Beiträge von Gymshark

    Ich hoffe noch inständig, dass er irgendwas ganz anderes gemeint hat.

    Ganz einfach: Wir sollten uns beim Thema "Inklusion" ehrlich machen. Was wäre wünschenswert, was ist realistisch.

    Wenn es um gesellschaftliche Teilhabe geht, und darüber sprechen wir doch, bin ich mal so direkt und würde dich fragen, wie viele deiner Schülereltern du dir ernsthaft als gute Freunde vorstellen könntest. Wie hoch schätzt du den Anteil an Lehrkräften in deinem Kollegium, die mit mindestens einem Elternteil eines Schülers (m/w/d) deiner Schule gut befreundet ist?

    Toleranz und inklusive Gesellschaft, da bin ich auch dafür, aber wir müssen uns da an die eigene Nase fassen und uns selbstkritisch fragen, ob wir selbst in unserem Privatleben so tolerant und inklusiv sind wie wir uns wiederum Schule wünschen.

    Schulen in den USA sind statistisch gesehen tatsächlich oft noch nach race und class segregiert (Quelle).

    Und auch wenn dein Kommentar natürlich bewusst provokant formuliert war: Es gibt bereits politische Stimmen, die Maximalquoten in Bezug auf migrantische Schüler (m/w/d) an deutschen Schulen fordern. Ich beziehe mich an der Stelle nicht auf Politiker (m/w/d) der AfD, sondern auf Bundesbildungsministerin Prien von der CDU, die derzeit auch den Kanzler stellen.

    Ich vertrete dennoch nicht diese Position. Es ging mir lediglich darum, darauf hinzuweisen, dass schulische Prozesse zum Vakuum werden, wenn wir die außerschulische Entwicklung nicht in gleichem Maße mitberücksichtigen.

    Die beschriebene Situation ereignete sich vor circa 50 Jahren. Das finde ich weniger "unfassbar" als den Umstand, dass heute, im Jahr 2026, Identitätskategorien wie ethnischer Hintergrund, ökonomischer Status, sexuelle Präferenz sowie politische und religiöse Ansichten immer noch primäre Faktoren sind, nach denen Mitglieder unserer Gesellschaft entscheiden, ob sie Freundschaften eingehen oder nicht.

    Ich fand hier ein interessantes Zitat:

    Zitat

    The sad reality is that, as adults, we tend to be racially segregated in our friendships, just as we are in our neighborhoods. While interracial friendships are fairly commonplace during our school years, studies have shown that children entering adolescence are less likely to maintain cross-racial friendships as they grow older.

    ( Quelle )

    Das Zitat (am Beispiel der Identitätskategorie "race") bestätigt meine Vermutung, dass Schule zwar ein Ort sein kann, an dem Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Identitätskategorien aufeinander treffen und womöglich sogar Freundschaften schließen, diese Freundschaften nach Ende der Schulzeit jedoch seltener Bestand haben als Freundschaften von Menschen gleicher Identitätskategorien.

    Bei allen Überlegungen rund um das Thema "Schulentwicklung und Gestaltung von Bildungsprozessen" sollten wir stets im Hinterkopf behalten, dass Schule nie isoliert betrachtet werden kann, sondern immer auch mit Bezug auf die Zeit danach.

    Mentalität ist auch immer ein Zeichen der Zeit. Als die Generation deiner Mutter noch im heutigen schulpflichtigen Alter war, war es vielerorts üblich, dass die Hälfte eines Jahrgangs nach der Volks- auf die Hauptschule ging. Einige Vertreter späteter Generationen tendierten ja auch dazu, die Hauptschule zur "Dummenschule" herabzuwürdigen, was sicher auch weite Teile der Generation deiner Mutter nicht gerne hören würden.

    Und klar, als Kind ist man oft noch nicht rhetorisch versiert, in eine argumentative Diskussion mit den eigenen Eltern einzusteigen, zumal das Eltern-Kinder-Verhältnis damals noch emotional distanzierter war als in vielen heutigen Familien. Dennoch hätte ich mich gewundert, ob das Problem aus Sicht der Mutter am Rainer wirklich war, dass er auf die "Dummenschule" ging, oder vielleicht doch eher, dass er vermutlich eine Behinderung hatte (die sich ja auf einer anderen Schule auch nicht plötzlich in Luft auflöst). Und warum genau sollte er gemieden werden? Bestand die Angst, dass die vermutliche Behinderung ansteckend sein könnte, oder ging es darum, dass es sich "nicht schickt" als nicht-behinderte Person seine Freizeit mit Menschen mit einer Behinderung zu verbringen (und dabei auch noch gesehen zu werden)?

    Zauberwald : Zu deiner an mich gerichteten Frage: Meine Meinung ist, dass die realen Bedingungen zieldifferenter Beschulung Kindern mit Förderbedarf nur in seltenen Fällen ermöglichen, ihr Potential soweit auszuschöpfen, dass sie nach der Schulzeit in der Lage sind, echte gesellschaftliche Teilhabe erfahren zu können. Selektion heißt in dem Zusammenhang nicht nur die Verwehrung des Zutritts zu einer bestimmten Schulform, sondern die Empfehlung einer anderen Schulform, unter deren Bedingungen die Chancen höher sind, das vorhandene Potential auszuschöpfen und auf die Zeit nach Beendigung der Schule angemessen vorbereitet zu werden. Mal als Negativbeispiel: In den früheren Volksschulen gab es bisweilen sehr große Klassen und es waren allerlei Leistungsniveaus vertreten. Diejenigen mit (nicht diagnostiziertem) Förderbedarf sind im schlechtesten Fall einfach mitgelaufen, haben nicht viel aus dem Unterricht mitgenommen und hatten danach quasi keine Möglichkeit, sich in bestehende gesellschaftliche Prozesse einfügen zu können.

    Die Kollegen (m/w/d) aus dem Bereich "berufliche Schulen" wissen zu dem Thema sicherlich mehr, aber ich bin letztens darüber gestoßen, dass der Mangel an Lehrkräften mit beruflicher Fachrichtung Metalltechnik wohl inzwischen so groß sei, dass einige Hochschulen bereits besondere Quereinsteigermasterstudiengänge eingeführt haben, z.B. in München oder Berlin.

    Auch Hessen scheint ein besonderes Förderprogramm zu haben, siehe hier.

    Die Aufgaben der Schule sind (laut NRW Schulgesetz):

    • Unterricht und Erziehung: Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten zur Gestaltung des eigenen Lebens und Teilhabe an der Gesellschaft.
    • Wertevermittlung: Erziehung zu Demokratie, Umweltschutz, Toleranz und vorurteilsfreier Begegnung.
    • Individuelle Förderung: Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung und Leistungsfähigkeit.
    • Beratung und Betreuung: Beratung von Schülerinnen, Schülern und Eltern sowie Betreuung.
    • Beurteilung: Leistungsbewertung und Ausstellung von Zeugnissen.
    • Aufsicht: Gewährleistung der Sicherheit während des Unterrichts, der Pausen und Schulveranstaltungen.
    • Qualitätsentwicklung: Mitwirkung an der Verbesserung der eigenen Arbeit.

    Ich finde dort nichts von "Selektion".

    Die grün hervorgehobenen Partien würde ich "Selektion" zuordnen. Selektion muss auch für die Betroffenen nicht immer negativ sein, sondern kann Chancen auch überhaupt erst ermöglichen, siehe der Punkt "Teilhabe an der Gesellschaft".

    Quittengelee : Am Anfang des Schuljahres erläutere ich die Formalitäten, also sowas wie Regeln + Konsequenzen, aber auch wie der Unterricht strukturiert ist, wie die Leistungserwartungen sind, usw. Kleinschrittig wie oben beschrieben würde ich nur bei leistungsschwachen Klassen wie bei dem/der Eröffner/in des Stranges vorgehen. Aber doch, im Grunde geht es ab der 2. Unterrichtsstunde richtig los und, falls du darauf abzielst: Die ersten paar Stunden kommen dann natürlich schülerseitig Rückfragen, warum direkt eine Konsequenz folge, man habe doch nur dies und das machen/sagen wollen und das sei doch alles unfair. Dann verweise ich auf die Regeln und führe an, dass Weiteres in der Pause, aber nicht im Unterricht geklärt werden kann. Meist ist zu Beginn der Pause der Gesprächsbedarf dann doch nicht mehr gegeben. Zumindest in den Klassen, in denen ich hauptsächlich unterrichte, reduzieren sich diese Rückfragen nach spätestens 2-3 Wochen, weil die Schüler (m/w/d) merken, dass sie eh nichts bringen.

    Vorab: Es ist verständlich, dass du nach der erlebten Situation geknickt bist. Sieh es aber nicht als persönliches Scheitern, sondern als Anlass zum Lernen, um für zukünftige, ähnliche Situationen besser gewappnet zu sein.

    Rein schriftlicher Unterricht ist je nach Fach nicht möglich. In sprachlichen Fächern z.B. sind mündliche Anteile per Curriculum verpflichtend und können von Schülern (m/w/d) oder deren Eltern daher explizit eingefordert werden.

    Ich würde so vorgehen: Ich würde in der nächsten Stunde die Klasse damit konfrontieren, dass dir das Verhalten einiger Schüler (m/w/d), an der Stelle keine Namen nennen, in der letzten Stunde misfallen hat, und sie fragen, wie sie selbst die Situation erlebt haben. Es würde mich nicht wundern, wenn selbst die größten Störer (m/w/d) die Situation als unangenehm empfanden, da solche sich meiner Erfahrung nach schwer damit zu tun, eine Verbindung zwischen ihrem eigenen Verhalten und einer empfundenen Unruhe in der Klasse zu erkennen. Danach würde ich erklären, dass jeder Schüler (m/w/d) ein Recht darauf hat, in Ruhe lernen zu können und das nur geht, wenn du zukünftig konsequent Unruhe unterbindest. Dazu überlegst du dir im Vorfeld ein System, was passiert, wenn Regeln (Welche wären das?) gebrochen werden und was wiederum passiert, wenn Schüler (m/w/d) sich weigern, dieser Konsequenz nachzukommen. Diese Regeln am besten noch einmal von der Schulleitung kurz gegenprüfen lassen, sodass diese hinter dir steht, sollten Schüler (m/w/d) oder Eltern sich beschweren. Danach kannst du sie den Schülern (m/w/d) in der Klasse erklären und ergänzen, dass sie ab der kommenden Unterrichtsstunde Anwendung finden werden. Unterschriften von Kindern sind natürlich nicht rechtlich bindend, aber als Zeichen der symbolischen Unterstützung kannst du einen aufgesetzten "Vertrag" von den Schülern (m/w/d) unterschreiben lassen und die Regeln zusätzlich im Klassenraum visualisieren, sodass sich die Schüler (m/w/d) hieran orientieren können.

    Dann ist wichtig: Konsequentes Umsetzen. Nicht groß mahnen, sondern Aktion = Reaktion. "Du hast gestört, das gibt einen Strich. Bei drei Strichen passiert das-und-das.".

    Und auch wichtig: Den Schülern (m/w/d) Entscheidung ermöglichen. "Du hast 3x gestört, daher passiert X. Du kannst jetzt entscheiden. Entweder du machst X oder es folgt (die unangenehmere Variante) Y. Du kannst jetzt darüber nachdenken und in 2 Minuten sagst du mir, wofür du dich entschieden hast.".

    Das musst du dann aber auch konsequent umsetzen und immer wieder darauf hinweisen, dass diese Vorgehensweise gemeinsam besprochen wurde - sonst werden sie die Regeln nicht ernst nehmen. Das ist am Anfang sicher anstrengend und auch für die Schüler (m/w/d) ungewohnt, weil sie es vielleicht gewohnt sind, dass erst 5x gemahnt wird, ehe eventuell etwas konkret passiert.

    Nach ein paar Wochen dürften sich aber nachhaltige Ergebnisse abzeichnen.

    Maylin85 : Es ist wie in der Schule - Regeln machen nur dann Sinn, wenn sie auch umgesetzt werden, inklusive der Durchsetzung von Konsequenzen bei Regelbruch. Aktuell haben zwar Eltern per Gesetz die Pflicht zur Erziehung ihrer Kinder, aber es gibt einen (kleinen?) Teil innerhalb der Bevölkerung, der dem nicht angemessen nachkommt und nicht die Eigeninitiative ergreift, hieran etwas zu ändern - vielleicht auch im Bewusstsein, dass zuvor genannte Konsquenzen auf Staatsseite eh nicht durchgesetzt werden.

    Es gab mal eine Phase, da war "Tschick" das Jugendbuch schlechthin - so wie es "Rico, Oscar und die Tieferschatten" für die Altersgruppe im Übergang Primar-/Sekundarstufe war. Manchmal steckt dahinter cleveres Marketing, manchmal wird diesen Werken (berechtigterweise?) hohes Potential für die schulische Behandlung zugesprochen. Ich vermute, diese Trends wird es auch schon früher gegeben haben und es wird auch in Zukunft der Fall sein. Vielleicht hat ja jemand hier einen Vorschlag, welches Werk der 20er-Jahre zukünftig das Must Have für den Deutschunterricht sein könnte.

    Schüler (m/w/d) müssen eine Lektüre gar nicht so spannend finden, dass sie sie auch privat lesen würden. Es dürfen gerne Unterschiede zwischen Lektüren, die in der Schule gelesen werden, und Lektüren, die privat gelesen werden, geben. Schule kann eh in Sachen Literatur nur einen groben Überblick über die Breite dieses Kulturgegenstands bieten. Da wird vielleicht mal in der Mittelstufe ein Werk der kinderliterarischen Phantastik gelesen und daraufhin stellt vielleicht ein Schüler (m/w/d) fest, dass das genau sein Werk ist und holt sich in den Folgejahren nach und nach eine ganze Sammlung klassischer und moderner Werke dieses Genres.

    Und selbst wenn jemand nach der Schulzeit nie wieder (außerhalb von Notwendigkeit im Rahmen beruflicher Fort- und Weiterbildung) freiwillig ein Buch in die Hand nimmt: Die Erfahrung der Auseinandersetzung mit einem der wichtigsten Werke der deutschen Literaturgeschichte bleibt für ein Leben lang. Man muss auch klar die Alternative benennen: Jemand (m/w/d), der in der Schule ein solches Werk nicht liest, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zum Rest seines Lebens nicht tun. Und dann im Zweifelsfall lieber in der Schule, wenn ihr mich fragt.

    Wobei man auch dazu sagen muss, dass die wenigsten Curricula zeitliche Schwerpunkte vorgeben. Das ist in Bayern und Sachsen der Fall, eventuell noch in 1-2 anderen, aber in den restlichen Bundesländern geben die Curricula die Freiheit her, ein Thema innerhalb von einer Schulstunde abzuhaken oder auf drei Wochen auszudehnen. Und dann hängt es wiederum von den einzelnen Lehrkräften (bzw. den Absprachen innerhalb der Fachschaften) ab, wie viel Zeit sie der Behandlung literarischer Texte, pragmatischer Texte oder Sprachreflexion in ihrem Unterricht einräumen.

    Für Literaturentwertung am allgemeinbildenden Gymnasium habe ich leider kein Verständnis. Wem das nicht liegt, der möge sich doch eine andere Schulform suchen.

    Es gibt vor allem gar keine Not, die diesen Schritt begründet. Die Abiturquoten und -durchschnitte sind ja immer noch eher zu hoch, weswegen wir uns gesamtgesellschaftlich eher sogar noch erlauben könnten, das fachliche Niveau ein Stückchen zu erhöhen.

    Ich erinnere mich daran, die Tage gelesen zu haben, dass sich der berliner Bildungssenat hierzu äußerte und als Stellungnahme abgab, dass die Verwendung der vereinfachten Ganzschriften keine politische Vorgabe war und dass die Verwendung der Originalganzschriften weiterhin wichtig sei, dass es aber Schulen im Rahmen der Lehrmittelfreiheit natürlich möglich sei, ergänzend zusätzliche Materialien zu nutzen. Das klingt für mich so, als hätte sich die entsprechende Schule proaktiv für den Einsatz der vereinfachten Ganzschriften entschieden, um potentielle Diskussionen während der Unterrichtseinheiten (Zu schwer! Verstehe ich nicht! u.ä.) oder im Rahmen der Notenbekanntgabe nach einer sich hieran anschließenden Leistungsüberprüfung zu begrenzen.

    Es ist nachvollziehbar, dass es unangenehm ist, einem Schüler (m/w/d) zu sagen, dass er womöglich die falsche Schulform besucht und eine Schulform mit niedrigerem fachlichen Anspruch geeigneter wäre, aber wenn wir den staatlichen Auftrag an uns ernst nehmen, sollten wir verstehen, dass hiermit verbunden ist, dass wir die curricularen Vorgaben umsetzen und die Konsequenzen bei nicht erreichten Lernzielen eindeutig benennen müssen.

    Kreidemeister : Transparenz in der Bewertung finde ich grundsätzlich schon wichtig. Nur wenn die Schüler (m/w/d) wissen, an welchen Stellen es Abzüge gab, können sie an ihren fachlichen Schwachstellen bis zur nächsten Prüfung arbeiten. Bei Prüfungen, die von mehreren Kollegen (m/w/d) durchgeführt bzw. bewertet werden, würde ich nur eine Bewertung herausgeben, da, wie der aktuelle Anlass zeigt, Diskussionen ausgelöst werden, die nicht mehr im Fachlichen verwurzelt sind. Ist nicht schlimm, die Erfahrung muss man machen und bei der nächsten Kommunikationsprüfung wisst ihr Bescheid.

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