Beiträge von Gymshark

    Man merkt, dass die Missbrauchsfälle sehr viele Menschen dazu bewegen, ihren Glauben und die Zugehörigkeit zur Kirche zu hinterfragen. Das ist verständlich, da seitens der Institution Kirche nicht mit offenen Karten gespielt und damit Vertrauen in so einer empfindlichen Umgebung missbraucht wurde. Ich bin mir sicher, dass du am Ende die für dich richtige Entscheidung treffen wirst.

    Die Kirche selbst kann keine politischen Entscheidungen treffen, aber sie kann dem Individuum Halt in schwierigen Zeiten bieten. Warst du denn in letzter Zeit in der Kirche und hast versucht, mithilfe des Glaubens Antworten auf deine offenen Fragen zu finden?

    Ich denke, es ist für die vielen Ukrainer in Deutschland einfach eine schwierige Situation, bei der sie nicht wissen, wie es langfristig weitergeht. In den meisten Fällen war es ja keine über einen längeren Zeitraum geplante bewusste Migration nach Deutschland (und selbst in solchen Fällen muss es ja nicht heißen, dass Kinder mit derselben Euphorie bei der Sache sind als ihre Eltern), sondern eine Nacht-und-Nebel-Aktion aus der Not heraus. Wenn jemand unfreiwillig migriert, sind alle Formen der Integration mit großer (emotionaler) Anstrengung verbunden. Solange die Hoffnung besteht, wieder ins Heimatland zurückzukehren, überlegt man sich zweimal, ob man sich gegenüber seinen Mitmenschen öffnet, womöglich Freundschaften knüpft, die bei einer Rückkehr ins Heimatland durch die große Distanz zerbrechen könnten. Ich stelle fest, dass in Reportagen aus der Ukraine auffällig oft betont wird, wie wichtig den Menschen ihre Heimat und die kulturellen Werte sind und dass sie für deren Erhalt kämpfen. Dieser Nationalstolz ist bewunderswert und scheint Antrieb zu sein, warum die Menschen dort überhaupt weiterhin an den Sieg der Ukraine glauben und dieses Schiff nicht einfach untergehen lassen. Die hiesigen Ukrainer können natürlich das Kriegsgeschehen nicht aktiv beeinflussen, aber auch bei ihnen gehe ich davon aus, dass dieser Nationalstolz noch vorhanden ist und sie ihn nicht "mal eben" bei Überquerung der deutschen Grenzen hinter sich ließen. Die Kehrseite der Medaille ist, dass jemand, der am liebsten schon gestern wieder in der geliebten Heimat wäre, seine aktuellen Prioritäten nicht im Lernen deutscher Vokabeln sieht. Irgendwo auch verständlich, wenn ihr mich fragt.

    Mit zunehmender Kriegsdauer kommt irgendwann der Punkt an dem der innere Widerstand nachlässt und man sich denkt: "Es muss ja irgendwie weitergehen!". Man arrangiert sich damit, dass man jetzt in Deutschland ist, geht (auch emotionale) Verpflichtungen ein, die Verbindung zur alten Heimat wird schwächer und die Wahrscheinlichkeit der Rückkehr sinkt stetig. Auch wenn die deutschen Politiker betonen, dass die gewählten Maßnahmen zur Unterstützung der Ukraine bzw. Schwächung Russlands (Waffenlieferung, wirtschaftliche Sanktionen) auf Zeit spielen, müssen die Ukrainer auch bereit sein, so viel Zeit in Warteschleife zu verharren. Verlören sie vorher den Mut, würde das wiederum nur umso stärker Putin in die Karten spielen.

    Maylin85

    Naja, die Zahl der Lehramtsstudierenden ist ja insgesamt durchaus sehr hoch. Die Studierenden verteilen sich nur eben nicht gleichmäßig über die verschiedenen Lehrämter.

    Eben! Man könnte bei solchen Artikeln meinen, dass die Didaktikprofessoren vor leeren Sitzreihen dozieren würden. Fakt ist, dass die Kurse voll sind. Wie kommt es dann, dass mantraartig behauptet wird, keiner möchte mehr Lehrer werden?

    Zuletzt hörte man ja auch von Russen, die zwar den Krieg befürworten (noch immer ist der pro-Putin-Anteil unter Russen sehr hoch), aber nicht aktiv im Rahmen der Teilmobilmachung kämpfen wollen und daher beabsichtigen, das Land zu verlassen. Ich weiß nicht, ob deren Ziel Deutschland ist, aber könnte das dazu führen, dass die vorhandenen Konflikte nach Deutschland verlagert werden? Eugenia, du beschreibst ja durchaus eine angespannte Stimmung zwischen ukrainischen und russischen Schülern.

    Die Stellen können nur nicht besetzt werden ... weil keine Bewerber da sind. Leider.

    Jemand mit fester Stelle wird vermutlich nicht die Zeit haben, nebenbei noch als Vertretungslehrer zu arbeiten. Bleiben Studenten, FSJler und Rentner/Pensionäre. Habt ihr schon alle Hochschulen in der Umgebung abgeklappert? Wobei, Vorlesungen sind ja oft zur selben Zeit wie der Unterricht in der Schule. Da will manch ein Student vielleicht eher abends oder am Wochenende arbeiten.

    Nicht ganz, ich denke nicht an die Zahlen 140 oder 14.

    Ich arbeite nur mit den Stellen. Also 6 + 8 endet auf 4. Und dann "weiß ich", dass das ein Zehnerübergang war, deshalb muss ich bei der Zehnerrechnung 8+x=5 eins weniger nehmen, also nur 6. Ergebnis 68.

    Wo ich drüber nachdenke, ich mache mehr oder weniger die schriftliche Subtraktion via Ergänzung im Kopf.

    Im Prinzip meinte ich das, aber klar, du hast es jetzt noch einmal in etwas anderen Worten ausgedrückt - stellenweises Subtrahieren durch Ergänzung.

    state_of_Trance : Du rechnest quasi 86 + __ = 154 und dabei wiederum 6 + _ = 14 und 80 + __ = 140 ? Das ist das Ziel des langen Prozesses, bei dem die Schüler noch relativ am Anfang sind. Bis sie wirklich dieses abstrakte Vorstellungsverhältnis von Zahlenmengen und Operationen entwickelt haben, durchlaufen sie mehrere Schritte. Einige Kinder können in dem Alter schon "abstrakt" rechnen, andere sind noch am zählenden Rechnen oder dabei, sich davon zu lösen. Die Hundertertafel ist eben eine Möglichkeit, die Kinder einen Schritt weiterzuführen, und die Visualisierung die Bewegung, die man vom Ausgangs- zum Zielfeld macht.

    Schmidt , du bist wie viele Erwachsene (aber auch Schüler zu einem fortgeschrittenen Zeitpunkt innerhalb ihrer Schulkarriere) an einem Punkt, an dem du entweder bereits Rechenstrategien anwendest oder bereits viele Aufgaben automatisiertest. Da liest du 42+19 und kennst direkt die Antwort, ohne groß zu überlegen. Die Schüler von @Refi26 sind noch in einem sehr frühen Stadium und lösen sich gerade vom reinen Zählen hin zu mehr strategischen Verfahren. Eine Zwischenphase ist da das Arbeiten mit Materialien, vielleicht sagt dir das EIS-Prinzip etwas. Am Anfang wird da noch auf Hundertertafeln gesprungen, mit Zehner- und Einerstangen hantiert, Kugeln verschoben, oder auf Zahlenstrahlen gewandert. Das sind dann die visuellen Vorstellungen, von denen gerade die Rede war. Irgendwann kommen dann Rechenstrategien durch Abstrahierung der vorher beschriebenen materialgebundenen Handlungen (also bei sowas wie 42+19 wird nicht mehr von dem Feld 42 2 nach unten und 1 nach links gesprungen, sondern 42+20-1 gerechnet) und einfache oder häufige Aufgaben werden auswendig gelernt.

    Naja, Stoff und Kompetenzen lassen sich jetzt auch nicht unbedingt trennen. Am Ende der Grundschulzeit müssen die Schüler schon sowas wie schriftliche Multiplikation können. Wenn die Kinder in die Sek I wechseln und feststellen, dass ihre Klassenkameraden das Thema schon hatten, sie aber nicht, würden sie das sicherlich unfair finden und sich benachteiligt fühlen.

    Da in dem Eingangsbeitrag von "Punkten" die Rede ist, gehe ich davon aus, dass es um die Sek II geht, oder? Da finde ich "Meiner Meinung nach..." nicht unbedingt die bessere Alternative. Daher würde ich Schmidt zustimmen, dass auf Basis von sinnvollen Definitionen, Argumenten, Beispielen und Gegenbeispielen die Antwort auf eine sicherlich provokante Frage immer noch fundierter klingt als ein rein emotional geprägter Kommentar "aus dem Bauch heraus".

    Ich hatte mal in Deutsch einen Abiturienten - das muss 2013/14 gewesen sein - der kein Handy hatte und auch partout nicht besitzen wollte. Im schriftlichen Abitur gab einen Prüfungsvorschlag zu Chancen und Risiken der Neuen Medien. Dieser S. hat im Rahmen seiner Arbeit eindrucksvoll dargelegt, was eine selbstbestimmte Handy-Abstinenz für einen Menschen seines Alters bedeutet: Soziale Isolation.

    Es gab auch Zeiten, bei denen man als Vegetarier schnell als Sonderling galt. Oder, wenn man tatsächlich keinen Alkohol trinkt. Vielleicht tun sich die Deutschen einfach schwer, eine "Er/sie macht etwas anders, aber das ist auch OK."-Einstellung zu vertreten.

    Man muss digitale Medien nicht verteufeln, aber momentan sind wir auf einem gesamtgesellschaftlichen Euphoriehoch, bei dem Masse Klasse darstellt. Da erscheint jemand wie dein ehemaliger Abiturient womöglich wie jemand, der damals behauptete, dass Zucker nicht gesund sei und schlank mache :staun:. Kritische Stimmen gibt es vereinzelt (sei es in Bezug auf durch soziale Medien vermittelte Schönheitsideale oder Cybermobbing), aber die finden in der Öffentlichkeit (noch) kaum Beachtung.

    Denn wenn SuS ALLEIN PRIVAT(!) 6 - 8 Stunden am Tag online sind - das sind durchaus realistische Zeiten! -, was tun sie anstelle dessen dann nicht mehr?

    Gute Frage! Ich könnte mir vorstellen, dass weniger gemeinsam mit der Familie unternommen wird und dass die Verabredung zum Spielenachmittag/zum Abhängen (je nach Alter eben) dem gegenseitigen Verschicken von Nachrichten gewischen ist.

    Auf der anderen Seite... Wenn deine Zahlen wirklich realistisch sein sollten, müsste das nicht heißen, dass Schüler nach Abzug der Zeit in der Schule (Du betonst ja das Wort "privat".), zum Essen, Schlafen und Hygiene (evtl. noch Hausarbeit je nach Alter) quasi durchgehend online sind?

    Glaubst du an die viereckigen Augen, von denen deine Mama dir erzählt hat, als du zu viel am Super Nintendo gespielt hast?

    Es war eine ganz normale Frage. Kann ja sein, dass vermehrter Konsum von digitalen Medien die Sehstärke gar nicht beeinflusst. Vlt. gibt es aber eben doch eine andere Entwicklung...

    O. Meier: Zwanghafter Konsum von Alkohol, Zigaretten, Glücksspiel etc. werden ja durchaus zurecht als Sucht mit entsprechenden medizinischen Indikationen klassifiziert, von einem Großteil der Bevölkerung als solche anerkannt und auch durch öffentlichen Aufklärungsversuche begleitet. Bei den anderen von dir genannten Aspekten ist man glaube ich noch nicht so weit, aber viele Menschen haben zumindest ein Bewusstsein dafür, dass es vlt. nicht ganz so gut ist, sich nur von Cola und Burgern zu ernähren, und einige zeigen Bestrebungen, z.B. den Zuckerkonsum zu reduzieren. Bei digitalen Medien gibt es da im Prinzip gar nichts. Da sind wir gesamtgesellschaftlich noch auf dem Level von "Zucker ist gesund und macht schlank.". Ich habe auch schon Jugendliche auf deren exzessiven Medienkonsum direkt angesprochen und während man es z.B. von Alkoholikern kennt, dass diese ihre Sucht ungerne öffentlich gemacht werden, da hiermit eine gewisse gesesellschaftliche Scham einhergeht, bin ich überrascht, dass die Jugendlichen einerseits offen zugeben, dass ihr Verhalten Suchttendenzen hat, andererseits keinen Bedarf zu haben scheinen, etwas hieran zu verändern. Um auch da wieder einen Vergleich aufzumachen, sind wir in dem Zusammenhang noch auf dem Level der Baustelle, wo mittags ganz normal die Bierkiste hingestellt wurde und alle großzügig zugriffen, denn "gehört halt dazu".

    Mal anknüpfend an @Lempira s Beitrag: Sind der Generation U30 wirklich die Nachteile bzw. Gefahren von exzessivem Medienkonsum bewusst? Ich habe das Gefühl, dass bei immer mehr jungen Leuten (aber auch durchaus Politikern, Lehrern, vlt. auch manchen Unternehmen?) digitale Medien glorifiziert werden, ohne dass ein kritisches Hinterfragen hiervon erfolgt. Man könnte da an kürzere Aufmerksamkeitsspannen, bedenklicher Umgang mit der Freizügigkeit eigener Daten (dazu würde ich auch sowas wie Selfies zählen) oder auch körperliche Belastung denken. Ich musste letztens mehrere Stunden konzentriert am PC arbeiten und merkte mit der Zeit die Belastung an den Augen und im Nackenbereich. Weiß einer von den älteren Kollegen hier, ob es eine Veränderung beim Anteil an Kindern, die eine Brille benötigen, gibt?

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