Beiträge von Antimon

    dass manche Formen von schulischen Engagement nach außen sichtbarer sind als andere

    Das stimmt eben nicht. Ich beobachte seit Jahren, dass es immer die gleichen Schulhäuser der Sekundarstufe I sind, die SuS mit besonders gutem bzw besonders schlechtem Vorwissen zu uns schicken. Ich habe gerade letzte Woche endlich mal einer Kollegin einer bestimmten Schule ein eMail geschickt. Unbekannterweise, aber ich habe immer wieder SuS im Chemieunterricht, die zuvor bei ihr gelernt haben und die auffallend viel mehr wissen als alke anderen. Die hat sich gefreut wie Bolle. Man müsste dieses Feedback einfach nur offiziell einholen.

    Ich würde sofort einen Teil des Gehaltes für deutlich bessere Arbeitsbedingungen und mehr persönliche Freiheiten eintauschen. Mehr Geld würde mich nicht motivieren

    Dem stimme ich absolut zu. Wir haben dieses Jahr 2.5 % Teuerungsausgleich bekommen, alle jubeln. Hm ja, ist ganz nett. Ich hätte gerne 2 Lektionen weniger Unterricht fürs Volldeputat und kleinere Klassen. Unter anderem. Von den 2.5 % mehr Geld kann ich mir nichts kaufen, wenn mir die Zeit dazu fehlt.

    Ist es z.B. mehr wert wenn jemand tolle Projekte organisiert und damit die Außenwirkung der Schule stärkt oder wenn jemand im Stillen einfach sehr guten Unterricht macht, bei dem die Kinder optimal lernen.

    Die Frage finde ich eigentlich sehr eindeutig zu beantworten: Unterricht ist das Kerngeschäft, mein Arbeitsauftrag ist durch das Bildungsgesetz und die Fachlehrpläne schon sehr klar definiert.

    Wir haben seit 2 Jahren so ein komisches Bewertungssystem, was bei uns noch wirklich besonders schräg daherkommt, weil wir bis anhin als "normale" Lehrpersonen innerhalb einer Schulform alle in der gleichen Lohnklasse einsortiert sind, nur die Schulleitung hat eine andere Lohnklasse. Ich bin z. B. Fachvorstand, dafür gibt's aber keine Beförderung oder sowas. Jahresarbeitszeit bei 100 % Pensum sind einfach 1881 Zeitstunden und die müssen mit verschiedenen Tätigkeiten gefüllt werden. So grob ist das zu 80 % Unterricht und zu 20 % anderes blabla, z. B. eben Fachvorstand. Für die Arbeit bei der Gewerkschaft bekomme ich Sitzungsgelder, auch die Arbeit im Maturressort (Evaluation der schriftlichen Abschlussprüfung) wird extra entlöhnt. Dann hat die Schule noch ein gewisses Kontingent an Entlastungsstunden, das verteilt werden kann. Davon hatte ich z. B. für die Arbeit im Konventsvorstand, das zählt irgendwie als "gemeinnützig", als Fachvorstand diene ich irgendwie nur der Chemie oder so ähnlich. Es ist nicht ganz durchschaubar, was ohnehin schon immer mal wieder für Diskussionen sorgt.

    Dann hatte man in Liestal vor 2 Jahren eben die grossartige Idee, die Schulleitung muss jetzt ein "lohnrelevantes Mitarbeitergespräch" mit uns führen und eine Beurteilung vornehmen die entweder zum regulären Stufenanstieg führt, eine Erfahrungsstufe überspringt oder den Stufenanstieg einmalig aussetzt. Das gelingt bei über 100 Lehrpersonen und 4 Schulleitungsmitgliedern natürlich wahnsinnig gut. Würden die das ernst nehmen, hätten sie eigentlich nichts anderes mehr zu tun, als zu protokollieren, wie sie zu unserer Bewertung kommen. Eindeutige Kriterien gibt es auch nur für die B-Bewertung, das ist also die Verweigerung des Stufenanstiegs. Dafür muss man eine schriftliche Abmahnung einkassiert haben und dann gibt es erstmal eine Vereinbarung, was man alles bis zum nächsten Gespräch verbessert haben muss. Im Grunde finde ich das OK denn es ist schon recht gut nachvollziehbar, wen das allenfalls trifft oder treffen könnte. Noch hat an den 5 Gymnasien im Kanton niemand ein B kassiert, ich weiss aber durchaus von Leuten, die abgemahnt sind. Auch die Abmahnung kommt nicht vom Himmel gefallen, der muss schon ein klar nachweisbarer Verstoss gegen die LCH-Standesregeln zugrunde liegen und nun ja, das weiss man eben schon, wen das betrifft.

    Das A+, also der beschleunigte Stufenanstieg, ist hingegen so eine Sache. Man weiss eigentlich nicht recht, was man tun muss, um das zu bekommen. Ich kenne Personen bei uns im Schulhaus, die das in der ersten Runde bekommen haben, das ist schon OK. "Besonders guter Unterricht" war da jedoch bestenfalls ein sekundäres Kriterium, es geht schon ganz klar um die besonders tollen Projekte und Verdienste jenseits des Unterrichts und da entscheidet eben die Schulleitung, was wie toll ist. Finde ich jetzt nicht so grossartig. Die Qualität des Unterrichts liesse sich sehr wohl evaluieren, wenngleich das natürlich einen längeren Beobachtungszeitraum erfordern würde und man müsste sich halt mal hinsetzen und ein paar objektiv überprüfbare Kriterien festlegen. Das ginge schon, wäre halt mühsam. Dann halt doch lieber der tolle Schulgarten, wer auch immer eigentlich was von dem hat, im Bildungsgesetz steht jedenfalls nichts davon drin.

    Ich habe ne schwangere Kollegin an der Schule, in der Chemie. Die dürfte jetzt etwa im 7. Monat sein, sofern ich nicht den Überblick verloren habe. Sie arbeitet, ganz normal, ohne Maske, und sie wird offiziell bis zur Geburt des Kindes arbeiten. Meistens werden die Kolleginnen 2 Wochen vor dem Geburtstermin krank geschrieben, gesetzlich vorgesehen ist das aber nicht. Sie hatte in schwanger sogar eine Covid-Infektion. Ich war einigermassen überrascht, dass es nicht mal für den Arbeitsplatz in der Chemie irgendeine offizielle Regel gibt. Das wüssten wir dann schon selber, hiess es, wir sollen halt schauen. Wären wir nicht 3 Deutsche in der Fachschaft, wäre wohl niemand auf die Idee gekommen überhaupt nachzufragen, ob es da irgendwas Offizielles gibt. Ich hatte an der Uni während der Promotion eine Kollegin, die 2 Kinder bekommen hat, da gab es jedes Mal eine Arbeitsplatzbegehung und im Anschluss irgendeine Vereinbarung, was die jetzt darf und was nicht. Tja. Andere Länder, andere Gesetze. Spannend finde ich das allemal, woher wohl die vollkommen unterschiedliche Beurteilung ein und derselben Situation kommt.

    Aber mir geht es gerade in meiner BFS-Klasse mit eher schwierigerer SuS-Klientel eher darum, dass ich sehe, ob es irgendwelche Vorfälle im Unterricht gab, wer zu spät kam usw., welche Themen die KuK in ihrem Unterricht durchgenommen haben,

    OK, verstehe. Was ich dir fett markiert habe, dokumentieren wir bei uns an der Schule gar nicht. Ich kann mich aber noch einigermassen dran erinnern, was das von einigen KuK für ein Laberrhababer gab als es hiess, Absenzen werden jetzt nur noch digital eingetragen. WANN SOLL ICH DAS DENN MACHEN?! DAFÜR MUSS ICH JA EIN LAPTOP MIT IM UNTERRICHT HABEN!!! Um Gottes willen, ja, tatsächlich - es kostet dich 30 Sekunden deiner wertvollen Unterrichtszeit ein paar Klicks im Schulnetz zu setzen und die Klassenlehrperson sieht dann sofort, wer gefehlt hat und muss dem ollen Klassenbuch nicht mehr ewig hinterherrennen, sofern es denn überhaupt im Unterricht abgegeben wurde und irgendjemand was eingetragen hat, was die meiste Zeit nämlich gar nicht passiert ist. Prüfungstermine werden ja auch digital eingetragen, also man weiss dann als Fachlehrperson tatsächlich auch, wie viele Prüfungstermine eine Klasse in einer Woche schon hat und muss dem ollen Klassenbuch nicht mehr hinterherrennen, sofern es denn überhaupt im Unterricht abgegeben wurde, etc. pp. Woah, mich gruselt's gerade bei dem Gedanken daran, ein Glück habe ich das alles nur noch ein Schuljahr lang erlebt.

    Ich muss sogar sagen, dass mir das aus Papier aufgrund der Übersichtlichkeit besser gefiel (Ich habe dann einen schnelleren und genaueren Überblick, was an dem jeweiligen Tag und der jeweiligen Woche so in der Klasse "los" war).

    Hm. Dann habt ihr vielleicht eine schlechte digitale Lösung, kann sein. Ich kann für alle meine Klassen digital den Terminkalender für die ganze Woche sehen, da stehen auch gleich alle Prüfungen drin.

    Glaubt mir, auch ich würde gern etwas digitaler arbeiten

    Glaube ich dir absolut, aber dann bist du ja nicht "skeptisch". Mir ist im Grunde klar, wie das gemeint ist, ich finde aber die Wortwahl nicht so ganz treffend. Ich würde ja auch nicht mit irgendwas rumkrampfen, was nicht funktioniert. Anders rum mache ich einfach nur das, was für mich wirklich und erheblich einfacher ist. Ich kenne tatsächlich noch Klassenbücher und Notenlisten auf Papier. Furchtbar, insbesondere aus der Perspektive der Klassenlehrperson.

    Ein Teil der Grundskepsis der Lehrerschaft ist mit Sicherheit in der Erfahrung begründet

    Da's bei uns ja überwiegend funktioniert mit der Digitalisierung würde ich sagen: nein. Es gibt Leute, die sind einfach aus Prinzip dagegen und machen sich mit ihrer ablehnenden Haltung selbst das Leben unnötig schwer. Wie ich oben z. B. schrieb, unser komplettes Filmmaterial in der Chemie ist digitalisiert auf einem Medienserver abgelegt, auf den alle jederzeit Zugriff haben. Ich bin Archivverwalterin, die Sammlung ist vollständig und sie funktioniert. Es gibt immer noch Personen, die das DVD-Laufwerk mit sich rumtragen und nicht wissen, wie man einen link auf den jeweiligen Film mit den SuS teilt. Was soll man dazu noch sagen.

    Wenn ich mir angucke, welche der in der Theorie möglichen Verbesserungen wirklich praktisch im Unterricht ankommen bzw. überhaupt schon niederschwellig einsetzbar sind, dann sieht das noch ziemlich mau aus mit der Digitalisierung.

    Es scheint mir ein weit verbreitetes Missverständnis zu sein, dass Digitalisierung nur dann stattfinden "darf", wenn sie unbedingt zu einer Verbesserung von irgendwas führt. Ich meine, ich hätte mich schon sehr ausführlich dazu geäussert, weshalb ich der Meinung bin, dass eine Digitalisierung des Unterrichts stattfinden *muss*. Das schreibe ich jetzt nicht alles noch mal. Abgesehen davon *ist* es aber eine grosse Arbeitserleichterung, dass ich z. B. keine DVDs mehr für den Unterricht benötige, sondern das Filmmaterial digitalisiert vorliegt und ich es in dieser Form den SuS auch zum Selbststudium zur Verfügung stellen kann. Es *ist* eine grosse Arbeitserleichterung, dass ich Lösungen zu Übungsaufgaben digital zur Verfügung stellen kann. Soll ich da jetzt einen Ausdruck machen nur weil der grundsätzlich den gleichen Zweck (= Selbstkontrolle) erfüllt? Sorry, aber das wäre einfach komplett bescheuert. Eine meiner Klassen schreibt gerade einen Projektbericht, jeweils zu zweit, natürlich bearbeiten die ein gemeinsames Word-Dokument in der Cloud. Alles andere wäre wiederum komplett bescheuert. Die SuS kommen gar nicht auf die Idee, dass man das irgendwie anders machen könnte.

    Arbeiten war nicht möglich.

    Also gell ... Ich war damals 15 oder so, der Anspruch war nicht "arbeiten können" ^^ Nee, im Ernst, es hatte wohl einen Grund, warum ich später mein sauer erspartes Geld in diesen Mac investiert habe. Ich habe tatsächlich meine Facharbeit auf diesem Ding geschrieben. Wenn ich bei Google nach Bildern bezüglich der Windows-Version suche könnte ich nicht mehr behaupten, ob es nun 3.1 oder 3.11 war, sieht ja beides irgendwie gleich aus. Eins von beiden war es wohl. Wirklich "gearbeitet" habe ich später definitiv mit Windows 95, da hatten wir an der Uni noch lange einen Rechner mit dem wir eine AFM-Maschine angesteuert haben.

    Ich kenne alle Klassenschnitte in allen Fächern von wirklich allen Klassen weil die Notenblätter für den Klassenkonvent allen Lehrpersonen zugänglich gemacht werden. Ich weiss, dass ich von allen Chemielehrpersonen an unserer Schule immer den besten Klassenschnitt raushabe und ich weiss, wer immer den schlechtesten Schnitt raushat. Noten sind ein guter Prädiktor für den Studienerfolg, insbesondere in den Naturwissenschaften, das ist ein Faktum. Der Klassenschnitt ist aber nicht das erste, was mir als Argument einfällt, wenn mich jemand fragt, wie ich mir so sicher sein kann, dass mein "System" einigermassen funktioniert. Die Kausalitäten werden da verdreht.

    Ich habe ehemalige Schüler, die sich 2 Jahre nach der Matura bei mir melden um mir mitzuteilen, dass sie an der ETH die Chemieprüfung fürs Nebenfach ohne zu lernen mit einer 6 bestanden haben. Der Schüler hatte bei mir noch nicht mal besonders gute Noten, er hat im Unterricht einfach immer sehr gut mitgemacht. Ich habe ehemalige Schüler, die mir 2 Jahre nach der Matura erzählen, sie hätten die Chemieprüfung im Medizinstudium in der 1. Runde verkackt und dann sei ihnen aufgefallen, man hätte einfach mal die alten Schulunterlagen anschauen müssen. Jupp, die hatten beide nur einen 2er in der schriftlichen Abschlussprüfung. Ich habe einen ehemaligen Schüler, der überhaupt nichts studiert für das man Chemie noch gebrauchen könnte, aber unterdessen im Baselland als Politiker im Landrat sitzt und findet, was wir im Unterricht immer so diskutiert hätten, das sei total nützlich für diese Art von Arbeit. Ich habe ehemalige Schüler, die mir 4 Jahre nach der Matura erzählen, sie würden jetzt selbst Chemie unterrichten, weil das bei mir immer so "lustig" war. Was ich davon halten soll ... nun ja. Und dann gibt es noch den Schüler, der in der mündlichen Abschlussprüfung mal eben spontan über die Paracetamol-Synthese referiert obwohl das gar nicht auf seinem Prüfungsblatt gestanden hat. Und die Schülerin, die mir vollkommen ungefragt die Titrationskurve einer schwachen Säure aufzeichnet und mir was über Puffersysteme erzählt, weil wir gerade noch 5 min übrig haben, sie die 6 sowieso schon eingetütet hat und sie findet, ach, das weiss sie jetzt aber auch noch. Die meisten meiner SuS, wenigstens im Schwerpunktfach Chemie, schaffen es am Ende der 4 Jahre sich mit einer gewissen Spontanität zum Fach zu äussern, ungefähr so, wie man in einer Fremdsprache halt irgendwann einfach mal spricht. Es ist nicht perfekt, aber man versteht's. Zwangsläufig haben die dann auch wenigstens eine genügende Note im Zeugnis stehen, die kommt ja nicht vom Baum gefallen.

    Edit: Der Schüler, der letzte Woche mit dem Medienartikel zu synthetischen Kraftstoffen kam, hat in der Standortbestimmung zur mündlichen Abschlussprüfung eine 3.5 gemacht. Er hat einfach gar nicht dafür gelernt, null, er hatte keine Lust. Wär's tatsächlich die Abschlussprüfung gewesen, hätte ich ihm eine 4.0 gegeben. Der macht also aus dem Stand eine Genügende, einfach nur, weil er 4 Jahre lang da war und irgendwie zugehört hat. Der Kurs war in der 1. Klasse im Corona-Lockdown, die können sich bis heute dran erinnern, dass sie in Chemie fürs perspektivische Zeichnen von Molekülen daheim Modelle aus Zahnstochern und Styroporkugeln gebaut haben. Die wissen bis heute noch, dass Frau B. sie für Bio daheim hat mit Hefe experimentieren lassen und sie auf den Kompost geschickt hat um da Würmer rauszuziehen. NICHTS davon wurde benotet.

    Dieses "Ausfrage"-Training (für alle) führte in meinen Klassen nicht selten dazu, dass ich im Vergleich zu den Parallelklassen die besseren Schulaufgabenschnitte hatte

    Es ist bezeichnend, dass du den besseren Notenschnitt als Qualitätskriterium nennst. Bei einer Fremdsprache würde mich interessieren, ob die SuS die denn dann auch sprechen können.

    Ich kann mir auch auf die Schultern klopfen, ich habe bei uns an der Schule in der Chemie immer den besten Klassenschnitt raus. Die Frage ist, was bleibt hängen. Ich habe Maturanden, die von sich aus fragen kommen, wss es denn mit diesen synthetischen Kraftstoffen auf sich hätte, wir haben da doch mal was Ähnliches in Chemie angeschaut (stimmt, die Methanisierung nach Sabathier) und das mit der Wasserelektrolyse war doch auch schon dran und da sei doch der Wirkungsgrad gar nicht mal so geil gewesen und in Physik beim Herrn S. sei doch auch mal irgendwas in die Richtung Thema gewesen (haben sie seit diesem Schuljahr gar nicht mehr aber der hat ihnen was über Photovoltaik erzählt...)... Äh ja, die haben offensichtlich irgendwas gelernt was nicht nur gute Noten produziert.

    Ich arbeite auch gern mit einer Idee "nach Wagenschein": https://www.lehrkunst.org/?wpdmact=proce…zIuaG90bGluaw== (Der Text ist m.E. sehr blumig formuliert...)

    Unter der Fragenstellung "Wie kann ich aus Quadraten verschiedener Größen ein rechtwinkliges Dreieck bilden, ohne zu knicken oder zu schneiden?" gelangt man zu der Pythagorasfigur und zu pythagoreischen Zahlentripeln.

    À+

    Uh ... Der Wagenschein, ich erinnere mich dunkel an die Fachdidaktik Physik ^^ Hin und wieder ziehe ich den als Klamauk aus der Tasche, stelle ne Kerze auf den Tisch und erkläre meinen Jugendlichen: "Gucken Sie mal ... die Kerze. IST ES NICHT IRRSINNIG SPANNEND, WIE SIE DA BRENNT!!!!" In der Regel finden sie dann meinen hysterischen Ausbruch lustig genug um sich tatsächlich hinreichend lange und ausführlich mit der ollen Kerze beschäftigen zu wollen.

    Also ich bin bei MarieJ und dem Abschleppdienst. Bei Gymnasiasten zieht sowas, die haben dann ja meist doch noch einen gewissen Sinn fürs Nerdige. Als Mathematikern dem Nachbarn mit dem Zollstock drohen, finde ich schon saukomisch :D

    Ich habe so viele Schüler, bis hin zur Oberstufe, die sich der Konsequenzen ihrer Handlungen nicht über die nächsten 10 Minuten hinaus bewusst sind.

    Die sollten ja gar nicht in der Oberstufe sein. Freilich lässt es sich in keinem System verhindern, dass sich ein paar faule Äpfel bis zum Ende durchschlawinern, ich bin mit unserer Ausbeute an guten Pflänzchen aber schon recht zufrieden. Ich glaube aber, das geht nur, wenn man ehrlich zu den jungen Leuten ist und ihnen auch einfach mal aufs Brot schmiert, dass sie selber den Allerwertesten vom Stuhl hochbekommen müssen. Unser System ist so ausgelegt, dass alle Fächer gleich viel zählen, d. h. man kann es sich erlauben, sich für Physik z. B. pi-haupts nicht zu interessieren und dann eben die Ungenügende zu kassieren. Eine 3 in Physik kann mit einer 6 im Zeichnen kompensiert werden. Das ist OK, ein bisschen kalkuliertes Risiko gehört zum Überlebenstraining ja dazu. Wer sich aber z. B. dem kompletten MINT-Bereich verweigert, fliegt eben raus. Das ist völlig berechtigt denn die "Allgemeine Hochschulreife" setzt ja per Definition ein Mindestmass an Allgemeinbildung über alle Fachbereiche hinweg voraus. Alternativ gibt es deswegen ja den Bildungsgang der Fachmaturität oder eben der Berufslehre, in dieser Abstufung zunehmend spezialisiert. Es steht jedem frei sich das auszusuchen, was am besten zu seinen Interessen und Fähigkeiten passt.

    Es tut mir immer sehr leid, wenn Jugendliche am Gymnasium landen, die sich eigentlich für nichts so wirklich interessieren. Da kann man als Lehrperson nur zusehen, dass die möglichst schnell wieder gehen müssen, auch wenn das noch so "böse" klingt und oft auch wahrgenommen wird. Es liegt gar nicht in meinem Interesse die mit unangekündigtem Abfragen zu "motivieren", die sollen ruhig bis zur nächsten schriftlichen Prüfung in 5 Wochen den Unterricht verschlafen und dann richtig auf die Fresse fliegen. Entweder der Knopf geht dann auf oder eben Ende Gelände.

Werbung