Bei mir haben ganz viele Leute die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Die hielten mich für zu intelligent, zu introvertiert oder zu schüchtern für "Lehrerin / Grundschullehrerin". Den größten Hau weg hatte aus heutiger Sicht ein Erziehungswissenschaften-Prof, der die Studenten anhand einer Hausaufgabe in das Riemannsche Persönlichkeitsmodell einteilte und ihnen dann die Eignung als Lehrer/in zu- oder absprach. Mir absprach, v.a. nicht an der Grundschule, da müsse man Entertainer und Clown und Showmaster in einem sein.
Nun bin ich ein ziemlicher Dickkopf und trotzdem Grundschullehrerin geworden (über den Umweg des Gymnasiallehramtsstudiums). Und was soll ich sagen? Ich habe gar keine Probleme, vor Kindern zu sprechen. Elternversammlungen sind am Anfang aufregend und mir sagten auch Kolleginnen, dass sie nach 30 Berufsjahren immer noch aufgeregt sind - bei mir hält sich das wirklich sehr in Grenzen. Gesprächsführung kann man lernen, wenn man da unsicher ist (Kurse mit praktischen Übungen). In den ersten Jahren als Lehrerin habe ich auf Elterngesprächen viel geschwiegen. Es war unglaublich spannend, weil die Eltern dann ins Reden kam und ich viel über die häuslichen Verhältnisse, die Weltsicht und die Eltern-Kind-Beziehung erfuhr. Inzwischen bin ich da stringenter und rede mehr, weil das effizienter bzgl. Zeit und Fortschritte der Schüler ist.
Großartig zum Entertainen und Showmasterspielen komme ich übrigens gar nicht, denn der Mitteilungsdrang der Kinder ist groß und der Lehrplan tut ein Übriges. Das passt schon.
Letztlich ist der Mensch auch ein anpassungsfähiges Wesen: Man gewöhnt sich in einem gewissen Umfang daran, vor Menschen zu sprechen.
Ich persönlich glaube nicht, dass du in 5 Jahren auf der Straße stehst, wenn du eine gewisse Flexibilität des Wohnortes mitbringst: Die Pensionierungswelle rollt noch einige Jahre.