Beiträge von Bolzbold

    Gelandet und gar keinen Bock auf Arbeit morgen?

    Hurraaa!
    Mach was Dir Spaß macht und werde Lehrer*in.

    Selbst wenn man sich von den Klischees lösen möchte, bleibt die Kernbotschaft, dass Lehrkräfte wegen der Ferien nicht am nächsten Tag wieder arbeiten gehen müssen. Die drei Monate Ferien, oder gerne auch im Volksmund "bezahlter Urlaub" genannt, in Verbindung mit etwas, das Spaß macht, schürt Vorurteile. Wie man das allen Ernstes als erfolgreiche Kampagne verkaufen kann, ist ein Beleg dafür, wie sehr sich (Bildungs)Politik von der Sachebene entfernt hat.
    Natürlich muss man sich da als Kultusministerium loben - einen solchen Fauxpas einzuräumen käme hinsichtlich der Fachkompetenz einem Offenbarungseid gleich.

    Also hier bin ich definitiv nicht bei Dir, was Möglichkeit 2 angeht. Wenn man sich das Plakat anschaut und nur drei Sekunden darüber nachdenkt, wie es vermutlich 90% der Nicht-LehrerInnen im Vorbeigehen tun, dann bleibt eigentlich nur Möglichkeit a) übrig. Diese wird auch durch die jahrzehntelang tradierten Vorurteile stärker getriggert.
    Ich tue mich auch sehr schwer damit, Möglichkeit b) herauszulesen, weil sich dies nicht aus der optischen und verbalen Logik des Plakats unmittelbar ergibt.

    Vor diesem Hintergrund ist dieses Plakat ein Desaster, weil es mit den Klischees spielt, für die sich zu viele von uns immer noch rechtfertigen (müssen/wollen).

    Wie auch die NRW Kampagne ("Gönn Dir" etc.) wirkt dieses Plakat auf mich wie eine Art Anbiederung bei den potenziellen künftigen Lehramtsstudierenden, was bei mir ein "cringe"-Gefühl auslöst.

    Aus der Perspektive gerade der männlichen Schüler gilt Homosexualität als unmännlich. Es gibt für männliche Schüler nichts "Schlimmeres" als als schwul rüberzukommen. Mitten in ihrer sexuellen Identitätsfindung kommen dann noch Ängste und Vorurteile hinzu wie beispielsweise, dass ein homosexueller Schüler nichts Besseres zu tun hätte, als jedem anderen männlichen Schüler hinterherzulaufen und ihn anzugraben. So meine Erfahrungen mit SchülerInnen schon vor über 15 Jahren.

    RosaLaunes Position kann ich grundsätzlich nachvollziehen, denke aber, dass hier zu viel Fokus auf das, was die anderen denken könnten, gelegt wird. Gleichsam mag ich mir hier aber auch kein Urteil anmaßen, weil ich die Situation, in der sich homosexuelle Menschen befinden, nicht direkt nachempfinden kann - und ein Vergleich zu Menschen mit Migrationshintergrund aufgrund meiner Biographie taugt hier ja auch nicht.

    Es wäre sicherlich für alle Menschen gleich welcher sexuellen Orientierung einfacher, wenn wir alle nicht nur wüssten, dass es eben unterschiedliche Orientierungen gibt, sondern sie auch als gleichwertig wahrnähmen und es irgendwann "no big deal" wäre, welches Geschlecht jemand selbst besitzt und welches Geschlecht jemand liebt.

    ... und damit sind wir beim nächsten Aspekt der viel beschworenen "Lehrerpersönlichkeit": Während im Job das Thema INKLUSION tagtäglich gelebt werden soll (freilich ohne dass das pädagogisch-didaktisch wirklich ausreichend gelingt, aber das ist ein anderes Thema, auf das ich noch zu sprechen komme), ist man privat durchaus für Ausgrenzung zu haben!

    Ein Troll ist da schnell entdeckt. Oder ein Nazi. Oder halt irgendjemand, den man mit gutem Gewissen konsequent ausgrenzen kann! TROLL meint ja in diesem Sinne vor allem: du gehörst nicht dazu...du bleibst draußen!

    Überhaupt: Lehrer sind für viele Themen zu haben (das perfekte Arbeitsblatt, Tipp für günstige Matten zum Bodenturnen, die neueste App für LRS-Kinder...), aber sie wollen die grundsätzliche Knackpunkte des Systems, in dem sie voraussichtlich auch die nächsten Jahrzehnte gut versorgt sein werden, eher nicht hinterfragen.

    "Teachers against Trolls"

    In Ergänzung zu CDL:

    Es handelt sich offenbar nicht um den "gemeinen Troll" sondern um die weiterentwickelte Spezies, die sich im Gegensatz zum "gemeinen Troll" weitgehend vernünftig artikulieren kann.

    Die von Dir vorgebrachte Argumentation ist so alt wie dieses Forum hier und dient wie so oft nur dazu, die charakterliche Integrität Deines Gegenübers zu unterminieren. Was Du definitiv wahlweise verkennst, ignorierst oder ausblendest - und das könntest Du theoretisch erkennen, wenn Du hier wirklich einmal querliest, ist, dass hier sehr viele sehr kritische Personen schreiben, die mitnichten zu allem Ja und Amen sagen und dieses System sowas von nachhaltig hinterfragen.

    Auch ein "sophisticated troll" bedient sich der ausgetretenen Pfade der Klischees und Vorurteile und dreht jedes noch so angeführte Gegenargument so, dass es ihm als Bestätigung eben dieser Vorurteile gilt.

    Somit also nicht nur "teachers against trolls" sondern eigentlich "every decent user of any forum against trolls"

    Liebe Doris,

    ich habe gerade den Fragebogen ausgefüllt und bin doch etwas überrascht ob der Oberflächlichkeit dieser Umfrage.

    Welche Erkenntnisse erhoffen Sie sich von dieser Umfrage?

    Wenn Sie sich valide und reliable Ergebnisse zur Motivation von Lehrkräften erhoffen, wäre es dann nicht sinnvoll, auch Fragen zu den Ursachen von vorhandener oder nicht vorhandener Motivation zu stellen? Die vorgegebenen Items erfassen die Motivation in meinen Augen völlig unzureichend.

    Wie hoch schätzen Sie die Validität und Reliabilität der Antworten ein angesichts der Kategorisierung der Antwortmöglichkeiten in "nie", "einmal die Woche" etc.? Ich habe noch nie ernsthaft darüber nachgedacht, wie oft ich so oder so fühle oder so oder so drauf bin.

    Ich erinnere mich daran, wie ich als Anfang 20jähriger thematisch ähnliche Diskussionen geführt habe, die aber rückblickend betrachtet im Wesentlichen davon zeugten, dass ich vom Schulsystem und der Arbeit im System Schule (noch) weder Einblick, noch Überblick, sprich faktisch keine Ahnung hatte. Hätte ich damals eine Bachelorarbeit schreiben müssen (damals gab es das Bologna-System ja noch nicht), so hätte ich vermutlich ähnliche Items gewählt in der Hoffnung, Motivation und Denkweisen damit erfassen zu können.

    Mit den heutigen Möglichkeiten des Wissenserwerbs, der Wissensrecherche müsste man doch eigentlich über dieses Stadium hinauskommen.

    Ich habe einmal ein bisschen "gespielt". ChatGPT liefert da in meinen Augen schon ganz passable Ergebnisse.

    Natürlich! Hier ist eine Umfrage mit 20 Fragen zum Thema Lehrkräftemotivation und Denkweisen:

    1. Wie motiviert fühlen Sie sich als Lehrkraft in Ihrem Beruf?
    2. Welche Faktoren beeinflussen Ihre Motivation als Lehrkraft am meisten?
    3. Wie wichtig ist Ihnen die Anerkennung von Schülerinnen und Schülern?
    4. Inwiefern spielt die Unterstützung des Schulleitungsteams eine Rolle für Ihre Motivation?
    5. Welche Rolle spielen extrinsische Belohnungen (z. B. Gehaltserhöhungen) für Ihre Motivation als Lehrkraft?
    6. Wie wichtig ist Ihnen das Gefühl, einen positiven Beitrag zur Bildung und Entwicklung der Schülerinnen und Schüler zu leisten?
    7. Welche Möglichkeiten zur Weiterbildung und persönlichen Entwicklung werden Ihnen in Ihrer aktuellen Position geboten?
    8. Wie wichtig ist Ihnen eine positive Beziehung zu den Eltern der Schülerinnen und Schüler?
    9. Inwiefern wirken sich administrative Belastungen (z. B. Bürokratie) auf Ihre Motivation aus?
    10. Wie zufrieden sind Sie mit den vorhandenen Ressourcen (z. B. Unterrichtsmaterialien, Technologie) an Ihrer Schule?
    11. Wie wichtig ist Ihnen das Gefühl der Zusammenarbeit mit Ihren Kolleginnen und Kollegen?
    12. Welche Rolle spielt die Work-Life-Balance für Ihre Motivation als Lehrkraft?
    13. Inwiefern beeinflusst die öffentliche Wahrnehmung des Lehrerberufs Ihre Motivation?
    14. Wie wichtig ist Ihnen die Möglichkeit, kreativ im Unterricht tätig zu sein?
    15. Inwiefern haben Sie das Gefühl, dass Ihre Arbeit als Lehrkraft wertgeschätzt wird?
    16. Wie wichtig ist Ihnen eine positive Lernumgebung in Ihrer Schule?
    17. Inwiefern spielt die Autonomie bei der Unterrichtsgestaltung für Ihre Motivation eine Rolle?
    18. Wie wichtig ist Ihnen die Unterstützung von Seiten der Bildungsbehörden?
    19. Inwiefern wirkt sich das Verhalten und die Einstellung der Schülerinnen und Schüler auf Ihre Motivation aus?
    20. Wie wichtig ist Ihnen eine gute Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern?

    Das "dann erhöhen wir halt Erbschafts- und Vermögenssteuer und besteuern die Reichen", das hier bei einigen durchscheint, ist mir schlicht zu platt und für mich die links-progressive Variante einer Stammtischparole.

    Man sollte nicht vergessen, dass für den Aufbau dieses Vermögens in der Regel ja auch versteuertes Einkommen aufgewendet wurde. Käme man nun mit einem saftigen Steuersatz daher, müssten viele Erben ihre Immobilien veräußern, denn anders könnten sie die Erbschaftssteuer in der Regel nicht aufbringen.
    Was man auch bedenken sollte, eine Erbschaftssteuer jenseits von Gut und Böse (die Definition davon lasse ich bewusst offen) kommt mittelbar einer anteiligen Enteignung gleich. Je nach Größe des Immobilienbesitzes geht dann über zwei Generationen ein Großteil dieses Vermögens einfach an den Staat.

    Die Gerechtigkeitsdebatte wird sich immer im Kern darum drehen, dass alles, was einem nutzt und anderen, (die man als Feindbild auserkoren hat,) "schadet" als "gerecht" empfunden wird. Erst kommt man selbst, dann die anderen. Es bedarf schon eines reflektierten und "aufgeklärten" Gerechtigkeitsempfindens im Sinne des Nutzens der Allgemeinheit, um das zu vermeiden.

    Die Zusammenstellung der Items halte ich für sehr oberflächlich - die Ergebnisse und die Zusammenhänge stehen damit im Vorfeld der Umfrage bereits fest.

    Der Beitrag #7 von Antimon trifft ziemlich genau ins Schwarze. Ggf. könnte man jetzt noch den Faktor eigene Kompetenz oder Unsicherheit irgendwo mit einbauen - auch hier sind die "Ergebnisse" vorhersehbar.

    Besonders sträflich finde ich das Verhältnis zwischen den Fragen, die sich konkret auf ChatGPT beziehen, und den anderen Fragen sowie deren inhaltliche Tiefe. Bei den generellen Fragen zur Technikaffinität sind spürbar viele Kontrollfragen mit drin. Das kann sinnvoll sein, kann aber auch bei etwas weniger aufmerksamen Teilnehmenden die Ergebnisse verfälschen.

    Schaut man sich die zahlreichen Beiträge zu dieser Thematik in Fachportalen oder -zeitschriften an, dann kommt diese Umfrage reichlich spät, vielleicht sogar zu spät, weil sie den bisherigen Erkenntnissen hinterher hinkt.

    Lehrer-Umfrage zu ChatGPT & Co. | PhV NRW (phv-nrw.de)

    Hälfte der Schülerinnen und Schüler hat schon mal ChatGPT genutzt | Presseinformation | Bitkom e. V.

    Lehrer-Umfrage zu ChatGPT: Eher Skepsis und Unsicherheit (bildungsklick.de)

    Der schriftliche Teil kann heute wirklich nicht mehr so relevant. Die KI ist da mittlerweile so effizient und schnell...ich kann jede japanische Zeitung über die Kamera-App simultan übersetzen. Hat eigentlich nur noch nostalgischen Wert.

    Es geht um das eigenständige Denken. Um Code-Switching, um den aktiven, reflektierten Umgang mit in diesem Fall zwei Sprachen. Wollen wir das eigenständige Denken der KI überlassen?

    Co für den Job, den du gar nicht machen möchtest und bei dem du davon ausgehst, dass Anstand und Moral zuerst über Bord gehen? Na danke für das zweifelhafte Kompliment. ^^

    Nein, ich halte Dich für einen sehr schlauen und integren Menschen, mit dem ich mir eine solche Tätigkeit, die ich mir in der Tat nicht vorstellen kann, noch am ehesten durchziehen wollen würde, wenn ich denn müsste. Ein bisschen viel Konjunktiv, aber ich denke, Du hast es auch so verstanden.

    Ob nun im LK in der Q2 oder in der 8. Klasse - im Fremdsprachenunterricht erlernen die SuS' unter anderem die aktive schriftliche wie mündliche Kommunikation.
    Wenn ich in meinem Unterricht das Erlernen dieser Kompetenzen sowie die Fähigkeit, dies spontan und situationsadäquat zu tun - und damit weniger das Endprodukt - in den Fokus rücke, dann liefern die SuS' auch keine KI-generierte Hausaufgaben ab. In der Klassenarbeit funktioniert das ohnehin nicht - es sein denn die SuS' begehen Täuschungsversuche.

    (So gesehen ist auch der mittlerweile ein paar Jahre alte Vorwurf einer Abiturientin an die Schule, dass sie zwar in drei Sprachen Gedichte analysieren könne, aber weder eine Steuererklärung noch eine Mietvertrag ausfüllen könne, eigentlich die klarste Mahnung an das, was wir Lehrkräfte vermitteln müssen - nämlich, dass das, was wir in der Schule machen, früher oder später einen echten Lebensweltbezug und damit einen echten Mehrwert haben wird. Die junge Dame sollte eine Menge an Problemlösekompetenz und Texterschließungskompetenz mit auf den Weg bekommen haben. Wenn sie natürlich nur stupide für ihre Leistungsnachweise gelernt hat und nur auf das Endprodukt geschielt hat - so verständlich das beim Punktesammeln auch sein mag - dann hat sie eigentliche Bildungsziel nicht erreicht.

    Fazit: Möglicherweise nicht jetzt, nicht morgen, aber eines Tages. Und genau dafür sollen die SuS' gerüstet sein. Ich sollte im Ausland auch dazu in der Lage sein, den Sinn mir unbekannter Texte zu verstehen, dies ggf. zusammenzufassen und entsprechend zu handeln. Sich auf KI zu verlassen, ist verführerisch. Und es zeigt auf absurde Art und Weise, wie sehr man sich der Faulheit oder der Bequemlichkeit halber, weil es einem vordergründig nutzt, durch KI fremdbestimmen lässt. In anderen Bereichen würde man da sofort auf die Barrikaden gehen...)

    Es geht hier in meinen Augen primär um ein rechtssicheres Vorgehen - da kann ein Kontakt zur Schulleitung durchaus sinnvoll sein.
    Wie die Eltern dann mit der getroffenen - rechtssicheren - Entscheidung umgehen, ist für die ursprüngliche Frage eher sekundär von Belang.

    Eltern wählen gerne den Weg "nach oben", weil sie hoffen, dass ihr temporäres Gefühl der Ohnmacht bzw. Unterlegenheit gegenüber der Lehrkraft durch die in ihrem Sinne zu treffende Entscheidung der höheren Instanz kompensiert wird.

    Ebensolche Schreiben gehen auch in die Behörde - mit der grotesk anmutenden Forderung oder Hoffnung, dass der/die MinisterIn höchstpersönlich in die nur die Schule bzw. eine/n SchülerIn, eine Lehrkraft und ein Elternpaar betreffende Angelegenheit eingreifen wird.

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