Lies dich möglichst schnell in Classroom- Management/ Klassenführung ein, um dann einfach durchzuprobieren, was für dich, aber auch in der jeweiligen Lerngruppe funktioniert und was nicht. Immer im Anschluss an Stunden gezielt reflektieren, wie du im Nachhinein die eine oder andere Situation besser hättest lösen können, um genau diesen alternativen Weg dann beim nächsten Mal, wenn eine vergleichbare Situation auftritt, ausprobieren zu können. Nach und nach findest du so deinen Weg, das braucht aber schlicht Zeit, die du dir geben musst.
Sehr konsequent von Anfang an agieren in allen Lerngruppen. Bei Minderjährigen Eltern hinzuziehen, bei Azubis den Betrieb mit einbeziehen, alles dokumentieren und wenn dich jemand derart beleidigt, aber niemand den Namen nennen will spätestens am nächsten Tag mit der SL in der Klasse stehen (und entsprechende Konsequenzen ziehen), um nicht nur den Namen herauszufinden, sondern auch deutlich zu machen, dass sie damit nicht durchkommen bei dir.
Lies dich in dem Kontext ebenfalls möglichst schnell ein im Schulrecht deines Bundeslandes in Ordnungsmaßnahmen und Strafen, damit du in diesem Bereich rechtssicher agieren kannst.
Such dir zusätzlich erfahrene KuK in deinen Fächern, um trotz der Vertretungsstunden noch hospitieren zu können und frag in deinen Fachschaften, ob jemand bereit wäre mal exemplarisch eine Stunde mit dir im Fach zu planen, damit du das auch nicht erst in einigen Wochen halbwegs vernünftig hinbekommst, wenn die praxisbegleitende Ausbildung startet. (Leute einzeln, persönlich ansprechen, nicht unverbindlich in die Runde fragen, sonst kann es leicht sein, dass sich alle in der Gruppe „verstecken“, weil ja niemand sich persönlich angesprochen fühlen muss. Lehrpersonen agieren schließlich nicht automatisch anders als SuS, nur weil sie erwachsen wären und in einem sozialen Beruf tätig sind.)
Nicht unterkriegen lassen. Seiteneinstieg ist knallhart und leider meist so gestaltet, dass die Leute erst später lernen, was sie machen, nachdem sie bereits längst vor Klassen stehen und sich damit eine Menge falscher/ problematischer Vorgehensweisen angewöhnen können.
Klär mit der Gewerkschaft deines Vertrauens, ob diese Zusatzangebote für Seiteneinsteiger: innen oder auch Anwärter: innen hat, an denen du als Mitglied kostenfrei oder kostengünstig teilnehmen könntest. Vor allem in Bundesländern mit sehr vielen Seiteneinsteigenden in den Schuldienst haben die Gewerkschaften auch zielgerichtet Angebote für diese Gruppe. Ansonsten gibt es aber eben auch zahlreiche hilfreiche Angebote sei es für Anwärter: innen (Schulrecht, Klassenführung,…) oder auch Junglehrpersonen, die dir weiterhelfen können.
Last but not least: Wenn du keine Begleitung hast, kein Lehramtsstudium mit einschlägigen Praktika, keinerlei Vorerfahrung in der unterrichtlichen Arbeit und auch keinerlei Unterstützung durch Mentorinnen und Mentoren oder auch ein Seminar hast, dann ist es nicht weiter überraschend, wenn erst einmal auch gar nichts klappt in manchen Klassen. Den Beruf muss man schließlich lernen, um ihn zu beherrschen, genau wie alle anderen Berufe.
Hak solche Stunden also als Lehrgeld ab und lern aber auch aktiv aus diesen, indem du diese kritisch reflektierst („Was hätte ich anders lösen können?“) und dir dann für die nächste Stunde zwei bis drei zielgerichtete Veränderungen vornimmst (was du anders machen / beachten willst in der Stunde), damit du diese Dinge nach und nach verinnerlichst und besser machen kannst.
Plan zu Beginn deine Stunden so, dass du dir genaue Sätze aufschreibst die du als Arbeitsanweisungen gibst, damit du diese in Ruhe vorbereiten kannst und sie möglichst klar und eindeutig werden. Visualisierungen über Präsentationen (mit unterstützenden Bildern wenn möglich/ sinnvoll) helfen in allen Klassen, ganz besonders aber in Lerngruppen, in denen die Bildungssprache nur begrenzt beherrscht wird, was auf die Mehrheit deiner Klassen zutreffen dürfte. Diese klaren Sätze kannst du dann einfach aus einer Planung ablesen.