Was ich sagen will: vielleicht KANN Schule bei einem gewissen Anspruch schlichtweg nicht auf häusliche Mitarbeit des Elternhauses verzichten. Unsere Schulen sind mittlerweile vollgestopft mit Förderangeboten, oft fällt aber auf, dass gerade diejenigen, die sie nötig hätten, sie nicht annehmen, und auch die (eher bildungsfernen) Eltern die Notwendigkeit nicht sehen. Und dann ist das eben so und man sollte vielleicht eher schauen, in welcher Ausbildungssparte die Kinder und Jugendlichen gut aufgehoben wären. Zwischen Uniabsolvent und Lagerarbeiter liegen ja glücklicherweise noch sehr viele sehr gut bezahlte Optionen, die man evtl. auch einfach mal wieder angemessen wertschätzen könnte.
Es verwundert mich jedes Mal wieder, wenn Gymnasialkolleg:innen von angebotenem Förderunterricht schreiben.
Deine Schule mag vollgestopft sein mit Förderangeboten, meine ist es nicht. Offenbar leisten wir uns Förderkurse für diejenigen, die es auf das Gym geschafft haben, nicht aber für diejenigen, die das Lesen erst noch lernen müssen.
An GS in meinem BL gibt es zwar im Erlass ausgewiesene Fördermöglichkeiten, jedoch keinerlei Stunden für die Förderung in D und Ma. Darum werden in den Grundschulen ehrenamtlich Leseeltern oder Lesepat:innen eingesetzt, so man Ehrenamtliche findet, die sich nicht nur um die eigenen Kinder, sondern eben unentgeltlich auch um diejenigen kümmern können und mögen, die keine Hilfe im Elternhaus hinsichtlich des Lernens und Übens erfahren.
Stunden für DaZ muss man beantragen, mit Einstufung der namentlich genannten SuS, und erhält dann einen Bruchteil der beantragten Stunden, es ist ein Pool, dessen Stunden an die Schulen verteilt werden: mehr Schulen mit Bedarf, weniger Stunden für die einzelne Schule.
Stunden für Begabtenförderung erhält man nur, ist Konzept, nach Aufnahme in einen Verbund, ebenfalls mit Poolstunden: mehr Schulen im Verbund, weniger Stunden je Schule.
Stopfen wir doch gerne mal die Schulen mit Förderstunden voll, die sich der Aufgaben annehmen, die benachteiligten Kinder zu beschulen, vielleicht verlören wir dann sehr viel weniger Kinder und Jugendliche, denen hier manche Forist:innen ein „Pech gehabt, du wolltest ja nicht“ entgegnen und weiterhin ein „Mama macht das schon“ erwarten.
Stattdessen finden schon Eltern, die sich kümmern können, keinen KiTa-Platz für ihr 4jähriges Kind und die mühsam beantragten Zusatzstunden werden Jahr um Jahr zuerst bewilligt und dann gestrichen, weil wir seit über 10 Jahren Lehrkräftemangel haben, genau an den Schulen, an denen viele Kinder mit den Bedarfen sind. Die anderen Schulen haben ja diese Stunden nicht, aber auch eine andere Schülerschaft.
Davon, dass die Schulen mit Förderangeboten vollgestopft seien, kann also gar nicht die Rede sein.
Aber mit „Schuster, bleib bei deinen Leisten“ fordert man, dass diese Kinder später ihre nicht vorhandenen Bildungschancen mehr wertschätzen sollten.