Ich dachte von daher, Gymnasien werden von Schülern besucht, die die Chance oder Möglichkeit haben, mehr oder wenig toll das Abitur zu erreichen.
@ cubanita:
Bei der Inklusion geht es für das Kind nicht mehr darum, dass es das Abitur erreicht. Viele Kindern mit Förderbedarf würden das eh nicht schaffen. Viel mehr geht es darum, dass die Kinder nicht - mal provozierend ausgedrückt - im Behinderten-Ghetto "Sonderschule" abgestellt werden, sondern mit ganz normalen Kindern gemeinsam den Schulalltag teilen. Vorrang hat hier das gemeinsame Lernen, Spielen auf dem Schulhof, Aktivitäten etc. was sonst so in der Schule üblich ist. Es geht nicht darum, dass das Kind - egal mit welchem Förderbedarf - am Ende auch sein Abi bekommt.
Im Unterricht - so ist das zumindest an unserer Schule für die beiden Trisomie21-Kinder im kommenden Jahr angedacht - wird teilweise (!) differenziert. D.h. bei einigen Fächern ist ein geschulter Förderlehrer dabei. Er ist entweder mit den beiden behinderten Kindern und allen anderen Klassenkameraden im gleichen Raum oder er nimmt die beiden Kinder in ein Nebenzimmer für Extraaufgaben. Diese Lehrkraft ist aber nur sehr wenige Stunden die Woche (ich glaube es sind 4 - von 32!!!) mit dabei. Den restlichen Unterricht dürfen die Gymnasiallehrer alleine wuppen. Das bedeutet: Extramaterial erstellen, deutlich differenzieren und vor allem auch die Betreuungsarbeit leisten, von der schon weiter obem im Thread die Rede war. Ich wiederhole mich hier gerne: bei einer Klassengröße von 32 Kindern und wirklich nicht ansatzweise für die Aufgabe ausgebildete Lehrer ist das ein Witz bzw. eher ein Trauerspiel.
ZitatAllerdings würde mir für den Anfang gut gefallen, wenn zunächst mal blinde, gehbehinderte oder gehörlose Schüler ganz normal in den Unterricht an Regelschulen eingebunden werden. Inklusion beginnt im Kopf und selbst dies ist bei weitem noch nicht an allen Schulen selbstverständlich (sollte es aber sein).
Wir hatten vor ein paar Jahren eine blinde Schülerin, welche ich auch unterrichtet habe. Das Mädchen hatte eine Betreuerin, die nicht jede Stunde, aber doch insgesamt deutlich mehr mit dabei war, als es nun angedacht ist. Für die in der Klasse unterrichtenden Lehrer bedeutete die Situation, dass sie ihren Unterricht komplett umstricken mussten. Alles, was man sonst ohne groß nachzudenken über visuelle Impulse laufen lässt viel z.B. flach. D.h. es musste eine Menge Material organisiert, erarbeitet oder sonstwie umgestrickt werden. In Mathe wurde z.B. spezielles, haptisch erfahrbares Material für Geometrie angeschafft. Ich selber hatte die Schülerin im Kunstunterricht und musste erst einmal überlegen, was man da machen konnte. Nach ein paar Monaten sagte mir die Betreuerin, dann dass die Schülerin unbedingt dies und das üben müsse. Aha - hätte ich gerne schon vorher / früher gewusst. Wichtig ist dabei: Das Kind war in der Klasse - wir Lehrer bekamen keine Ausbildungen / Fortbildungen oder sonst was, sondern durften irgendwie rausbekommen, was wie gehen sollte. Super Inklusion, an der sich anscheinend nicht viel geändert hat bis jetzt.
Die betreffende Schülerin ist nach Klasse 9 auf ein spezielles Internat für blinde bzw. sehbehinderte Schüler gegangen. Auf ausdrücklichen eigenen Wunsch! Die Eltern traf ich gut 1 Jahr später. Sie berichteten, dass das wirklich die allerbeste Idee überhaupt gewesen sei. Ihre Tochter hätte dort sehr gezielt vor allem auch ganz Praktisches für den Alltag erlernt und auch der Unterricht an sich wäre perfekt für Menschen mit Sehbehinderungen. Soviel zum Thema, dass Inklusion der Stein der Weisen ist und Föderschulen der letzte Mist, wie die Politiker gerne behaupten. Noch ein kleiner Nachtrag: Die Klasse, in der das blinde Mädchen 3 Jahre lang war, bestand aus sehr netten Gymnasiasten. Aber: diese Mitschüler sagten am Ende auch, dass sie echt genervt waren, weil es sich immer nur um das eine spezielle Mädchen und ihre Bedürfnisse drehte (nicht laut sein, ihr helfen, anderes Material etc.). Auch damit muss bei Inklusion zu rechnen sein. Leider darf man das in einigen Kreisen kaum ansprechen, weil man dann gleich als Ausgrenzer etc. abgestempelt wird.
Grüße vom
Raket-O-Katz