Eine der anstrengendsten Sachen beim Lehrerberuf würde ich sagen ist, dass du in der Unterrichtssituation selbst quasi immer der Aktive bist. Du kannst dich nie "fallen lassen" und "abarbeiten" oder schauen, was kommt und dann darauf entsprechend reagieren wie es in anderen Jobs möglich ist. Du kannst es dir so vorstellen, dass du eine Art Entertainer bist, der kurz vorher seine Choreographie einstudiert, dann vor sein Publikum tritt und die Choreographie spontan auf die Bedürfnisse des Publikums anpasst. Und das entsprechend mehrfach am Tag und 5x die Woche. Ein Gegenstück im Bürojob hast du da kaum (wenn, dann noch am ehesten als selbstständiger Außendienstler o.ä.).
Und weisst du, was mich ärgert: Jetzt, wo ich schon ans Aufhören denke, ist das alles zur Routine geworden und vorher war es harte Arbeit, bzw. ist es mir schwerer gefallen.
Manche sind vielleicht als souveräne Lehrkräfte geboren, aber ich war das nie. Auch, meine Arbeitszeit zu erfassen und mir selbst zu sagen, jetzt ist gut oder das mache ich nicht, kann ich jetzt erst. Heute fragte ich meinen Sohn, wie das eigentlich für ihn war, wenn ich immer so viel Zeit für die Schule gebraucht habe und er meinte: "Das war halt so." Ich bedauere es heute, dass ich so viel Zeit für die Schule gebraucht habe und dass die Zeit dann für meine Kinder nicht mehr da war. Dafür sind sie nicht so verwöhnt und fallen nicht gleich um, wenn ihnen nicht alles abgenommen wird oder sie sich auf etwas Neues einstellen müssen.
Auf alle Fälle würde ich als junge Lehrerin mehr auf meine Arbeitszeit achten und wenn ich in Teilzeit arbeite, nicht so viele Nebenjobs übernehmen wie Vollzeitkoegen.