Beiträge von Kairos

    Das ist in der Grundschule leider oft nicht so. Bei der Ausstattung vieler Schulen kommt man als Lehrkraft, besonders als Klassenlehrkraft nicht drum herum, sich selbst um viele Dinge zu kümmern. Wir machen das, weil uns guter Unterricht wichtig ist. Und je nach Klasse/Elternschaft wird das durchaus auch wertgeschätzt. Aber: Grundsätzlich ist dieser Zustand ein Unding... Ich wäre ja auch gern bereit, mich um die Klassenzimmerausstattung zu kümmern, wenn jeder Klassenlehrer ein vernünftiges Budget bekäme dafür. Aber dass wir so viel selbst bezahlen müssen, von Freiarbeitskarteien über Lernbüros bis zu digitalem/gedruckten Unterrichtsmaterial, ist traurig. Wir sind ja schon froh, wenn es zumindest ausreichend bunte Kreide, Laminierfolien, Kopierpapier und das Zusatzmaterial zu den D/M-Lehrwerken in der Schule gibt. Wir hatten auch lange nur 3 Sets Dienes-Material für 200 Schüler.

    Jetzt erst mit dem Startchancenprogramm wird es tendenziell deutlich besser, was die Materialfülle an Zusatzmaterial und Anschauungsmaterial angeht. Allerdings gibt es da oft auch eigenartige Vorgaben oder Wünsche von den Schulämtern, sodass nicht immer das angeschafft werden kann, was benötigt wird.

    Ihr "müsst" gar nichts bezahlen. Und wie gut der Unterricht ist, hängt von den Rahmenbedingungen ab. Mir ist guter Unterricht auch wichtig und ich mache deshalb das beste aus den Rahmenbedingungen und Ressourcen, die mir zur Verfügung stehen. Was hat das mit der Schulart zu tun?

    Als Lehrer für Ethik und Philosophie möchte ich einige Worte zum Thema „Religion als Bildungsplaneinheit im Ethikunterricht“ sagen. Ich sehe mehrere Gründe, warum religionswissenschaftliche und auch theologische Themen ihren festen Platz im Ethikunterricht haben sollten.

    1. In einer pluralistischen Gesellschaft, ja in einer pluralistischen Welt, benötigen wir einen moralischen Grundkonsens, eine Art Minimalmoral, um friedlich koexistieren zu können. Dazu gehört die Fähigkeit, den Anderen zu verstehen und zu tolerieren. Tolerieren bedeutet dabei bewusst nicht uneingeschränkte Akzeptanz, sondern das Aushalten und Dulden von Überzeugungen, die man selbst nicht teilt. Diese Unterscheidung ist für ein reflektiertes Zusammenleben zentral. Der Ethikunterricht kann einen wichtigen Beitrag leisten, indem er religiöse und weltanschauliche Positionen sichtbar macht, vergleichbar macht und in einen rationalen Dialog überführt. Nur wer die moralischen Quellen und Begründungen des Anderen kennt, kann begründet widersprechen, Grenzen setzen und dennoch respektvoll miteinander umgehen.
    2. Die philosophische Ethik hat die Aufgabe, Moral zu beschreiben, zu begründen und zu kritisieren. Moral bezeichnet dabei die praktischen Regeln, Normen und Werte einer Gesellschaft oder einer einzelnen Person. Die Ethik reflektiert diese oftmals unbegründeten Moralvorstellungen. Da viele Menschen ihre Normen aus religiösen Überzeugungen ableiten, ist es unabdingbar, sich mit religiösen Moralvorstellungen auseinanderzusetzen, insbesondere mit ihren konkreten Inhalten und ihrer historischen Entwicklung. Autoren wie Kant haben ihre ethischen Begründungen nicht im luftleeren Raum entwickelt, sondern stets im Kontext theologischer Ethik und häufig auch in bewusster Abgrenzung zu ihr.
    3. Die Religionsphilosophie ist ein Teilgebiet der Philosophie und untersucht zentrale Begriffe und Themen religiöser Traditionen. In diesem Zusammenhang beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler nicht nur mit ethischen Fragen, sondern auch mit Sinnfragen sowie mit der möglichen Sinnlosigkeit des Lebens. Dabei wird auch die Gottesfrage thematisiert, jedoch auf eine unvoreingenommene und reflektierende Weise. In der Oberstufe lesen wir sowohl theologische als auch religionskritische Texte und setzen uns mit dem Dialog zwischen unterschiedlichen Denkschulen auseinander. Hier spielen die großen Religionskritiker eine zentrale Rolle, darunter Feuerbach, Marx, Nietzsche, Freud und Sartre. All diese Autoren haben sich intensiv mit religiösen Dogmen beschäftigt, da nur auf dieser Grundlage eine fundierte Kritik möglich ist. Die meisten Schülerinnen und Schüler empfinden diese Bildungsplaneinheit als besonders spannend, sowohl religiöse als auch unreligiöse.
    4. Religion kann unter bestimmten Umständen hochgefährlich werden. Unreflektierte Dogmen und moralische Absolutheitsansprüche können zu Fundamentalismus und Extremismus führen. Wie sollen Schülerinnen und Schüler diese Gefahren erkennen und verstehen, ohne sich mit theologischen Begründungen und religiösen Weltansichten auseinanderzusetzen? Ich spreche hier bewusst von theologischen und nicht nur von religionswissenschaftlichen Perspektiven, da gerade die oftmals unkritische Innensicht religiöser Überzeugungen Risiken birgt, die gemeinsam reflektiert werden müssen.
    5. Religiöse Symbolik begegnet uns in vielen Lebensbereichen, insbesondere in Kunst und Literatur. Wenn Schülerinnen und Schüler ein angemessenes Maß an Medienkompetenz entwickeln sollen, gehört ein grundlegendes Wissen über religiöse Mythen, Symbole und historische Hintergründe zwingend dazu.

    Auf der Website des Kultusministeriums konnte ich noch diese Aussagen finden:

    "Nicht maßgeblich ist die bloße Anzahl der Wortmeldungen. Dieser Aspekt wird von der im Zeugnis ausgewiesenen Note für Mitarbeit erfasst. Bei der mündlichen Note kommt es auch auf die Qualität der Unterrichtsbeiträge an. Passives Verhalten geht zu Lasten des Schülers. Der Lehrer ist allerdings bereits von seinem pädagogischen Auftrag her gehalten, auch zurückhaltende Schüler durch gezieltes Aufrufen in den Unterricht einzubeziehen."

    Formulierungen wie "die bloße Anzahl" und "kommt es auch auf die Qualität der Unterrichtsbeiträge an" sowie "passives Verhalten geht zu Lasten des Schülers" zeigen doch, dass die Quantität der Beiträge durchaus auch einfließen darf. Den letzten Satz könnte man als "Holschuld" deuten.

    In Baden-Württemberg nicht zulässig,

    Wo steht das eigentlich? Ich sehe diese Aussagen häufiger, auch von einer Holschuld ist die Rede. Mir sind die entsprechenden Gesetzestexte bzw Verordnungen niemals begegnet. Die Mitarbeitsnote ist Teil der NVO, das ist mir klar. Aber daraus kann ich nicht ableiten, dass es mir strengstens untersagt ist, die Quantität der Beiträge in die Note einfließen zu lassen. Wer sich niemals beteiligt, dem kann ich kaum eine gute Note geben. Das heißt natürlich nicht, dass häufiges Melden automatisch zu einer guten Note führt. Die Qualität wiegt stärker.

    Das mag in der Sek 1 alles anders sein, aber bei uns spricht niemand von einer Holschuld der Lehrkraft.

    Warst du auf einer katholischen Schule? Eine Freundin von mir ging im thüringischen Eichsfeld, welches ja sowieso stark katholisch geprägt ist, auf ein katholisches Gymnasium und hat mir genau dasselbe erzählt. Konnte ich als Berliner gar nicht glauben

    Ne, auf einer stinknormalen Realschule. Ich bin dann auch deshalb irgendwann aus dem Unterricht ausgetreten. Wir haben mehr gebetet und gesungen als wirklich etwas Substanzielles über Religion gelernt.

    Die meisten Menschen gehen in ein Fitnessstudio, weil es dort Gewichte und Maschinen für Krafttraining gibt, wofür man daheim kein Platz hat bzw. sich diese nicht in dieser Qualität leisten kann. Ich gebe dir recht, dass nur für das Laufband es ziemlich bescheuert ist. Wobei jede Bewegung besser ist als keine Bewegung.

    Zum Laufband: Ich finde es sehr angenehm, dass ich nicht in der prallen Sonne laufen muss bzw. in Winter bei Eis und Schnee. Wobei mir Kälte nicht so viel ausmacht wie Hitze. Im Fitnessstudio ist die Temperatur immer gleich.

    Wie frei sind wir wirklich in unseren Entscheidungen? Essen und trinken Menschen zu viel, zu wenig oder zu ungesund, weil sie Hedonisten sind oder weil es unglaublich schwer ist, das eigene Konsumverhalten zu kontrollieren?
    Ich trinke keinen Alkohol, rauche nicht und treibe Sport. All das fällt mir leicht. Aber seit ich denken kann, habe ich Schwierigkeiten mit meinem Zuckerkonsum, und ich habe wirklich schon vieles ausprobiert, um möglichst wenig Zucker (in meinem Fall: Süßigkeiten) zu essen. Ja, es ist eben schwer, wenn überall die Versuchung lauert. Und das sage ich mit einem hohen Bildungsgrad. Was ist mit Menschen, die schlicht uninformiert sind?
    Mein Großvater war Alkoholiker und ist an einer Leberzirrhose gestorben. Natürlich wollte er nicht früh sterben. Hat er das "in Kauf genommen"? Ich glaube nicht.

    Also noch einmal: Wie viel Willensfreiheit haben wir eigentlich (wenn überhaupt)? Oft wird so getan, als sei es völlig selbstverständlich, dass wir bewusste und rationale Wesen sind, die jederzeit ihr Verhalten steuern können, aber das stimmt einfach nicht oder ist zumindest eine starke Vereinfachung eines sehr komplexen Themas.

    Eine Sache, die mich an unserem Beruf stört, ist, dass man ständig erkannt wird. Ich wohne am Schulort und kann nicht in die Innenstadt gehen, ohne (ehemalige) SuS zu treffen. Gerade die Ehemaligen wollen dann Gespräche führen, was ja ganz nett sein kann, aber mir ist das in letzter Zeit zu häufig passiert.

    Letztes Jahr hat mich eine Mutter in einem Café in Südeuropa(!) erkannt und angesprochen. :D

    Palim meinte wahrscheinlich, dass Religionslehrkräfte besser ausgebildet sind, um Ethik fachfremd zu unterrichten als es Sportlehrer sind.

    Dann habe ich deinen Beitrag wohl falsch verstanden, Palim.

    Dass Lehrkräfte mit einem Theologiestudium fachlich besser ausgestattet sind, um fachfremd Ethik zu unterrichten, glaube ich auch. Aber es ging ja nicht um Fachkompetenzen, sondern um das Neutralitätsgebot und dass man mit einer kirchlichen Lehrbeauftragung womöglich nicht die richtige Lehrkraft sein kann, um das Ersatzfach für Religionslehre zu unterrichten.

    Die Religionslehrkraft hat sich wissenschaftlich mit Religion beschäftigt, andere haben das nicht.

    Das stimmt nicht. Ich musste Module in Religionsphilosophie und Religionswissenschaft belegen, um Ethiklehrer zu werden. Meine Masterarbeit habe ich zu diesem Thema verfasst und plane aktuell in Religionsphilosophie zu promovieren. Im Rahmen meines Philosophiestudiums habe ich mich sehr intensiv mit Religion auseinandergesetzt und dadurch die nötigen Kompetenzen erworben, um dieses Thema im Ethikunterricht zu unterrichten. Jede gut ausgebildete Philosophie- bzw. Ethiklehrkraft hat sich wissenschaftlich mit Religion beschäftigt, jedoch ohne konfessionelle Bindung.

    Die Religionslehrkraft hat aber allein für den Reli-Unterricht gesagt, dass sie diesen Unterricht im Sinne der Konfession (ev/kath) unterrichten wird. Es wird weder erwartet, dass man eine bestimmte Richtung innerhalb dieser Konfessionen vertritt, noch dass man eine religiöse Position in allen Fächern einnimmt.

    Hinzu kommt, dass das Curriculum ja eine kritische Auseinandersetzung mit den Positionen einfordert und nicht eine alleinige Lehrmeinung vertritt. Zudem wird nicht die Glaubenszugehörigkeit bewertet, sondern es gibt, wie in jedem Fach, Kriterien und Kompetenzen, die zur Bewertung herangezogen werden.

    Ethik ist aber nicht irgendein Fach, sondern ausgerechnet das Ersatzfach für Religionslehre für SuS, die aus "Glaubens- und Gewissensgründen" aus dem Religionsunterricht ausgetreten sind (sofern sie bereits religionsmündig sind). Dass die gleiche Lehrkraft auch das Ersatzfach unterrichten soll, ist absurd und wird an den meisten Schulen, die ich kenne, auch nicht praktiziert.

    Die von dir genannte kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten findet im Religionsunterricht statt, aber nur eingeschränkt, zumindest wenn man sich an die Bildungspläne hält.

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