Quittengelee wird eher an die Studien "glauben", die zeigen, dass ein stark differenziertes System schlecht im Sinne der Bildungsgerechtigkeit ist, ich werde eher an die Studien "glauben", die das Gegenteil zeigen. Weil es in meiner anekdotischen Welt Sinn macht.
Wenn es mehrere Studien gibt, die klar darauf hinweisen, dass das dreigliedrige Schulsystem gerechter ist, kann ich das schon glauben. Die Idee ist aber recht neu m.E. und letztlich bislang auch nur eine Schlussfolgerung, weil man Bundesländer miteinander verglichen hat, deren Bildungsempfehlung noch (ziemlich) bindend ist. Diese Bundesländer haben aber auch andere Faktoren gemeinsam.
Es erscheint mir bislang deswegen kaum glaubhaft, weil ich verschiedene Schularten von innen kenne, sowohl als Lehrkraft als auch als Elternteil. Und ich sehe ja mit eigenen Augen, welche soziale Schicht sich wo sammelt. Ist ja nicht so, dass man nicht nach 5 min Gespräch oder bereits an der Arbeitskleidung und den Frisuren erkennen würde, aus welchem Stadtviertel und welcher 'Schicht' jemand kommt.
Die Zahlen müssten schon eindeutig sein, die darlegen, dass sozialer Aufstieg im dreigliedrigen Schulsystem einfacher ist als in einem heterogenen, um zu überzeugen. Wenn sie das sind, lass ich mich trotz meiner alten Tage gern überzeugen.
Was jedoch m.E. die Ungleichheit im 3-gliedrigen System zementiert, ist der Zustand der Mittel- bzw. Oberschulen. (Also nicht Realschule, Kleinstadt, sondern Haupt- und Realschule, Großstadt.) Große Klassen, mehr Verhaltensauffälligkeiten/Unterrichtsstörungen, mehr ungelernte Quereinstieger, mehr Unterrichtsausfall, mehr Daz-SuS usw. sorgen für schlechtere Lernbedingungen. Würde im Lockdown noch mal sehr deutlich.
Homogenität und endlich-sind-alle-auf-ihrem-Lernniveau-daher-kann-man-viel-besser-fördern etc. ist m.E. ein Wunschtraum, der seit der Erfindung der Hauptschule besteht aber nicht aufgeht.
Aber wie gesagt, wenn es noch mehr Studien gibt, die obige These belegen, gerne hier teilen.