Beiträge von PablosPlace

    Dazu sprichst du am besten mit der Studierendenberatung deiner Hochschule

    Ironischerweise habe ich direkt morgen ein Gespräch. Ich hoffe nur, dass man ein zulassungsfreies Fach trotz bereits erteilter Zulassung vor der Immatrikulation noch ändern kann. Ethik und Geschichte liegen mir einfach extrem. Ich bin ein sehr kreativer und kritisch denkender Mensch und denke, dass ich andere mit meiner Begeisterung gut mitreißen kann.

    Es gibt bestimmte Fächer, die in Baden Württemberg eine hohe Nachfrage haben. Zu diesen gehören gemäß Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst: Mathematik, Kunst, Musik, Religion, Physik, Informatik und Elektrotechnik (Quelle).

    Ich würde empfehlen, wenigstens eines dieser Fächer in deine Fächerkombination mit auf zunehmen. Von einer Fächerkombination aus zwei gesellschaftswissenschaftlichen Nebenfächern würde ich abraten. Häufig wird man nicht wegen, sondern trotz dieser Fächer eingestellt und muss sich im Gegenzug zur Übernahme vieler Stunden fachfremdem Unterrichts bereiterklären. Und dann kann man auch gleich Fächer wählen für die Schulen Lehrkräfte benötigen.

    Geht das so einfach an der PH? Religion gäbe es z.b. als Erweiterungsfach.

    Ich beginne im Oktober mein Lehramtsstudium an der PH. Voraussichtlich werde ich Geschichte und Ethik für die Sekundarstufe I studieren. Gerne würde ich später auch an einer Haupt- bzw. Werkrealschule unterrichten. Ich freue mich total!

    Jetzt ist es so, dass Deutsch etwas gefragter ist. Soll ich noch versuchen, Ethik gegen Deutsch zu tauschen? Vom Typ her passt Ethik besser zu mir. Gleichzeitig habe ich etwas Angst, am Ende den berühmten „Taxifahrer“ zu machen, weil ich mir Sorgen um die Berufsaussichten mit Geschichte und Ethik mache.


    Bw

    Ein kleiner Tipp: Lass' die Finger von Mathe. Ich habe zwei Kollegen gekannt, die als Fachlehrer ein GHS-Studium durchlaufen haben und dort am Ende an Mathematik gescheitert sind.

    In Mathe bin ich leider nicht ganz so stark wie in Sprachen. Im Abi kam ich zwar ganz gut durch, aber für mich als kreativen Menschen ist das dann doch eher nichts.

    Danke für deine Geschichte und natürlich wirst du in besonderer Weise Kindern vertrauen und sie fördern. Das brauchen so viele Kinder so dringend. Eine helfende Hand, ein ermutigendes Wort, Hoffnung.

    Welche Fächer wirst du studieren? Ich wünsche dir dabei ganz viel Erfolg. Da kommt noch einiges auf dich zu. Aber das schaffst du schon!

    Voraussichtlich Geschichte und Ethik. Auch wenn ich einen großen Faible für Literatur habe, finde ich die recht freie Gestaltung in diesen Fächern echt spannend. Studiert wird das ganze an der PH. Dort ist es ja noch einmal etwas realistischer, wenn es das überhaupt im Studiengang gibt.

    Etwas Sorge vor dem berüchtigten Referendariat ist natürlich da.

    Ich verstehe den Ablauf zeitlich nicht. Du warst ab Klasse 4 in einer Lernförderschule und dort 9 Jahre lang? Kann irgendwie nicht stimmen. Oder meinst du bis Klasse 9? Und dann bist du in Klasse 8 in einer Hauptschule eingestiegen? Wie alt warst du da und um welches Bundesland geht es überhaupt?

    Zur Frage: kann beides bedeuten, sowohl, dass in deiner Bildungsbiographie eine falsche Entscheidung getroffen wurde, als auch, dass das Bildungssystem so durchlässig ist, dass dir alle Wege offen standen.

    Realistischerweise muss man dazu sagen, dass sehr viel Zeit, Geld und Fachkräftewissen investiert wurden, damit du diesen Weg gehen konntest. Förderschulen, Tagesgruppen, Integrationshilfe, Kinderzentrum... Diese Unterstützung und Chancen hättest du an vielen anderen Orten nicht bekommen. Das schmälert deine Leistung keineswegs, am Ende muss jeder Mensch für sich selbst kämpfen. Es sollte aber in deine Bewertung "des Systems" einfließen, Systemsprenger sind teuer..

    Sorry. Ich hab mich nicht präzise genug ausgedrückt. Auf der Förderschule war ich von der dritten bis zur neunten Klasse. Dort durfte ich probeweise zur achten Klasse wechseln, allerdings auf den Hauptschulzweig. Das Bundesland ist BW.

    Natürlich bin ich den Unterstützungsangeboten sehr, sehr dankbar. Gerade weil ich davon betroffen war, bin ich der Meinung, dass so etwas noch weiter ausgebaut werden sollte.

    Manchmal denke ich mir aber auch, ob ich nicht ein guter Kandidat für die Waldorfschule gewesen wäre. Klar hätte das Geld gekostet, aber vom Konzept her wäre sie wahrscheinlich passender als die Regelschule gewesen.

    Erstens wird man nicht "versetzt", und zweitens brauchst du für die Förderschule ein Gutachten mit IQ-Test mit Ergebnis zwischen roundabout 65-85.

    Dann wäre ja das spätere Abi kaum möglich gewesen. Evtl. hat das ADHS eine größere Rolle gespielt, weil mein früherer Arzt mir damals zumindest immer mindestens die Hauptschule zugetraut hat.

    Sonderlich viel musste ich jetzt auch nicht lernen. Ich hatte ein ganz gutes Verständnis im Abi. Solche Sprünge macht der IQ ja kaum. Diagnostik ist nicht unfehlbar.

    Ich bin 26 Jahre alt und gelte als das, was im Volksmund als „Bildungsaufsteiger“ bezeichnet wird. Meine gesamte Schullaufbahn verlief so ziemlich gegensätzlich zu der der meisten Menschen.

    Als Kind eines Arbeiters und einer Migrantin war mir das alles nicht gerade in die Wiege gelegt. Während meiner Grundschulzeit wechselte ich in der dritten Klasse auf eine Schule für Erziehungshilfe und wurde in der vierten Klasse auf eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen versetzt. Meine Schwierigkeiten waren ADHS-typisch: Ich war sehr verträumt, leicht ablenkbar und miserabel organisiert – Letzteres hat sich ehrlich gesagt bis heute gehalten. :zungeraus:

    Nach neun Jahren auf der Förderschule erkannte man schließlich mein Potenzial und ich durfte probeweise in eine Hauptschulklasse wechseln. Obwohl ich den gesamten Unterrichtsstoff kaum kannte, passte ich mich sehr schnell an und wurde Klassenbester. Allerdings war ich dabei eine Klassenstufe niedriger eingestuft worden. Den Hauptschulabschluss machte ich schließlich mit einem Notendurchschnitt von 2,4.

    Während meiner Zeit auf der Förderschule besuchte ich sogenannte Tagesgruppen, später erhielt ich Integrationshilfe. Außerdem wurde ich aufgrund meines ADHS in Kinderzentren betreut. Ich war eben ein kleiner rebellischer „Systemsprenger“. :autsch:

    Nach dem Hauptschulabschluss begann ich eine handwerkliche Ausbildung. Auch wenn das Handwerk nie wirklich meine Leidenschaft war, wurde ich erneut Klassenbester. Es handelte sich jedoch um eine zweijährige Ausbildung, die nicht zum Erwerb der Mittleren Reife führte. In dieser Zeit lernte ich allerdings sehr prägende Menschen kennen. Sie motivierten mich dazu, die Mittlere Reife auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen. Auch diesen Abschluss erreichte ich mit einem Notendurchschnitt von 2,4.

    Dann verging einige Zeit. Corona kam und ich legte meine schulische Laufbahn zunächst auf Eis. Nach der Pandemie ging es für mich schließlich auf die nächsthöhere Schulform. Mir wurde geraten, auf das Gymnasium des zweiten Bildungswegs zu wechseln, weil man in mir das entsprechende Potenzial sah. Gesagt, getan: Ich machte mein Abitur mit einem Notendurchschnitt von 2,2. Der Schnitt hätte vermutlich sogar noch besser ausfallen können, doch aufgrund meiner Prüfungsangst lief es in den Abschlussprüfungen nicht ganz so, wie ich es mir erhofft hatte.

    Heute habe ich mich tatsächlich für ein Lehramtsstudium für die Sekundarstufe I beworben und möchte im Oktober mit dem Studium beginnen. Ich glaube, dass meine Erfahrungen sehr wertvoll sein können. Ich kenne sozusagen jede Etappe des deutschen Bildungssystems – vom Förderbedarf bis zum Abitur. Gerade deshalb sehe ich mich in der Verantwortung, mich für mehr Bildungsgerechtigkeit einzusetzen. Und zwar aus einer vollständig intrinsischen Motivation heraus.

    Um aber auf die eigentliche Frage zurückzukommen: Bin ich der Beweis für ein funktionierendes Bildungssystem – oder eher ein Beispiel dafür, dass in Deutschland viel zu früh aussortiert wird?

    Vielleicht hilft meine kleine Geschichte auch dem einen oder anderen Förderschullehrer dabei zu erkennen, wie wertvoll es sein kann, einem Kind zu vertrauen. Dieses Vertrauen kann ein Leben nachhaltig prägen. :engel:

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