Beiträge von Gymshark

    Es kann nicht für jeden Furz einen Erlass geben.

    Ich würde soweit gehen, zu sagen, dass die zunehmende Bürokratisierung inzwischen das gesamtgesellschaftliche Handeln lähmt. Die Deutschen wünschen mehrheitlich weniger staatliche Vorgaben, die ursprünglich in den meisten Fällen den (nachvollziehbaren) Wunsch nach Rechtssicherheit und -eindeutigkeit zur Wurzel hatten. Ganz ohne Gesetze geht es natürlich nicht, es würde binnen kurzer Zeit Anarchie ausbrechen, aber es wäre sicher eine interessante Überlegung, welche Implikationen sich für Schule ergeben würden, sollte der Wunsch nach Entbürokratisierung irgendwann umgesetzt und viele derzeitige Gesetze ersatzlos gestrichen werden. Dann gäbe es vielleicht nur ein paar grobe Rahmenbedingungen "von oben" und Schulen könnten viel individueller als derzeit entscheiden.

    Mathematik kannst du ohne mathematische Vorkenntnisse studieren.

    Die Aussage finde ich mutig. Klar, theoretisch wird alles noch einmal im Schnelldurchlauf "wiederholt". Wer aber aus der Oberstufe noch grobe Lücken in der Funktionenlehre hat, wird sich schwer tun in Analysis I, da sowohl für die Rechen- als auch für die Beweisaufgaben vorausgesetzt wird, dass man eine gute Vorstellung davon hat, wie eine quadratische, exponentielle, trigonometrische oder Potenzfunktion "funktioniert". Und auch in der linearen Algebra sollte man die zentralen Eigenschaften und Rechenregeln der in der Schule behandelten Zahlenbereiche kennen. Ist dieses Wissen als Fundament lückenhaft, ist es ungleich schwerer, in die abstrakteren Hochschulthemen vorzustoßen.

    Wäre es vlt. eine Alternative, den Bereichsnamen von "Krieg gegen die Ukraine" in "weltweite Kriege und ihre Auswirkungen" umzubennen? Dann könnten die Kriege in Ukraine und Iran (ggf. noch andere Kriegsschauplätze) gleichermaßen betrachtet werden, oft gibt es auch noch Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Kriegsschauplätzen, wie die Konsequenzen hieraus für das Leben in Deutschland bzw. die deutschsprachigen Nachbarländer.

    Bayern und Sachsen schneiden überdurchschnittlich gut in Leistungsvergleichsstudien ab, das stimmt. Ob das an den Lehrplänen liegt, kann ich nicht abschließend beurteilen.

    Dennoch müssen sich beide Punkte nicht widersprechen. Ein weniger detaillierter Lehrplan muss nicht automatisch zu einem niedrigeren Anforderungsniveaus in der Unterrichtspraxis führen.

    Ich nehme öffentlich geäußertes Unbehagen so wahr, dass zumindest nebenrangig entweder eine Lösung für besagtes Unbehagen durch Dritte oder die Positionierung Dritter zu einer selbstgefundenen Lösung für besagtes Unbehagen gewünscht wird.


    Es ist verständlich, dass man sich als Lehrkraft bisweilen eine konkrete Musterlösung statt einer Kollektion loser Konzepte von Staatsseite wünscht. Wobei ich dich so verstehe, dass dich im vorliegenden Fall weniger stört, dass eine konkrete Musterlösung fehlt, als dass eine Musterlösung selbt erarbeitet werden muss und dann im Nachhinein, wenn die Arbeit investiert wurde, die Musterlösung von Staatsseite nachgereicht wird, und damit quasi die zuvor investierte Arbeit abgewertet wird, oder?

    Ich sehe es so: Es wird sich oft über überbordende Bürokratie beklagt. Dann ist es natürlich kontraproduktiv, wenn der Staat viele Vorgaben macht und damit mehr Bürokratie erzeugt. Diese wird eher dann reduziert, wenn der Staat nur grobe Rahmenbedingungen vorgibt und die detailliere Umsetzung den Bürgern (m/w/d), hier den einzelnen Schulen in Form der Lehrkräfte, überlässt. Zudem habe ich meine Zweifel, ob sich akademischer Anspruch und Höhe der Besoldungsgruppe von Lehrkräften rechtfertigen lassen, wenn der Staat bereits konkrete Detailvorgaben macht, die nicht interpretiert werden, sondern 1 zu 1 umgesetzt werden müssen.

    Es ist definitiv aufwendig, ein schulinternes Curriculum zu schreiben, wenn man den Anspruch hat, dass alle Vorgaben abgedeckt werden. In den modernen Fremdsprachen ist das besonders anspruchsvoll, weil durchgehend kommunikative Kompetenzen, Wortschatz und Grammatik und Wissen über den Kulturraum möglichst passend miteinander verflochten werden müssen.

    Arbeitet ihr mit einem Schulbuch? Wenn ja, würde ich es als Grundlage nehmen und schauen, welche Inhalte und welche Methoden aus dem Schulbuch auch im Curriculum enthalten sind. Wenn sie enthalten sind, würde ich sie im Curricula abhaken und ins schulinterne Curriculum so übernehmen wie es im Schulbuch vorgeschlagen wird. Was dann übrig bleibt, sind die Inhalte und Methoden, die zwar curricular gefordert, aber nicht durch das Schulbuch abgedeckt sind. Im Idealfall sind das nicht mehr so viele und die würde ich dann an passenden Stellen im schulinternen Curriculum einfügen.

    Ihr könnt ja überlegen, wie detailliert das schulinterne Curriculum formuliert werden soll; ob es genügt "Ganzschrift" zu schreiben oder ob ein konkretes Werk benannt werden soll. Und ob ihr mit konkreten zeitlichen Vorgaben arbeiten wollt oder es dabei belasst, aufzulisten, was bis zum Ende eines Schuljahres unterrichtet worden sein muss.

    Zumindest dieser Punkt könnte so auch von der CDU kommen, weswegen es mich wundert, dass gerade die User (m/w/d) aus NRW, wo die CDU die Kultusministerin stellt, am lautesten klagen, dass diesbezüglich so viel im Argen sei. Hinzu kommt, dass, auch wenn Bildung Ländersache ist, die Bundesbildungsministerin als übergeordnete Koordinatorin der einzelnen Kultusministerien auch von der CDU kommt.

    Danke für deine fast schon erfrischende Ehrlichkeit an der Stelle. Ich könnte mir dann noch sowas wie die universitäre Betreuung von Lehramtsstudenten (m/w/d) im Praxissemester vorstellen. Seitdem Praktika und Praxissemester im Lehramtsstudium an vielen Standorten ausgeweitet wurden, wurden auch viele Stellen geschaffen, die quasi nichts Anderes machen als besagte Praxisaufenthalte zu begleiten bzw. vor- und nachzubereiten.


    Was die politischen Rahmenbedingungen angeht: Die letzten 20 Jahre gab es in NRW schon viel Abwechslung an der Spitze des Kultusministeriums (CDU, FDP, Grüne). Wenn deren Schulpolitik nicht deinen Anforderungen entspricht, macht es ggf. Sinn, vor der nächsten Landtagswahl die Wahlprogramme der anderen Parteien mit Chancen auf mindestens 5% (SPD, Linke, AfD) insbesondere in den Kapiteln "Bildung und Schule" aufmerksam zu lesen und die Erkenntnisse hieraus in deine Wahl einfließen zu lassen - mit dem Wissen, dass Kompromisse in einer Demokratie immer dazugehören und es keine Partei gibt, deren Positionen zu 100% teilt. Wenn es 80% sind, wäre das schon echt gut.

    Bolzbold : Ich denke, in den Fremdsprachen (1. und vor allem die 2. Fremdsprache) geht es in der mündlichen Kommunikation vor allem um Verständlichkeit. Würde ein Muttersprachler (m/w/d) das Gesagte verstehen? Daher ja, wenn die Satzstruktur nicht komplett murks ist und der Bezug zur Ausgangsthematik erkennbar ist, ist es (in meinen Augen) vergleichsweise schwer, in den Fremdsprachen mündlich auf Note 5 zu kommen.

    Daher schrieb ich auch oben, dass Deutsch andere Bewertungsansätze ansetzt und die Anforderungen vor allem an sprachliche Korrektheit deutlich höher sind.

    Klar, 2. FS gibt es noch nicht in Klasse 5/6. Ich bezog mich primär darauf, dass laut deiner Beschreibung selbst sehr leistungsschwache Schüler (m/w/d) kaum schlechter als Note 3 bis 4 in den Fächern Deutsch und Englisch bekommen - aber ja, jetzt verstehe ich, dass du dich hierbei auch primär auf Klasse 5/6 beziehst.

    Nein, du bildest dir das nicht ein.
    In der Unterstufe am Gym "abzuschulen" (was für ein bescheuertes Wort) ist kaum noch möglich. In Englisch kommt immer eine 4 raus, in Deutsch sowieso, eher die 3. Weil eine Einleitung oder was auch immer immer noch für genug Punkte reicht.

    Du hast ja schon mehrfach von den (schwachen) Leistungen deiner/eurer Schüler (m/w/d) im Fach Französisch berichtet. Sind die Leistungen denn so viel schlechter als in Englisch oder Deutsch? Bei uns sind die Noten über alle Sprachen hinweg ähnlich, die Anspruchshaltung in Deutsch von diesen drei drei Sprachfächern vermutlich sogar am höchsten.

    Ich habe doch geschrieben, dass in solchen Fällen die Schulpflicht nichts ändert, aber dass die Hemmung, die Existenz eines Kindes gegenüber dem Staat zu verschweigen, deutlich höher ist, als ein staatlich registriertes Kind im Falle einer legalen Home Schooling-Möglichkeit vom staatlichen Schulsystem fernzuhalten.

    aber dir ist klar: daran ändert die Schulpflicht nicht. Wie du selbst sagst: sie tun es schon JETZT!!

    Die paar Fälle, die ich aus der deutschen Berichterstattung kenne, sind solche, bei denen Kinder gar nicht erst staatlich registriert wurden. Klar, ein Kind, das aus staatlicher Sicht nicht "existiert", kann keiner Schulpflicht nachgehen. Solche Fälle, die oft jahrelang unentdeckt blieben, sind an Grausamkeit oft kaum auszuhalten und werden oft nur durch Zufälle irgendwann aufgedeckt.

    In Ländern, in denen das Home Schooling-Konzept greift (z.B. USA), ist die Schwelle jedoch niedriger, weil man gar nicht erst soweit gehen muss, die Existenz eines Kindes zu verschweigen, sondern "nur" nach außen hin vorgeben muss, man würde die Beschulung der Kinder selbst organisieren. Ich denke da an Fälle wie den der Familie Turpin.

    Und da ist die Frage, welche Fähigkeiten und Kompetenzen diese Menschen brauchen.

    Aktuell ist es aber leider so, dass immer mehr junge Menschen an den Bedürfnissen des Arbeitsmarkt vorbei (!) ausgebildet werden, objektiv betrachtet durchaus über einiges an Wissen mitbringen, aber keine Stelle finden, weil dieses Wissen nicht gefragt ist. Da habe ich Zweifel, dass dieses Wissen in 10-20 Jahren auf einmal gefragt sein wird.

    chilipaprika : Es geht mir vor allem um Extremfälle, die es alle Jahre mal wieder in die Medien schaffen, bei denen Elternhäuser, die die Bezeichnung "Eltern" nicht verdienen, ihre Kinder jahrelang zuhause einsperren und nach außen hin vorgeben, sie würden ihre Kinder zuhause unterrichten (diese Art von Elternhäusern sind oft Meister in der Manipulation nach außen, um den Schein zu wahren). Es geht mir nicht nur um die leistungsbezogenen Nachweise, sondern auch darum, dass verpflichtend nachgeschaut wird, dass diese Kinder körperlich wie mental gesund sind. 100%-ige Garantie gibt es nie, aber wenn die Kinder täglich in die Schule kommen, bekommen wir zumindest mit, wenn "irgendwas", was auch immer dieses "irgendwas" sein mag, nicht stimmt. Kommt ein Kind im schlechtesten Fall nie aus den eigenen vier Wänden heraus, fehlt ein geschultes, unabhängiges weiteres Paar Augen, dem Abweichungen im Verhalten oder Aussehen überhaupt erst auffallen könnten.

    Auch wenn es sehr seltene Extremfälle sind: Sie sollten es wert sein, dass die staatliche Aufsicht sie nicht ihrem familiären Umfeld komplett schutzlos ausgeliefert lässt.

    Ich sehe das Thema Home Schooling aufgrund der erhöhten Gefahr von Indoktrinierung oder Gewalt/Missbrauch im Elternhaus skeptisch. Sollte es aber irgendwann rechtlich möglich sein, dann zumindest in Kombination mit extern abzulegenden Leistungsüberprüfungen und regelmäßigen Kontrollbesuchen durch Sozialpädagogen (m/w/d).

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