Beiträge von Gymshark

    Bei meiner früheren Schule auch Baden-Württemberg musste alles durch den Gemeinderat. Dafür hatten wir keine Höchstgrenze, sondern mussten gut begründete Anträge stellen. Die Anschaffung einer Laborspülmaschine benötigte 6 Jahre.

    Bei vielen Regularien geht es nicht darum, die Bürger (m/w/d) unnötig zu triezen. Eine/r ist in der Vergangenheit mal über die Strenge geschlagen, weswegen ein Vorgang eingeführt wurde, welcher etwaige Fälle von da an begrenzen soll. Und das wiederum massenhaft an den verschiedensten Stellen, denn irgendwann gab es immer irgendwie eine Art von Präzenzfall. Was im Einzelfall noch irgendwo verständlich erscheint, lähmt das gesamte System nur noch. Du schreibst ja selbst, die Anschaffung dauerte 6 Jahren. Es heißt überall Entbürokratisierung, aber das geht wohl nur mit einem radikalen Mentalitätswechsel, indem nicht er angenommen wird, dass jeder potentielle Missbrauch durch einen engmaschigen Kontrollmechanismus unterbunden werden muss. Wären wir als Gesellschaft bereit dazu, dem/r Einzelnen wieder mehr Selbstverantwortung und Vertrauen zurückzugeben?

    Das Argument, dass Sekretärin und Hausmeister schon ausgelastet seien, ist ein denkbar schwaches, denn niemand übernimmt im Zweifelsfall freiwillig Extraaufgaben - in keinem Berufsfeld. Indirekt wird dadurch vermittelt, dass im Gegenzug ja Lehrkräfte die Zeit dafür hätten - finde ich schwierig, auch weil sie bei dem Ganzen die größte Personalkostenstelle darstellen.

    Ich sehe die Beschaffung von Schulmaterialien durchaus im (möglichen) Aufgabenbereich einer Sekretariatsfachkraft; es muss nur seitens der Schulleitung (in Absprache mit dem Kostenträger) entsprechend als Aufgabenverantwortung formuliert werden. Und sollte die Beschaffung von Schulmaterialien so zeitintensiv sein, dass die Sekretariatsfachkraft es innerhalb der vorgegebenen Zeit nicht schafft (Was ich mir nicht vorstellen kann, aber wer weiß...), diese zu erfüllen, kann die Einstellung einer zweiten Fachkraft angedacht werden. Ich kenne durchaus Schulen mit drei Sekretariatsfachkräften - an großen berufsbildenden Schulzentren könnten es bisweilen sogar noch mehr sein.

    an der Reisekostenabrechnung hinterher sitzt man mindestens 15 min, da ist mein Stundenlohn höher.

    Wäre ein gutes Praxisbeispiel, um aufzuzeigen, an welcher Stelle die bürokratischen Anforderungen von staatlicher Seite mal überdacht werden sollten. Es sollte niedrigschwelliger möglich sein, einen solchen Antrag zu stellen und genehmigt zu bekommen. Ein Beispiel wäre, dass jeder Fachbereich ein Budget pro Jahr bekommt und bis zur Erreichung der Budgetgrenze wird überhaupt nicht geprüft, sondern nur eingereicht und automatisch genehmigt.

    In einer idealen Wunschwelt müssten Lehrkräfte überhaupt nichts selbst bestellen oder kaufen, sondern es gäbe an jeder größeren Schule (an kleinen Schulen könnte es vielleicht die Lösung geben, dass eine solche Fachkraft für zwei Schulen zuständig ist) eine kaufmännische Assistenz, die solche Aufgaben übernimmt, sodass (um mal das Beispiel zu bedienen) Lehrkräfte gar nicht darüber nachdenken müssen, dass genug rote Stifte da sind, da die Assistenz diese rechtzeitig und in ausreichender Menge besorgt hat.

    Teacher1995 : Sieh die Erfahrungen mit deiner ersten Klassenleitung als Anlass zum Lernen! Niemand kann alles von Anfang an perfekt und es gibt Kollegen (m/w/d), die schon 20 Jahre im Beruf sind und sagen, dass sie sich immer noch weiterentwickeln. Classroom Management ist mitunter das Anspruchsvollste im Job, auch wenn das Thema in Studium und Vorbereitungsdienst vielleicht ein Modul unter vielen ausmacht. Ich bin weiß Gott auch nicht der Experte im Classroom Management und vieles musst du auch im Alltag einfach ausprobieren, um zu schauen, was für dich und deine Klasse(n) funktioniert. Mein Tipp wäre an der Stelle, dir noch vor der 1. Unterrichtsstunde im Schuljahr ein Konzept zu überlegen, wie du konkret vorgehen willst, sprich bei welchen Regeln möchtest du, dass sie im Unterricht Anwendung finden, und was passiert, wenn jemand gegen diese Regeln verstößt. Was passiert, wenn du eine Maßnahme verhängst und die Person sich weigert, dieser nachzukommen? Überlege dir hier ein aufeinander aufbauendes Konzept und dieses würde ich dann in der 1. Unterrichtsstunde vorstellen und auch ab dann anwenden. Du musst am Anfang konsequent sein, auch wenn die Schüler (m/w/d) anfangen wollen, zu diskutieren: "Ich habe aber nur...". Wenn, dann wird das nach dem Unterricht besprochen - im Unterricht ist keine Zeit dazu, die gesellschaftliche Erwartung ist, dass die Zeit nicht zum Diskutieren, sondern zur Wissensvermittlung genutzt wird. Wenn du das durchziehst, erreichst du etwas, was die nötige Basis ist, um überhaupt Inhalte zu vermitteln und Kompetenzen aufbauen lassen zu können, nämlich eine lernförderliche Atmosphäre.

    Ich akzeptiere natürlich deine Meinung (auch wenn meine persönliche etwas hiervon abweicht), aber dass die mathematisch-naturwissenschaftliche Bildung im Gymnasialbereich zu kurz kommt, kann ich so nicht nachvollziehen. Neben Mathematik und pro Schuljahr bis zur Oberstufe zwei Naturwissenschaften aus dem Kanon Biologie, Physik und Chemie können sie in der Sekundarstufe I noch zusätzlich AGs/Wahlpflichtunterricht aus den Bereichen Informatik und Technik wählen, wenn sie wollen. Wer will, kann dann noch in der Sekundarstufe II seine Leistungsfächer entsprechend hiernach auslegen. Ich finde trotzdem wichtig, dass gerade im gymnasialen Bereich ein mathematisch-versierter Schüler (m/w/d) nicht zu einseitig ausgebildet wird, sondern eine breite Grundbildung mitnimmt.

    Den sprachlich besonders interessierten/begabten Schülern (m/w/d) gebe ich schon auf den Weg mit, dass sie möglichst alle schulischen Angebote mitnehmen sollen, weil es nach Ende der Schulzeit, wenn man in seiner/ihrer "Bubble" ist, einfach schwieriger ist, diesen Themenfeldern noch nachzugehen. Und für die mathematisch-technisch versierten Schüler (m/w/d) gilt das natürlich erst Recht.

    Der Facharzt für öffentliches Gesundheitswesen (m/w/d) verdient zwar weniger als manch ein anderer Facharzt (m/w/d), aber immer noch ganz ordentlich - und auf die Arbeitsbedingungen bist du an der Stelle ja schon eingegangen. 2023 war der Facharzt für öffentliches Gesundheitswesen (m/w/d) nicht unter den Top 10 der häufigsten Fachärzte (m/w/d) (Quelle). Häufiger sind da eher Orthopädie, Anästhesiologie (Das überrascht mich ehrlicherweise.), innere Medizin und Allgemeinmedizin. Ich kann nur Vermutungen anstellen, schätze aber, dass angehende Mediziner (m/w/d) wenig Erfahrung/Berührungspunkte mit dieser Facharztrichtung haben und sich daher seltener hierfür entscheiden statt einer bewussten Entscheidung hiergegen.

    Was wir beeinflussen können, ist den vollen Rahmen der bestehenden Regularien auszunutzen. Da gibt es durchaus Möglichkeiten zum "Sieben". Der Hinweis ist an der Stelle nicht völlig fehlplatziert, auch wenn deine Ergänzungen an der Stelle sinnvoll sind. Ich habe nicht geschrieben, dass die Positivkorrektur in den Ländern, in denen sie vorgesehen ist, weggelassen werden sollte, sondern dass deren Einsatz mal wissenschaftlich evaluiert werden sollte (vielleicht stellt sich ja dabei auch heraus, dass es das Korrekturformat mit dem größten didaktischen Potential ist, und dann muss auch ich das akzeptieren), um auf bildungspolitischer Ebene ein Mittel zu haben, um über Fortsetzung oder Änderung zu reflektieren. Wenn es dich beruhigt, kann ich den Punkt aber im Kopf behalten und dem nächsten Studienpraktikanten (m/w/d) bei uns mit auf den Weg geben - sie sind oft unschlüssig bzgl. der Themensuche ihrer Abschlussarbeiten und sind vielleicht froh über einen Tipp an der Stelle.

    chilipaprika : Ich habe doch gar nicht geschrieben, dass wir bzgl. der angesprochenen Punkte etwas selbst entscheiden können, sondern dass die Entscheidungen "von oben" kommen müssen, daher verstehe ich deinen Einwand an der Stelle nicht.

    Mit "sprachlicher Richtigkeit" war übrigens nicht Schönschrift, sondern Rechtschreibung und Grammatik gemeint.

    Wegen deiner Frage bzgl. Mathematik: Ich muss die Antworten grundsätzlich lesen können. Was ich nicht entziffern kann, kann ich nicht bewerten. Fachbegriffe müssen richtig benannt und zumindest annähernd richtig geschrieben werden. Für extreme Fälle behalte ich mir den Abzug von bis zu 2 Notenpunkten bei zu vielen Punkten vor. Das kommt zumindest im Fach Mathrmatik und zumindest bei mir sehr selten vor.

    Ich würde behaupten, dass sprachliche Richtigkeit im Fach Deutsch noch höher bewertet werden sollte als in den modernen Fremdsprachen, wo sprachliche Richtigkeit natürlich nicht unnötig ist, aber keine tragende Rolle im Vergleich zur Kommunikatiomsfähigkeit spielt. Hier ist evtl. die Quotierung zu niedrig, wenn schwache Leistungen im Bereich "sprachliche Richtigkeit" so leicht durch andere Faktoren ausgeglichen werden können.

    Generell sollten alle im Bereich "Schule" eingeführten maßgeblichen didaktischen und pädagogischen Methoden und Konzepte nach gewissem Zeitabstand evaluiert werden. Es gibt ja inzwischen viele Lehramtsabsolventen (m/w/d), die Abschlussarbeiten arbeiten dürfen, da gibt es durchaus viel Potential, das von den betreuenden Hochschuldozierenden erkannt werden muss. Die x-te Abschlussarbeit zu Gesundheitsförderung von Lehrkräften oder Einsatz von digitalen Medien im Unterricht hingegen, bringt irgendwann auch keinen nennensweren Erkenntnisgewinn mehr.

    vor allem wenn man SuS unterrichtet, die in Klasse 10 zum Großteil keinen geraden Satz aufs Papier bringen und man jeden Fehler nicht nur anstreichen, sondern positiv berichtigen muss.

    Das zeigt aber Verfehlungen auf, die sich zwar nicht durch dich alleine ändern lassen, die aber zumindest auf höherer Ebene angegangen werden können und nicht in Stein gemeißelt sind.

    Wenn in Klasse 10 der Großteil der Schüler (m/w/d) "keinen geraden Satz aufs Papier bringen" können, wurden sie jahrelang erfolgreich versetzt und mindestens ausreichende Leistungen attestiert, die so nicht gegeben waren. Es beißt sich immer wieder hier im Forum die Katze in den Schwanz, dass Noten vergeben, die nicht mit den notwendigen Lernzielen aus den Curricula korrespondieren. Wenn diese nicht erreicht werden, kann schlichtweg kein "ausreichend" mehr vergeben werden - auch wenn viele Lehrkräfte damit scheinbar sehr am Hadern sind. Das ist aber im Grunde nichts Spezifisches des Faches "Deutsch", sondern gilt fächerübergreifend.

    Die Positivkorrektur sollte mal kritisch evaluiert werden hinsichtlich ihrer didaktischen Sinnigkeit. Vielleicht möchte mal ein Lehramtsabsolvent (m/w/d) hierüber eine Abschlussarbeit schreiben. Ich gehe davon aus, dass der didaktische Mehrwert für die Schüler (m/w/d) gering und dafür der Zeitaufwand für Lehrkräfte hoch ist. Wwenn jemand wirklich schwache Leistungen in einem Fach zeigt, bringt es der Person nichts, wenn die Lehrkraft durch Positivkorrektur 10 verschiedene Baustellen aufzeigt. Das sorgt wahlweise für Überforderung oder Durchzug. Es braucht sinnvollere Korrekturformen - und da muss auf politischer Ebene (im Idealfall auf Basis durch forschungsbedingter Erkenntnis) angesetzt werden.

    Studiere, was Dir Spaß macht, gute und begeisterte LehrerInnen werden immer gebraucht...

    Mit solchen häufig verwendeten Aussagen wäre ich vorsichtig, da nicht jeder angehenden Lehrkraft klar ist, was das angekommen in der Unterrichtspraxis bedeutet. Zwar findet früher oder später fast jede fertig ausgebildete Lehrkraft ihren Weg ins Schuldienst, wenn dies aber nur mit sehr vielen Kompromissen bei Fächern (Stichwort "fachfremder Unterricht"), Schulform oder Einsatzort möglich ist, kann die Frage aufkommen, ob diese Kompromisse es wert waren, die Fächerkombination im Studium primär danach auszulegen, was in der inhaltlichen Auseinanderung (wobei man auch das vor Studienbeginn höchstens erahnen kann) "Spaß macht".

    Wenn an einer Schule hoher Bedarf an den Fächern X und Y herrscht und ein Kollege (m/w/d) genau diese Fächer als Fächerkombination hat, dürfte auch die Schulleitung ein Interesse haben, dass dieser Kollege mit seinen Stunden hier eingesetzt werden kann.

    Aus organisatorischen Gründen heraus kommen vor allem die Kollegen (m/w/d) für fachfremdes Unterrichten infrage, bei denen es schwer fällt, das Deputat nur mit ihren studierten Fächern voll zu bekommen, weil an der Schule nur wenig Bedarf an diesen Fächern besteht, da sie nur wenige Stunden binden oder es bereits genug andere Kollegen (m/w/d) mit diesen Fächern gibt.

    Also ja, mit seiner Fächerwahl im Studium kann man schon beeinflussen, inwieweit man später ggf. fachfremd unterrichten muss.

    "Französisch bis zum Abi gehabt" wäre noch eine Basis auf der man irgendwie von einer fachlichen Eignung sprechen könnte, aber was wäre mit "hatte zu Schulzeiten eine andere Fremdsprache gelernt, danach eine andere Fächerkombination gewählt und auch sonst nie mit dieser Fremdsprache irgendwelche Berührungspunkte"?

    Zum zweiten Absatz: Es gibt bei uns Kollegen (m/w/d), deren Fächerkombi genug Bedarf hergibt, dass sie auf absehbare Zeit definitiv nicht fachfremd eingesetzt werden müssen. In den Fällen, in denen das doch bisher notwendig war, habe ich mitbekommen, dass man niederschwellig auf potentielle Kollegen (m/w/d) zugeht und versucht, einen Kompromiss in beidseitigem Interesse zu finden. Mir ist bewusst, dass an anderen Schulen die Personalsituation deutlich angespannter ist und die Organisation von fachfremdem Unterricht dort zum Tagesgeschäft gehört.

    Allgemein kann man sagen, dass Fächerbedarf auch immer von der Schwerpunktsetzung des Kultusministeriums abhängt. Es gibt diverse Faktoren, die bisweilen auch kurzfristig den Bedarf beeinflussen können, sei es eine Veränderung der bisherigen Schuldauer (G8/G9), strengere/weniger strenge Zulassungsvoraussetzungen zu bestimmten Schulformen, allgemein erhöhte Zu- und Abwanderung oder auch die Stärkung/Schwächung einzelner Fächer durch Senkung oder Erhöhung der zu unterrichtenden Stundenzahl.

    Hiervon abgesehen gibt es jedoch allgemeine Tendenzen, die weitestgehend bundesweit ähnlich sind. Pädagogisch stärker fordernde Schulformen haben einen größeren Mangel als fachlich stärker fordernde Schulformen, naturwissenschaftliche und künstlerische Fächer haben einen größeren Mangel als geisteswissenschaftliche Fächer.

    Französisch ist weiterhin ein Hauptfach im Gymnasialbereich und hat dadurch eine erhöhte Stellung im Schulsystem, hat aber die letzten Jahre zusätzliche Konkurrenz durch Spanisch bekommen. Hier hängt der zukünftige Bedarf auch davon ab, inwieweit die Position von Französisch als Schulfach aber auch als kulturelle und wirtschaftliche Partnersprache politisch gestärkt wird.

    Geographie und evangelische Religion sind, abseits von einzelnen Schwankungen, keine klassischen Mangelfächer. In Kombination mit einem Hauptfach, dessen Zukunft ungewiss ist, würde ich eher davon abraten. Hinzu kommt, dass Französisch und evangelische Religion (mit Ausnahme bestimmter Profilschulen) nicht im Klassenverband unterrichtet werden, sondern im Kurssystem, was deinen Einsatz als Klassenlehrkraft erschweren könnte.

    Mein Tipp wäre, sich auch andere Schulformen offen zu halten und mindestens ein klassisches Mangelfach (=Kunst, Musik, Informatik, Mathematik, Physik, Chemie, im beruflichen Schulwesen ggf. auch technische Fächer oder Sozialpädagogik) als Teil der Fächerkombination zu wählen.

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