Familienfreundlichkeit im Lehrberuf

  • Ich fürchte, damit schießt du ganz schön übers Ziel hinaus. Gerade im Bereich der Unterrichtsvorbereitung dürfte die Streuung der benötigten Zeit am größten sein und es ist vollkommen legitim, diese möglichst zeiteffizient zu gestalten - insbesondere wenn gerade andere wichtige dienstliche Aufgaben anstehen. Dass das natürlich nicht bedeutet, Unterricht gar nicht vorzubereiten und dass idealerweise Absprachen mit der SL getroffen werden, wie die Fülle der aktuellen Aufgaben zu priorisieren sind, versteht sich von selbst.

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    Das versteht sich nicht von selbst, Tom123 schrieb, wer k.o. sei, könne an der Vorbereitung sparen. Unterrichtsvorbereitung gehört aber nunmal zu den originären Aufgaben einer Lehrkraft. Ich halte es für gewagt, öffentlich zu empfehlen, dass man nicht mehr vorbereiten soll, weil Sommerfeste und Projekttage anstehen. Mal ganz abgesehen davon, dass Projekte enorm viel Zeit kosten in der Vorbereitung. Und: Klausuren müssen immer korrigiert werden, wenn du es heute nicht machst, musst du es morgen nachholen.

    Außerdem geht es doch wieder am Problem vorbei.

    In HH, wo es ja den Versuch gibt, Arbeitszeiten festzulegen, wird die Unterrichtsstunde mit dem Zeitfaktor von etwa 1,75, also 105 Arbeitsminuten belegt.

    Für sonstige Aufgaben und Schnickschnack wird ein anderer Faktor ermittelt. Vorbereitung zu kürzen, um mehr Sommerfest zu schaffen ist sicher nicht offiziell abgesegnet, sondern in die Planung fließen bereits soundsoviele Stunden ein. Das Sommerfest ist also bereits abgedeckt, zumindest durch die Vollzeitkräfte...

  • Das versteht sich nicht von selbst, Tom123 schrieb, wer k.o. sei, könne an der Vorbereitung sparen. Unterrichtsvorbereitung gehört aber nunmal zu den originären Aufgaben einer Lehrkraft. Ich halte es für gewagt, öffentlich zu empfehlen, dass man nicht mehr vorbereiten soll, weil Sommerfeste und Projekttage anstehen.

    Du bist aber schon in der Lage zwischen nicht mehr vorbereiten und an der Vorbereitung zur sparen zu unterscheiden? Ich habe nie geschrieben, dass man nichts mehr vorbereiten soll.

    Es mag sein, dass Du jede Stunde bis ins kleinste Details planst. Vielleicht kommen dann aber auch deine zeitlichen Probleme daher. Ich persönlich kenne keine Lehrkraft, die das immer macht.

    Da wir anscheinend größere Probleme damit haben, dass ich entweder zu unklar schreibe oder du es nicht richtig liest, würde ich dich bitte meine Beiträge zu ignorieren und vor allem aufzuhören mich in deinen Antworten zu zitieren. Ich mag das nicht wirklich, wenn mir andauernd Aussagen in den Mund gelegt werden, die ich nie gemacht habe.

  • In HH, wo es ja den Versuch gibt, Arbeitszeiten festzulegen, wird die Unterrichtsstunde mit dem Zeitfaktor von etwa 1,75, also 105 Arbeitsminuten belegt.

    Hier stehen aber andere Zahlen:

    https://www.hamburg.de/resource/blob/…ge-004-data.pdf

    Für sonstige Aufgaben und Schnickschnack wird ein anderer Faktor ermittelt. Vorbereitung zu kürzen, um mehr Sommerfest zu schaffen ist sicher nicht offiziell abgesegnet, sondern in die Planung fließen bereits soundsoviele Stunden ein. Das Sommerfest ist also bereits abgedeckt, zumindest durch die Vollzeitkräfte...

    Wenn Du meine Beiträge lesen würdest, würdest Du merken, dass ich kritisiere, dass man ein Schulfest, eine Projektwoche etc. auf einmal plant. Ich habe nie vorgeschlagen, Unterricht für ein Sommerfest zu kürzen. Ich wüsste auch gerne, wie Du darauf kommst, dass ein Sommerfest bereits abgedeckt ist. Ich kenne keine Rechtsquelle, die die Durchführung von Sommerfesten vorschreibt.

    In meinem Beitrag ging es darum, dass TZ-Kraft oft die gewonnene Zeit nutzen, um die verbleibenden Stunden besser vorzubereiten. Einige gehen auch in Teilzeit, weil sie die Aufgaben sonst nicht schaffen und sich überfordert fühlen. Und für dich noch mal zum Verständnis: Das ist nicht gut. Und das ist nicht die Schuld der Teilzeitkräfte. Es ist ein systemisches Problem, dass der Dienstherr immer mehr Aufgaben stellt ohne für Entlastung zu sorgen.

  • Und mit Begründung kann die SL Aufsichtsstunden bei uns nur mit 50% abrechnen. Dann ist eine Stunde Aufsichtstätigkeit nur eine halbe Unterrichtsstunde, weil du weder Vor- noch Nachbereitung hast. Wenn ich 2 Stunden Aufsicht hätte, wären es 1 Unterrichtsstunde.

    Bei zwei (Zeit)Stunden zusätzliche Aufsicht für eine Deputatsstunde weniger würde ich aber schon als Vollzeitkraft sofort nachfragen, was ich denn im Rahmen von 30 min zusätzlich zu der Deputatsstunde an Entlastung bekomme. Da die maximale Arbeitszeit festgelegt ist, kann man ganz klar ausrechnen, was die maximale Aufsichtszeit ist, die man für eine Deputatsstunde Entlastung übernehmen kann. (Natürlich kann es weitere allgemeine Aufsichten geben, aber nicht dafür.)

    Da gibt es keine Begründung für eine Deputatsstunde weniger mehr Aufsicht zu fordern als sich ergibt, wenn man die komplette verfügbare Arbeitszeit durch die Deputatsstundenzahl teilt.

    Und so ist es bei Anna Lisa. Das würde ich definitiv nicht akzeptieren. Und meine Kollegen auch nicht.

  • Natürlich werden Teilzeitkräfte bei Konferenzen übermäßig belastet. In der Regel hast Du aber nicht die gleiche Anzahl, da du in weniger Klassen unterrichten wirst. Da fallen die Zeugnis- und Klassenkonferenzen und ggf. Förderplangespräche raus.

    Klassenkonferenzen machen bei uns nur einen mininiminikleinen Anteil aus. Ich habe gerade nachgesehen. Seit dem Halbjahreswechsel waren es bei uns 12 Konferenzen, an denen ich nachmittags teilnehmen musste. Ob ich eine 50%, 80% oder 100% Stelle habe, wäre da vollkommen egal. Das waren keine Zeugnis-oder Förderkonferenzen, aber auch da ist es wie bei Anna Lisa bei uns: Wenn du durch TZ weniger Schüler unterrichtest, bist du dennoch an diesen Tagen bei den Konferenzen und musst teilnehmen, nur zwischendrin hast du mal 10min, in denen kein Schüler von dir besprochen wird.

    Richtig ätzend wird es nun nach den Osterferien, da stehen die Abschlussprüfungen an. Und zwar jeder Schulform. Gym, FOS, BFS, etc. mit x Prüfungstagen. D.h. es werden unzählige Aufsichten benötigt. Ja, und nun rate mal, wer da auch gerne eingesezt wird... dafür gibt es natürlich keine Mehrarbeit, denn es sind ja keine Unterrichtsstunden. Ich fände es ja okay, wenn Aufsicht geführt werden muss nach Stundenplan (die 13er hatte man bislang Mo 1/2 Std, also kann man da Aufsicht machen). Aber nein, die Aufsicht ist bei uns davon vollkommen losgelöst. Blöd, wenn das mit den Betreuungszeiten des Kindes nicht vereinbar ist.

  • Der Verweis auf die Unterrichtsstunden als Optimierungsquelle bringt mir als TZ-Kraft doch nichts. Soll ich meinen Unterricht im Vergleich extra liederlich vorbereiten, um meine Konferenzen, Wandertage, Elternsprechtage, Klassenfahrten etc., die die in VZ stattfinden, wieder reinzuarbeiten?

  • Der Verweis auf die Unterrichtsstunden als Optimierungsquelle bringt mir als TZ-Kraft doch nichts. Soll ich meinen Unterricht im Vergleich extra liederlich vorbereiten, um meine Konferenzen, Wandertage, Elternsprechtage, Klassenfahrten etc., die die in VZ stattfinden, wieder reinzuarbeiten?

    Nein, natürlich nicht. Unterricht und unterrichtsnahe Tätigkeiten sollten sowohl bei Vollzeit- als auch Teilzeitlehrkräften nur einen bestimmten Prozentsatz der Arbeitszeit einnehmen. Der Rest ist für außerunterrichtliche Aufgaben vorgesehen, die bei Teilzeitkräften wiederum entsprechend der Quote reduziert sein müssen. Das bedeutet klar, dass die teilweise zwingende Teilnahme an bestimmten Terminen bei Teilzeitkräften an anderen geeigneten Stellen wieder gegenkompensiert werden.


    Einige der außerunterrichtlichen Aufgaben korrelieren im Regelfall halbwegs mit der Teilzeitquote. Das betrifft z.B. klassengebundene Termine wie Pädagogische DBs, Klassenkonferenzen, Elternsprechtage usw., von denen man mit weniger Deputat auch weniger Lerngruppen und damit weniger hat. Hier ist meist kein spezieller Ausgleich nötig. Das kann je nach Ausgestaltung des eigenen Plans leider auch deutlich anders aussehen.


    Andere Aufgaben sollen in ihrer Frequenz in Abhängigkeit von der Teilzeitquote gesteuert werden. Das betrifft zumindest in der Theorie auch die Teilnahme an Klassenfahrten und Wandertagen (z.B. nur jedes 2. Mal im Vergleich zu Vollzeitkräften) , in der Praxis v.a. Dienstbesprechungen usw. Die zwingende Teilnahme an einigen dieser Veranstaltungen (z.B. Teilnahmepflicht an Gesamtkonferenz oder eben doch Einsatz bei Fahrten u.ä. wie bei Vollzeitkräften) muss dann ebenso zwingend durch Überkompensation in anderen Bereichen aufgefangen werden (z.B. Teilnahme an DBs deutlich unter der eigenen Teilzeitquote).


    Im besten Fall gibt es dafür ein schlüssiges Teilzeitkonzept in der Schule. Andernfalls hat die SL sicherzustellen, dass eine solche Kompensation möglich ist. Wir nutzen dafür inzwischen eine (freiwillige) schriftliche Dokumentation der Teilnahme an außerunterrichtlichen Veranstaltungen, die von den Lehrkräften auch gezielt als Gesprächsgrundlage mit der SL genutzt werden können.

  • [...]

    Das bedeutet klar, dass die teilweise zwingende Teilnahme an bestimmten Terminen bei Teilzeitkräften an anderen geeigneten Stellen wieder gegenkompensiert werden.

    [...]

    Andernfalls hat die SL sicherzustellen, dass eine solche Kompensation möglich ist. Wir nutzen dafür inzwischen eine (freiwillige) schriftliche Dokumentation der Teilnahme an außerunterrichtlichen Veranstaltungen, die von den Lehrkräften auch gezielt als Gesprächsgrundlage mit der SL genutzt werden können.

    Ich wollte nur kurz darauf hinweisen, dass diese beiden Punkte genau das sind, was ich bei der Diskussion hier im Thread immer wieder gesagt habe, was aber verschiedentlich (nicht von Seph) in Frage gestellt wurde.

  • Eine Bekannte arbeitet 7 Stunden Teilzeit in Elternzeit und soll jeden Mittwoch, an ihrem freien Tag, zum jour fix nachmittags antanzen. An meiner Schule müssen die Kolleginnen mit so viel Teilzeit nur zu den GLK´s herkommen, auch wenn es der freie Tag ist, aber das ist wesentlich weniger oft, als jede Woche anwesend sein zu müssen.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Ich wollte nur kurz darauf hinweisen, dass diese beiden Punkte genau das sind, was ich bei der Diskussion hier im Thread immer wieder gesagt habe, was aber verschiedentlich (nicht von Seph) in Frage gestellt wurde.

    Ich glaube es ist weniger die Frage, dass es kompensiert werden soll als die Frage wie es in der Praxis umgesetzt wird. Wenn Du natürlich ein volles Programm hast, ist das kein Problem. Bei uns gab es seit dem Halbjahr eine verbindliche Konferenz. Dazu zwei Arbeitsgruppentreffen, die aber immer nur einen Teil betreffen. Wenn ich lese das andere in der 12 haben, gibt es da natürlich Möglichkeiten der Kompensation. Andererseits ist bei 1 Konferenz natürlich auch der Bedarf an Kompensation nicht so groß.

  • Ich hätte ja gesagt, dass es einfacher ist eine halbe Konferenz anderweitig zu kompensieren als zwölf halbe Konferenzen. Einfach zu weniger Konferenzen gehen ist in BW jedenfalls keine vorgesehene Möglichkeit.

  • Eine Bekannte arbeitet 7 Stunden Teilzeit in Elternzeit und soll jeden Mittwoch, an ihrem freien Tag, zum jour fix nachmittags antanzen. An meiner Schule müssen die Kolleginnen mit so viel Teilzeit nur zu den GLK´s herkommen, auch wenn es der freie Tag ist, aber das ist wesentlich weniger oft, als jede Woche anwesend sein zu müssen.

    Das ist natürlich vollkommen unverhältnismäßig. Wohnt die Bekannte wenigstens in Schulnähe? Man stelle sich vor, die Bekannte würde nur wegen einem jour fixe eine halbe oder sogar ganze Stunde einfache Strecke fahren müssen.

    In solchen Fällen sollte es vollkommen selbstverständlich sein, dass die Bekannte nicht an ihrem freien Tag extra wegen einem jour fix kommt, sondern sich bei nächster Gelegenheit das Protokoll durchliest oder sich von den Kollegen (m/w/d) auf kurzem Dienstweg auf den neuesten Stand bringen lässt.

    Ich glaube, einige Schulleitungen können sich echt nicht vorstellen, dass Entscheidungen auch getroffen werden können, wenn nicht alle potentiell Beteiligten anwesend sind und ihre Meinung dazu abgeben. Ja, das ist zwar demokratisch, aber unheimlich zeitintensiv. In der freien Wirtschaft wird bei jours fixes pragmatisch vorgegangen: Irgendjemand fehlt immer (Krankheit/Teilzeit/Kundentermin/etc.), die, die anwesend sind, stimmen bei Entscheidungen ab und diejenigen, die fehlen, informieren sich bei nächster Gelegenheit, wie entschieden wurde. Wenn zu viele in einer Woche fehlen, wird im Zweifelsfall ein wichtiger Punkt auf die kommende Woche verlegt. Das sollte auch in der Schule machbar sein ohne dass am Ende das System zusammenbricht, weil eine 7-Stunden-Kraft mal nicht da ist.

  • Ich verbringe 68 % meiner Arbeitszeit in der Schule, ohne Freistunde. Da ist noch keine einzige Stunde vorbereitet, noch keine einzige Klausur korrigiert, noch nicht mal ein Vokabeltest, noch keine einzige Konferenz oder DB besucht, noch kein einziges Klassenleitungsgeschäft getätigt etc.

    So rein interessehalber... Wie kommst du auf diesen Prozentsatz?

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