Bolzbold :
Soll dann innerhalb einer Klasse vier- bis fünffach differenziert werden oder soll es separate Kurse "Niveau sehr schwach" bis "Niveau sehr stark" geben? Ich postuliere, dass eine einzelne Lehrkraft unmöglich der vollen Leistungsbreite aller Schüler (m/w/d) gerecht werden kann. Klar, wenn es die systemischen Strukturen verlangen, kann man sich als Lehrkraft damit immer irgendwie arrangieren (Stichwort "Volksschulen" früher), aber viele Schüler (m/w/d) bleiben, so meine Meinung, am Ende hierbei auf der Strecke, weil keine Lehrkraft ein Superheld ist und sich dauerhaft vierteilen kann.
Ich weiß auch nicht, ob es wirklich im Sinne des nationalen Bildungsanspruchs ist, wenn wir, wie du schreibst, bewusst Niveauunterschiede in Kauf nehmen, sodass jemand z.B. im Fach Deutsch nur Kompetenzen auf dem Mindestniveau, dafür jedoch im Fach Mathematik Kompetenzen auf dem Höchstniveau nachweist. Eigentlich verfolgt das allgemeinbildende Schulsystem das Ideal des breit ausgebildeten Generalisten (m/w/d), der sich erst auf der Basis einer gesicherten Allgemeinbildung im Rahmen der Tertiärbildung für eine thematische Spezialisierung entscheidet.
"Kurssystem" bedeutet, dass die Schüler (m/w/d) wie in der Uni in jedem Kurs mit anderen Leuten zusammensitzen, was eine totale Abkehr vom klassischen Klassenverbund und sozialem Lernen wäre. Was mir dazu noch einfällt: Wenn man sich auf diese Überlegung einlässt, könnte man auch fragen, ob wir die Differenzierung nur bei Leistungsvermögen belassen sollen oder auch auf Alter ausweiten. Bis auf wenige Ausnahmen sind in jeder Klasse alle Schüler (m/w/d) gleich alt - plus/minus 1 Jahr. Was wäre allerdings, wenn es eine Reihenfolge an Kursen gäbe, die nach und nach zu belegen wäre und man dürfte erst vorrücken, sobald ein Kurs bestanden wird, man dürfte aber im Gegenzug Kurse beliebig oft wiederholen? Das könnten beim Überthema Mathematik z.B. die Kurse Arithmetik I-III, Geometrie I-II, Angewandte Mathematik I-II, Algebra I-II sein. Konsequenzen: Fitte Schüler (m/w/d) könnten Kurse parallel und damit schon früher besuchen, wären im Extremfall schon nach 5 Schuljahren mit ihrer mathematischen Grundausbildung durch. Es würden dann aber auch in einem Kurs eventuell (vergleichsweise) kleine Kinder mit Jugendlichen zusammensitzen. Man könnte sogar nachdenken, ob man erwachsenen Schüler (m/w/d), die (freiwillig) Schulinhalte nachholen möchten, gestattet, am regulären Schulbetrieb teilzunehmen. Aber klar, das wäre definitiv eine vollkommen andere Art zu Lernen als es derzeit der Fall ist.
Finaler Gedanke: Wir haben doch derzeit das Problem, dass das Bildungsniveau sinkt, gleichzeitig zu viele Schüler (m/w/d) das Abitur erwerben. Wie erreichen wir durch deinen Vorschlag das Gegenteil, sprich eine niedrigere Abiturquote und dafür mehr tatsächlich vorhandene Kompetenzen bei den Schülern (m/w/d)?