kleiner gruener frosch die Diskussion über "erweiterte Literatur" ist hier sehr OT, wie schon von pepe angemerkt.
Ja, ist sie.
kleiner gruener frosch die Diskussion über "erweiterte Literatur" ist hier sehr OT, wie schon von pepe angemerkt.
Ja, ist sie.
Mir hat es auch nie eingeleuchtet, warum meine Interpretation von Teilen aus Gedichten oder so nicht richtig sein soll. Wer bestimmt, dass der Verfasser nun genau das damit bezweckt hat bzw. aussagen wollte?
Vielleicht war das das grundlegende Missverständnis?
Eine Literaturinterpretation hat - wenn überhaupt - nur zu einem kleinen Teil damit zu tun, 'was der Verfasser aussagen wollte'.
Ich würde, wenn ich auf den Verfall von Bildung und Sitten aufmerksam machen wollte, nicht ausgerechnet Medien aus dem Hause Axel Springer zitieren.
Alle anderen Quellen, die ich dazu gefunden habe, waren hinter einer Paywall.
Focus gäbe es noch, wenn dir das lieber ist?
Für das Abi 2027 sind in Hessen Faust, Der zerbrochne Krug, Der Prozess und Heimsuchung Pflichtlektüre, egal ob GK oder LK. Mindestens 2 davon würde ich lieber tauschen
Kleist fand ich auch anstrengend, der Kohlhaas war es damals bei mir, sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Ich weiß aber nicht, ob die "vereinfachte Sprache" daran viel geändert hat.
Goethe, Kafka fand und finde ich klasse, Schiller, Lessing, Hesse etc. zumindest interessant. Im Abitur habe ich dann allerdings den Gedichtvergleich gewählt und mich im Studium mehr auf die Linguistik fokussiert.
Ich finde wichtig, dass zumindest die Schüler (m/w/d) des gymnasialen Lehrgangs sich stichprobenweise mit historischen Erkenntnissen und Werken der jeweiligen Fächer auseinandersetzen, um zu verstehen, dass alles, was sie im Jahr 2026 kennen, auf jahrzehnte- oder jahrhundertelanger Entwicklung basiert und es den Status Quo, den sie kennen, in der Form nicht schon immer gab. Daher reicht es nicht, im Deutschunterricht nur moderne Werke zu behandeln, sondern eben auch bedeutende klassische Werke in der jeweiligen Sprache, die damals vorherrschte.
Es wäre historisch falsch, zu behaupten, dass Goethe und Schiller unser aktuelles Sprachverhalten nutzten. Im Lehrgang mit dem höchsten Anforderungsgrad ist es nicht zu viel erwartet, sich hiermit auseinanderzusetzen, denn wenn wir selbst den Schülern (m/w/d) im Lehrgang mit dem höchsten Anforderungsgrad dies nicht mehr zutrauen könnten, wäre das ein fatales Zeichen hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im internationalen Vergleich. Die Abiturientenquoten sind im Durchschnitt aktuell immer noch sehr hoch, also sollte man meinen, dass die Leistungsanforderungen von einem Großteil der Absolventen (m/w/d) als machbar empfunden werden.
Vielleicht war das das grundlegende Missverständnis?
Eine Literaturinterpretation hat - wenn überhaupt - nur zu einem kleinen Teil damit zu tun, 'was der Verfasser aussagen wollte'.
Vielleicht. Ich werde nicht mehr erfahren.
Werden in Berlin die Plätze am Gymnasium nicht mittels Losverfahren vergeben?
Und meine Oberstufe gestern meinte, Dürrenmatt (die Physiker) sei nicht so einfach. Muhahaha... Wartet auf den zerbrochenen Krug und Woyzeck nächstes Jahr.
Bei uns gab es damals im Deutsch Grundkurs Franz Kafka. ![]()
Die Physiker haben wir in Klasse 8 gelesen und Kafka in der Einführungsphase. Letzteren mochte ich sehr gerne 😊
Für Literaturentwertung am allgemeinbildenden Gymnasium habe ich leider kein Verständnis. Wem das nicht liegt, der möge sich doch eine andere Schulform suchen.
Bei uns gab es damals im Deutsch Grundkurs Franz Kafka.
Kafka ist für den GK Deutsch bis heute totaler Standard.
Der Prozess oder die Verwandlung war auch schon mal Thema in den letzten Jahren.
Ich steige zwar erst jetzt ein bisschen in die Q-Phase in Deutsch, bin aber froh, dass es nicht jahrzehntelang das selbe Programm ist. Ernsthaft: Es wird doch total langweilig, immer dasselbe zu unterrichten (oder bin ich die Einzige, die das so sieht? Die Physiker mache ich erst zum 3. Mal mit 10 Jahren Abstand, beim nächsten Mal kämpfe ich für Galilei...)
Galilei haben wir ziemlich sicher auch in 9 gelesen. Ist das in den letzten 20 Jahren alles von der Sek I in die Sek II gerutscht oder wird in Deutsch insgesamt weniger gelesen?
Es wird insgesamt weniger gelesen, was aber nicht unbedingt eine Aussage über schwindenden Anspruch ist. Was hinzugekommen ist, ist ein sehr starker Fokus auf die Analyse von Sachtexten (verschiedene Textsorten: Reden, Artikel, Essays etc.) und auf Sprachreflexion, also Auseinandersetzung damit, wie Sprache funktioniert und was sie bewirkt - auch in Hinblick auf Kommunikations. Das gab es alles früher schon, ist aber mehr in den Mittelpunkt gerückt, auch weil es eben viel Kritik an vermeintlich "nutzlosen" Bidlungsinhalten gab. Man erinnere sich an den viralen Tweet von dieser Schülerin, die sich beklagt hat, dass sie Gedichte in drei Sprachen analysieren kann, aber nicht weiß, wie man eine Steuererklärung ausfüllt.
Ja, und wenn solche Themen mehr Raum einnehmen, gibt es halt weniger Zeit für Ganzschriften.
Für Literaturentwertung am allgemeinbildenden Gymnasium habe ich leider kein Verständnis. Wem das nicht liegt, der möge sich doch eine andere Schulform suchen.
Es gibt vor allem gar keine Not, die diesen Schritt begründet. Die Abiturquoten und -durchschnitte sind ja immer noch eher zu hoch, weswegen wir uns gesamtgesellschaftlich eher sogar noch erlauben könnten, das fachliche Niveau ein Stückchen zu erhöhen.
Ich erinnere mich daran, die Tage gelesen zu haben, dass sich der berliner Bildungssenat hierzu äußerte und als Stellungnahme abgab, dass die Verwendung der vereinfachten Ganzschriften keine politische Vorgabe war und dass die Verwendung der Originalganzschriften weiterhin wichtig sei, dass es aber Schulen im Rahmen der Lehrmittelfreiheit natürlich möglich sei, ergänzend zusätzliche Materialien zu nutzen. Das klingt für mich so, als hätte sich die entsprechende Schule proaktiv für den Einsatz der vereinfachten Ganzschriften entschieden, um potentielle Diskussionen während der Unterrichtseinheiten (Zu schwer! Verstehe ich nicht! u.ä.) oder im Rahmen der Notenbekanntgabe nach einer sich hieran anschließenden Leistungsüberprüfung zu begrenzen.
Es ist nachvollziehbar, dass es unangenehm ist, einem Schüler (m/w/d) zu sagen, dass er womöglich die falsche Schulform besucht und eine Schulform mit niedrigerem fachlichen Anspruch geeigneter wäre, aber wenn wir den staatlichen Auftrag an uns ernst nehmen, sollten wir verstehen, dass hiermit verbunden ist, dass wir die curricularen Vorgaben umsetzen und die Konsequenzen bei nicht erreichten Lernzielen eindeutig benennen müssen.
Ja, und wenn solche Themen mehr Raum einnehmen, gibt es halt weniger Zeit für Ganzschriften.
cool und die Steuererklärung können sie wahrscheinlich immer noch nicht ausfüllen, dafür wäre wahrscheinlich noch eine weitere Fremdsprache notwendig...
Steuererklärung fällt auch weniger in den Bereich des Deutschunterrichts. Den Umgang mit Sachtexten des Alltags zu lernen und ggfs. Manipulation zu erkennen, hingegen schon. Deswegen ist es gar nicht verkehrt, dass dies im Deutschunterricht mehr Raum bekommt - gerade auch wenn man an online Kommunikation bspw. in den Sozialen Medien denkt.
Kann man Manipulationen zu erkennen nicht auch anhand von literarischen Texten üben?
Wobei man auch dazu sagen muss, dass die wenigsten Curricula zeitliche Schwerpunkte vorgeben. Das ist in Bayern und Sachsen der Fall, eventuell noch in 1-2 anderen, aber in den restlichen Bundesländern geben die Curricula die Freiheit her, ein Thema innerhalb von einer Schulstunde abzuhaken oder auf drei Wochen auszudehnen. Und dann hängt es wiederum von den einzelnen Lehrkräften (bzw. den Absprachen innerhalb der Fachschaften) ab, wie viel Zeit sie der Behandlung literarischer Texte, pragmatischer Texte oder Sprachreflexion in ihrem Unterricht einräumen.
Klar, weil sie dann innerhalb von einer Stunde alle dazugehörigen Kompetenzen abdecken.
Zur Schulstufe: Klar gibt es eine Niveauverschiebung, aber die Gründe von WillG sind nicht von der Hand zu weisen UND ein Werk lesen ist nur ein Miniteil der Einheit. Eine Charakterisierung in einem Drama ist ein komplett anderes Niveau als eine komplexe Szenenanalyse, der Umgang mit Rezension oder die Analyse von pragmatischen Texten in Verbindung mit dem Inhalt des besagten Dramas.
Es ist also nicht der Untergang des Abendlandes, Dürrenmatt in der 11 statt 9 zu lesen.
Galilei haben wir ziemlich sicher auch in 9 gelesen. Ist das in den letzten 20 Jahren alles von der Sek I in die Sek II gerutscht oder wird in Deutsch insgesamt weniger gelesen?
Es kommt auch sehr stark darauf an, wie du die Lektüre curricular einbindest. Galilei kann man super im GK am technischen Gymnasium lesen und einbetten in den Themenbereich "Technische Entwicklung und gesellschaftlicher Wandel". Die Abiturvorgaben machen in dem Themenbereich keine Vorgaben zu Texten, es sollen aber insbesondere journalistische und wissenschaftliche Texte gelesen werden. Man kann aber auch eine Lektüre zwischen schieben. Oder man nimmt es in die 11 auf.
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