Und um noch mal zu ergänzen: Warum nicht einfach um 3 Monate (wenn technisch möglich) verlängern. Danach kommt sowieso der weniger kritische Sommer. Letztlich würde man damit 9 Monate gewinnen. Zeit um die LNG-Terminals auszubauen. Weitere Windenergie und Solaranlagen in Betrieb zu nehmen. Zeit mehr Wärmepumpen zu installieren usw..
Sicherlich werden 3 Monate mehr oder weniger in der Regel nicht den großen Unterschied machen.
Doch laut den Überprüfungen, die es längst gab (BR berichtete bereits im Juni darüber). https://www.br.de/nachrichten/wi…rfahren,T9bdS00
Aber Populisten wie Lindner und Söder haben sie nicht akzeptiert (und wer sich im Frühjahr nicht informiert hat, weiß es nicht).
"Die noch verbleibenden drei Atomkraftwerke decken lediglich rund fünf Prozent des Strombedarfs. In Deutschland wird jetzt darüber diskutiert, ob es sinnvoll und möglich ist, diese Atomkraftwerke noch länger laufen zu lassen, um Kraftwerke zu ersetzen, die mit Erdgas Strom erzeugen. So könnte mehr Erdgas für andere Anwendungen zur Verfügung stehen, wenn es in Folge des russischen Einmarsches in der Ukraine knapp würde - beispielsweise, um damit im kommenden Winter zu heizen oder für Produktionsprozesse in Industrie und Gewerbe.
Die wichtigsten politischen Argumente für und gegen eine Laufzeitverlängerung, die Haltung der Betreiber und die größten Hürden für einen Weiterbetrieb im Überblick:
Söder und Lindner für Verlängerung AKW-Laufzeiten
Ministerpräsident Markus Söder (CSU) setzt sich zum Beispiel vehement für den Weiterbetrieb ein. Anfang der Woche sagte er in München: "Wir werden im Winter ab dem 1. Januar neben einem echten Gasproblem noch eine zusätzliche Stromlücke erhalten. Es gibt keine Argumente, außer rein ideologischen Basta-Argumenten, die Kernkraft nicht zu verlängern." In einem BR-Interview beklagte der CSU-Chef, es sei "völliger Unsinn", die Kernenergie nicht weiterlaufen zu lassen.
Ähnlich argumentiert Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP). Er betonte im ZDF, ihn befriedige es nicht, "dass wir die klimaschädliche Kohle verlängern, die Möglichkeiten der Kernenergie aber nicht einmal in Erwägung ziehen".
Habeck gegen längere Laufzeiten bei Atomkraftwerken
SPD und Grüne halten dagegen wenig von längeren Laufzeiten. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagt, sein Ministerium habe das prüfen lassen. Fazit: "Im Ergebnis einer Abwägung von Nutzen und Risiken ist eine Laufzeitverlängerung der drei noch bestehenden Atomkraftwerke auch angesichts der aktuellen Gaskrise nicht zu empfehlen."
Ein AKW-Weiterbetrieb wäre mit "sehr hohen wirtschaftlichen, verfassungsrechtlichen und sicherheitstechnischen Risiken" verbunden, heißt es in einer gemeinsamen Untersuchung von Wirtschafts- und Umweltministerium. Dem gegenüber stehe nur "ein kleiner Beitrag zur Energieversorgung". Man müsste mindestens für drei bis fünf Jahre verlängern, um den Aufwand zu rechtfertigen. Bis 2028 stünden aber, wie es heißt, "andere Möglichkeiten" zur Verfügung, um eine ausreichende Stromversorgung zu gewährleisten.
Scholz: Halte mich mit der Frage nicht lange auf
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) beruft sich auf die "ziemlich einheitliche" Aussage von Experten, wonach die Brennstäbe, also der Antrieb der Atomkraftwerke, für die verbleibenden Meiler nur bis Ende des Jahres reichen. "Die Argumente der Fachleute, die gegen eine Verlängerung sprechen, sind bisher nirgends widerlegt worden", sagte er kürzlich in einem Interview. Daher halte er sich mit der Frage "nicht lange auf".
Viele Experten sind der Meinung, dass es lediglich möglich wäre, die Atomkraftwerke jetzt mit reduzierter Leistung laufen zu lassen, um sie dann noch ein paar Monate Anfang 2023 weiterbetreiben zu können. Die Strommenge die dabei erzeugt würde, ließe sich dadurch aber nicht groß vermehren – sie könnte nur über einen längeren Zeitraum verteilt, also gestreckt werden.
Söder: Isar-2-Brennstäbe halten länger
Das allerdings sieht Ministerpräsident Söder anders. Dem "Münchner Merkur" sagte er, Isar 2 könne im kommenden Jahr noch sechs Monate Strom liefern, ohne, dass in diesem Jahr die Leistung gedrosselt werden müsse, um die Brennstäbe zu schonen. Das würde reichen, um bis dahin neue Brennstäbe zu bestellen - für einen noch längeren Weiterbetrieb. Der CSU-Politiker beruft sich dabei auf ein "Gutachten des TÜV Süd, das vom bayerischen Umweltministerium in Auftrag gegeben wurde".
TÜV-Gutachten: Weiterbetrieb von Isar 2 technisch möglich
Das Gutachten, das auch BR24 vorliegt, ist bereits mehr als zwei Monate alt. Anfang April hatte die Staatsregierung den TÜV beauftragt, zusammenzuschreiben, wie ein Weiterbetrieb der Blöcke Isar 2 und Gundremmingen C aussehen könnte - letzterer wurde schon Ende vergangenen Jahres stillgelegt. Auf den sechs Seiten des Gutachtens wiederholt der TÜV, was das Umweltministerium bereits im April verbreitet hatte: Die Sicherheit der Anlagen sei gegeben, und ein Weiterbetrieb über Jahresende hinaus wäre technisch möglich. Auch ein Wiederanfahren des stillgelegten Gundremmingen C halten die TÜV-Gutachter für technisch möglich - das fordert aber auch die Staatsregierung nicht.
Bei der Frage der Brennelemente bestätigen die TÜV-Gutachter, was der Kraftwerkssprecher von Isar 2 zuvor gesagt hatte: Der jetzt im Reaktor befindliche Brennstoff würde nach dem Jahreswechsel noch für zweieinhalb Monate reichen. Und es wäre prinzipiell möglich, alte Brennelemente aus dem Lagerbecken zurückzuholen und noch brauchbare Teile davon neu zusammenzusetzen. Damit könnte Isar 2 dann weitere drei Monate lang betrieben werden, ohne auf neue Brennstäbe angewiesen zu sein. Und bis August 2023 könnte man laut TÜV frische Brennelemente besorgen.
Beim Betreiber Eon heißt es allerdings ausdrücklich, dass "wir nicht mehr über frische Brennelemente verfügen, die für einen Betrieb erforderlich wären". Mindestens zwölf, eher 15 bis 24 Monaten dauert es, um neue maßgeschneiderte Brennstäbe auf dem Weltmarkt beschaffen zu können. Hinzu kommen entsprechende Sicherheitsprüfungen.
Branche spricht von rückwärtsgewandter Debatte
Auf viel Gegenliebe stößt das in der Energiewirtschaft aber nicht. RWE-Chef Markus Krebber zum Beispiel, als Betreiber des Atomkraftwerkes Emsland, wundert sich über die Debatte. Er spricht von rückwärtsgewandten Überlegungen. Die Atomdebatte komme zu spät. Brennstäbe müssten genau zum Reaktortyp passen. "Wir müssen die neuen Technologien an Bord bringen und nicht Diskussionen führen, ob irgendwas einen Monat länger läuft", so Krebber.
RWE-Chef verweist auf Sicherheitsaspekte
Der RWE-Chef verweist darüber hinaus auf Sicherheitsaspekte. So wurden beispielsweise aufwändige Sicherheitsprüfungen auf ein Ende der Atomkraft zum Jahreswechsel 2022/2023 ausgerichtet. Bei einem Weiterbetrieb würden also bald sehr umfangreiche Prüfungen anstehen, die ein Herunterfahren der Kraftwerke erfordern.
Auch Eon, mit seiner Atomsparte Preussen Elektra (Isar 2), und EnBW (Neckarwestheim 2) sprechen sich nicht offen für den Weiterbetrieb aus. Sie verweisen auf die Position der Bundesregierung. Eon aber mit dem Hinweis, "dass ein Weiterbetrieb von Isar 2 unter gewissen Voraussetzungen möglich wäre, aber einen gewissen zeitlichen Vorlauf benötigt".
Herausforderungen beim Personal
Hinzu kommen Herausforderungen beim Personal zum Betrieb der Anlagen, bei der Wartung und auch bei den Aufsichtsbehörden und Sachverständigen. Alle Beteiligten haben sich bei der Disposition ihrer Beschäftigten auf ein Ende im Dezember 2022 eingestellt."
Also 3 Monate lohnt den Aufwand nicht, es müsste schon Jahre sein. Da auf die Überprüfung 2019 verzichtet wurde, müsste sie jetzt nachgeholt werden, die ein Herunterfahren der Kraftwerke erfordert. Ich bin kein Jurist, weiß nicht wie schwierig die rechtliche Lage ist (als Laie sieht man wenig Probleme), auf Sicherheitsprüfungen möchte ich aber nicht verzichten (siehe Frankreich, aktuell ein Riesenproblem).
Bei Erdbeben dachte ich an unsere in Baden-Württemberg (bei den anderen verfolge ich es weniger). Philippsburg wurde zum Glück inzwischen abgeschaltet (ein Verwandter hat dort gearbeitet), Überprüfungen wurde mehrfach vorgetäuscht, es war angeblich nur auf Erdbeben von 4,5 - 5,5 ausgelegt (wir hatten vor 2 Wochen wieder einmal 4,2)
https://www.ausgestrahlt.de/themen/atomsta…philippsburg-2/
Auch Neckarwestheim ist nur etwas besser geschützt.
"Die Untersuchung der Reaktorsicherheitskommission (RSK), die im Auftrag der Bundesregierung nach Fukushima erstellt wurde, zeigt, dass die Mehrheit der AKW nicht ausreichend gegen Erdbeben gesichert sind.
Die RSK hat für ihre Untersuchung ein Level-Modell erstellt, in dem von einer Erdbebenwahrscheinlichkeit von 10-5/Jahr mit einer bestimmten angenommenen Stärke ausgegangen wird – darauf sind die deutschen AKW laut Aussagen der Betreiber vorbereitet.
Level 1 bedeutet, dass die Kraftwerke auch ein Erdbeben, das um eine Stufe höher ausfällt ohne Störfälle überstehen könnten: Diese Anforderung erfüllen nur die AKW Brokdorf und Neckarwestheim 1/2. Alle anderen AKW erfüllen diese Vorgabe nur "möglicherweise". Mindestens das AKW Philippsburg, dessen Block 2 noch bis Ende 2019 laufen soll, steht direkt in einer erdbebengefährdeten Region, es ist also eine tickende Zeitbombe." Aus https://www.bund.net/themen/atomkraft/gefahren/erdbeben/
Auch Fukushima war in diesem Level, das Erdbeben war halt 10x stärker als erwartet.
Prinzipiell hätte ich nichts dagegen die 2,5 Monate für Isar 2 zu genehmigen. Aber ich kann das rechtlich nicht einschätzen und ich glaube den Fachleuten, bevor (bestimmte) Politiker sich einmischen. Aber wenn es den Aufwand erst lohnt, wenn sie bis 2028 weiter laufen (und das für noch nicht einmal 3 Monate), dann bin ich entschieden dagegen. (Eben weil ich seit Tschernobyl, mein 18. Geburtstag, das ganze verfolge.)