Beiträge von Gymshark

    Für uns als Thema absolut tabu. Keinerlei Fragen an Freunde, Bekannte, Kolleginnen/Kollegen... zum Kinderwunsch, weiteren Kindern, Problemen, Kinderwunschbehandlung etc. Wenn jemand schwanger ist, dann herzlichste Glückwünsche und Freude darüber. Sonst - wie gesagt - kein Fragen. Das ist zu übergriffig und nur Thema, wenn jemand es selbst anspricht. Außerdem schmerzhaft, wenn es bei Kinderwunsch nicht klappt. Und wenn dann Leute noch nerven...

    Würde es Betroffenen nicht gerade helfen, wenn man das Thema enttabuisiert? Wir haben ja momentan auch das Problem mit der demographischen Entwicklung, wofür das Individuum natürlich nichts kann, aber das liegt sicherlich auch daran, dass wir als Gesellschaft zu selten darüber reden.

    Ich finde deine Forderungen natürlich im Rahmen der freien Meinungsäußerung, dennoch etwas übergriffig. Religion muss nicht öffentlich zelebriert werden, aber ich finde, Radikalisierung kann deutlich leichter passieren, wenn der Glaube derart stark auf das stille Kämmerlein beschränkt wird. Zudem: Wie soll jemand zum Glauben finden, wenn die Eltern selbst nicht gläubig sind und der Glaube nirgendwo sonst stattfinden darf? Würde der Glaube gesamtgesellschaftlich dann überhaupt fortbestehen können?

    Den Strand muss man sich auch erst einmal leisten können. Bei Gesprächen über Home Office wird oft der Anteil an Menschen, die diese Optionen überhaupt nutzen könnten, ziemlich überschätzt. Millionen von Leuten arbeiten als Erzieher, in der Pflege oder Versorgung von Kranken, Produktion, Transport und Warenannahme, Verkauf im Einzelhandel, Handwerk und Reparatur oder Sicherheit und daher an vor-Ort-Arbeit gebunden. Das ist der Regelfall.

    Wenn es bei der Frage bliebe, wäre das eine Sache, wobei ich da mir schon nicht sicher war, ob sie nicht doch eher rhetorisch gemeint war. Den Rest des Beitrags fand ich an der Stelle unangemessen und für den Nachrichtenverlauf nicht zielführend. Man hätte den Satz auch einfach unkommentiert so stehen lassen können.

    Ich kenne die Leute ja nicht. Aber warum sollte die das interessieren?

    Die meisten Menschen wollen nicht blind durch die Welt gehen, sondern verstehen, was und warum das da um sie herum passiert. Daher gibt es den Fachbereich "Gesellschaftswissenschaften" und die Fächer Geschichte, Politik/Sozialwissenschaften. Man muss nicht gläubig sein, um ein Interesse zu haben, zu verstehen, was die christlichen Einflüsse in unserer mitteleuropäischen Gesellschaft bedeuten.

    Da kommt es drauf an, ob mehr Gemeinschaft oder mehr Individualisierung gewünscht ist. Ein gemeinsamer Religionsunterricht für alle verfolgt eher ersteres. Und dabei geht es natürlich nicht darum, allen jungen Menschen das Christentum aufzuzwingen, sondern eher für christliche Brauchtümer und Einflüsse auf Geschichte, Recht und Kultur zu sensibilisieren. Dabei geht es auch nicht darum, dass sich am Ende diese 15% Katholiken besonders toll fühlen. Ich vermute, dass bei den konfessionslosen Schülern vielfach gar nicht klar ist, warum überhaupt Ostern gefeiert wird. Und selbst wenn eure Tamilen eine andere Religion verfolgen als das Christentum, interessiert auch sie sicherlich, was man üblicherweise so in der Kirche macht und was es mit dem Papst auf sich hat, oder?

    Und was sind die relevanten christlichen Strömungen? Nur römisch-katholisch und evangelisch, oder auch die orthodoxen (die zum Beispiel in NRW ihren eigenen konfessionellen Religionsunterricht haben). Und haben dann die anderen konfessionellen Religionsunterrichte (in NRW jüdisch, islamisch und alevitisch) weiter eine Daseinsberechtigung?

    Ich befürworte einen Religionsunterricht für alle, der wissenschaftlich orientiert ist, seinen Schwerpunkt auf dem Christentum hat und dabei ethische Fragestellungen und solche anderer Religionsgemeinschaften (also auch jüdisch, islamisch, alevitisch) aufgreift. Um mal eine weniger relevante christliche Strömung in Deutschland zu nennen: Die orientalisch-orthodoxen Strömungen ist in Deutschland stark unterrepräsentiert, da nur eine Minderheit der Schüler, die aus dem afrikanisch-arabischen Kulturraum stammen, auch dem christlichen Glauben angehört. Die Zeugen Jehovas sind in Deutschland eine etwas relevantere christliche Strömung, obgleich weiterhin von geringerer Bedeutung als der Protestantismus und der Katholizismus. Für mich bräuchte es nicht für jede dieser Strömungen einen eigenen Religionsunterricht, was sich vor allem dann schwierig gestaltet, wenn aufgrund eines bevölkerungsarmen Einzugsgebiets die Jahrgangsstärke bereits ziemlich klein ist.

    Gerade wenn bei euch in der Gegend Religion (also Religion im klassischen Sinne; manch eine Jugendbewegung weißt ja durchaus einige Schnittstellen mit Glaubensgemeinschaften auf) keine große Rolle spielt, ist es doch umso wichtiger, dass junge Menschen die Gelegenheit erhalten, hiermit wieder in Berührung zu kommen, oder etwa nicht?

    Niemand hier hat sich gegen einen religionswissenschaftlich ausgelegten Unterricht ausgesprochen, der auch Werte und Normen vermitteln darf. Das wurde hier auch schon mehrfach betont. Gerne auch mit einem gewissen Schwerpunkt auf christlichen Traditionen als Grundlage unserer Kultur. Als Deutschlehrer sehe ich hier dem Mehrwert massiv. Da darf dann auch über den Ursrpung christlicher Feiertage gesprochen werden. Das ist sicher historisch und gesellschaftlich interessant und relevant, auch wenn ich daraus jetzt keine Handlungsvorgaben für die Art un Weise ableiten würde, wie man zu Hause Weihnachten und Ostern feiern sollte.

    Aber eben: Die Beschäftigung mit den Inhalten muss wissenschaftlich sowie theoretisch und ohne religiöses Hokuspokus erfolgen.

    Das Problem, das hier von vielen gesehen wird, ist eben der konfessionelle Religionsunterricht, der entsprechende Einmischung von den dahinterstehenden kirchlichen Institutionen ermöglicht.

    Genau das wünsche ich mir doch auch - da sind wir auf derselben Seite!

    Die Frage war ernst und natürlich gibt es das nicht. Ich versuche dir zu vermitteln, dass katholischer Religionsunterricht ein ideologisch gefärbtes Fach ist, "vergleichende Religionslehre", wenn man so will (also Ethik oder Normen/Werte bzw. Philosophie) aber nicht. Niemand würde katholischen Philosophieunterricht oder katholischen Physikunterricht fordern, weil es eben keine unabhängige konfessionsgebundene Wissenschaft geben und entsprechenden Unterricht geben kann.

    Katholische Religionsunterricht bräuchte es meiner Meinung nach nicht. Ein Religionsunterricht, der seinen Schwerpunkt auf den Kernelementen aller in Deutschland relevanten christlichen Strömungen hat und darüber hinausgehend auch andere Weltreligionen und ethische Fragestellungen behandelt, entspricht so ziemlich meinen Vorstellungen. So wie ich Zauberwald verstehe, entspricht das so ziemlich ihrem Religionsunterricht.

    Wenn Eltern nur taufen, aber sonst nicht christlich erziehen, zeigt das doch, dass die Religion halt gesellschaftlich keine Rolle mehr spielt.

    Wenn Eltern zuhause kein Deutsch sprechen, zeigt das doch, dass die deutsche Sprache halt gesellschaftlich keine Rolle mehr spielt.

    Wenn Eltern nicht wählen gehen, zeigt das doch, dass politische Teilhabe halt gesellschaftlich keine Rolle mehr spielt.

    Wenn Eltern ihre Kinder nicht sportlich/musikalisch fördern, zeigt das doch, dass sportliche/musikalische Betätigung halt gesellschaftlich keine Rolle mehr spielt.

    Wenn Eltern stolz sagen "Mathe habe ich noch nie gekonnt.", zeigt das doch, dass Mathematik halt gesellschaftlich keine Rolle mehr spielt.

    ...

    Für mich ist Religion Privatvergnügen

    Das sind Politik, Sport und ästhetische Fächer streng genommen auch. Dennoch sind diese Fächer verpflichtende Fächer, weil sie als wichtig empfunden werden, um junge Menschen gesellschaftsfähig zu machen. Jeder junge Mensch hatte mit Politik, Sport und Ästhetik über mehrere Jahre hinweg unausweichlich Berührungspunkte. Ob er dann im Erwachsenenalter jemals wieder Berührungspunkte damit haben wird, das ist dann wiederum Privatvergnügen, welches er auf Grundlage seiner bisher gemachten Erfahrungen erleben kann oder sich bewusst dagegen entscheidet.

    Wenn wir uns als Gesellschaft religionsoffen zeigen, sollen auch Kinder Kontakt zur Religion erhalten, die aus Elternhäusern kommen, die aufgrund fehlendem Hintergrundwissens selbst keine religiöse Grundbildung bieten können. Außerdem hat ein staatlich kontrollierter Religionsunterricht den Vorteil, dass Fehlvorstellungen und Extremismus eingeschränkt werden. Und natürlich das Offensichtlichste: Ostern und Weihnachten sind Feiertage, die nicht vom Himmel gefallen sind. Kinder sollten wissen, warum diese Feste gefeiert werden, ob sie sie selbst aktiv feiern oder nicht.

    Um mal die Gesamtstimmung hier etwas zusammenzufassen: Bin ich richtig, dass Religionsunterricht nicht gänzlich abgelehnt wird, sondern eher eine Variante gewünscht, die

    - informierend statt bekehrend ist

    - Inhalte statt Meinungen bewertet

    - Bezüge zu ethische Fragestellungen und andere Weltreligionen zulässt

    - auch Raum für Religionskritik (vermutlich eher Richtung Sek II) bietet

    ?

    Quittengelee : Eigentlich müssten die Religionslehrer mal etwas hierzu sagen, aber die Reflektion über Glauben ist aus der Didaktik heraus nicht so viel anders als die Reflektion über Konzepte wie Demokratie im Politikunterricht oder Reflektion über die Bedeutung einer Szene eines Dramas im Deutschunterricht. Zu allem gehört das fachwissenschaftliche Fachwissen (z.B. in der Politik die Definition bestimmter Fachbegriffe), auf dessen Basis dann eine bestimmte Fragestellung unter Abwägung von Pro- und Contraargumentationen diskutiert wird. Solange es am Ende auf die Schlüssigkeit der Argumente ankommt und nicht "Schüler hat richtige Meinung = 1 Punkt, Schüler hat falsche Meinung = 0 Punkte", sehe ich da kein Problem.

    Auch wenn ich nicht aus der Theologie komme, habe ich Zweifel, dass in der Grundschule über die Steuererleichterung von Ehe gesprochen wird. Da ist es wahrscheinlich schon wichtig, dass wir uns jetzt einigen, von welcher Altersgruppe wir jetzt sprechen.

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