Habt ihr Lehrer*innen, die euch geprägt haben?
Ja, durchaus, manche mit positivem, andere mit negativem Vorbild.
Und könntet ihr so einen Prozess benennen, bei dem ihr bewusst gemerkt habt, dass andere Personen einen ganz neuen Gedanken angestoßen haben? Und passierte das im Unterricht?
Bei mir sind es eher die Prozesse, manches für mich persönlich, anderes tatsächlich auch für den Unterricht heute.
In Klasse 6 hatte ich einen sehr lustigen, cool-krumpeligen Mathelehrer, bei dem alles an der Tafel vorgerechnet wurde und HA selten und unwichtig waren. Man musste also nur konsumieren, aber nicht kapieren, die Quittung kam für mich in der Klassenarbeit und bald darauf über den Wechsel in einen anderen Kurs (andere Niveaustufe). Dort gab es viele Aufgaben im Unterricht und als HA und danach wurden Fehler aufgegriffen und erklärt. Also Unterricht anhand der Fehleranalyse. Das hat sehr viel mehr gebracht und ich weiß, dass ich es damals schon beeindruckend fand und gemerkt habe, wie bedeutend methodisches Vorgehen sein kann.
Es gibt noch ein paar Erlebnisse, bei denen ICH gemerkt habe, dass die Unterrichtsformen meinem Lernstil entgegen kommen. Auch wenn Vesters Lerntypen-Klassifikation umstritten ist, denke ich durchaus, dass es unterschiedliche Weisen des Lernens gibt und man verschiedene Angebote braucht, wenn man alle SuS gut fördern will.
Das tatsächliche AHA-Erlebnis hatte ich im Studium in der ersten eigenständig gehaltenen U-Stunde (1./2. Semester), in der ich einen neuen Einstieg probieren wollte, da der naheliegendste schon ein paar Mal von anderen Studierenden aufgegriffen worden war. Ich habe mich dazu überreden lassen, etwas zu machen, das mir absolut widerstrebt, und die Stunde war entsprechend. Das Wort „authentisch“ ist inzwischen viel gebräuchlicher, aber es war ein sehr prägendes Erlebnis, das später immer wieder dazu geführt hat, dass ich die Auswahl der Methoden klar erläutern konnte.
Auch sonst glaube ich, dass es eher ein wachsen an den Aufgaben und ein allmählicher Prozess ist und kann nur weniges auf punktuelle Erfahrungen rückführen. Dann sind es immer Projekte, Handlungsorientierung, außerschulische Lernorte. Aber liegt es daran oder geht das andere im Alltag einfach unter, ist aber gleichbedeutend fürs Lernen, wenn auch nicht so gut zu erinnern?