Aber trifft das nicht auch auf Grammatik und Lexik zu? Und Orthographie?
Grammatik und Lexik dürfte aus deutscher Perspektive im Spanischen nicht einfacher sein als im Französischen. Im Bereich der Verben ist Spanisch meines Erachtens schwieriger (es gibt alles, was es im Französischen gibt plus ein bisschen mehr und in viel mehr Formen), bei Substantiven tut sich nicht viel, ... Was Französisch hat und Spanisch nicht sind die Adverbialpronomen en und y. Die dürften schon auch eine besondere Schwierigkeit darstellen.
Orthographie ist natürlich ein Punkt, der Spanisch einfacher macht. Das Schriftsystem ist sehr phonetisch. Das führt dann zu ein paar Schwierigkeiten, die eigentlich aber nur Gewohnheit sind. Ich habe immer wieder SuS, die internationale Wörter etymologisch statt phonetisch schreiben, also sowas wie philosophia statt filosofía, physica statt física. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Französisch ist da eine ganz andere Hausnummer.
Spanisch ist in jeden Fall leichter, auch aussprechetechnisch, wenn man nicht unbedingt hektisch wie ein echter Spanier reden möchte.
Im Französischen gibt es viel komplizierte Regeln, alleine die Aussprache plus Benennung (Errechnung) von Zahlen von 10 aufwärts.
Spanier reden nicht hektisch, aber die meisten spanischen Standardvarietäten (auch eine Schwierigkeit an sich!) sind eben silbenzählend. Das ist ein starker Unterschied zum Deutschen und macht den ordentlichen Spracherwerb schwierig, gerade auch weil es in der Didaktik gern versteckt wird. Und das französische Lautinventar ist dem des Deutschen sehr ähnlich, wenn man die Laute in ein Venn-Diagramm legt, dann gibt es eine sehr große Übereinstimmung und nur ganz wenige Laute, die nur im Französischen (u. a. Nasalvokale, der ui-Laut) oder nur im Deutschen (u. a. Glottisschlag, [ç], [h]) vorkommen. Im Spanischen ist das ganz anders, allein schon wegen der ganzen frikatisierten oder approximantisierten stimmhaften Plosive.