Ich finde es ehrlich gesagt mehr als problematisch, wenn ich hier lese, dass unterschiedliche Maßstäbe bei der Bewertung je nach Wohnort angesetzt werden. Schon klar, dass die sozioökonomischen Voraussetzungen zwischen Gelsenkirchen-Nord und dem Bonner Villenviertel komplett andere sind. Andererseits gibt es auch nur ein landesweites Curriculum und die zentralen Abschlussprüfungen unterscheiden auch nicht zwischen Brennpunkt und Gutverdienersiedlung.
Arbeitgeber merken früher oder später, wenn Noten nicht dem wahren Können entsprechen. Kris schrieb letztens schon mit Erfahrungen aus Baden Württemberg. Wollen wir wirklich, dass Arbeitgeber irgendwann sagen "Der Bewerber kommt von der Schule X, da können wir nicht darauf vertrauen, dass die Notenvergabe das tatsächliche Können abbildet."?
Nehmen wir mal das, ehrlicherweise eher seltene, Szenario an, dass Familie X aus Gelsenkirchen 10 mio. € im Lotto gewinnt und mit dem Gewinn beschließt, sich in Bonn ein schönes Häuschen zu kaufen. Das Kind der Familie soll dann auch dort auf die Schule gehen. Ich fände es schwierig, wenn das Kind dann dort auf die harte Art und Weise lernen müsste, dass die guten Noten, die es womöglich bisher erhielt, kein Zeichen guter Leistungen waren, sondern eher eine Art Trostpreis. Im schlechtesten Fall führt das zu unreflektierten Selbstzweifeln und Vertrauensproblemen.