Beiträge von Palim

    Wie sehen das das Kollegium und die Schulleitung? Und wie reagieren bei euch die Eltern, wenn jemand nicht fährt? ("AbER DiE aRmEn KinDEr!1!") Oder springt dann eine Kollegin ein?

    Ich bin früher selbst eingesprungen, als Co-Lehrkraft mitgefahren, bei Krankheit oder Lehrkraft-Wechsel auch kurzfristig mit Fachklassen.

    Dann gab es Absprachen, dass man sich gegenseitig versichert hat, dass man miteinander fahren kann.

    Auf den (meinen) letzten Fahrten gab es mehrere chronisch kranke Kinder und immer mehr zusätzliche Anforderungen. Auch da muss man bereit sein, die Verantwortung zu tragen.

    Zwischenzeitlich ist niemand mehr gefahren.

    Es gibt lange Gesichter, aber durchaus auch Verständnis, wenn man die Hintergründe darlegt.

    Letztlich können die Eltern/ Kinder nicht bewirken, dass man fährt.

    Die ganz neuen, jungen Kolleginnen möchten gerne fahren, mal sehen, ob und wie es dann umgesetzt wird.

    Die Schulleitung sieht die Mehrarbeit, nicht nur bei Schulfahrten, und ihr ist daran gelegen, dass die KollegInnen längere Zeit im Unterricht stehen und nicht kurzfristig ausbrennen.

    Aber momentan heißt es: Wir sollen auf Klassenfahrt fahren

    Wo steht das denn?

    Momentan ist es freiwillig und damit eine Zusatzleistung.

    Wenn das Ministerium dazu verpflichtet, muss ich fahren und kann die Mehrarbeit doch nicht ausgleichen.

    Auch wir sind sonst mit 2 Leuten gefahren, freie Zeiten sind da kaum drin. Woher ihr den üppigen Personalschlüssel nehmt, weiß ich nicht. Wenn nicht einmal der Pflichtunterricht gedeckt werden kann, reicht es für Extras schon gleich gar nicht.

    Leider ist die Teilnahme in Niedersachsen freiwillig.

    Nein, das ist ein Glück.

    Es gibt genug Jobs, die Unanehmlichkeiten mit sich bringen.

    ... Schulträger ... Ärzte, Feuerwehr, Krankenhaus, Notdienste ... Verkäufer... Stadtreinigung... Hausmeister ...

    Bestimmt.

    Und bei allen diesen Berufen werden die Schichten und Stunden als solche gezählt und müssen entsprechend entlohnt oder ausgeglichen werden. Darum sollen auch pädagogische MitarbeiterInnen nicht mehr auf Klassenfahrten fahren, da ihnen die Zeiten voll berechnet werden. Und darum haben I-Hilfen ein Anrecht auf Ruhezeiten während der Klassenfahrt und die Wahrnehmung ihrer Aufgaben endet damit.

    Lehrkräften stehen diese Ruhezeiten offenbar nicht zu, dagegen übernehmen sie nicht allein die Woche Klassenfahrt samt Vor- und Nachbereitung, sondern auch noch die Vor- und Nachbereitung des eigenen, dennoch zu erteilenden Unterrichts, der in den Grundschulen Niedersachsens durch pädagogische MitarbeiterInnen beaufsichtigt wird.

    Wenn ich dann die 4 Stunden, die man im Gegenzug für eine Wochenfahrt erhält, nehmen möchte, muss ich erneut die Vertretung ausarbeiten und den pädagogischen MitarbeiterInnen bereitstellen, also weitere Mehrarbeit für mich.

    Wenn die Arbeitszeit bemessen wird und entlohnt wird, können wir über Klassenfahrten reden, bis dahin einfach auch mal nicht.

    Und Lehrkräfte, die durch was auch immer gerade mehr als genug belastet sind, müssen dank der Freiwilligkeit in Niedersachsen nicht fahren und sich nicht genötigt fühlen, es doch zu tun, nicht mit und nicht ohne Kinder, nicht als Teilzeitkraft oder als Vollzeitkraft, nicht alle Jubeljahre und nicht jährlich.

    Kurzum: Ich kann das, ich mag das, ich finde es auch sinnvoll, auch in der Grundschule, aber ich mache es nicht länger unentgeltlich und sehe nicht, in welcher Form diese Arbeitsleistung an irgendeiner Stelle eine Entlastung erfahren könnte oder würde.

    Es sind im Grunde Disziplinkonflikte, klar, aber mit einer Beeinträchtigung hat man schlechtere Karten und muss weit mehr Alternativen finden und realisieren, als es andere KollegInnen müssen.

    Zudem glaube ich, dass man durch eine Beeinträchtigung angreifbarer wird und sich womöglich auch eher angegriffen fühlt.

    Auch ist es so, dass man die Beeinträchtigung selbst ja auch im Alltag kompensieren muss, ganz unabhängig von Störungen.

    Wenn dann kein Verständnis entgegengebracht wird, sondern ein "hilft dir selbst, sonst hilft dir keiner", wird es eher schlimmer.

    In den Klassen soll Inklusion für Kinder unterschiedlichster Unterstützungsbedarfe umgesetzt werden.

    Wie viel Entgegenkommen können Beschäftigte erwarten?

    Statt einer Ganz-oder-Gar-nicht-Einstellung vermisse ich, dass man Wege und Möglichkeiten findet, Lehrkräfte soweit zu unterstützen, dass sie noch viele Jahre trotz Beeinträchtigung im System Schule Aufgaben übernehmen können.

    ist es das nicht bei euch? Ich gehe ins Sekretariat und hole mir, was ich brauche.

    Das ist bei uns ziemlich gut und in den letzten Jahren noch um ein Vielfaches besser geworden.

    ABER an anderen Schulen ist es anders

    UND die abgeordneten Lehrkräfte stehen vor unserer Bücherwand und wundern sich darüber, dass wir vor allem für D+Ma wirklich eine gute Ausstattung haben, einschließlich Materialien für die Inklusion, die wir nach und nach weiter aufstocken wollen und werden.

    In manch anderen Fächern könnten wir noch zulegen, in manchen haben wir es gemacht, weil wir in den letzten 10 Jahren so viele Vertretungen (auch ohne Lehramtsausbildung) und Abordnungen hatten, dass es nicht länger ohne Bücher geht.

    Übrigens hat unsere Schulträgerin, man muss sie auch mal loben, im Haushalt generell einen Etat für Inklusion angesetzt, aus dem Unterrichshilfen gekauft werden können, aber auch plötzlich notwendige Ausstattung für die Schulen, sodass es dann keine Probleme mit der Finanzierung gibt, sondern eine zügige Umsetung möglich ist, weil ein Kind an die Schule kommt, das besondere Geräte o.a. benötigt.

    wieder_da

    Eines meiner Kinder in der Klasse hat ähnliche Probleme, manchmal ist es personenbezogen, oft nicht.

    Wie haben einen Verstärkerplan und eines der Ziele ist „kann Hilfe annehmen und nutzen“ (genaue Formulierung müsste ich nachschlagen.

    Im Plan gibt es für jede Stunde per Smiley eine Rückmeldung und er wird zu Hause von den Eltern unterschrieben, sodass diese informiert sind.

    Aber ich möchte doch zumindest selbst entscheiden, ob ich eine Bärchenwanduhr, Lachsmileystempel oder Fledermausstationenarbeit kaufe, selbst erstelle oder einfach ohne lebe.

    Ob ich mit oder ohne Fledermausstationenarbeit unterrichte, kann ich auch entscheiden, wenn sie an der Schule vorrätig ist, wie z.B. Lektüren oder andere Lehrwerke, Anschauungsmaterial etc.

    Auch Büromaterial, einschließlich stapelweise, nicht sanktionierter Laminierfolien sollten vorhanden sein.

    Warum kann man Lehrkräfte bei ihrer Aufgabe nicht derart unterstützen, dass sie aus dem Vollen schöpfen, statt zu erwarten, dass sie ihr Arbeitsmaterial selbst mitbringen?

    Wenn du dann ein Foto auf deinem Schreibtisch oder eine Bärchenuhr an der Wand zur Ausgestaltung deines Arbeitsplatzes benötigst, sei es dir überlassen, die grundlegende Ausstattung sollte aber getragen werden … und zwar nicht von meinem Gehalt.

    Vielleicht hatte ich da bisher immer Pech, aber mir ist noch kein I-Helfer über den Weg gelaufen, der irgendeine Ausbildung oder Erfahrung in dem Bereich hatte.

    Meine Erfahrung sind das Gegenteil zu deinen - mit sehr wenigen Ausnahmen.

    Professionell wäre, wenn sie eine Ausbildung hätten, ja, aber die bisherigen hatten es nicht und waren dennoch sehr pädagogisch und eine große Hilfe - einschließlich der von dir genannten Punkte.

    Allein die Anzahl der Stunden beeinflussen sie nicht und ich schicke sie nach Hause, wenn sie nicht voll bezahlt werden. Auch für Springstunden bin ich nicht zu haben.

    Über die Ämter, die sich hinsichtlich der Bewilligung anstellen, und das Land, dass zwar Inklusion will, aber die Kosten auf die Kommunen abwälzt, kann ich mich viel mehr aufregen.

    Auch wir führen alle BewerberInnen herum und zeigen, wenn gewünscht, die Turnhalle.

    Freie Tage kann es nur geben, wenn mehr als genug Lehrkräfte in Stunde 1-5 zur Verfügung stehen, um die Pflichtstundentafel abzudecken.

    Das ist seit Jahren nicht so, also gibt es auch keinen freien Tag, die Referendarin bekommt die Freistellungen fürs Seminar natürlich.

    Ich spreche es am Schulvormittag ab, während die SchülerInnen arbeiten, während der Pausen drinnen oder draußen während der Aufsicht, also auch zwischen Tür und Angel.

    Es gibt einen Verstärkerplan, den ich aufgestellt habe, den aber die Hilfe führt, alles andere läuft so, weil die I-Hilfe wirklich gut ist, diese und sehr viele andere an unserer Schule bisher auch.

    Als Fachlehrkraft halte ich mich eher mal zurück, wenn die I-Hilfen in den Klassen gut integriert sind und da bestimmte Aufgaben übernommen haben.

    Geht es mir zu weit, gibt es eine deutliche Meinung meinerseits, am Ende bin ich die Aufsichtsperson und verantwortlich in meinem Unterricht.

    Vor Jahren gab es mal gemeinsame Hilfeplangespräche im Amt oder vor Ort, das hat eher nachgelassen, auch wegen Corona.

    Wenn du dir vor der Fahrt ein Bein brechen würdest, müsste auch eine andere Regelung gefunden werden.

    Deine Dienststelle hat nichts davon, wenn du auf der Fahrt ausfällst oder danach länger krank bist, weil es dir zuvor schon nicht blendend geht.

    Sprich es an und versucht dann gemeinsam eine Lösung zu finden.

    Da bekam man von der Arbeitsagentur/Berufsberatung/Studienberatung eine dünne allgemeine Broschüre zu den Studienmöglichkeiten an einer bestimmten Uni, und das war es.

    Blätter zur Berufskunde, habe ich mir auch damals bestellt.

    Aber heute kann man sich wirklich wesentlich besser informieren.

    Vielleicht hat es aber auch einen anderen Hintergrund: Bei uns fragen nun schon die Eltern der Erstklässler nach 2 Wochen Schule, ob das Kind etwas anderes lernen könnte, das was in der Schule dran ist, wäre nicht so passend.

    Sowas ähnliches setzen wir auch ein, in manchen Klassen gibt es einen "Besinnungsbogen", der vom Kind als zusätzliche HA ausgefüllt und zu Hause unterschrieben werden muss.

    Mir gefällt es als HA nicht, sinnvoller finde ich, wenn das Kind sich unmittelbar danach Gedanken macht (während der Pause oder statt einer bestimmten Unterrichtsstunde) und ich dann den Text sehen kann, bevor er nach Hause geht, um Einzelheiten ergänzen zu können, die das Kind vergessen hat (gerne die eigene Beteiligung).

    Im Anschluss ziehe ich eine Kopie und dann geht der Bogen nach Hause.

    Wenn man vorab Konfliktlösung in mehreren Schritten erarbeitet hat (Problem benennen, mehrere Lösungsmöglichkeiten finden, sich für eine entscheiden), kann man in genau diesen Schritten auch eine allgemein aufgestetzt Nachdenkaufgabe gestalten. Dann ist das Vorgehen an sich bekannt und läuft immer gleich ab und die Kinder üben schriftlich, wie sie sich in der Situation hätten verhalten können.

Werbung