Beiträge von Conni

    Ich kann mir in der Praxis ehrlich gesagt kaum vorstellen, dass ein Lehrer mit SEKII-Abschluss in Deutsch (also Oberstufen/Abiturniveau!) ein Interesse daran hat, kleinen, kreischenden Kindern mit Förderbedarf und keinen Deutschkenntnissen das Lesen und Schreiben beizubringen, zumal die SekII-Ausbildung das auch nicht hergab. Die warten lieber auf eine Vertretungsstelle oder wandern solange in die Wirtschaft ab, bis am Gymnasium eine Stelle frei wird.

    Wir haben einige davon mit den entsprechenden Folgen.
    In Berlin ist alles möglich.
    Es gibt inzwischen vereinzelt sogar Quereinsteiger ohne Uni-Abschluss. Und wenn das so weitergeht, sammeln wir die Tengelmann-Verkäuferinnen ein. Die können lesen und schreiben und kennen Lebensmittel. Also ab in die Grundschule. :traenen:

    Ich bin an einer Brennpunktschule und habe Erfahrungen mit Flex und Flo in Kl. 1 bis 3, Einstern in 1/2 und Welt der Zahl 3.
    Ich kann mit der derzeit aktuellen Einstern-Auflage am meisten anfangen. Es geht in kleinen Schritten vor, die Kinder können relativ selbstständig arbeiten und es verwendet sinnvolle Veranschaulichungen. Ferner sind die Themen Geometrie, Sachrechnen, Kombinatorik in die Hefte mit eingeflochten, sodass man wirklich immer nur ein Heft benötigt.
    Flex und Flo ist auch gut. Ich finde manchmal etwas zu wenig Übungsaufgaben für unser Klientel. Ich persönlich vergesse über der Verzweiflung, die in jeder Klasse beim Unterrichten minimalistischer Rechengrundlagen bei mir aufkommt, oft mal das Sachrechnen oder das Rechnen mit Geld. Es fällt einfach hinten runter, weil ich mir denke: Wenn 5 + 4 noch immer 7 ist oder 4x9 zwischen 33 und 41 schwankt, muss ich mit dem Rechnen mit Geld nicht anfangen.
    Welt der Zahl fand ich noch etwas schwieriger und habe viel aus Flex und Flo dazukopiert.

    Die ERV bietet Kostenerstattung für die ganze Gruppe bei Ausfall der Begleitperson an, wenn diese aus versichertem Grund ausfällt. Meine letzte Reise war mit dieser Versicherung abgesichert, weil wir über ein Reisebüro buchten und dieses diese Versicherung empfahl.
    Ein Kind kam aus Krankheitsgründen nicht mit. Diesem Kind wurde der Preis nicht erstattet, da es erst 2 Tage nach Fahrtbeginn zum Arzt ging und damit die Versicherung nicht von einer "schweren Erkrankung" ausging. Mehr Erfahrungen habe ich diesbezüglich nicht, aber du könntest abgleichen, ob dir die Tarifbedingungen zusagen.

    "Altbacken" macht übrigens nichts. Im Gegenteil, diese vielen Teddybären und x verschiedene Darstellungsformen auf einer einzigen Mathebuchseite macht die Kinder nur wirr.

    Die haben auch schon viele Darstellungen mit denen sie die ikonische Ebene abdecken. Die Abbildungen sind an sich etwas "altbacken". Das ganze Heft ist in schwarz-weiß gehalten, es ist einfach nicht so bunt wie viele neuere Hefte, das finde ich ganz gut. Außerdem sind die Aufgabenformate zu jeder Zahl/Menge bis 10 gleich und werden auch in den Zahlenräumen darüber immer wieder aufgegriffen, das macht es aus meiner Sicht besonders gut handhabbar für Kinder, die verunsichert sind und sich wenig zutrauen.

    In Berlin ist - wie in Brandenburg - die Note in der 3/4 aussetzbar (durch die Schulleitung). Alle anderen erhalten eine Zensur mit * und einen Hinweis, dass sie an Förderunterricht zur Behebung von Rechenschwäche teilnahmen.
    Es wäre sinnvoll, wenn es solchen Unterricht in jeder Schule gäbe.

    Ich schließe mich komplett den Vorschreiber/innen an:
    - Rückkehr in den Zahlenraum bis 10, wenn dieser nicht sicher ist.
    Schwierig ist es, wenn du keine Einzelförderung mit dem Kind hast, du kannst es ja nicht "nebenbei" parallel beschulen.
    Wir haben für Kinder mit einer starken Rechenschwäche "Rechnen ohne Stolperstein". Das sind Hefte, die ewig lang für den Aufbau der Zahlenräume Zeit lassen, viel viel Übungsmaterial, immer ähnliche Übungen. Leider etwas "altbacken" von der Optik her und es wird ein anderes 10er-Feld verwendet als in den meisten üblichen Mathematikbüchern.
    Die Lerntherapeuten bei den Duden-Instituten verwenden Mehrsystemblöcke und stellen die Mengen bis 10 mit Würfeln als Würfelbilder da. Also bei "6" werden z.B. 5 Einerwürfel wie eine 5 auf dem Würfel angeordnet und daneben ein einzelner. Damit wird "die Kraft der 5" gesichert und gleichzeitig kann man diese Darstellung wesentlich schneller überblicken als 5 blaue und 1 rote Kugel auf dem Rechenrahmen. 16: 1 Zehnerstange und die 6 Einer wie beschrieben. Die Duden-Reihe arbeitete in Kl. 1/2 so. Ich habe mit einem Teil meiner jetzigen Klasse am Anfang der 2. Klasse im "Schnelldurchlauf" den ZR bis 10 so noch einmal gefestigt und gute Erfahrungen gemacht, ebenso in der Förderung für rechenschwache Schüler, die leider zur Zeit immer weiter gekürzt wird (schulinterne Entscheidung).
    Eine weitere Variante sind die Indianerhefte, die hier auch schon erwähnt wurden.

    Keine Ahnung, es ist intransparent. Ich vermute, dass die Kolleginnen der WK mit der Schulleitung die Absprache treffen? Mich hat das in den vergangenen 2 Jahren nicht betroffen, da ich in der SaPh war und da kommen die Kinder nicht in die WK, sondern direkt in die Klassen.
    AV: Müsste der Schulleiter haben und der Personalrat.

    Ob das durch eine AV genau geregelt ist, weiß ich nicht.

    Bei uns kommen die Kinder inzwischen i.d.R. eine Klassenstufe unter die, in der sie laut Alter wären. Damit haben sie teilweise immer noch erhebliche Lücken. Man muss aber auch sagen, dass wir 2 WK-Lehrerinnen haben, die ihre Sache sehr gut machen. Das heißt, die Kinder können lesen, schreiben und zumindest ganz grundlegend rechnen, wenn sie in die Klassen kommen.
    Rechtlich ist nur festgelegt, dass sie 2 Jahre lang keine Zensuren in Deutsch bekommen. Wenn das nicht ausreicht, werden die Sonderpädagoginnen hinzugezogen.

    Eine Zeit lang wurden sie auch mal 2 oder sogar 3 Stufen tiefer in die Klassen gegeben, aber das gab Probleme, weil sie einfach ein ganz anderes Alter als die Mitschüler hatten, das wirkte sich auf das Selbstvertrauen, die Lernhaltung und das Verhalten negativ aus.
    Ein Kind, das gar nicht lesen und rechnen kann, müsste ja eigentlich in die 1, denn in der 2 holst du das auch nicht mehr wirklich auf. Das System krankt an dieser Stelle und die perfekte Lösung gibt es sicher nicht.

    Den Anspruch, in einer Stunde diese Rückstände aufzuholen, solltest du dir nicht stellen.
    Ich sehe es wie die Vorschreiber/innen: Buchstaben wiederholen, Buchstaben verbinden. Vielleicht kannst du dir Intra-Act-Plus kaufen (Ordner, meiner hat 25 € gekostet), da kannst du Blätter draus kopieren, mit denen die Kinder Buchstaben, Silben und erste Wörter lesen üben können.

    Am wichtigsten erscheint mir hier eine Zusammenarbeit mit der Klassenlehrerin. Wenn ich die Klassenlehrerin der besagten Klasse wäre, hätte ich dir niemals einfach so eine Gruppe gegeben und du dürftest dich selber drum kümmern, sondern ich hätte dich über den Leistungsstand, die Hintergründe und ein ungefähr sinnvolles Niveau informiert. Zusätzlich hätte ich dir Fördermaterialien angeboten.

    Grundschule. Wir nehmen alle. Es war ja nicht das erste und das letzte Jahr mit Lehrermangel. 18% aller an Grundschulen eingestellten Lehrer sind Grundschullehrer. (Nur so als Info an alle die hier mitlesen und über das Desaster nicht informiert sind.)
    Wenn du an die Grundschule gehst, ist die Sonderpädagogik inklusive, du kommst gar nicht drumrum. (Eher ohne Qualifikation, du arbeitest dich einfach ein.) Die besten Möglichkeiten bestehen da an Brennpunktschulen.

    Ok, das klingt minimal zynisch. Es ist ein wenig zynisch. Aber nicht dir gegenüber, sondern der Bildungspolitik. Ich sage zur Zeit scherzhaft, dass ich meine Hausärztin bitten werde, mich als Quereinsteigerin anzulernen, damit ich ihre Praxis übernehmen kann, wenn sie in Rente geht.

    Wenn du es ausprobieren willst, würde ich das Praktikum an deiner Stelle versuchen. Du kennst Lehrer aus dem näheren Umfeld und du willst unbedingt in die Schule - ich kann mir vorstellen, dass es dich dein Leben lang ärgert, wenn du den Versuch nicht wagst. Kannst du überprüfen lassen, ob dir genug anerkannt werden würde?

    Mir wurde vom Erziehungswissenschaftler mit psychologischer Zusatzausbildung gesagt, ich wäre total ungeeignet. Zu zurückhaltend, zu distanziert. Meine ehemalige Grundschullehrerin fiel fast um, als sie hörte, dass ich Lehrern werde, "zu schüchtern". Mein Gymnasialdirektor rümpfte die Nase, wobei ich glaube, dass das eher seine Einstellung zu Grundschullehrern widerspiegelte und er meinte, aus mir müsse eine bekannte Physikerin oder Mathematikerin werden. Im Musikexamen wurde ich gefragt, ob ich schon mal ein Praktikum gemacht hätte. Der Direktor meiner Referendariatsschule fragte mich nach bestandenem Examen (1,xx), was ich beruflich machen möchte, Lehrerin ja wohl kaum. Ich habe mich lange Zeit sehr verunsichern lassen und sehr unter meinen daraus genährten Selbstzweifeln gelitten.
    In den ersten Jahren als Lehrerin hatte ich einige Probleme - wie viele andere Anfänger auch. Vor allem mit verhaltenskreativen Schülern, ich wartete zu lange, bis ich eingriff. Ich fürchtete mich vor Kumulationen verhaltenskreativer Kinder im Fachunterricht Musik, vor allem montags und freitags in der 6. Stunde, in denen für Stundenplaner beliebte Zeiten zu sein scheinen, um nach einem langen Unterrichtstag konzentrierte, ausdauernde und völlig fitte Drittklässler für Musik zu begeistern.
    Ich habe gleichzeitig an mir gearbeitet, ich habe Fortbildungen besucht und mich dazu gezwungen, in bestimmten Situationen neue Verhaltensweisen auszuprobieren.

    Inzwischen bin ich eine gestandene Lehrerin, an meiner Schule anerkannt, bei meinen Schülern beliebt. Ich kann mich in meinen Lerngruppen durchsetzen. Ich habe gelernt, proaktiv einzugreifen, um Stress und Eskalation zu vermeiden. Ich kann vor Klassen agieren und mich zurückhalten, während ich aufgabenlösende Kinder begleite und berate. Ich kann herzlich sein - das bin ich aber weniger als die meisten Kollegen. Trotzdem baue ich zu den meisten Schülern schnell einen "persönlichen Draht" auf.
    Neulich saß eine Kollegin in meinem Unterricht und bewunderte mich für meine Ruhe und Gelassenheit in Anbetracht meiner in dieser Stunde sehr quirlig-unaufmerksam-lauten Klasse. Ich finde, dass die Medaille einfach oft mindestens 2 Seiten hat.
    Ich bin sehr froh, dass ich meinen Weg gegangen bin und nicht auf die ersten Ausbilder und ehemalige Lehrer gehört habe.

    Den Vorschreibern kann ich mich insofern anschließen, als dass du ein etwas "dickeres" Fell benötigst. Ich bin vielen begegnet, in deren Köpfen Lehrer Showmaster, Entertainer oder Sportler aus Turnvater Jahns Zeiten (frisch, fromm, fröhlich, frei) sind. Schülern gegenüber natürlich auch, aber das wird viel besser, wenn du das dicke Fell ggü. den o.g. Menschen hast. Praktika sind hilfreich, aber wichtig ist, dass du im Praktikum ausprobierst und kein "gestandener Lehrer" sein musst.

    -Wenn irgendwas gut läuft, konkret loben. "Ich freu mich, dass du auf deinem Stuhl sitzt/ so viel weißt/ deinen Mitschüler freundlich gefragt/ dich gemeldet hast..." (manche können auch damit nicht umgehen, ist aber trotzdem wichtig)

    Es gibt die Möglichkeit, statt Lob ("Ich freue mich...") eine Feststellung zu formulieren: "Ich sehe, du sitzt an deinem Platz." Das wurde uns in einer Fortbildung als Tipp gegeben, wenn Kinder mit Lob nicht umgehen können. Musste ich in meiner Klasse bisher nie anwenden.

    Wichtig ist, dass hier eine Klassenkonferenz (oder wie auch immer das bei euch heißt) stattfindet, in der über die Probleme des Kindes und konkrete Maßnahmen gesprochen wird.
    Wir haben für derartige Kinder Rückmeldepläne: Ein Hefter mit einem Blatt, auf welchem das Verhalten notiert wird. Wichtig ist hier: 1 Wochenziel ("Ich sitze am Platz." - "Ich gehe vor die Tür, wenn es mir zu viel wird." - "Ich gehe vor die Tür, wenn der Lehrer es sagt."), idealerweise mit dem Kind und den Eltern besprochen. Das wird längere Zeit beibehalten, also gerne mal 6 oder 8 Wochen. In jeder Stunde wird vom Lehrer ein Smiley eingetragen, sodass du jede Stunde diesen Hefter ganz normal zu Gesicht bekommst. Vorteil: Es wird "normal", du musst nicht drohen, um eine Rückmeldung geben zu können und du gibst nicht nur eine Rückmeldung, wenn es ganz schlimm läuft, sondern eben auch, wenn es gut läuft.
    Wichtig ist, dass es einheitlich gehandhabt wird - und dafür ist der Klassenleiter zuständig - genauso wie für einheitliche Regeln für dieses Kind, an die sich alle beteiligten Lehrer halten.

    Ich habe derzeit ein em-soz Kind in der Klasse, welches auf "Setz dich an den Platz." meist reagiert. Das ist nämlich sehr sehr unterschiedlich und immer individuell.

    Das höre ich hier jetzt auch schon das 25te Mal. Ich habe mich bei 12 (!) der Studien, an denen ich teilgenommen habe, angemeldet um die Ergebnisse zu bekommen. Das erste Mal vor 7 Jahren. Bisher habe ich noch kein einziges (!) Ergebnis bekommen.
    Jetzt mal Butter bei die Fische: ist das nur so ne Floskel, die man sagen muss?

    An die user hier: Hat ihr irgendjemand schonmal irgendein Ergebnis zugeschickt bekommen? Oder haben die nur mich alle nicht lieb?

    Ich bin in einer Datenbank für psychologische Studien eingetragen. Dort habe ich ein paar Mal an Befragungen teilgenommen, die nicht aus der pädagogischen Psychologie kamen und "gefühlt" bei 2/3 der Umfragen eine Rückmeldung bekommen. Bei den pädagogischen Umfragen bislang auch nicht.

    Auch komisch fand ich, dass man zwar die vorgegebenen Informationen filtern und sich seine Note überlegen konnte. Aber es war scheinbar uninteressant, wie man nun zu seiner Note kommt. (Oder kommt die Frage später noch? Schade.)

    kl. gr. frosch

    Nein. Kommt nicht mehr. Du bekommst eine Liste, in der steht, was du den Schülern für eine Note hättest geben sollen. Denn jeder weiß, dass die Benotung bundeseinheitlich und objektiv ist. Immer. Punkt.

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