Beiträge von InfoThomas

    Ausnahme: In Hessen bekommen Anwärter einen Zuschlag von 70% auf ihre Anwärterbezüge. Wenn sie ein Mangelfach haben. Siehe hier: https://lehrkraefteakademie.hessen.de/ausbildung-von…rsonderzuschlag

    Das ist eine interessante Regelung; Danke für den Hinweis. Hmmm, das würde das Ref in Hessen natürlich interessanter gestalten, aber leider wäre das mit Umzug verbunden und schwierig dies der Family zu verkaufen, wenn es Alternativen gibt.

    Daher der Tipp: Falls es für dich irgendwann in Frage kommen könnte, das BL zu wechseln, informiere dich noch, ob der Abschluss anerkannt werden kann. Du bist wahrscheinlich auf BaWü festgelegt. Für immer :D ;)

    Guter Punkt und ich vermute, dass dies sehr wahrscheinlich auch bundesweit heterogen gehandhabt werden könnte; aber für mich ist die Ref-Besoldung wirtschaftlich unattraktiv, daher käme nur der Direkteinstieg für mich in Frage. Ansonsten bleibe ich in der IT-Branche. Dies war auch der Hauptgrund, warum ich das Ref nicht nach'm Info-Studium gemacht hab.

    Damit diese Info evtl. jemand anderem in einer ähnlichen Situation helfen könnte:

    Laut dem Gespräch mit'm RP hier in BW wurde mir gesagt, dass ich aufgrund dieser Regelung, 1. Staatsexamen (Gym) -> blockiert für Direkteinstieg am Gym, auch wenn Mangelfach, ich ein Erweiterungsfach Informatik Master of Education an einer Uni machen sollte und praktisch alles, was ich über das Info-Studium habe an der Uni anrechnen lassen soll. Ich müsste dann an der Uni nur die Fachdidaktik-Seminare und evtl. ein oder zwei andere Uni-spezifische Kurse belegen, weil nicht unbedingt alle Kurse aus dem ursprünglichen Info-Studium von der anderen Uni anerkannt werden (weil bei manchen Kursen/Seminaren die Inhalte zu stark von Uni zu Uni abweichen). Zusätzlich dazu gibt es nun in BW die Option, dass man fürs Erweiterungsfach keine Masterarbeit schreiben muss, man kann das EF auch mit Zertifikat abschließen. Und man darf es dennoch unterrichten. Diese Option würde dazu führen, dass ich praktisch in 1 Semester oder max. 2 Semester (wenn nicht alle Fachdidaktikseminare in einem Semester angeboten werden) das EF abschließen könnte. Und dann könnte man ins Ref mit den 3 Fächern und dies wäre dann der lineare Weg wieder zurück über den traditionellen Ref-Weg.

    Diese Option löst trotzdem nicht das Besoldungsproblem :angst:

    Ohne Referendariat? Das würde ich nicht empfehlen. Dann fehlt Dir doch ein wichtiger Teil der Ausbildung.

    Hi Sissymaus ,

    laut dem RP in BW ist es möglich per Direkteinstieg an beruflichen Schulen eine berufsbegleitende pädagogische Schulung durchzulaufen (siehe https://lehrer-online-bw.de/,Lde/Startseit…g-Informationen).

    Der dazugehörige Text lautet:
    "In Baden-Württemberg dient der Direkteinstieg als Sondermodell zur Gewinnung von Lehrkräften in Mangelfächern. Der Einstieg in den Schuldienst erfolgt direkt, das heißt ohne dass die Bewerberin oder der Bewerber den oben genannten Vorbereitungsdienst zu durchlaufen hat. Die Bewerberin oder der Bewerber absolviert hierbei zunächst im tariflichen Arbeitnehmerverhältnis mit vollem Beschäftigungsumfang und vollem Entgelt eine zweijährige berufsbegleitende pädagogische Schulung bei gleichzeitig verringerter Unterrichtsverpflichtung. Nach einem weiteren Bewährungsjahr ist die Übernahme in das Beamtenverhältnis vorgesehen."

    Ich interpretiere es so, dass man quasi das Ref parallel zur Vollauslastung macht. Bei Bewährung gibts Beamtenstatus.

    Direkteinstieg am Gymnasium ist für mich blockiert, da ich das 1. Staatsexamen (Gym) hab; das RP sagt mir, dass ich dafür das reguläre Ref machen muss. Diese Regel gilt aber nicht für die anderen Schularten. Darum kommen nur berufliche Schulen für mich in Frage.

    Bist du fertige Lehrkraft oder noch nicht? Ich werde nicht ganz schlau aus deinen Ausführungen.

    Hi s3g4 ,

    nein, bin ich nicht. Ich habe vor sehr vielen Jahren das 1. Staatsexamen in Englisch & Geschichte (Gymnasium) gemacht, mich aber bereits während des Lehramtsstudiums in Informatik-Vorlesungen, -Seminare und -Praktika gesetzt. Ich hatte schon immer Interesse daran und wollte herausfinden, ob mir das Fach liegt. Nach dem Abschluss des Lehramtsstudiums habe ich daher noch ein Informatikstudium (ohne Lehramt) drangehängt.

    Nach dem Informatikstudium gab es eine große Auswahl an Jobs, und so bin ich schließlich in der IT-Branche gelandet. Das Referendariat (damals gab es diese Seiteneinstiegs- und Direkteinstiegsmöglichkeiten noch nicht) war im damaligen Kontext – und ist es im Prinzip bis heute – wirtschaftlich unattraktiv, weshalb ich letztlich Informatiker geworden bin.

    Das Interesse, jungen Menschen etwas beizubringen, sie auf ihrem Weg zu begleiten und die nächsten Generationen Deutschlands auf die Welt vorzubereiten, war jedoch niemals weg.

    Ich hab in der IT-Branche alles erreicht, was ich erreichen wollte. Die Projekte in den unterschiedlichen Branchen sind interessant und gut bezahlt, aber ich möchte etwas Neues erleben. Es macht mir einfach Spaß, Menschen etwas zu erklären. Das Gefühl und die Reaktionen, wenn jemand Deinetwegen neue Fertigkeiten erlangt und anschließend eigenständig Probleme lösen kann, sind einfach toll.

    Was ich nicht erwarte, ist eine unfreiwillige (wenn du das für dich so willst, gerne) Arbeit bis 3 Uhr nachts über 13 Wochen. Da würde ich spätestens nach der ersten Woche das Internet, meine Mitreferendare und Betreuer fragen, was ich alles falsch mache und was sie alles besser machen, wenn ich so viel Zeit benötige.

    @Architect,
    ich bin mir nicht sicher, was du mit "unfreiwillig" meinst; ich hab's gerne getan, da ich vieles ausprobieren und lernen wollte. Ich hab es nicht als "unfreiwillig" empfunden, ganz im Gegenteil. Hätte ich damit ein Problem gehabt, hätte ich was dagegen gesagt. Ich hab es als super Gelegenheit gesehen, einen guten Einblick in den Job zu bekommen. Viel Arbeit != schlecht in allen Fällen. Es kommt aufs Ziel drauf an. Und ich profitiere bis heute noch davon in Bezug auf andere Tätigkeiten.

    Ich erachte es nicht als unangenehm auch bis spät nachts oder früh morgens zu arbeiten, wenn es ein konkretes Ziel gibt und ich mich wohl dabei fühle und ein gewisser Zeithorizont klar ist. Ich vermute eher, dass wir hier unterschiedlicher Meinung sind, was ein "normaler Arbeitstag" sein kann und wie lange jemand dafür arbeiten möchte. Und wie man ein Ziel auf welche Art und Weise erreichen kann.

    Ob es für Dich "unfreiwillige" Mehrarbeit geben wird oder nicht, kann Dir keiner sagen, weil das stark davon abhängig ist, was Dein Ziel ist und was Deine Fachlehrer:innen äußern werden und wie deine Reaktion darauf sein wird. Das wird Dir jetzt hier keiner exakt quantifizieren können, ich hab dir aber meinen Erfahrungsbericht genannt und somit hast Du schon mal Näherungswerte.

    Du brauchst nicht meine Erfahrung als Referenz nehmen; es gibt genügend Erfahrungsberichte von anderen Refis, die hier oder in anderen Foren über Ihre Erfahrungen während des Referendariats oder Praktikums berichtet haben. Ich vermute aber, dass die Mehrheit wahrscheinlich sagen wird, dass man vor allem am Anfang des Refs nicht wirklich viel Freizeit haben wird. Und warum? Ich hab im vorigen Post einige Beispiele angebracht. Wenn Du Dir die Zeit nehmen willst, kannst du ja mal schaun, was für Zeitangaben manche Praktikanten und Refis angegeben haben und dann kannst du mal nen Durchschnitt errechnen, evtl. hilft das als Orientierung, wenn Du quantifizieren willst?

    Es gibt Referendare, die in 7 Stunden fertig werden. Es gibt welche, die 14 Stunden brauchen, weil "die Zeit schneller vergeht, als man denkt" (fehlendes Zeitmanagement) oder weil "sie möglichst viel möglichst schnell lernen wollen" (Perfektionismus). Was glaubst du, von wem ich lernen will?

    Hmmmm, ich weiß nicht genau, was Du hier bezwecken willst? Irgendwie hängst Du dich an den Stunden auf.

    Ich glaube, die Gegenüberstellung „7 gegen 14 Stunden“ greift im Ref zu kurz.

    Die entscheidende Variable ist weniger die tägliche Stundenzahl als die Phase, in der man sich befindet. Am Anfang fehlt schlicht Erfahrung: Materialien, Routinen, Pädagogik, sichere Zeitplanung. Das ist kein Zeitmanagementproblem, sondern der normale Einstieg in einen sehr komplexen Beruf, der verschiedene - und insbesondere neue - Fertigkeiten parallel erfordert (die man erst gerade aufbaut) und die auch teilweise ineinandergreifen.

    Viele Referendar:innen (ich hab mit ziemlich vielen über die Jahre gesprochen, ich kenn niemanden, der von sich aus sagte, er / sie war von Anfang an "schnell", aber ich will auch nicht ausschließen, dass es den einen oder anderen gibt, aber derjenige gehört dann sicherlich zur Minderheit), die später mit 7–8 Stunden gut zurechtkommen, konnten das erst, nachdem sie zuvor erheblich mehr Zeit investiert haben. Effizienz entsteht durch Erfahrung – sie ist kein Startpunkt.

    Insofern lernt man von beiden Gruppen: von erfahrenen Kolleg:innen, wie man effizient arbeitet (und das machst du besonders am Anfang sehr intensiv), und von Einsteiger:innen, welche Lernschritte dafür notwendig sind (Erfahrungsberichte). Eine reine Quantifizierung über Arbeitsstunden wird der Realität des Referendariats - meiner Meinung nach und vor allem in den ersten Monaten - nicht gerecht.

    Wäre ich dein Mentor und du würdest mir erzählen, dass du bis 3 Uhr morgens für 8 Unterrichtsstunden ohne sonstige Aufgaben gearbeitet hast, hätte ich dich dafür zusammengeschissen. Wenn man nicht richtig schläft, kann man irgendwann krankheitsbedingt ausfallen und riskiert einen Unterrichtsausfall bei den eigenen SuS.

    Was hast du aus dieser Woche mitgenommen, um den Unterricht effizienter zu planen?

    @Architect, löbliche Idealvorstellung, aber irrelevant, wenn du mal hautnah drin bist, mein junger Padawan. Die Wahrscheinlichkeit, dass du deine Meinung im Ref signifikant ändern wirst, ist sehr, sehr hoch – believe me 😉 Insbesondere sobald du beim Erstellen jeder Unterrichtseinheit siehst, wie schnell die Zeit verfliegt.

    Warum ist das so? Das Ganze lässt sich relativ einfach erklären: Du bist am Anfang ein Noobie und musst in kurzer Zeit extrem viel Neues lernen – und nicht nur in einem Bereich, sondern in 2, 3, 4, x, und das alles gleichzeitig – und es dann auch noch direkt in der Praxis (i. d. R. am nächsten Tag) umsetzen.

    Dazu kommt, dass du permanent, jeden Tag beurteilt wirst (von jedem erfahrenen Lehrer, bei dem du Stunden übernimmst, und jeder hat seine eigenen Vorlieben). Jedes kleine Detail wird kritisiert oder im Nachhinein besprochen, Alternativen oder Optionen werden aufgezeigt. D. h., du lernst jeden Tag neue Techniken und Methoden – sowohl für den Unterricht selbst als auch dafür, wie du mit den Schülern umgehen musst. Und du lernst auch sehr viel darüber, wie du von Schülern (!) wahrgenommen wirst. Die Wahrnehmung durch Kommilitonen ist nicht dasselbe! Die Fachlehrer:innen haben einen ganz anderen Blick auf dich als deine Kumpels oder Kollegen. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt, den du erst wirklich erlebst, sobald du ein paar Stunden vor Schüler:innen gehalten hast.

    Mein Eindruck ist, du unterschätzt, was von dir als Lehrkraft abverlangt wird – und diese ganzen Skills hast du am Anfang einfach nicht, weder in der Breite noch in der Tiefe. Das kannst du auch nicht wegdiskutieren. Vergiss nicht: Ich habe auch ein Info-Studium, und die Themen sind auf einem ganz anderen Niveau. Du spielst de facto einen anderen Sport – nämlich „Uni-Sport“ 😉.

    Sorry, dass ich das so sage, aber deine Info-Seminare bereiten dich einfach nicht auf das tagtägliche Lehrerdasein vor. Das Fachwissen ist zwar das Fundament, auf dem du alle anderen Lehrer-Fertigkeiten aufbaust, aber genau deshalb gibt es ja Praktika und insbesondere das Referendariat. Wenn du kein Lehramtsstudium (das dich übrigens auch nicht wirklich auf das Referendariat vorbereitet) gemacht hast, hast du schlicht keinen Schimmer, was auf dich zukommt.

    Du hast am Anfang so gut wie keine fundierte (und vor allem jahrelange) Erfahrung und keine signifikant große didaktische und pädagogische Werkzeugkiste, aus der du für unterschiedliche Fächer, Klassenstufen, Situationen und Schülerreaktionen die passende Herangehensweise ziehen kannst. Dadurch kannst du auch nicht einfach improvisieren. Manchmal hat man Glück, aber das ist definitiv nicht die Regel. Manche Fachlehrer:innen sprechen davon, dass gewisse Kolleg:innen hier und da mal „Schwellenunterricht“ betreiben – aber das kannst du am Anfang einfach nicht. Vieles kannst du schlicht nicht wissen, weil du es noch nie zuvor gemacht hast. Punkt.

    Des Weiteren musst du dich erst einarbeiten, welches Niveau und welche Themen jede Klassenstufe verlangt. Das bedeutet auch, dass du nicht jede Methodik in jeder Klassenstufe oder für jedes Thema einsetzen kannst. Und manche Klassen haben eben einen Quatschkopf, aufmüpfige oder desinteressierte Schüler. Wie gehst du damit um? Was passt für die jeweilige Stunde und das jeweilige Thema, sodass du die SuS trotzdem abholst – auch diejenigen, die lieber Herzchen ins Heft zeichnen?

    Ganz ehrlich: Am Anfang realisierst du, wie viel du lernen musst, damit jede einzelne Stunde sitzt. Du musst deine Stundenkonzepte den Fachlehrer:innen vorlegen und detailliert erläutern können, warum du jeden Abschnitt wie und warum geplant hast. Alles muss minutengenau aufgeschrieben sein, sonst kommt der Kritikpunkt, dass du hier oder da zu viel oder zu wenig Zeit eingeplant hast. Und was machst du, wenn es nicht so läuft, wie du es dir gedacht hast? Hast du ein Backup? Was machst du, wenn der Quatschkopf dir fünf Minuten raubt und die ganze Klasse dadurch unruhig ist und das Hauptkonzept der Stunde akustisch nicht verstanden hat?

    Da fliegen so viele Variablen durch den Raum, warum etwas schiefgehen kann. Und da musst du dir im Vorfeld Tricks und Tipps erfragen und/oder erarbeiten – und so weiter und so weiter. Wie du siehst: Du musst ganz andere didaktische und pädagogische Methoden lernen als das, was du im Contest Programming gelernt hast.

    Ich könnte noch viele weitere Details ausführen, aber ich mache hier Schluss. Beachte bitte: Insbesondere am Anfang investierst du im Durchschnitt sehr wahrscheinlich 3–4 Stunden Vorbereitung pro Unterrichtsstunde. Du hast keine Materialsammlung – die baust du dir erst nach und nach auf. Ich hatte damals kein ChatGPT, das mag heute ein wenig leichter sein als damals.

    Bedenke auch, dass ich „nur“ 13 Wochen so gearbeitet habe. Dein Ref geht deutlich länger, und da würde ich auch sagen, dass du nicht jeden Tag bis 3 Uhr morgens arbeiten solltest oder kannst – dafür ist das Referendariat einfach zu lang. Für mich war die Zeit überschaubar und sie ist unglaublich schnell vorbeigegangen. Ich habe sie als extrem lehrreich empfunden. Mir war es wichtig, in der relativ kurzen Zeit so viel wie möglich zu lernen.

    Heute würde ich definitiv nicht mehr so lange brauchen, weil ich ja sehr viel aus meiner Schatztruhe rausholen kann. Das ist der fundamentale Unterschied.

    Nadja Eisen ,
    die Leute hier wünschen sich eine Definition von "digitale Medien im Unterricht" und Du müsstest das auch an Beispielen in Deiner Masterarbeit illustrieren.

    Wenn Du eine Liste aller möglichen digitaler Medien (und bestens noch ihre Verwendung im Unterricht) in der Umfrage angeben könntest, dann wäre es klarer, z.B. PowerPoint-Folien. Wenn sie abschließend wäre, wäre es natürlich besser (bin mir aber nicht sicher, ob das überhaupt geht). Mir ist aber auch klar, dass Du hier mehr Recherchearbeit investieren müsstest. Du müsstest auch Deine Fragen in der Umfrage umformulieren und neue hinzufügen.

    Insbesondere fragst du ja nach "Wie häufig setzen Sie digitale Medien im Unterricht durchschnittlich ein?"

    Und da ist man sich nun unsicher, was Du da genau meinst; das kann Deine Ergebnisse extrem verfälschen!

    Übrigens würde das auch Deiner Masterarbeit sehr helfen. Definitionen sind wichtig, damit man vom selben Thema / von denselben Begriffen spricht. Wenn Du z.B. eine Liste an digitalen Medien abfragen könntest, dann würdest Du auch besser quantifizieren können, welche digitale Medien üblicher bei Lehrer sind, usw.

    Nur zur Info: Eine andere Masterstudentin hat hier im Forum auch eine Umfrage gepostet, aber sie hat für ihre eine Definition von KI-Tools gleich am Anfang angegeben (siehe https://lenahausen.limesurvey.net/352534?lang=de&newtest=Y); ich würde Dir wärmstens empfehlen, so etwas Ähnliches zu machen.

    Das kann ich nur unterstreichen.
    Quer- u. Direkteinsteigern ist gar nicht bewusst auf was sie sich da einlassen und verzweifeln dann oft schnell am System.

    Morse' , könntest du näher ausführen, welche Kernaspekte deiner Meinung nach dazu führen, dass Quer- und Direkteinsteiger:innen am „System“ verzweifeln? Ich kann mir zwar einige Dinge zusammenreimen, fände es aber sinnvoller, wenn du deine Aussage etwas detaillierter ausführen könntest.

    Ich bin mir sicher, dass davon auch andere von deinem Erfahrungsschatz profitieren könnten.

    Ich würde daher gern mit einem Beispiel vorangehen:

    Ich habe vor vielen, vielen Jahren ein 13-wöchiges Schulpraktikum am Stück an einem Gymnasium absolviert.

    Ich hatte folgende Klassen: 6, 7, 8, 10 und 11.

    Woche 1:
    In der ersten Woche hospitierte ich hauptsächlich in den oben genannten Klassen, plante aber schon relativ schnell gemeinsam mit zwei Fachlehrer:innen die kommenden Wochen und die dazugehörigen Unterrichtssequenzen (also: welche Themen für welche Stufe und wie viele Stunden ich ungefähr übernehmen sollte). Bereits am Freitag dieser Woche konnte ich meine erste Stunde halten – in einer 8. Klasse.

    Woche 2:
    Ich glaube, ich hospitierte nur noch gelegentlich, um unterschiedliche didaktische Methoden verschiedener Lehrer:innen kennenzulernen. Gleichzeitig wurde es aber schon recht stressig, denn ich erhielt acht Stunden Unterricht. Nach der Schule saß ich fast ausschließlich am Schreibtisch und plante bis etwa drei Uhr morgens Unterricht – insbesondere mussten die Sequenzen inhaltlich und methodisch über mehrere Stunden hinweg stimmig sein.

    In dieser Woche prasselten extrem viele Eindrücke auf mich ein, und sie war deshalb sehr prägend. Erst da wurde mir richtig bewusst, wie grundlegend anders dieser Job im Vergleich zu vielen anderen ist:

    - Du musst nicht nur fachlich sattelfest sein.

    - Du musst deinen Körper gezielt einsetzen können (Stimme, Mimik, Gestik, Tempo).

    - Du musst Kinder und junge Erwachsene für dein Fach begeistern können, obwohl sie sehr unterschiedliche Interessen haben.

    - Du musst die unterschiedlichen Entwicklungsphasen der Schüler:innen mitdenken (eine 6. Klasse zu unterrichten unterscheidet sich massiv von einer 11. Klasse).

    - Du musst deinen didaktischen Werkzeugkasten sehr schnell befüllen.

    - Und parallel dazu ständig reflektieren, was du selbst verbessern kannst.

    Woche 3:
    Dann ging es mit zehn Stunden weiter.

    Woche 4 - 13:
    In dieser Woche hatte ich bereits 14 Stunden – und ich habe selten so wenig geschlafen wie ab diesem Zeitpunkt.

    So ging es weiter, mit einer Fluktuation zwischen zehn und 14 Stunden pro Woche, bis das Praktikum in Woche 13 endete.

    Rückblickend kann ich sagen, dass insbesondere Woche 2 mit Abstand die schwierigste war, weil alles gleichzeitig zusammenkam und es in dieser Woche regelrecht Kritik hagelte. Für mich war jedoch klar, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist und ich das Feedback sehr genau prüfen musste, um besser zu werden.

    Mein Lieblingskritikpunkt von damals war:
    „Sie brauchen nicht mit der Tafel zu schmusen. Nicht schreiben und gleichzeitig die Tafel vollquatschen! Schreiben Sie erst hin, dann schauen Sie die Schüler an und erklären es – nicht mit der Tafel schmusen!“
    Ich muss darüber heute noch schmunzeln. 🙂

    Anschließend entwickelt man auch einen ganz anderen Blick darauf, wie andere Lehrkräfte ihren Unterricht strukturieren und durchführen.

    Ich habe – das ist meine subjektive Wahrnehmung – pro Woche deutliche Leistungssprünge gemacht, da ich das Praktikum sehr ernst nahm und wirklich gut sein wollte. Die Lehrer:innen, die mir ihre Klassen überließen, gaben mir entsprechend kontinuierlich mehr Stunden.

    Fairerweise muss man jedoch sagen, dass manche Fachlehrer:innen versuchen, ihre eigene „Art des Lehrens“ weiterzugeben, auch wenn diese nicht mehr zeitgemäß ist. Hier muss man dann einen Kompromiss finden.

    Am Ende waren die Fachlehrer:innen sehr überrascht, wie stark sich alles verbessert hatte, und froh darüber, dass ich die Kritik aus Woche 2 ernst genommen hatte. Das abschließende Fazit war durchweg positiv. Sie sagten mir im Nachhinein sogar, dass sie mich absichtlich ins kalte Wasser geworfen hätten, um zu sehen, ob ich „schwimmen kann“. Offenbar hat es funktioniert.

    Übrigens: Schon vor dem Praktikum habe ich gern Präsentationen gehalten, aber danach fühlte ich mich deutlich selbstsicherer. Bis heute macht es mir großen Spaß, vor Menschen zu stehen und Themen zu erklären.

    Mein Fazit:
    Der Lehrerberuf ist sehr speziell, da er verschiedene Kompetenzdimensionen gleichzeitig in einer Person vereint (Fachwissen, Didaktik, Pädagogik, Zeitmanagement usw.). All das ist auf 45 Minuten komprimiert – und das Anforderungsniveau kann sich alle 45 Minuten komplett ändern. Das gibt es in dieser Form nur in sehr wenigen Berufen.

    Empfehlung:
    Ich würde allen Quer- und Direkteinsteiger:innen dringend empfehlen, zunächst ein Praktikum zu absolvieren, um zu verstehen, welche Fähigkeiten Lehrkräfte täglich abrufen müssen. Das meiste kann man lernen, aber wie leicht oder schwer es einem fällt, hängt stark von der jeweiligen Person ab.

    Leider rückt das Kultusministerium nicht mit konkreteren Informationen zur „IT-Panne“ heraus. Die Ursache kann bei einer so knappen Beschreibung sehr vielfältig sein. Für mich klingt es eher so, als habe es sich um ein relativ altes System zur Berechnung gehandelt, das die Ergebnisse – vermutlich – an ein anderes System weitergeben musste, dabei aber eventuell nicht vollständige Datensätze übertragen hat. Ich mutmaße hier, aber es klingt stark danach, als habe sich lange Zeit niemand für die regelmäßige Wartung der Systeme interessiert – diese scheint erst vor Kurzem erfolgt zu sein und dadurch ist die Panne aufgefallen.

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist; solche Symptome treten häufig auf, wenn die grundlegende IT-Systemarchitektur nicht durchdacht war oder jemand schlampig gearbeitet hat und sich danach niemand verantwortlich gefühlt hat.

    Ich würde allgemein gerne zur ursprünglichen Frage zurückkehren.

    Mari_021_ , wenn ich Du wäre, würde ich mir die folgenden Optionen und Alternativen überlegen.
    Du bist ja noch sehr jung und – so vermute ich – auch ohne familiäre Verpflichtungen. Von daher kannst Du aktuell noch vergleichsweise flexibel agieren.

    Du hast Deine Fächerkombination so gewählt, dass sie Dir persönlich liegt, Dich interessiert und Dir Spaß macht. Das ist meiner Meinung nach ein sehr wichtiges Fundament, um überhaupt eine gute Lehrer:in zu sein. Es bringt nichts, wenn eine Lehrer:in ein Fach unterrichtet, das ihr oder ihm nicht gefällt – das wird im Unterricht früher oder später durchscheinen, und davon hat niemand etwas: weder Du noch die Schüler:innen.

    Wie die Vorredner:innen bereits erwähnt haben, sind Biologie und Geschichte keine „Killerfächer“, wenn es darum geht, bei Einstellungen besonders attraktiv zu sein – das ist schlicht ein Fakt.

    Wenn Du jedoch grundsätzlich Interesse an Mathematik, Informatik oder Physik haben solltest, würde ich Dir empfehlen, Dich einfach einmal in Vorlesungen und Seminare dieser Fächer zu setzen und aktiv mitzumachen, um zu sehen, ob es Dir liegt – auch ohne offiziell eingeschrieben zu sein.

    Ich selbst habe Englisch und Geschichte auf Lehramt (Gymi, 1. Staatsexamen abgeschlossen) studiert, mich danach aber für ein Informatikstudium (ohne Lehramt) entschieden. Dieses Interesse hat sich erst während des Lehramtsstudiums entwickelt. Anschließend kam ein Jobangebot nach dem anderen, und die Referendariatsbesoldung wurde für mich zunehmend unattraktiv. So bin ich schließlich in der IT gelandet. Das Interesse am Unterrichten ist jedoch nie verschwunden, und ich habe es weiterhin als Dozent ausgelebt. Ich bin aber gerade am Schaun, wie ich als Direkteinsteiger wieder zurückgehe.

    Was ich damit sagen will: Probiere ruhig ein paar Fächer aus, ohne Dich direkt voll einzuschreiben, und schau, ob sie Dir liegen. Und behalte im Hinterkopf, dass es auch Alternativen zum Lehrer:innenberuf gibt – und dass ein späterer Weg zurück durchaus möglich ist. Für mich ist aber Referendariat keine Option mehr, da die Besoldung den aktuellen Lebensstil mit Familie nicht finanzieren kann. Für den einen oder anderen mag das Referendariat aber nach vielen Jahren dennoch möglich sein. Ich möchte betonen, dass es inzwischen de facto 2 Möglichkeiten gibt, die Lehrbefähigung zu bekommen (Referendariat oder Direkteinstieg - und dann machst du dennoch praktisch dasselbe wie im Referendariat aber eben mit voller Auslastung + Verantwortung).

    Wir haben mehrere Direkteistiege nach einer Initialbewerbung eingestellt, manchmal hat es aber ein bis zwei Jahre gedauert, je nach Bedarf. Wir behalten die Bewerber:innen im Hinterkopf, denn ab und zu eröffnen sich Möglichkeiten sehr kurzfristig.

    buno , vielen Dank für die ganzen Infos; das hat wirklich einiges an Licht ins Dunkel gebracht.

    Ich bin allerdings etwas verblüfft über Deine Aussage, dass es ein bis zwei Jahre gedauert hat, bis Ihr die jeweiligen Kandidat:innen eingestellt habt – und das trotz der Initialbewerbung. In der IT-Branche sind das ja regelrechte Lichtjahre bis zu einer Einstellung. Da kann ich mir gut vorstellen, dass passende Kandidaten nicht so lange warten und während des Prozesses (oder besser gesagt: während des Wartens) abspringen.

    Was haben die Kandidat:innen in der Zwischenzeit konkret gemacht? Mir ist bewusst, dass Du das im Einzelnen vermutlich nicht wissen kannst. Falls Du darüber dennoch etwas weißt: Haben einige vielleicht als Vertretung bereits ein wenig „Lehrerluft“ geschnuppert (evtl. hospitiert?), oder sind die meisten einfach in ihrem bisherigen Job geblieben, bis sich die Gelegenheit für einen Direkteinstieg ergeben hat?

    Hi Tikolanesla ,

    hast Du dich inzwischen beworben? Und wenn ja, wie war der Prozess und die Rückmeldung soweit?

    Die Bewerbungszeiträume sind ebenfalls wichtig, denn nur dann werden Stellen offiziell ausgeschrieben. Und dann sollte man sich auch schnell bewerben, denn der Bewerbungszeitraum ist relativ knapp. Man kann Schulen anschreiben, aber auf keinen Fall spontan vorbeigehen. Entscheidend ist letztlich, welche Schule Bedarf für die entsprechenden Fächer hat: Diese Schulen werden die Stelle auch ausschreiben. Ich persönlich habe im Vorfeld keine Schule kontaktiert, sondern mich nur auf ausgeschriebene Stellen beworben.

    buno , ist es aus Sicht der Schulleitung überhaupt sinnvoll, sich initiativ als Direkteinsteiger:in außerhalb der offiziellen Bewerbungsphasen an einer Schule zu bewerben? Deiner Schilderung nach klingt es so, als wäre das eher vergeudete Zeit. Heißt das also, dass du immer den Weg über die Schiene „Bedarf beim RP melden und Stelle über das RP ausschreiben“ gehen musst, oder hast du – bezogen ausschließlich auf Direkteinsteiger:innen – einen gewissen verwaltungsrechtlichen Spielraum bei der Einstellung neuer Lehrkräfte?

    Mark123 s Schilderung würde ich insofern gern vom Modus „Direkteinstieg“ trennen, da er sein Referendariat über den Seiteneinstieg absolviert hat (seine Ausführungen sind aber dennoch sehr informativ). Dadurch hast du ja auch die Sek-II-Lehrbefähigung erhalten, womit du anschließend relativ unkompliziert in allen Bildungsgängen an Berufsschulen einsetzbar warst. Ich vermute, dass es deshalb für ihn vergleichsweise einfach war, was Initiativbewerbungen betrifft.

    Ich hätte hier noch eine Frage an die Runde. Wenn jemand dazu eine möglichst klare Aussage machen könnte, wäre ich sehr dankbar:

    Nach meinem Verständnis prüft das RP in Baden-Württemberg bei Direkteinsteiger:innen für Berufsschulen (oder gilt das generell für alle Schularten?) nicht von sich aus die „Kompatibilität“ eines Bewerbers (Zeugnisse, Fächerkombination, mögliche Lehrbefähigung). Den Anstoß zu dieser Prüfung muss vielmehr eine Schule geben, die konkretes Interesse an einer Person hat.

    Dadurch wirkt der Prozess auf mich wenig effizient, da solche Kandidat:innen gewissermaßen „auf Halde liegen“ und selbst nicht wissen, woran sie sind – also für welche Schulen bzw. Bildungsgänge sie tatsächlich einsetzbar wären. Natürlich lassen sich gewisse Wahrscheinlichkeiten abschätzen (und man selber definiert ja auch eine Präferenz), aber das letzte Wort hat letztlich das RP. Gerade deshalb wäre es aus Bewerbersicht essenziell, dass das RP zunächst prüft und man sich erst anschließend gezielt bei passenden Schulen bewirbt.

    Beim Direkteinstieg ist man zu Beginn – abhängig von den Uni-Abschlüssen – häufig noch nicht eindeutig einsetzbar, was Lehrbefähigung und letztlich auch die konkreten Fächer betrifft. Ist das aus Sicht der Schulleitung eher abschreckend, eine solche Person überhaupt in die engere Auswahl zu nehmen, oder macht man sich dann doch die Mühe, eine entsprechende Prüfung beim RP anzustoßen? Wovon macht ihr als Mitglieder der Schulleitung diese Entscheidung abhängig? Irgendwie wirkt der Direkteinstieg auf diese Art widersprüchlich, wenn er doch ein Mechanismus ist, um Mangelfächer relativ zügig zu besetzen oder irre ich mich da? Mir ist klar, dass einer mit Informatik + Ref Vorrang hat, aber von denen gibt es relativ wenige (oder extrem wenige).

    Ich fände Einblicke aus der Praxis sehr hilfreich, da der Prozess insgesamt doch recht intransparent wirkt – sowohl hinsichtlich der Entscheidungsfindung als auch des tatsächlichen Ablaufs.

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