Beiträge von Antimon

    Asbest ist auch kein Problem wenn es verbaut ist. Ich würde das drinne lasse solange es geht.

    Genau. Und wehe, es passiert irgendeine Art von Unfall, gell? Äh nein, Asbest gehört grundsätzlich und immer weg. Ist seit mehr als 20 Jahren verboten und das auch völlig zurecht.

    Beim Stichwort "Container" bin ich stark getriggert, denn 2008 erhielten wir als Interimslösung(!) 4 schicke rote Baucontainer, die fortan den offiziellen Namen "Pavillons" erhielten.

    :rofl:

    Was glaubst du, was bei uns vor dem Hauptgebäude steht ... ein "Pavillion". Unser Hauptgebäude wurde 1973 gebaut als die Gemeinde mal zu viel Geld übrig hatte und man sich dachte, irgend so ein Verwaltungsgebäude könnte man schon für irgendwas gebrauchen. Der Klotz war gar nicht als Schulgebäude gedacht, als solches wurde es dann aber "provisorisch" bezogen. Das ewige Provisorium feiert dieses Jahr also sein 50jähriges Jubiläum.

    Als ich hier 2014 meinen Arbeitsvertrag unterschrieben habe, hiess es, zum Schuljahr 2018/19 ziehen wir dann in das bis dahin sanierte ehemalige Gebäude der benachbarten Fachhochschule um. Die Fachhochschule hat unterdessen längst ihren Neubau bekommen, Kosten dafür rund 300 Millionen CHF. Im alten Gebäude hat man natürlich Asbest und PCB gefunden und seither steht der Kasten da unberührt und wartet nicht mehr auf die Sanierung sondern den finalen Abriss. Aktueller Stand der Dinge ist, es soll einen komplett neuen Schulcampus geben auf dem das Gymnasium, die FMS, das KV und das Zentrum für Brückenangebote sowie die Berufsfachschule zusammengezogen werden. In irgendeinem Gesamtkonvent, ich glaube im 2021, hat uns die Bauleitung mal die Pläne vorgestellt. Es hiess, etwa 2030 ist unser neues Gebäude bezugsfertig. Wir werden die letzten der genannten Schulen sein, die umziehen, man hat nämlich festgestellt, dass die Berufsfachschule noch beschissener dran ist als wir. Der gefällte Baum vor dem alten Gebäude der Fachhochschule stimmt mich verhalten positiv. :lach2:

    Nur mal so als Anmerkung dazu: Wir arbeiten in der Schweiz als Lehrpersonen in einem ganz normalen Angestelltenverhältnis. Es kommt nicht häufig vor, dass jemand entlassen wird, aber doch, es passiert. Ich bin jetzt das 9. Schuljahr an meiner Schule und in der Zeit sind definitiv 2 Kollegen aus jeweils unterschiedlichen Gründen "gegangen worden"*. Wenn man sich freie Arbeitsplatzwahl wünscht, dann gehört das eben auch dazu. Auch was Miss Othmar als "betriebsbedingte Kündigung" beschreibt, gibt es hier. Neue Lehrpersonen werden in der Regel befristet eingestellt und wenn es keine Stunden mehr hat, dann hat es keine Stunden mehr und Tschüss.

    *Edit: Aus einer unbefristeten Anstellung. Dass befristet angestellte Lehrpersonen nach 1 - 2 Jahren wieder gehen, ist nichts Ungewöhnliches.

    Das ist übrigens etwas, was ich an der Arbeit in der Sek II ausgesprochen schätze: Dass man wirklich mal eine komplette Stunde vertratschen kann. Hin und wieder passiert das, dass ich entweder ausgehend vom Fachunterricht in irgendeine philosophische Grundsatzdiskussion abdrehe oder Jugendliche reinkommen, die gerade wegen irgendwas völlig anderem total aufgeregt sind.

    Hat aber jetzt nix mit Unterrichtsvorbereitung zu tun. Die muss man manchmal einfach nur tun. Also anfangen. Mir geht es oft so, dass ich einfach nicht weiss, wie ein Thema anfangen, dann versuche ich es auch gar nicht erst. Ich warte auf den Moment, in dem es dann passt und dann mache ich ganz viel. Das ist ein bisschen dumm, weil die Arbeitszeit dann so ungleichmässig verteilt ist, aber ich schaffe es nicht anders.

    Wenn nicht alles so traurig wäre, müsste man eigentlich wirklich drüber lachen, in der Tat. Ich wüsste zu gern, wie es sich anfühlt, wenn's einem dermassen ins Hirn geschissen hat wie dem Herrn Putin. Der glaubt das doch wirklich, dass er das darf, oder?

    Ich habe grüne Bildschirme und 64kb-Computer mit Datasette vor Augen. Ich bin immer wieder begeistert, was sich seitdem in Hard- wie Software getan hat. Captain Picard würde staunen.

    Das finde ich allerdings auch ultra cool. Ich habe es vor Unzeiten mal mit C probiert und es gab einen Grund, warum ich entnervt aufgegeben habe. Die IDE, mit der ich arbeite, ist ja praktisch idotensicher. Ich bin begeistert, wie komfortabel das alles geworden ist. Irgendwie hat es mich immer gestört, dass ich nicht programmieren kann, aber dann blieb es doch nur beim Hardware zusammenstecken. Ehrlich gesagt geht es mir auch gar nicht so sehr um die Facherweiterung, ich habe jetzt einfach Lust, das zu machen. Das Lehrdiplom ist einfach eine bequeme Art sich irgendein Papierli dafür zu holen.

    Ich bin ein bisschen schockiert darüber, dass so viele Punkte genannt werden, die mir irgendwie selbstverständlich erscheinen ...

    Wenn ich dran denke, was wir in den Vorstandssitzungen bei der Gewerkschaft diskutieren, ist unsere grösste Baustelle stufenübergreifend eigentlich die völlige Überfrachtung der Stundentafeln. Wir hätten alle gerne weniger und davon mehr. Ein zweiter grosser Punkt, der aber vor allem die Region Nordwestschweiz betrifft, ist die unfassbar schlechte Ausbildung der Sek-I- und Primarlehrpersonen. Die Schulhäuser sind eigentlich OK, auch mit den Strukturen kann man leben, junge Lehrpersonen schmeissen aber reihenweise hin, weil sie den Ansprüchen überhaupt nicht gewachsen sind.

    Na gut ... Was das Gebäude hier betrifft: Reisst es einfach ab und baut ein neues. Bitte. Schnell. Gerüchten zufolge erlebe ich es ja noch vor der Rente*. :lach2:

    Im Ernst: Die Hütte ist wirklich marode aber es wird regelmässig geputzt, wir haben ein gut funktionierendes WLAN und nen Beamer in jedem Zimmer. Es gibt ein Lehrerzimmer mit einer Sofaecke, einer Kaffeemaschine und einer funktionalen Küchenzeile. Wir haben alle einen eignen Arbeitsplatz. Als Lehrperson kann man es irgendwie aushalten, mir tun unsere Jugendlichen leid. Vor allem wenn ich mir dann solche Schulhäuser wie eben Bäumlihof in Riehen (siehe link oben) anschaue. Da könnte ich kotzen.

    *(Sie haben jetzt in den Ferien auf dem Schulgelände tatsächlich einen Baum gefällt und ein grösseres Loch gegraben!)

    Und ja ich glaube das wissen mittlerweile viele Menschen.

    :rofl::rofl::rofl:

    Die meisten Menschen wissen überhaupt nicht was ein Watt ist. Und: Ich las tatsächlich mal davon, dass Staubsauger, die keinen Krach machen, weniger gekauft werden. Weil Leute mit Krach machen offensichtlich mehr Saugen verbinden. Also natürlich kaufen die gleichen Leute dann auch Sauger mit mehr Watt. Weil mehr ist besser. :doc:

    Wenn so ein demokratisches Element eingeführt werden sollte, müsste also zwingend eine Abflachung der Hierarchie damit einhergehen, der SL also mehr primus inter pares sein und vor allem die Kollegen nicht beurteilen. An der Hauptschule war das früher so.

    Aus der Schweizer Sicht: Die SL kommt an uns sowieso nicht vorbei. Also sie können es versuchen, dann bricht aber zuverlässig der Krieg aus. Die Grabenkämpfe, die wir effektiv führen, fressen aber unnötig Zeit und Nerven. Wir hatten als Kollegium bei der Wahl der SL mal mehr Mitspracherecht als jetzt. Die "Beschneidung" gereicht hier vor allem den kleinen Schulen zum Nachteil, an den grossen Schulen traut sich der Schulrat sicher nicht jemanden zu wählen, der keinen Rückhalt unter den Lehrpersonen hat. Zuletzt haben wir jemanden von extern in die SL gewählt, meine Güte, ist das ein Segen. Der immer gleiche Brei, der ansonsten umgewälzt wird, hängt mir allmählich zum Hals raus. Aber ... das ist jetzt mein persönliches Problem und obendrein schulhausspezifisch ;)


    Zur Raumflexibilität gehören für mich auch angemessen große Flure, in denen man sich nicht während der Pause anrempelt und wo es auch diverse Sitzgelegenheiten gibt, so dass man einzelne Gruppen mal aus dem Raum schicken kann. Und überhaupt viel Platz und Aufenthaltsräume, in denen Plakate nicht nach zwei Tagen runtergerissen werden und die Wände mit Edding bekritzelt sind!

    Guck mal hier, dann weisst du, was ginge, wenn man nur wollte:

    https://www.gbbasel.ch/schule/infrastruktur

    (Eigentlich existiert sie schon, meine Traumschule. Sie haben da nur keine Stelle für mich frei.)

    Nachdem hier immer wieder die gleichen Frust-Themen aufkommen, versuchen wir es doch mal konstruktiv: Wie würde eure Traumschule aussehen? Ich formuliere die Frage jetzt mal absolut offen, ihr könnt euch irgendwas zusammenphantasieren. Alles, was ich im Folgenden aber schreibe, halte ich 1. für realistisch umsetzbar, bezieht sich 2. überwiegend auf die Sekundarstufe II und ist 3. sicherlich nicht vollständig:

    1. Sowohl der Fächerkanon als auch die Anzahl Wochenlektionen müssten deutlich reduziert werden. Ich würde mir eine Rückkehr zum alten deutschen Kurssystem der Oberstufe wünschen, sprich, aus jedem Fachbereich darf etwas abgewählt werden und man spezialisiert sich nach den eigenen Interessen. Für mich ist es die grösste Fehlentscheidung der letzten 20 Jahre jedem Jugendlichen den gleichen Fächerkanon aufzwingen zu wollen, egal ob's einen interessiert oder nicht. Es gibt kein wissenschaftliches Fundament für die Behauptung, die allgemeine Studierfähigkeit würde sich dadurch verbessern. Mir graut vor der Maturreform, die uns in der Schweiz bevorsteht, die geht nämlich in die komplett gegenteilige Richtung. Unsere Jugendlichen haben derzeit bis zu 37 Lektionen Unterricht pro Woche, das müsste man auf maximal 30 Lektionen reduzieren, weitere 10 Lektionen sollten zwar im Stundenplan verankert aber zur freien Verfügung (dann auch ohne Anwesenheitspflicht) gestellt werden. Entspricht dann einer normalen Arbeitswoche.
    2. Unterrichtsbeginn um 09:00 Uhr, weg vom 45-min-Takt. Ob Blockunterricht wirklich sinnvoll ist, weiss ich nicht recht. Ich könnte mir eher vorstellen, dass man die Wochenstundentafel thematisch sortiert, dabei BG, Musik und Sport zum Ausgleich dazwischen"fleddert". In wirklich selbständige Arbeitsphasen findet man jedenfalls nur rein, wenn pro Einheit genügend Zeit zur Verfügung steht. Jede Schule braucht eine vernünftige Mensa und ausreichend entsprechend ausgestattete Räumlichkeiten um wirklich *alles*, inkl. Hausaufgaben und Prüfungsvorbereitung, an der Schule erledigen zu können. Wer dann nach Hause geht, hat Freizeit und Punkt.
    3. Bei insgesamt weniger Fächern auf der Stundentafel bleibt mehr Zeit für interdisziplinäres Arbeiten. Dies aber bitte nicht als Alibiaktion, weil sich irgendwelche Politiker drüber freuen, sondern wirklich mit einem entsprechenden Zeitkontingent, so dass auch eine entsprechende inhaltliche Tiefe erreicht werden kann. Zum Teil gibt es das schon bei uns, allerdings sind mir die Fächerkombinationen zu starr (das liegt an unserer Schulleitung ...) und wir könnten gerne auch in jedem Semester über die 4 Jahre wenigstens ein iProjekt pro Klasse führen. Anmerkung dazu: Die Mehrheit meiner KuK wäre eindeutig *nicht* dafür, da nimmt sich einfach jeder selbst zu wichtig und jeder schiebt irgendeine latente Angst davor, irgendwelche belanglosen Details des jeweiligen Fachunterrichts dann nicht mehr unterbekommen zu können.
    4. Die Klassengrösse kann gerne auf etwa 15 Jugendliche reduziert werden, dafür wäre ich bereit auf den Halbklassenunterricht in den Naturwissenschaften zu verzichten. 15 Jugendlichen kann ich jederzeit auch im Praktikum gut "verwalten" ohne dass die Gefahr droht, dass sich eins hinter meinem Rücken umbringt. Ich habe in den letzten Jahren häufig Kurse in dieser Grösse im Schwerpunktfach unterrichtet und jetzt nach langer Zeit mal wieder eine "grosse" Klasse mit 22 Jugendlichen im Unterricht. Eine absolute Zumutung finde ich hier vor allem die Korrekturen und da sind wir schon beim leidigen Thema der Leistungserhebung. In den kleineren Kursen habe ich einfach mehr Möglichkeiten für alternative Prüfungsformen abseits der schriftlichen Prüfung. Sehr effektiv und absolut entlastend für beide Seiten ist z. B. die Jugendlichen Experimente oder Aufgaben direkt am Ende der Stunde präsentieren zu lassen. Das mache ich seit einiger Zeit (auch mit der grossen Klasse ...) und bin ein absoluter Fan davon geworden. Man kann in kleineren Kursen auch viel mehr diskutieren und eine entsprechende Fehlerkultur pflegen. Ich frage gerne auch mal den Rest der Klasse, wie die jetzt die Präsentation eines Experiments z. B. bewerten würden und erstaunlicherweise bekomme ich da sehr seriöse und reflektierte Antworten. Meistens kommen wir zum gleichen oder wenigstens einem ähnlichen Ergebnis bezüglich der Note, die ich am Ende eintrage.
    5. Ich würde mir mehr Flexibilität beim Wechsel zwischen den Schulniveaus wünschen. Ja, tatsächlich geht das ein bisschen in Richtung "Gesamtschule" allerdings bin ich ein absoluter Fan von leistungshomogenen Gruppen, mit denen arbeitet es sich einfach effektiver. Wir haben zwei Schultypen im gleichen Haus, allerdings ist ein Wechsel von der FMS ans Gymnasium meistens mit "Verlusten" behaftet, sprich das 1. Jahr wird wiederholt. Es ist völlig klar, welche Fächer da kritisch sind, ergo müsste man in diesen einfach Förderkurse für die Übertreter anbieten um das aufzufangen. Darüber hinaus besteht theoretisch die Möglichkeit, nach der 3. Klasse FMS die 3. und 4. Klasse am Gymnasium zu machen um so mit der allgemeinen Hochschulreife abzuschliessen. Praktisch ist das wenn überhaupt nur noch für ein einziges Berufsfeld der FMS möglich, da nur noch im BF Gesundheit überhaupt alle drei Naturwissenschaften unterrichtet werden. Das beisst sich jetzt natürlich mit meinem 1. Punkt, der Forderung nach mehr Spezialisierung, die ich grundsätzlich an der FMS sehr begrüsse. Gleichzeitig müsste es eben entsprechende Zusatzangebote geben. Oder ... da wir ja die Stundentafel ausgemistet haben, sollte es möglich sein, dass ein FMS-Schüler in bestimmten Fächern eben den Unterricht am Gymnasium besucht um sich so auf einen Übertritt vorzubereiten.
    6. Für die Zusatzangebote braucht es natürlich Lehrpersonen. Ja mei, dann muss man die eben anstellen. Unsere Arbeitsbedingungen an den Mittelschulen sind nicht so schlecht, es gibt genügend Bewerber am Markt. Das Pflichtdeputat würde ich dennoch von derzeit 22 Wochenlektionen auf 20 Wochenlektionen reduzieren um mehr Zeit für die Vorbereitung von z. B. iProjekten oder eben Förderkursen freizuschaufeln. Gleichzeitig würde ich aber auch alle Lehrpersonen zu regelmässigen, externen Fachfortbildungen *verpflichten*. Im Moment läuft das hier so unter "man sollte eigentlich", es wird aber bestenfalls halbherzig danach geschaut, was wirklich passiert ist. Wir tragen irgendwelche Stunden in ein aufgeblasenes Excel-Sheet ein, Hauptsache, da kommt am Ende die richtige Zahl an geleisteter Jahresarbeitszeit raus. Womit die effektiv zugebracht wurde, wäre aber natürlich viel spannender zu sehen.
    7. Die Schulleitung müsste sich etwa alle 4 - 5 Jahre zur Wiederwahl stellen oder ggf. eben ersetzt werden. Ähm, ja ... das ist jetzt ein ganz persönliches Anliegen meinerseits aber ich hielte es generell für sinnvoll, wäre dieser Job nicht gar so selbstverständlich bis ins Grab gebucht. Schule an sich ist unter anderem deshalb so träge, weil Verantwortliche sich ihrer Sache gerne zu sicher fühlen.

    OK, ich belasse es mal hierbei. Es wird glaube ersichtlich, dass ich mit meinen Arbeitsbedingungen und dem System, in dem ich arbeite, gar nicht grundsätzlich unzufrieden bin. Mir geht es nicht um Utopia, ich glaube meine Gedanken könnte man wirklich in die Realität umsetzen. Ich bin gespannt, was ihr so meint ...

    aber in deutschen Bundesländern haben Lehrkräfte die Pflicht, Eltern zu informieren bis die Kinder volljährig sind

    Ja, auch Schweizer Eltern unterschreiben das Zeugnis, bis die Kinder volljährig sind. Bei Bedarf können sie zur Klassenlehrperson 1 x pro Schuljahr ins Standortgespräch kommen. Darüber hinaus spreche ich als Fachlehrperson selbstverständlich nicht über jede einzelne Leistungseehebung mit den Eltern und das täte ich auch in Deutschland nicht. Vielleicht ist das dein Wunschdenken aber auf solche Auskünfte hast du kein Recht. Wenn du meinst, dass irgendwas nicht gut ist, kannst du mich um ein Gespräch bitten. In der Regel stimmt man dem dann zu.

    Auch warum die Meinung vorherrscht, dass Ziffernnoten für SuS unerlässlich seien, weil sie sonst nichts mehr tun, was aber bis zum 6. Lebensjahr und ab dem Beenden der Ausbildung plötzlich nicht mehr notwendig scheint, erschließt sich mir nicht. Menschen sind von Natur aus wissbegierig

    Das ist doch völliger Quatsch. Ich interessiere mich absolut nicht, und ich meine wirklich NICHT! für alles was irgendwie mit Wirtschaft zu tun hat. Ich käme in 100 Jahren nicht auf die Idee, mich freiwillig damit zu beschäftigen. Ich zeichne auch nicht freiwillig und ich spiele kein Instrument. Als Schülerin würde ich ohne Benotung genau nichts für diese Fachbereiche tun weil es mir echt am Allerwertesten vorbei geht. Ganz genau so funktioniert auch jeder andere normale Mensch. Ich mache im Erwachsenenalter sowohl beruflich als auch insbesondere in meiner Freizeit exakt das, was mich interessiert und mich interessiert wirklich ne ganze Menge NICHT.

    Ich unterrichte Fächer, für die sich die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler an meiner Schule (nicht meine SuS, ich habe im Moment fast nur solche, die's freiwillig gewählt haben) nicht interessiert. Wirklich NICHT. Ich kann dir sagen, was passiert, wenn es keine Leistungseehebungen mehr gibt, den Zustand erreichen wir immer irgendwann in der 3. Klasse im Grundlagenfach (danach enden Chemie und Physik): Niemand mehr macht sich noch freiwillig Notizen, man trägt immer mehr Absenzen ein und wenn ich 2 Wochen später nachfrage, worum es überhaupt ging, hat niemand eine Antwort. Das gleiche gilt für Projektwochen. Um irgendeine Wissensvermittlung geht es da null und gar nicht, von der Idee habe ich mich schon längst verabschiedet. Da macht man einfach hirnverbrannt ein paar lustige Experimente, über die sich alle freuen, und freut sich dann noch viel mehr, wenn man endlich in die Ferien geht.

    Ich habe keine Ahnung, wo deine romantische Idee herkommt, jeder Mensch will alles lernen. Ich glaube nicht mal, dass das auf dich selbst zutrifft. Ich halte mich selbst für eine sehr gute Lehrperson, ich schaffe es im gegebenen Setting eigentlich immer, dass die Mehrheit irgendwas aus meinen Fächern mitnimmt. Das hat aber nichts mit "Interesse" zu tun, im Grundlagenfach sitzt da echt keiner freiwillig. Es ist in dem Moment halt irgendwie OK weil was Lustiges passiert und ich recht unterhaltsam erzählen kann. Ich HASSE aus diesem Grund aber Praktikum mit dem Grundlagenfach, da offenbart sich nämlich so wunderschön der überbordende Widerwille überhaupt selber irgendwas zu tun.

    Aber allein, um zu differenzieren, muss man ja vorbereiten

    Muss man je nach Schulform nicht, nein. Ich habe fertiges Unterrichtsmaterial für 4 verschiedene Kursniveaus, theoretisch könnte ich das ohne Überarbeitung immer wieder genau so verwenden. Leistungsunterschiede in den einzelnen Klassen fange ich tatsächlich auch recht spontan auf. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass man in der Mittelstufe mit einigermassen leistungshomogenen Klassen eine ziemlich ruhige Kugel schieben kann.

    Also, falls es sonst noch jemanden interessiert: Der Kurs bei Edley ist sehr gut. Ich glaube, ganz ohne irgendein Vorwissen, insbesondere im Bereich Mathe und Logik, würde man wohl etwas weinen. Es geht schon wirklich sehr strukturiert drum, die Sprache zu verstehen, aber das passt mir mehr als ne Schildkröte mit dem Kopf nicken zu lassen :)

    Welche Ausbildungsberufe unterrichtest du denn? Meine eigenen Klassen waren Chemie- und Pharmatechnologen, für die war die Theorie in der Chemie einfach nicht so wahnsinnig relevant und interessant. Ich hatte mal Laboranten in Stellvertretung, doch, die haben tatsächlich viel selbständiger gearbeitet. Ich erinnere mich da an sehr erheiternde Lektionen im Fachrechnen ... irgendwo zwischen Verzweiflung, Kristallwasser und Wahnsinn ^^

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