Beiträge von Gymshark

    Das ist eine sehr schiefe Argumentation Gymshark . Richtig wäre: korrekte Arbeitszeiterfassung und diejenigen Fücher entlasten, bei denen es objektiv nötig ist. Da dürften Doppelsprachkombis ganz weit vorne liegen.

    Du argumentierst aus der Sicht der Lehrkräfte, die bereits im Job sind. Die Arbeitsbedingungen haben aber immer auch Strahlkraft auf zukünftige Nachwuchskräfte und da ist doch das Ziel, dass sich mehr junge Leute für Mangelfächer und -bereiche entscheiden, weswegen in diesen Bereichen mehr Anreize geschaffen werden müssen, oder?

    Plakativ formuliert: Es würden sich auch weiterhin genug junge Leute finden, die Englisch für Lehramt an Gymnasien studieren wollen, selbst wenn hierfür das Deputat um 2 Stunden erhöht wird. Dafür gibt es einfach genug junge Leute, die im Zweifelsfall schlechtere Arbeitsbedingungen dem Interesse am Fach unterordnen. Bei Fächern wie Musik oder Physik muss man jedoch um junge Leute, die sich für diese Fächer zumindest grundlegend interessieren, werben - und da reichen Jobgarantie und die Auseinandersetzung mit Fachgegenständen, die ihnen möglichst auch gefallen, nicht aus, es braucht noch weitere Anreize.

    Korrekturentlastung ist der einzige Hebel, um die sehr unterschiedliche Fachbelastung auszugleichen. Finde ich persönlich fast am wichtigsten für Entlastungsstunden.

    Die korrekturintensiven Fächer (vorneweg die Sprachfächer) sind aber auch gleichzeitig die Fächer mit moderatem bis geringem Bedarf - von kurzen Schwankungen bedingt durch Wechsel von G8 auf G9 mal abgesehen. Daher trägt der erhöhte Korrekturaufwand zumindest anteilig dazu bei, die Anmeldungszahlen für Lehramtsstudiengänge mit entsprechenden Fächern nicht komplett in die Höhe schießen zu lassen. Zumindest mit der Perspektive wäre weitere Korrekturentlastung (und sei sie auch für die einzelne betroffene Lehrkraft noch so nachvollziehbar) eher kontraproduktiv. Hier im Forum melden sich ja öfter angehende Lehrkräfte mit Sprachfachkombinationen und erklären, dass ihnen der erhöhte Korrekturaufwand bewusst sei und ihnen nichts ausmache. Dann muss man das auch als Teil des "Deals" akzeptieren.

    Eher sollten weitere Anreize geschaffen werden, um die traditionellen Mangelfächer (MINT-Fächer, künstlerische Fächer, technische Fachrichtungen an den beruflichen Schulen) leichter personell besetzen zu können - auch wenn das bedeuten könnte, dass Kollegen (m/w/d) mit von Natur aus korrekturarme Fächern zusätzlich auch noch weniger Deputatsstunden für eine Vollzeitstelle leisten müssen.

    Ich würde einen anderen Weg wählen. Statt zu überlegen, wie vorhandene Entlastungsstunden verteilt werden können, würde ich eher überlegen, welche hiermit verbundenen Aufgaben nicht gestrichen oder im Umfang reduziert werden können. Und vor allem: Für welche Aufgaben wird wirklich eine Lehrkraft mit zwei Staatsexamina benötigt und welche Aufgaben könnten nicht auch an die Schulassistenz oder die Fachkräfte im Rahmen der multiprofessionelle Kooperation übertragen werden?

    Gerade deswegen werde ich auch nicht müde, zu betonen, bei anstehenden Wahlen (und dieses Jahr finden mehrere statt) die Wahlprogramme auch mit Blick auf Kultusthemen genau (und auch kritisch) zu lesen. Wenn also eine Partei behauptet "Wir sind für A13 für alle!", lieber noch einmal nachfragen, was die Partei konkret darunter versteht, statt anzunehmen, dass hiermit ausschließlich finanzielle Besserstellung verbunden ist.

    Im Nachhinein war sicher die Forderung "A13 für alle" wenig überlegt, da vergessen wurde, welche Auswirkungen dies auf Arbeitsbelastung, Beförderungen etc. hat - und auch ausgeklammert wurde, wie die Politik diese Forderung (fehl-)interpretieren könnte.

    Ach ja, überhaupt sind solche Vorgaben des Dienstherrn immer ein guter Anlass, ganz grundsätzlic darüber nachzudenken, wo man auf Projekte, Engagement, Kooperationen etc. verzichten kann. Ja, der Laden muss laufen, aber vielleicht nicht unverändert so, wie er vorher gelaufen ist.

    Wie ich schon letztens schrieb: Es muss im öffentlichen Dienst ankommen, dass, sobald ein Projekt, ein Engagement oder eine Kooperation hinzukommen, im Gegenzug zwei wegfallen. Nur so findet Entbürokratisierung, die ja alle in der Theorie wollen, auch tatsächlich statt. Und ja, das wird erst einmal wehtun, weil grundsätzlich alle Projekte, Engagements und Kooperations mal eingeführt wurden, weil sie damals als sinnvoll empfunden wurden und es mutmaßlich immer noch Befürworter (m/w/d) hiervon gibt. Aber irgendwo muss angesetzt werden, um auch die Arbeitsbelastung schrittweise wieder auf ein normales Maß zu reduzieren.

    In einer Demokratie sind Meinungs- und Pressefreiheit wichtige Güter und das Spektrum des Sagbaren größer als in anderen politischen Systemen. Insbesondere deckt das auch die Kritik an staatliche Strukturen, wozu auch Schule und deren Vertreter (m/w/d) gehören, ab.

    Ich finde dennoch, das Ganze sollte Grenzen haben und die liegen, wie von @WillG angedeutet, vermutlich da, wo es beginnt, zivilrechtlich relevant zu werden. Ich möchte in einer Abizeitung weder eine Seite sehen, auf der ein einzelner Schüler (m/w/d) herausgepickt und mit Bildern und/oder Worten fertiggenacht wird, noch Sprüche in Richtung "Tod allen [Bevölkerungsgruppe nach Wahl]!".

    Ich bin beeindruckt von Lehrkräften wie dir, Wolfgang, die im Zweifelsfall sogar noch Hausbesuche machen und sich nicht von dem ersten Widerstand direkt abschrecken lassen - insbesondere wenn es über die rein formale Zuständigkeitsgrenzen hinausgeht. Ich hatte bereits beim Lesen an der Stelle als du im Wohnzimmer warst ein beklemmendes Gefühl und mag daher nur vermuten, wie es sich anfühlt, konkret in dieser Situation sich befunden zu haben. Es ist auch schade, dass man sich als (engagierte) Lehrkraft wie du, Wolfgang, teilweise in solch eine Gefahr begeben muss, weil diejenigen, die eigentlich hierfür zuständig wären (vor allem Jugendamt, teilweise auch die Polizei), sich raushalten und damit letztendlich auch die Kinder und Jugendliche alleine in Elternhäusern, die mit dieser Aufgabe eindeutig überfordert sind, zurücklassen.

    Ich würde mal behaupten, dass das reine Abschließenwollen nicht ausreicht, wenn es am Ende am Können scheitert, sprich wenn die gezeigte Leistung zu gering ist, um nachweisen zu können, dass die angestrebten Lernziele erreicht wurden.

    Verbessert hat sich imo nichts, aber wir haben einen Haufen neuer Siegel und Zertifikate bekommen und alle möglichen überflüssigen Kooperationen und Projekte.

    Der Ansatz, der sich in (Schul-)Bürokratie und Verwaltung mal dringend durchsetzen sollte, wäre: Eine (ressourcenintensive) Sache kommt hinzu = zwei andere (ressourcenintensive) Sachen fallen weg.

    Ich denke, die Pädagogik als Verband der Praktiker (m/w/d) und Wissenschaftler (m/w/d) hat es seit der damaligen Zeit versäumt, gangbare Wege zu finden, sich nicht nur von damaligen Methoden (Unterrichten durch Gewalt und Angst) zu trennen, sondern menschenfreundlichere Methoden zu ermitteln, die dann trotzdem dafür sorgen, die guten Aspekte der damaligen Zeit (wie du selbst beschreibst Ruhe und Disziplin) zu bewahren. Man hat leider einen menschenfeindlichen Weg, gute Ziele zu erreichen, durch einen menschenfreundlichen Weg, besagte Ziele zu verfehlen, ersetzt.

    Sagen wir mal so, aus meiner Sicht aus dem (allgemeinbildenden) Sek I/II-Bereich heraus: Berufsorientierung kann auch sehr viel Fehlinformation bei den Schülern (m/w/d) geradebügeln. Zum Beispiel (was so ein bisschen von Kris24 angedeutet wurde), dass Schüler (m/w/d) nicht allein aus dem Grund in die Sek II wechseln, weil sie sonst nicht wissen, was sie machen sollen, und sich denken, dass sie, wenn sie weiter im Schulsystem bleiben, den Gedanken an die berufliche Zukunft noch ein paar Jahre aufschieben können.

    Oder der Klassiker: Abiturienten (m/w/d) denken, dass sie ihr Abitur vergeuden würden, wenn sie "nur" eine Ausbildung machen, obwohl es vielleicht einen Ausbildungsberuf gibt, der zu ihnen gut passen können und dessen Absolventen (m/w/d) auf dem Arbeitsmarkt gesucht sind.

    Mit der aktuellen Gesetzgebung macht es sicher Sinn, dass sich das Jugendamt dahingehend abgrenzt bzw. sich nur um Fälle kümmert, bei denen die Kinder, wie von dir beschrieben, bereits halb tot sind.

    Es bleibt aus meiner Sicht Kindeswohlgefährdung, bei der der Staat bewusst wegschaut. Da kann ich nicht einmal einer einzelnen Person die Schuld geben, du hast ja erklärt, wie lang die Schule oft noch dran bleibt, obwohl es praktisch aussichtslos ist - es ist am Ende wohl auch Systemversagen.

    Betriebe werden für das Durchspielen eines nicht benötigten Bewerbungsprozederes schlicht keine Zeit und Nerven haben. Nutzen haben sie von 1-Tages-Praktikanten sowieso kaum und man sollte sich lieber über jeden freuen, der sich überhaupt dazu bereit erklärt😊

    Der Aspekt wird auch stark unterschätzt. Es müssen im Rahmen der allgemeinbildenden Schule, aber auch schulischer Ausbildungen und Studiengänge jedes Jahr so viele Praktika absolviert werden, dass die Bewerber (m/w/d) sehr auf das Wohlwollen der Betriebe angewiesen sind, diese überhaupt aufzunehmen. Nicht jeder Betrieb nimmt Praktikanten (m/w/d), selbst wenn wir das gerne hätten, weil es für sie primär Mehrarbeit ist. Die Kollegen (m/w/d), die für die Praktikumsbetreuung/Berufsorientierung zuständig sind, sollten sich dessen auf jeden Fall bewusst sein und es nicht für selbstverständlich nehmen, dass jemand so leicht einen Praktikumsplatz findet - gerade in der momentanen Wirtschaftskrise.

    Aber dass dann etliche studierende Studienganghopping betreiben und mehrere Semster verlieren oder nach dem Abi Ausbildungen abgebrochen werden, ist dann nicht so schlimm?

    Es kommt darauf an, ob einer Bildungs- oder einer Wirtschaftlichkeitsperspektive heraus argumentiert wird. Aus einer Wirtschaftlichkeitsperspektive heraus argumentiert, wäre das o.g. Szenario natürlich fatal. Aus einer Bildungsperspektive heraus argumentiert, könnte man sagen: "Naja, solange man am Ende mehr weiß als vorher, war es den Umweg wert.".

    Wir haben uns in unserer Gesellschaft mehr oder weniger darauf geeinigt, einen Mittelweg zu gehen, weder rein auf Bildung noch rein auf Wirtschaftlichkeit zu setzen, sondern eher eine Mischform. Und im Rahmen dieser Mischform geht es bei allen Entscheidungen rund um Schulentwicklung und -politik um ein stetiges Aushandeln zwischen diesen beiden Extremen.

    Berufsorientierung macht definitiv auch am Gymnasium Sinn. Es gibt berufliche Bereiche, die völlig überbelegt sind, und solche, in denen großer Mangel herrscht. Viele Abiturienten (m/w/d) wissen hierüber vergleichsweise wenig und fangen dann z.B. mit einem Germanistikstudium an, weil sie in der Schule gerne gelesen haben und im Fach Deutsch gut waren, nur um dann festzustellen, dass es nur wenige Stellen gibt, auf die sich dann direkt 100 Leute bewerben.

    PaPo hat aber natürlich Recht, dass dadurch Unterrichtszeit wegfällt, die so bereits knapp ist. Und curriculare Inhalte streichen, geht eben auch nicht, wenn wir nicht wollen, dass das Lernniveau noch weiter sinkt.

    Natürlich nicht. Aber denkst du, dass dies das erste abweichende Verhalten des Sechstklässlers wäre und er zuvor vollkommen unauffällig war? Meine Erfahrung ist eher, dass sich in solchen Fällen das abweichende Verhalten früh in der Bildungskarriere zeigt und sich im Ausmaß kontinuierlich steigert.

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