Im Bereich Sprachunterricht, ob jetzt Deutsch oder Fremdsprachen, gibt es viele Inhalte, die irgendwie im Unterricht untergebracht werden müssen. Selbst der Teilbereich "Literatur" lässt sich noch einmal in diverse literarische Unterformen untergliedern. Und wenn man all dem irgendwie gerecht werden will, bleibt oft nicht mehr Zeit als für eine Ganzschrift. Und auch hier die Frage, ob eher ein klassisches oder ein modernes Werk.
Beiträge von Gymshark
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Niemand ist perfekt, auch Lehrkräfte werden in ihrem professionellen Handeln durch äußere Faktoren beeinflusst. Daher gibt es keine Garantie zu 100%-iger Objektivität.
Es ist auch klar, dass wenn man lange Zeit in einem sozioökonomisch sehr guten oder sehr schlechten Umfeld arbeitet, die vor Ort herrschenden Bedingungen als "normal" wahrnimmt und das Gefühl verliert, was tatsächlich aus der Makroebene aus betrachtet "normal" ist.
Daher finde ich es gut, dass du an deinem Beispiel gezeigt hast, dass du zwar skeptisch warst, ob die Leistungen deiner früheren Schüler wirklich alle 15 Punkte wert waren, dann aber nicht automatisch strengere Kriterien angewandt hast, weil "kann ja gar nicht sein", sondern eher zu dem Fazit gekommen hast, dass die gezeigten Leistungen in jeglicher Hinsicht die Kriterien der Bewertung "sehr gut" erfüllen und damit auch 15 Punkte wert waren.
Und dass du andererseits sagst, dass du trotz ungünstigerer Voraussetzungen deinen aktuellen Schülern teilweise schlechtere, aber den tatsächlich gezeigten Leistungen entsprechende Noten gibst. Auch diese Schüler haben am Ende ein Recht darauf, objektiv, reliabel und valide bewertet zu werden.
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Ich finde es ehrlich gesagt mehr als problematisch, wenn ich hier lese, dass unterschiedliche Maßstäbe bei der Bewertung je nach Wohnort angesetzt werden. Schon klar, dass die sozioökonomischen Voraussetzungen zwischen Gelsenkirchen-Nord und dem Bonner Villenviertel komplett andere sind. Andererseits gibt es auch nur ein landesweites Curriculum und die zentralen Abschlussprüfungen unterscheiden auch nicht zwischen Brennpunkt und Gutverdienersiedlung.
Arbeitgeber merken früher oder später, wenn Noten nicht dem wahren Können entsprechen. Kris schrieb letztens schon mit Erfahrungen aus Baden Württemberg. Wollen wir wirklich, dass Arbeitgeber irgendwann sagen "Der Bewerber kommt von der Schule X, da können wir nicht darauf vertrauen, dass die Notenvergabe das tatsächliche Können abbildet."?
Nehmen wir mal das, ehrlicherweise eher seltene, Szenario an, dass Familie X aus Gelsenkirchen 10 mio. € im Lotto gewinnt und mit dem Gewinn beschließt, sich in Bonn ein schönes Häuschen zu kaufen. Das Kind der Familie soll dann auch dort auf die Schule gehen. Ich fände es schwierig, wenn das Kind dann dort auf die harte Art und Weise lernen müsste, dass die guten Noten, die es womöglich bisher erhielt, kein Zeichen guter Leistungen waren, sondern eher eine Art Trostpreis. Im schlechtesten Fall führt das zu unreflektierten Selbstzweifeln und Vertrauensproblemen.
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Ein potentiell leistungsstarker Schüler kann bei unzureichender Forderung auch "nur" Durchschnitt bleiben. Ich verstehe die Argumentation von nihilist durchaus. Da wir uns alle nicht vierteilen können, müssen wir uns immer fragen, was uns im Zweifelsfall als Gesellschaft mehr bringt, die Förderung leistungsschwacher Schüler oder die Forderung leistungsstarker Schüler.
Da niemand (auch Grundschullehrkräfte) regelmäßig bei begrenzten Ressourcen die volle Leistungsbreite zwischen Förderschwerpunkt geistige Entwicklung und Hochbegabung abdecken kann, sehe ich hier durchaus die Sinnhaftigkeit des gegliederten Schulsystems begründet.
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Klassisch Kuchenverkauf auf Schulfesten fällt mir ein.
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chilipaprika : Ich kenne mich mit Sehbindertenpädagogik zu wenig aus, um da ins Detail zu gehen. Ich würde mich da aber mal an Menschen mit regulärer Entwicklung orientieren, dass diese in sehr jungen Jahren noch sehr abhängig von ihren Eltern sind und diese entweder viele Aufgaben für sie übernehmen oder halt zusammen und junge Menschen mit der Zeit vermittelt bekommen, diese Aufgaben selbst durchführen zu können. Diese Aufgaben werden mit der Zeit immer komplexer. Analog dann bei Menschen mit körperlicher Einschränkung.
Beispiel: Wenn ich etwas in der Stadt besorgen muss, ist mein hypothetisches Kind im Kindergartenalter, wenn es dabei ist, immer an der Hand und ich achte vorsorglich auf potentielle Gefahrensituationen, um rechtzeitig dem Kind zu sagen, was es konkret zu machen hat. Wenn es im Grundschulalter ist, muss ich es nicht mehr an der Hand nehmen, nur darauf achten, dass es in Sichtweite ist und muss vielleicht mal auf eine Gefahrensituation hinweisen, ohne im Detail erklären zu müssen, was hier zu machen ist. Wenn es im Teenageralter ist, kann es eine Besorgung womöglich bereits alleine durchführen und braucht höchstens vorab eine grobe Einweisung wie-wo-was.
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Du bist doch sonst immer dafür, dass die Schule für den Unterricht zuständig ist und die Eltern (oder Andere) weitere Kompetenzen beibringen und ergänzen?!
Das stimmt. Siehst du hier einen Widerspruch? Ich sehe das auch bei Kindern mit Förderbedarf so, sage nur, dass Kompetenzen, die sich rein aus dem Förderbedarf ergeben, im schulischen Kontext vermitteln werden sollen. Eltern, auch von Kindern mit Förderbedarf, müssen kein intensives sonderpädagogisches Hintergrundwissen haben.
Wenn ein Förderbedarf nicht die Fähigkeiten, "Dinge, die man anfängt, auch zu Ende bringen.", "Konflikte mit Worten statt mit Gewalt lösen.", "bitte und danke sagen" oder "sich nicht einfach an fremdem Eigentum bedienen", einschränkt, sehe ich die Vermittlung eben dieser in der Verantwortung der Eltern, nicht der Schule.
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Ich finde es ehrlich gesagt eher ableistisch, anzunehmen, dass blinde Menschen das mit der Orientierung im öffentlichen Raum schon "mal eben" machen. Menschen, die von Geburt an blind sind, agieren da noch einmal anders als Menschen, die durch Unfall oder Krankheit die Sehkraft verlieren, aber ich würde mir als sehender Mensch nicht anmaßen, die Komplexität der Orientierung in einer Welt, in der die Erfassung der Umwelt mithilfe der Augen als Normalfall angenommen wird, herunterzuspielen. Das ist schon extrem anstrengend und benötigt jahrelange Übung, selbst für jemanden, der es von Geburt an nicht anders kennt.
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CDL: Warum bist du der Meinung, dass Schule Orientierung im öffentlichen Raum nicht leisten können muss?
Ich fände es schon gut, wenn mein blindes Kind, hätte ich eines, in der Schule lernt, wie man mit einem Blindenhund umgeht oder wie das mit der Kreuzung in der Innenstadt funktioniert. Eben die Beispiele, die du nanntest. Und klar gibt es keinen Anspruch darauf, dass Schule alle Möglichkeiten umfassend und abschließend vermittelt. Es geht um exemplarisches Vermitteln für die Zielgruppe wichtiger Kompetenzen, die ein Teilbereich lebenslangen Lernens sind, was natürlich auch für Schüler mit Förderbedarf gilt. Ich hätte dann in der Schule gelernt, wie ich mich in der Stadt Freiburg orientiere und müsste dann zu einem späteren Zeitpunkt auf Basis dieses Vorwissens (ggf. mit externer Unterstützung) lernen, wie ich mich in Reutlingen zurechtfinde.
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Und bei Regelschülern geht es "nur um Vermittlung von Fachinhalten im Klassenraum"?
Da sagen aber Schulgesetze, Bildungspläne etc. deutlich etwas anderes.
Bei Regelschülern ist Orientierung im öffentlichen Raum kein explizites Lernziel. Es wird natürlich im Fachunterricht nicht an der Lebensrealität vorbei unterrichtet, Alltagsthemen wie die Bedeutung von Geld oder der öffentliche Behördenapparat vermittelt, aber du musst als Sonderpädagoge zugeben, dass dies anderen Parametern folgt als bei Kindern mit Förderschwerpunkt Sehen oder Hören, bei denen es darum geht, (wenn wir es mal wirklich auf die tauben und blinden Schüler beschränken. Ich weiß, dass es auch Schüler gibt, die diese Förderschwerpunkte haben, aber "nur" seheingeschränkt oder schwerhörig sind.), sich als blinder oder tauber Mensch in einer Gesellschaft, die schlichtweg darauf basiert, dass sie die Fähigkeit zu sehen und zu hören als Normalfall voraussetzt, überhaupt zurechtzufinden.
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Wenn ein Kind im 9. Schuljahr Inhalte erarbeitet, die Kinder mit durchschnittlicher Begabung im 3. Schuljahr erarbeiten, gilt doch dennoch ein Lehrplan, nämlich vermutlich der vom Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Ich kenne mich jetzt nicht mit diesem Förderschwerpunkt aus, würde aber vermuten, dass dieser nicht einfach nur Inhalte aus dem Curriculum für andere Schulformen streckt, sondern teilweise andere Schwerpunkte setzt, manche Themen streicht und dafür andere Themen hinzufügt, die bei Kindern mit anderer Fähigkeitsausprägung entweder keine Rolle spielen oder im Rahmen ihrer Entwicklung und Sozialisierung bereits unterbewusst erworben werden, ohne dass hier eine explizite Vermittlung im Unterricht notwendig ist.
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Maylin85 : Ich würde unterscheiden zwischen seheingeschränkten und wirklich blinden Schülern. Bei blinden Schülern geht es nicht nur um Vermittlung von Inhalten, sondern auch darum, zu lernen, sich möglichst selbstständig im öffentlichen Raum zu bewegen. Das kann ein Gymnasium gar nicht leisten oder könntest du mal eben 2 Stunden aus dem laufenden Unterricht ausgeplant werden, um dir einen blinden Schüler (m/w/d) zu schnappen und eine Tour durch die Stadt zu machen, um ihm oder ihr zu zeigen, wie man sich an stark befahrenen Straßen, auf der Suche nach öffentlichen Toiletten oder Behörden verhalten muss? Es geht bei dieser Schülerschaft ja nicht nur um Vermittlung von Fachinhalten im Klassenraum, mal plakativ formuliert.
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Ein Vorteil ist zum Beispiel, dass man sich nicht an bestimmte Lehrpläne halten muss und ganz individuell arbeiten kann.
Aber der Staat denkt sich doch etwas bei Lehrplänen, die es ja auch für Kinder mit Förderschwerpunkt Lernen oder geistige Entwicklung gibt. Eltern, besonders solche ohne pädagogisches Vorwissen, müssen sich doch darauf verlassen können, dass bei aller Individualität bestimmte Mindeststandards erfüllt werden. Ich fände es problematisch, wenn rein hypothetisch eine Lehrkraft arithmetische Inhalte ausblenden und primär Geometrie im Mathematikunterricht vermitteln würde, weil sie aus welchem Grund auch immer der Meinung ist, dass dies besser sei.
Und wenn ich Inhalte, die für 2 Monate gedacht waren, auf ein halbes Jahr strecke, lasse ich ja auch indirekt andere Inhalte weg, was zu einem Konflikt mit der inhaltlichen Breite, die der Lehrplan (berechtigterweise?) vorsieht, führen kann.
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Mich nerven ehrlich gesagt auch Brillenträger massiv. Kostet echt unnötig Geld.
Wäre es nicht einfacher, sie alle zusammen in eine Schule zu stecken, dann könnte ich endlich Arbeitsblätter in Schriftgröße 8 nutzen. Was für Einsparnisse.Provokation kann manchmal neue Sichtweisen ermöglichen, daher völlig legitimer Einwand.
Mein "Aber" an der Stelle würde in die Richtung gehen, dass die Brille vom Schüler (m/w/d) bereits mitgebracht und (durch die Schülereltern) selbstfinanziert wird. Dadurch könnten sie ja an dem exemplarisch angebrachten Arbeitsblatt in Schriftgröße 8, ohne dass auf deiner Seite ein Mehraufwand bestünde, arbeiten, oder lasse ich gerade eine Variable außer Acht?
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Was meinst du mit "Kinder grundsätzlich nicht dabei sein können"? Was wird denn diesen Kindern verwehrt? Und vor allem, geht es nicht darum, die individuellen Bedürfnisse und Voraussetzungen zu berücksichtigen, statt alle über einen Kamm zu scheren?
Was ist, wenn, außerhalb des Inklusionskontextes, Eltern wollen, dass ihr Kind auf einer Privatschule oder, wenn sie in Grenznähe wohnen, im Nachbarbundesland unterrichtet werden soll? Sind diese Kinder dann auch "nicht dabei"?
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Eine Förderschule Schwerpunkt Hören würde immer Bedarf an den Mikrofonen und der Anlage haben, aber was ist, wenn der Bedarf an einer durchschnittlichen Realschule so aussähe, dass es mal einen Schüler mit entsprechendem Bedarf gäbe, dann mal mehrere Jahre keine und dann auf einmal drei?
Ich persönlich fände das kein sinnvolles Management von pädagogischen Ressourcen.
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So einfach ist das mit der Inklusion nicht. Zum Beispiel sind tatsächlich Förderschulen mit dem Schwerpunkt Hören ganz anders ausgestattet als die anderen Schulen. Da haben die Kinder Kopfhörer und Hörgeräte, die die Lehrkraft vorne an einem Pult steuern kann usw.... So etwas haben die anderen Schulen gar nicht. Gebärdensprache usw... Wie soll man als nicht in dem Bereich ausgebildete Lehrkraft diese Kinder fördern, zumal die Ausstattung fehlt?
Vor allem ist es auch völlige Ressourcenverschwendung, 5 Kinder mit Förderbedarf Hören auf 5 verschiedene Schulen zu verteilen, statt diese an einer Schule zu bündeln, an der die von dir beschriebene Ausstattung und Lehrkräfte mit Expertise in Sachen Gebärdensprache vorzufinden sind. Und das in Zeiten knapper Kassen...
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Davon mal abgesehen, woran lässt sich denn festmachen, dass andere Schulformen zieldifferentes Unterrichten schaffen?
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Du bist der Experte.
Nein, die Expertise sehe ich hier schon bei den Sonderpägagogen.
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es gibt keinen leichten oder schweren Autismus, es ist ein Spektrum.
Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Gerade weil es ein Spektrum ist, gibt es verschiedene Ausprägungen.
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