Du nutzt als Argument nicht mehr "Kritik an der aktuellen Regierung Israels ist Antisemitismus" sondern "du bist wie meine Nazioma." Kann man machen, erklärt das sinnlose (oder doch: gezielte?) Verhungernlassen der Bevölkerung in der Region heute aber nicht.
Oder ist deine Meinung, dass Kriegsgreuel und Völkerrechtsbrüche halt leider notwendig sind, um Terrorismus zu bekämpfen? Wäre es nach deiner Ansicht aus Prinzip gerechter gewesen, wenn deine Mutter verhungert wäre, um ihre Nazimutter zu läutern? Und da reden wir gerade nur von Folgen, die Flucht automatisch mit sich bringt und nicht von Vergewaltigungen durch siegreiche Soldaten und anderer, gezielter Gewalttaten.
Vielleicht lassen wir vergangene und auch heutige, woanders stattfindende Kriege besser raus, die aktuelle Lage und Motive der Akteure nachzuvollziehen, halte ich für komplex genug.
Meine "Nazioma" war nicht mehr Nazi als 90 % der restlichen deutschen einfachen Bevölkerung. Sie pflegte bis ca. 1940 ihre Mutter und betrieb eine winzige Landwirtschaft, die selbst für 2 Personen nicht reichte. Deshalb half sie noch bei Nachbarn aus. Dann starb ihre Mutter und sie heiratete. Sie hat kaum die Schule besucht, kam aus ihrem Dorf nicht heraus.
Ich schreibe das, weil sie Lehrer und Pfarrer glaubte, weil sie es nicht besser wusste.
Und genau das regt mich auf und genau deshalb schrieb ich gestern. Bei dir klingt es so, als ob Deutsche und Nazideutsche nicht die selben Personen waren. Das ist in den allermeisten Fällen nicht der Fall (und ich las von einem Widerständler, dass er die Bombardierung begrüßte, weil er wusste, dass dies seine einzige Chance war zu überleben). Und auch der Hamas wird von den allermeisten Palästinenser gefolgt. Die wenigen, die Widerstand leisten, sind in größter Gefahr, werden hingerichtet und z. B. als Abschreckung mit einem Motorrad über die Straßen geschliffen. Sie begrüßen vielleicht auch ein Ende der Hamasregierung?
Ich habe bisher keine reale Antwort erhalten, wie sonst gegen ein Terrorregime und seine gehirngewaschene Bevölkerung vorgegangen werden soll. Ja, wenn meine Mutter gestorben wäre, gäbe es mich auch nicht. Aber Chamberlain u.a. haben alles versucht, um den Krieg zu verhindern. Und auch in den letzten 80 Jahren wurde sehr viel versucht, um das Problem Palästina zu lösen. Mehrfach wurde die Zweistaatenlösung angeboten und von arabischer Seite abgelehnt, weil diese nur einen arabischen Staat wollte. Palästina gab es auch nicht als Nation, Jordanien hat sich anders entwickelt als von den Briten geplant. Nachbarstaaten wie Ägypten haben zeitweise palästinensischens Gebiet besetzt (und 1967 verloren). Immer wieder wurde von ihnen Krieg begonnen und bisher verloren.
Die überstürzte Flucht aus Ostpreußen und damit das Leid hätte nicht sein müssen, hätte man rechtzeitig evakuiert. Aber das wurde damals genauso verhindert wie heute. Es gibt sehr viele weitere Parallelen.