Ich verstehe Maylins Argumentationsweise völlig und nicht jeder hat die Eigenschaften oder auch das Interesse in einer Umgebung zu arbeiten, in der der Schwerpunkt eindeutig auf der Vermittlung von normgerechtem Arbeits- und Sozialverhalten ist. Hinzu kommt, dass in den Lehramtsstudiengängen für Gymnasien und berufliche Schulen immer noch der Schwerpunkt auf Fachinhalten und der Vermittlung von Fachinhalten liegt, der pädagogische Werkzeugkoffer beim Übergang in die Schulpraxis daher im Vornherein schon weniger prall gefüllt ist als bei anderen Lehramtsschwerpunkten.
Wer den Job über Jahrzehnte machen will, muss es schaffen, den Stresspegel im Berufsalltag möglichst gering zu halten, und da kann ich verstehen, dass ein bellender Schüler kontraproduktiv ist und auch nicht unbedingt zum persönlichen Highlight der Woche zählt. In solchen Fällen braucht es ein engmaschiges und sehr einfach zu verstehendes Routinesystem, bei dem auf Handlung unmittelbar eine transparente Reaktion kommt. Das ist anfangs anstrengend und ich bin froh, dass ich in meinen Klassen sowas nicht umsetzen muss. Andererseits ist so ein System (insofern einem die Schul- und im Falle der beruflichen Schulen die Abteilungsleitung den Rücken stärken) besser als dass Schüler (m/w/d) über Tische und Bänke gehen, und man muss es so sehen: Die beruflichen Schulen sind für solche Extremfälle die letzte Möglichkeit, doch noch zivilisiertes Verhalten zu lernen, bevor sie auf die Menschheit losgelassen werden.