Beiträge von RosaLaune

    Aber nochmal kurz, an all die die "privat" und "beruflich" so strikt trennen - und auf ihren Privatgeräten keinerlei dienstliche Inhalte zulassen bzw. ausschließlich an vom Dienstherrn gegebenen Geräten arbeiten:

    Das Lesen, Schreiben, Diskutieren hier im Lehrerforum macht ihr von welchem Gerät aus? Diskussionen über Krieg, Wetter und Fußball von Privatgeräten; Diskussionen über Bildungspolitik, Unterrichtsbesuche und Elternabende über Dienstgeräte?
    Wechselt ihr das Gerät, wenn ich hier mal nach einer Anregung für euren Unterricht fragt?

    Ich entscheide, wozu ich meine privaten Geräte nutze. Darum geht es. Ich mache das Klassenbuch durchaus auch auf meinem Privatgerät, aber ich lasse mich dazu nicht vom Dienstherrn nötigen. Davon abgesehen, alles was du da nennst, ist privat.

    Nur müsste man dann an allen Schulen die hohen Durchfaller-Quoten haben.
    Ich kenne in dem Bundesland den Lehrplan jetzt nicht, aber in meinem Bundesland bezieht sich der Abitur-Stoff zum großen Teil auf den Stoff der beiden Oberstufenjahre.

    Also, ich will nicht sagen, dass da nun ein Drittel wegen Corona durchgefallen sind. Aber die Coronazeit beeinflusst die Bildungsbiografien der Schüler. Im vorliegenden Fall ist sicher noch mehr im Argen.

    Und auch wenn sich die Abiturprüfungen nur auf die Jahre der Qualifkationsphase beziehen, trägt man die Schäden ja mit sich. Wer im (konzeptlosen) Distanzunterricht alphabetisiert wurde, zu Hause keine Unterstützung hatte und auch in den späteren Jahren kein Bildungsprogramm erfahren hat, dass sich speziell um diese Probleme kümmert, der geht eben als funktioneller Analphabet durchs System Schule.

    Wenn ihr im Sportverein seid und dort ein Ehrenamt übernehmt (z.B. Vorstand, Trainer, ...), verlangt ihr dann auch für alles Dienstgeräte vom Verein? Nutzt ihr dann auch kein privates Gerät für die Kommunikation?

    Verlangt ihr auch Wasserflaschen vom Arbeitgeber, damit ihr an heißen Tagen genügend trinken könnt? Oder nehmt ihr auch mal eine private Flasche für dienstliche Zwecke mit in die Schule?

    Geht ihr für jeden Radiergummi ins Sekretariat und holt ihn euch dort ab?

    Das Beispiel mit dem Sportverein ist nicht passend, denn das ist eine private Entscheidung. Bei Ehrenämtern, zu denen man verpflichtet wird, zum Beispiel als Schöffe, trägt natürlich jemand die Auslagen.

    Trinkwasser zur Verfügung zu stellen ist tatsächlich eine Hitzeschutzmaßnahme. Die Flasche ist aber auch etwas privates, da sehe ich auch gar keinen dienstlichen Zweck.

    Aber ja, ich gehe für jeden Rotstift ins Sekretariat. Ich benutze kein privates Schreibgerät. Wenn ich schreiben soll, dann wird mir das entweder zur Verfügung gestellt oder meine Auslagen ersetzt oder es wird nicht geschrieben. Ich habe in den letzten Wochen ohne Kopien gearbeitet, weil es eben keine Kopiermöglichkeit abseits von Klassenarbeiten, Informationsschreiben und Zeugnissen mehr gibt. Das fange ich auch nicht privat auf. Ist es scheiße, eine Kurzgeschichte über die Projektionsfläche lesen und analysieren zu lassen? Ja, aber so ist es eben gewollt. Habe ich Zeugnisse dieses Jahr in Rot unterschrieben, weil uns nur Rot-, Grün- und Braunstifte ausgegeben werden? Ja, auch. Das muss alles nicht sein, aber so wird es eben gemacht.

    Die ehemalige Schülerin beklagt auch "veraltete Unterrichtsmethoden", "zu viel Stundenausfall" und sogar noch "Corona" (?).

    Was heißt denn noch Corona? Die Pandemie ist vorbei, aber es sind nicht die Schüler, die 2020 oder 2021 Abitur gemacht haben, die darunter besonders gelitten haben. Die ganzen Jahrgänge jetzt und die in den nächsten Jahren folgen, das sind die, die massiv unter Corona leiden. Nicht weil der Schulalltag jetzt betroffen ist, sondern weil die in der ganz wichtigen basalen Schulbildung betroffen waren – das kriegen wir auch nicht mehr rausgebügelt. Ein großer Teil der Schülerschaft hat ein Sonderopfer in der Pandemie bringen müssen und wird das auch ihr Leben lang nicht mehr los. Bei vielen konnte das über das Elternhaus oder über ausreichend Ressourcen in anderer Form ausgeglichen werden, bei den ganz Schwachen aber eben nicht.

    Spielt keine Rolle. Das gehört in keine Rede. Nicht von Menschen, die das Abitur haben.

    Sehe ich anders. Wenn jemand Unmut aufgestaut kann, dann kann er den auch rauslassen. Und bei einer Schülerin, deren Bildungslaufbahn so katastrophal geprägt war (Flüchtlingskrise, Corona) und für die die Zukunft bis auf 40 °C-Sommer wenig bietet, halte ich es auch für sehr verständlich, wenn sie da mal zurückfickt.

    Ich will mal kurz darauf hinweisen, dass zwar die telefonische Krankschreibung, aber nicht die Krankschreibung nach Videosprechstunde abgeschafft wird. TeleClinic und andere Anbieter bleiben also auch eine Option.

    Hier ist es genau umgekehrt und davon profitieren SuS, die gerne mal erst zur 3. Stunde kommen oder sich früher "verabschieden", ja sogar noch.

    Nicht? In den meisten Schulformen/Bildungsgängen stehen bei uns auch auf den Abschluss- und Abgangszeugnissen die Fehlzeiten/Fehltage drauf, ebenso wie Arbeits- und Sozialverhalten.

    :huh:

    Abgangs- und Abschlusszeugnisse weisen keine Fehlzeiten auf. Die stehen nur auf den Halbjahreszeugnissen (die es aber nur in Vollzeitbildungsgängen gibt) und bei mehrjährigen Bildungsgängen auf den Jahreszeugnissen.

    Dieses Jahr war das höchste, was ich eingetragen habe, 604 Fehlstunden. Fehltage erfassen wir nicht. Ist aber ein Abgangszeugnis, steht also eh nicht drauf. Aus irgendeinem Grund hat der Schüler aber in Politik eine vier...

    Die Änderung scheint ja eher kosmetisch zu sein. Jetzt muss nach dem 3. Tag die AU vorliegen, der AG kann sie aber auch ab dem ersten Tag verlangen. Künftig ist es andersrum, da muss sie nach dem 1. Tag vorliegen, der AG kann aber darauf verzichten. Und womöglich kommt diese Reform auch gar nicht, weil sie einfach nur dumm ist.

    Wenn sie aber kommt, dann sollten die Dienstherrn die Regel auch für ihre Beamten anwenden. Das sonst entstehende Ungerechtigkeitsgefühl in Betrieben mit beiden Statusgruppen wäre nämlich alles andere als gut in dem aktuellen Klima.

    Völlig absurdes Beispiel, in Schulen gibt es Amokkonzepte und keines davon setzt auf Privathandy und externe Messengerdienste.

    Die Amokkonzepte an allen Schulen, an denen ich bisher war, scheitern aber schon daran, dass sie nur für die Unterrichtszeit vorgesehen ist. Pause? Keine Ahnung was zu tun ist. Zeit vor dem Unterricht? Auch keine Ahnung.

    Feueralarm und Amokalarm sind aber der Grund, weshalb ich immer mein Handy mit in den Unterricht nehme. Das würde ich mir auch von einer Dienstanweisung oder einem Konferenzbeschluss (wir haben ein paar Kollegen, die gern das Handyverbot für alle Schulpersonen hätten) nicht untersagen lassen.

    Das sind Klassen für Schüler, die es in 9/10 Jahren nicht geschafft haben, einen Schulabschluss zu erwerben. An der Sekundar- oder Gesamtschule hast du davon eine Handvoll pro Klasse, in der Ausbildungsvorbereitung ist es aber die gesamte Klasse mit all den dafür ursächlichen Problemen: Lernschwierigkeiten, Sozialverhalten, kaskadierte Bildungsdefizite, ... Natürlich haben auch diese Schüler ein Recht auf Bildung und ich unterrichte da auch gerne – aber nicht mit vier Fünfteln meines Deputats und drei Klassenleitungen.

    Für mich in der Klasse hilft am meisten

    • Klare Sitzordnung (kein Churermodell, keine Gruppentische, stattdessen U oder frontal, Einzeltische für Kinder mit Aufmerksamkeitsschwierigkeiten oder "Unruheherde")
    • Klangsignal (1x bimmeln = zu laut, 2x bimmeln = Arme verbrezeln und zu mir schauen)
    • klare Lehrersprache (Du setzt dich jetzt hin. Du schaust nach vorne. Wir besprechen die HA erst, wenn jedes Kind zu mir schaut...) und Vorbereitung (ich habe alles, was ich brauche für den Tag, auf meinem Pult nach Stunden sortiert liegen (zumindest meistens)
    • Konsequenz (zum Beispiel: Aufstellen zum Sport: "Du stehst jetzt leise auf. Schiebe deinen Stuhl ran und stelle dich leise im Gang auf." (Wer den Stuhl nicht ranschiebt oder rennt, muss zurückgehen. / Wer mehrfach auf dem Flur redet oder sogar schreit, geht in eine andere Klasse statt zum Sport.)

    Unterschreibe ich alles (außer Klangsignal, aber da bin ich auch an der falschen Schulform). Gerade der Punkt mit der Sitzordnung ist wichtig. Eine offene Sitzordnung ist schön, aber benachteiligt schwache Schüler sehr stark. Klare Sitzordnung hilft, Struktur in die Klasse zu bringen, Verbindlichkeit zu schaffen und auf Einzelfälle einzugehen.

    Es gibt Bildungspläne für die AV, aber zumindest hier an der Schule interessiert sich ziemlich niemand für die AV. Du kannst im Unterricht machen, was du willst und das musst du auch teilweise. Ich habe viel Alphabetisierung gemacht (das sind keine Klassen für Neuzugewanderte und der Migrationsanteil ist unter 50 %, die können aber eben einfach nicht lesen und schreiben), weil an die eigentlichen Themen nicht zu denken war. Ich mache das auch gerne, aber nicht allein. Schon, wenn noch ein anderer Kollege in der AV Deutsch macht, hast du eine Person um dich auszutauschen, um über Frust zu sprechen und um klarzumachen, dass es nicht an dir liegt.

    In einer unserer AVs haben 3 von 24 Schüler dieses Schuljahr den Ersten Schulabschluss geschafft, in der anderen 6 von 28. In einer aber auch niemand. Das ist schwierig, aber es ist an sich auch eine erfüllende Arbeit. Nur nicht, wenn du nichts anderes mehr hast.

    Ich hatte darauf getippt, dass du ja Erfahrung mitbringst und sie denken, dass du es gerne machst.

    Geteiltes Leid ist halbes Leid ... man kann da sicher Kompromisse finden.

    Ich unterrichte auch gerne in der AV. Aber nicht 20 Stunden in der Woche. Ich brauche auch mal einen Tag ohne AV. Zumal jede Stunde mit sehr viel außerunterrichtlichen Aufwand einhergeht, weil die so viele Probleme mit sich bringen.

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