Hm, ich gehe nicht ganz d'accord mit dir, WillG.
Zugegeben, wir sitzen in der Schule vor einem gordischen Personalknoten, den wir nicht lösen können. Aber die Gesamtverantwortung beim Dienstherrn zu suchen, finde ich etwas übertrieben. Natürlich kann der Dienstherr die Arbeitsbedingungen verbessern, das Gehalt verbessern, den NC kippen, etc. Das sind aber alles a) langfristige Maßnahmen (die man natürlich trotzdem angehen kann) und b) Maßnahmen ohne Erfolgsgarantie. Will sagen: nur weil die Rahmenbedingungen besser sind, hat man nicht plötzlich (oder in 6 Jahren) genug Lehrer.
Unabhängig davon: ihr kennt mich, ich achte auf meine Kolleginnen. (Weniger auf mich.)
Aber ich bin verdammt froh, dass ich ein Kollegium habe, welches einspringt, wenn was ist. Welches sich nicht hinstellt und sagt "Nö, ich bin ja nicht schuld an der Situation." Ein Kollegium, welches mir Angebote zur Vertretung macht, wenn jemand fehlt. "Ich habe in der 3. Stunde Sport - ich nehme die Klasse mit." "Ich gehe gleich eben hoch und teile sie auf und geben den Kindern die Arbeitsblätter mit." "Ich kann in der 4. Stunde mit der 2a und der 1b auf den Schulhof gehen." "ich wollte mit der 4a eh ein Video zum Getreide gucken. Da kann die 4b dazukommen. Sag mir nur in welcher Stunde." "Bei mir fehlen Kinder wegen der Erstkommunion. Ich kann die Klasse 2a dazunehmen. Sind dann zwar 35 Kinder, aber das macht nichts." "Ich bleibe heute 2 Stunden länger. Kein Problem." Und so weiter.
Üblicherweise muss ich meine Kolleginnen eher bremsen als zum Unterstützen motivieren. Und ja, ich finde das gut so.
Ich finde es gut so, dass in der Situation nicht diskutiert oder lamentiert wird, sondern angepackt wird.
Ich finde es gut, dass die Kolleginnen den Ernst der Lage sehen (akut und auch generell).
Ich finde es gut, dass die Kolleginnen sich auch für die anderen Kinder / für die anderen Klassen verantwortlich fühlen. Auch wenn jetzt wieder jemand kommt und mir versucht zu erklären, dass wir Lehrer nicht für die Kinder verantwortlich sind. Vielleicht ist dieses Denken wieder so ein Grundschulding.
Ich finde es gut, dass die Kolleginnen auch kreative Lösungen finden.
Ich finde es gut, dass sie nicht schulterzuckend sagen "Ist nicht mein Problem." Das könnten sie. Na klar.
Ich finde die Einstellung der Kolleginnen gut. Einer für alle, alle für einen. Und alle für die Schule und die Kinder.
Und mein Job ist es dann, dafür zu sorgen, dass die Füße auf dem Boden bleiben und die Kolleginnen sich nicht verausgaben. Damit ist nämlich auch keinem geholfen.
Mein Job ist es aber auch, die Situation nach oben zu spiegeln und dem Schulamt klar zu machen, dass wir bei der aktuellen Personalsituation im 2. Halbjahr kein Schwimmen anbieten können. Weil das bei allen kreativen Lösungen nicht mehr aufzufangen ist.