Beiträge von Bolzbold

    Klar, warum soll die Erkenntnis nicht gleich zu Beginn der Fortbildung erfolgen? Mühsam dies erst nach Stunden zu verstehen :aufgepasst:

    Kannst du kein Blut sehen, solltest du kein Arzt werden.

    Kannst du mit Kindern nicht klar kommen, solltest du kein Erzieher werden.

    Es gibt Dinge die sind in jedem Job unerlässlich; hast du keine Lehrerpersönlichkeit und lässt dich mobben von Schülern...definitiv nicht der richtige Job.

    Man kann so argumentieren, gleichwohl geht das in die Richtung, die mir langfristig gesellschaftlich Sorgen bereitet. "Hast Du ein Problem, bist Du eben nicht perfekt (und damit halt selbst das Problem.)"

    Das ist in der Tat ein Schlag ins Gesicht der betroffenen KollegInnen und mittelbar eine Täter-Opfer-Umkehr. Nicht der/die mobbende SchülerIn ist das Problem sondern die Lehrkraft selbst.
    Schulen, an denen es eine professionelle Schulleitung und ein professionell-freundliches Kollegium gibt, dürften Probleme dieser Art schnell in den Griff bekommen, weil dann entsprechende Maßnahmen erfolgen.
    Langfristiges Mobbing durch Schüler gegenüber Lehrkräften benötigt ein entsprechendes Umfeld. Da kannst Du noch so eine tolle Lehrerpersönlichkeit haben. Wenn Schulleitung und Kollegium Dir nicht den Rücken stärken, hast Du verloren.

    Diesen KollegInnen dann zu sagen, dass sie im Job falsch sind, ist unglaublich selbstgerecht.

    Wir erziehen unsere SchülerInnen dazu, differenzieren zu können. Sich nicht in Allgemeinplätzen, Küchenpsychologie oder Pauschalisierungen zu ergehen - es sich damit eben nicht zu einfach zu machen. Ich hätte mich gefreut, wenn man die Ergebnisse dieses Prozesses auch in Deinem Beitrag hätte finden können.

    Lehrkräfte, die so vorgehen, haben ja einen langen individuellen und subjektiv so empfundenen Leidensweg hinter sich - die Krankheit ist hier wahlweise Trotzreaktion oder "Selbstschutz", weil man mit den "herkömmlichen" Mitteln entweder nicht ausgekommen ist oder irgendeine Ungerechtigkeit durch das System meint erlitten zu haben.
    Die Vorgehensweise an sich kann auch eine Erkrankung darstellen - dann wird es allerdings schwierig.

    Stundendeputate, Beförderungen, Anrechnungsstunden - und das an jeder Schule anders.

    Anstrengung für eine Beförderung oder Entlastungsstunden oder Anerkennung durch Schulleitung und/oder Kollegium lohnt sich ganz oft nicht.


    Ich habe natürlich gut reden in meiner Position und an einer Schule, die die Insel der Glückseligen ist, aber seit meiner Rückkehr aus der Behörde stelle ich nach wie vor fest, dass sich Anstrengung in bestimmten Bereichen auch ohne monetäre oder sonstige Vergünstigung lohnt - und das hatte es sich bei mir auch als ich noch (O)StR war.

    Zeit und Energie in die Beziehungen zu meinen Schülern zu investieren oder in meine Klasse, das lohnt sich für mich immer (und hat sich für mich immer gelohnt.) Ich hätte gedacht, dass ich da nach der Behörde anders darüber denke bzw. fühle. Aber ich gehe tatsächlich gerne zur Schule und freue mich auf meine SchülerInnen. Mehr Geld oder gar eine Beförderung hätte es dafür nie gegeben. Mein Verhältnis zu meinen SchülerInnen gibt mir etwas, das man mir mit Geld oder Entlastung nicht geben kann.

    Das mit den Kindern macht die Sache für die nächsten zehn Jahre erheblich leichter.

    Du nimmst Urlaub aus familienpolitischen Gründen und machst dann Teilzeit an einer anderen Schule. Währenddessen kannst Du mit der Schulleitung der neuen Schule und dem/der zuständigen DezernentIn die langfristige Versetzung eintüten.

    Meine Frau macht das seit einigen Jahren so. Ihre formale Stammschule dürfte mittlerweile auch kapiert haben, dass sie dorthin nicht mehr zurück möchte.

    Ich hatte das ja auch schon angemerkt mit der Häme und den Belehrungen. Die Haltung im Form scheint mittlerweile dergestalt zu sein, dass man sich mit jedem Posting, das man hier einstellt, genau darauf einzustellen hat. Und falls man dies anprangert, wird man erneut belehrt, dass man es doch selbst schuld sei.
    Klar, das kann man so sehen. Ist eben Ausdruck einer Mentalität, die wahlweise eben dies propagiert oder aber in die andere Richtung geht. Dann heißt es "sollen die anderen sich mal nicht so anstellen - mein Verhalten ist doch gar nicht so schlimm."

    So etwas vergiftet auf Dauer nur die Atmosphäre. Und ja, das war vor 15 Jahren oder so hier durchaus einmal anders.

    Da mich die Themen grundsätzlich schon interessieren: Mögen Sie kurz erläutern, inwiefern Sie die Themen KI gestütztes Lernen und Bildungsgerechtigkeit (Bitte erklären Sie was Sie damit meinen, der Begriff ist auf mehrere Arten auslegbar) verknüpfen?

    Das würde mich in der Tat auch interessieren. Möglicherweise wird hier ja eine überzeugende Disambiguierung vorgenommen.

    Nur noch einmal für mein Verständnis: Wir bekommen ein Kinderspielzeug als Arbeitsgerät. Ein Gerät das nicht in Ansätzen den Maßstäben der Arbeitsschutzverordnung entspricht - diese wird übrigens in jeder Behörde recht penibel umgesetzt (und ich hatte den direkten Vergleich.)

    Naja, es ist der ungelenke Versuch, das Vorhandensein der Geräte zu legitimieren und die Unzulänglichkeit der Geräte oder die fehlenden tatsächlichen Einsatzmöglichkeiten durch den unterstellten fehlenden Willen oder wahlweise die didaktische Inflexibilität oder schlicht Unfähigkeit zu übertünchen. Da im öffentlichen Dienst die persönliche (wirtschaftliche) Verantwortung für Entscheidungen, sofern sie nicht (grund)gesetzwidrig sind, nicht existiert, ist das mittlerweile die Standardreaktion.

    Ich liebe es...

    Ein zentraler Unterschied beim Einsatz eigener Geräte bei uns ist doch, dass wir personenbezogene Daten der SchülerInnen nicht mehr auf unseren privaten Geräten verarbeiten dürfen, wenn ein Dienstgerät zur Verfügung gestellt wird - und sei dieses Gerät noch so schlecht.

    Insofern sind die ganzen Vergleiche mit anderen Berufen nicht zielführend. Ein nacktes IPad ohne Software, mit der ich arbeiten kann, zentral verwaltet durch die Kommune, die keine individuellen Installationen zulässt, ist und bleibt eine Farce.

    Das Nebeneinander von kommunaler Trägerschaft und der Bildungshoheit der Bundesländer ist der größte Hemmschuh für irgendeine Form von Veränderung in die richtige Richtung.
    Es wäre so einfach, wenn das Land die Trägerschaft für die Schulen übernähme und damit für die gesamte Ausstattung, sprich Schulen, Lehrkräfte, sonstiges Personal etc. zuständig wäre - natürlich bei auskömmlichen Finanzmitteln.

    Anekdotische Evidenz aus Bayern: Ich kenne eine große Anzahl an Kolleg*innen, mich selbst eingeschlossen, die aus ihrer eigenen Erfahrung aus dem Referendariat gesagt haben, dass sie zwar Interesse an der ARBEIT eines Ausbilders, Fachleiters, Seminarlehrer (der bay. Terminus) hätten, aber große Probleme damit hätten, junge Menschen an diesem späten Punkt in ihrer Bildungsbiografie auf eine Art und Weise zu beurteilen, dass bereits Zehntelnoten über den weiteren Lebensweg entscheiden können. Der Punkt hier war, dass junge Menschen nach einem Lehramtsstudium und am Ende eines Referendariats eben einen gewissen Weg eingeschlagen haben, dass so ein minimaler Unterschied bereits ganze Existenzen zumindest in große Probleme bringen kann, was bei einer Abiturnote in diesem Ausmaß zumindest gefühlt nicht der Fall ist.

    Und wenn die Guten zu viel Respekt vor dieser Tätigkeit haben, bleiben leider die weniger Guten übrig. Den von Dir beschriebenen KollegInnen müsste man ergänzend sagen, dass es immer noch besser wäre, SIE würden über Wohl und Wehe entscheiden, als dass es eben die Falschen tun.

    Ich versteh bis heute nicht warum dieses System so laufen kann obwohl wir als ausgebildete Lehrer die Seminarleiter werden können einfach mal professionell arbeiten sollten.

    Wenn einem die Macht zu Kopfe steigt, kommt das dabei heraus. Es gibt sehr reflektierte und eben weniger reflektierte Menschen. Es gibt Blender und andere Typen. Das System geht eigentlich vom Guten im Menschen aus - und genau das ist seine Schwäche. Gegen vorsätzliche Unfähigkeit und Bösartigkeit gibt es aber leider keine Paragraphen. Das ist in allen Prüfungsordnungen so.

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