NRW-Lehrerin1976 : Es sind leider immer wieder die Schulleitungen, die ein härteres Eingreifen gegen abweichendes Schülerverhalten verhindern, weil sie sich dann im Nachhinein für ihre Entscheidungen rechtfertigen müssen (= zusätzliche Arbeit = unangenehm) - und weil sie Angst haben, dass konsequentes Einschreiten ihrer Schule ein schlechtes Image verpasst. Obwohl eher das Gegenteil der Fall ist. Die Schulleitung hat insofern Recht, dass man sich bei Gewaltübergriffen nicht selbst in Gefahr bringen sollte. In dem Fall war es "nur" eine Schlägerei, aber stell dir vor, es hätte jemand ein Messer gezückt! Da will keiner dazwischen geraten. Man soll nicht tatenlos zuschauen, aber Distanz halten, Unbeteiligte (hier: die anderen Schüler (m/w/d)), wenn möglich, in Sicherheit bringen, dann sich ein Bild der Lage machen: Kann ich die Situation alleine mit Worten entschärfen? Wenn nein, kann ich eine zweite Lehrkraft oder eine andere erwachsene Person als Unterstützung hinzuholen? Wenn nein, habe ich die Möglichkeit, die Polizei anzurufen?
Ein Elterngespräch klingt als würde die Schlägerei als "dummer Jungenstreich" abgetan. "Haben wir ja alle mal gemacht, ist in dem Alter normal.". Als erzieherische Maßnahme macht ein Elterngespräch in manchen Kontexten sicher Sinn. Wenn es um Gewalt geht, verfehlt es seinen Zweck, weil die Eltern, wie du selbst berichtest, im Zweifelsfall ihr Kind noch eher für seinen Mut loben. Sicher, die Eltern müssen über Vorkommnisse informiert werden, aber es sollte nicht nur beim Gespräch bleiben "und dann haben sich alle wieder lieb", sondern die Beteiligten (m/w/d) sollten erfahren, dass ein solches Verhalten in unserer Gesellschaft keinen Platz hat - z.B. indem sie für 2 Wochen jeden Nachmittag verpflichtend an einem Anti-Gewalt-Workshop teilnehmen müssen. Dafür braucht es aber eine Schulleitung, die sich nicht davor duckt, auch mal unangenehme Entscheidungen treffen zu müssen.