmaleins, falls du etwas brauchst.
    Die Klassenleiterin hat bei den Kleinen den Klassenleiterbonus und jeder Fachlehrer hat es deutlich schwerer.
    Die Kinder können etwas von dir lernen: Nämlich als allererstes, dass es in der Schule mehr als nur ein "Alpha-Tier" (Klassenleiterin) gibt und sie auch auf andere Lehrer hören müssen.
    Im Plenum arbeiten: Es klingt, als würdest du sehr individualisierten Unterricht machen. Ist die Klasse daran gewöhnt? Falls nicht, würde ich das nochmal überdenken, denn diese Form des Unterrichts stellt hohe Anforderungen an die Kinder (Konzentration, intrinsische Motivation, Ausdauer, Arbeitsgedächtnis, Selbstbestimmung, Entscheidungsfähigkeit, Rücksichtnahme, Teamfähigkeit, die Klasse muss eine halbwegs funktionsfähige Gemeinschaft sein). Wenn sie das nicht gelernt haben, sind sie mit sehr offenem Unterricht überfordert.
    Dann können kurze Phasenwechsel mit regelmäßigen kurzen Sequenzen im Plenum anfangs besser geeignet sein. Im Plenum wird ein aktueller Unterrichtsinhalt besprochen und so viele Kinder wie möglich arbeiten an dem Thema. Wer es noch gar nicht kann, bekommt zur Not ein anderes Thema. (Auch z.B. beim Matherad, das ja sehr offen arbeitet, gibt es Plenumsrunden, bei denen sich alle zu einem Thema unterhalten, auch wenn sie noch nicht so weit sind.) Dieses Vorgehen eignet sich erst einmal nicht für Unterrichtsbesuche, aber um Fuß zu fassen in der Klasse und um die Kinder "abzuholen".

    Für die Kinder mit ganz großen Problemen: Gibt es Förderunterricht? Oder Nachhilfe? (Bei uns bekommen Kinder aus geringverdienenden Familien kostenlosen Nachhilfeunterricht, wenn sie sehr schlechte Leistungen haben.)

    Versuche, die Klassenleiterin mit "ins Boot" zu holen und die Kolleginnen in den angrenzenden Räumen (um mal einen dort hinbringen zu können, der dir die Stunde schmeißt).

    So, das ist jetzt sehr viel, das ist auch nur meine Meinung / Erfahrung und jeder ist anders. Aber vielleicht kannst du etwas für dich Sinnvolles herausziehen.

    Das Silbenschwingen hat gerade bei schwächeren Schülern einen deutlichen Mehrwert. Es unterstützt die Wortdurchgliederung und hilft den Kindern sich auf kleine Einheiten der Worte zu fokussieren. Sonst neigen die Kinder dazu Ganzwörter abzuspeichern, was schnell in die Hose geht.

    Das Silbenschwingen ist die absolute Basis für alle Kids mit LRS oder groben Rechtschreibproblemen oder auch für Lernanfänger. Besonders die Vokale werden zu Beginn häufig vergessen. Also muss die Regel mit den Silbenkapitänen eingeführt werden und es wird fleißig geschwungen.

    Unbestritten, selbstverständlich und natürlich auch noch in Klasse 4. Aber es ist nicht alles. Danach muss es weitergehen.
    Wobei meine schwächeren Schüler weder Ganzwörter abspeichern noch sich auf Einheiten fokussieren. Silbenkapitäne werden wir dann sicherlich auch wieder "neu lernen" in Klasse 4, weil sich ein großer Teil gaaaaar nicht mehr erinnern kann. Aber das ist ein anderes Thema.

    Ich würde zunächst mit der Phonem-Graphem-Korrespondenz beginnen, dann die Rechtschreibung nach und nach phänomenorientiert und zwischendurch die Lernwörter, die keinen Regelmäßigkeiten folgen, behandeln. Das ist wahrscheinlich die klassische und für mich logischste Herangehensweise. Das kann man natürlich mit Silbenschwingen ergänzen, aber ich erkenne dabei keinen sonderlichen Nährwert, außer dass die Kinder noch deutlicher wahrnehmen, dass "Ha-se" aus zwei Silben besteht.

    Beim phänomenorientierten Beibringen der Rechtschreibung stößt du dann wieder auf den Artikel im Ausgangspost.
    Genauso mache ich es natürlich auch, logisch, aber irgendwann stößt man auf die sinnfreien Rechtschreibregeln. Ich dachte, da gäbe es noch Tipps.

    @ Conni
    Von dieser Schweizer Methode habe ich irgendwo auch einmal gelesen. Ich habe mal gegoogelt.
    Da bin ich auf ein linguistisches Prinzip gestoßen, das sich nach der Betonung der Silben richtet. Das Konzept heißt "Vom Sprachrhythmus zur Rechtschreibung" und wurde von Dr. Zvi Penner entwickelt. Vielleicht meinst du das. Auf jeden Fall ist es ein anderer Ansatz.

    Ja, das ist es, die Wortfabrik! Auf dieser Seite weiter unten, die blauen Kästchen ("Werkhallen"): Wortfabrik
    Was ich daran kompliziert finde ist, dass es sehr viele Ausnahmen gibt:
    Einsilbige Wörter funktionieren nicht, Wörter mit Vorsilben müssen anders behandelt werden, gebeugte Verbformen natürlich auch und Ausnahmewörter etc. pp. Ich fand, das waren noch mehr Ausnahmen als bei FRESCH.

    Conni: Bezüglich der Karteikarten: Ich habe als Schüler selbst gerne mit der Lernwörterklinik gearbeitet. Geht das nicht in eine ähnliche Richtung?
    Bezüglich des Schweiter Professors: Meinst du die Fresch-Methode? Materialwiese arbeitet hiermit. Ich habe diese Methode bislang auch nicht ganz durchdrungen und frage mich, ob es wirklich eine derartig komplexe Methode im Rechtschreibunterricht braucht. Generell erscheint mir das ganze Gedöns mit Silbenschwingen und co. etwas befremdlich, aber gut - für jeden didaktischen Trend gibt es einen Abnehmer ;) .

    Lernwörterklinik: vermutlich ja. Davon wird es aber nicht schneller.
    Nein, kein Fresch, Fresch = Freiburger Rechtschreibschule. Die Methode, die ich da gesehen habe, kommt aus der Schweiz und arbeitet u.a. mit Moren. Ein wirklich völlig anderes Konzept. Ich fand es noch komplexer als Fresch.
    Naja, was machst du außer Silbenschwingen? Wie bringst du Rechtschreibung bei, welche Methode ist praktikabel?

    Genauso erkläre ich es den Schülern auch.

    Ich habe die Regel in meiner jetzigen Klasse noch einmal umformuliert:
    Nach kurzem Selbstlaut folgen mindestens 2 Mitlaute. Wenn du nur einen hörst, verdopple ihn.

    Damit kommen Schüler, die lang-kurz unterscheiden können, nach einigem Üben gut klar. Die Unterscheidung ist allerdings ein massives Problem: Mal abgesehen vom hohen Anteil rechtschreibschwacher Schüler, die es nicht können / nicht hören oder massiv unsicher sind, haben auch Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache ein Problem damit, wir haben viele russischstämmige Kinder, die können das auch nicht. Auch zeitaufwändiges Üben bringt nur kleine Fortschritte.

    Leider sind auch andere Fähigkeiten so eingeschränkt, dass die beschriebenen Übungsmöglichkeiten kaum weiterhelfen, weil die Arbeit mit den Karteikarten eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeewig braucht und sich die Kinder mit Schwierigkeiten die Wörter trotzdem nicht merken. (Problem des Arbeitsgedächtnisses, das ist bei einigen meiner Schüler auf einem Level, welches üblicherweise beim Förderschwerpunkt "geistige Entwicklung" auftaucht, wohlgemerkt bei normal intelligenten Kindern.)

    Die Regel mit dem h (j gesprochen) klappt auch nicht: Wir sprechen hier tatsächlich "blün" und "gen". Solange ich die Wörter vorspreche, mag es Kinder geben, die das "j" hören und daraus ein "h" machen können, sobald sie es selbstständig anwenden sollen, wird es schwierig.

    Ableiten funktioniert (bei halbwegs schreibfähigen Schülern) ziemlich gut.

    Was ich wirklich unangenehm finde ist, dass in den gängigen Lehrwerken immer wieder die sinnlosen Strategien trainiert werden und sogar unser LRS-Expertin nebst des von ihr favorisierten Verlages (mit Vögeln im Namen und sehr teuren Materialien) derartige Strategien ("bel-len") favorisiert.

    Eine interessante Fortbildung, die ich mal besuchte, ging nach linguistischen Prinzipien vor. Das wurde von einem Schweizer Professor entwickelt und soll laut Referentin effektiv sein. Mir fällt gerade nicht mehr ein, von wem das war oder wie es hieß. Man muss immer die betonten Silben finden ud nur diese werden bestimmten Rechtschreibstrategien unterzogen. Ich fand es relativ komplex, da würde man vermutlich eine Fortbildungsreihe benötigen.

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