Beiträge von Bolzbold

    Bezüglich des Lehrerrats:

    Ja, das fühlt sich am Anfang etwas komisch an, wenn jemand nicht direkt selbst nachfragt. Ging mir auch so.

    Der Lehrrat ist aber weniger ein "eskalieren" sondern einfach ein zweiter, struktureller Weg, wie Fragen/Unklarheiten geklärt werden können. Ein gut arbeitender Lehrerrat filtert die Anliegen vor und vermittelt in beide Richtungen.

    Ich sollte wohl ergänzen, dass das Mitglied des Lehrerrats hier durchaus wohlwollend mir gegenüber getreten ist und meine Position verstanden hat. (OK, diese Person kannte mich von Anfang an aufgrund engerer kollegialer Zusammenarbeit...)

    Ich. Bin. Kein. Vorgesetzter.

    Mir werden gegebenenfalls Leitungsaufgaben nach § 60 Schulgesetz übertragen - aber ich bin hierdurch kein Vorgesetzter. Die weiteren Bestimmungen aus § 60 Abs. 2 Schulgesetz sehen auch im Falle der Verhinderung beider Schulleitungsmitglieder nicht automatisch die Mitglieder der erweiterten Schulleitung als Vorgesetzte vor - auch wenn die Schulleitung im Falle der Abwesenheit eine/n A15erIn als Vertretung bestimmen könnte.

    Ich bin eine Lehrkraft "mit besonderen Funktionen" nach § 33ff. ADO - dafür gibt es in der ADO in Abgrenzung zur Schulleitung einen gesonderten Passus.

    Auch aus BASS 2022/2023 - 21-02 Nr. 5 Funktionsstellen an Gymnasien für Studiendirektoren und Studiendirektorinnen als Fachleiter und Fachleiterinnen zur Koordinierung schulfachlicher Aufgaben (schul-welt.de) liefert für den Vorgesetztenstatus keine hinreichenden Anhaltspunkte.

    Ziffer 3.5 des Erlasses stellt die Funktion als Unterstützung der Schulleitung dar und nennt explizit die mit dem Schwerpunkt verbundenen pädagogischen und organisatorischen Funktionen.

    Das ist meine Funktion. Meine Rolle ist augenscheinlich eine andere bzw. kann anders aufgefasst werden - das habt Ihr mir in der Summe hinreichend dargelegt. Dass hier sehr unterschiedliche Meinungen dazu aufeinanderprallen, nehme ich als mittelbaren Spiegel dessen, was in Kollegien an unterschiedlichen Wahrnehmungen, Erfahrungen, Befindlichkeiten und weiterer Eigendynamik vorkommen kann, wahr.

    Ich bin froh, dass mein Verhältnis zu den allermeisten anderen KollegInnen, mit denen ich zu tun habe, völlig entspannt, freundlich und konstruktiv-wertschätzend ist.

    Dafür kann ich aus den Postings nicht den geringsten Anhaltspunkt finden.

    Was sollte Bolzbold denn tun?

    Hier im Forum den Austausch zu suchen, zeugt doch von Reflexion. Solange hier niemand unterwegs ist, der ihn im Schulalltag persönlich kennt, kann es doch keine genauere Diagnose geben, in keine Richtung.

    Lass ihn ruhig schreiben und deuten. In der umgekehrten Konstellation wäre ein entsprechender Beitrag vermutlich gemeldet worden mit der lakonischen Bemerkung, dass es sich um bösartige Unterstellungen handeln würde. Daher weiß ich, wie ich das zu nehmen habe.

    Ignorant, frech, übergriffig. Das sind ganz neue Erkenntniswelten, die sich mir da erschließen...

    Ergänzung (EDIT): Ich kenne dich nicht, deswegen kann ich das nicht beurteilen, aber ich kenne nicht wenige SL-Mitglieder, die jeden Eid darauf schwören würden, dass sie sich nichts auf ihre Position einbilden und die so sind wie immer, die aber - evtl. unbewusst - ihre Funktion und ihre SL-Rolle sehr klar nach außen tragen, in ihrer Art, wie sie sich geben, wie sie reden.

    Wenn ich dies von KollegInnenseite angetragen bekäme, würde ich mich damit sicherlich auseinandersetzen. Bis dahin bin ich einfach so, wie ich bin.

    Um noch auf ein paar Anmerkungen von Euch einzugehen, ohne einzeln zu zitieren:

    Ich habe mich allen KollegInnen mit Vor- und Zunamen vorgestellt und bis auf wenige Ausnahmen auch direkt das Du verwendet - LehramtsanwärterInnen inklusive - gerade weil ich mich primär als Kollege und nicht als ESL-Mitglied wahrgenommen habe. Das ist meiner Wahrnehmung nach auch gut angekommen, weil die meisten KollegInnen eben keine Berührungsängste haben.

    Für viele Anmerkungen hier zur Frage der Eigen- und der Fremdwahrnehmung bin ich tatsächlich dankbar, weil sie meinen Blick auf die Problematik erweitert haben und ich so künftig mit der Situation umzugehen weiß.

    Der Spruch, dass sich Intelligenz auch bei der Berufswahl zeigt, lässt sich wahlweise gegen Neider der LehrerInnenschaft, aber eben auch gegen uns selbst verwenden.

    Wer würde denn trotz der oben beschriebenen Bezahlung, der jährlich geleasten Neuwagen etc. wirklich gerne bei Daimler am Band stehen wollen?

    Ich nicht. Ich habe mich für einen anderen Beruf entschieden. Und damit muss ich jetzt leben. Das kann ich zum deutlich überwiegenden Teil sehr gut.

    Klingt für mich, als hättest du den Askept der Rollenfindung unterschätzt. Und vielleicht auch nicht (mehr?) so im Blick, wie gerade jüngere KollegInnen die bestehenden formalen Hierarchien vielleicht stärker wahrnehmen, als dies bei erfahreneren KollegInnen der Fall ist.

    Vielleicht ist es weniger die Rollenfindung als das Bewusstsein für die Wahrnehmung meiner Rolle durch Dritte. (OK, vielleicht gehört das auch zur Rollenfindung...)

    Zitat

    Langer Rede kurzer Sinn: Natürlich ändert sich die Dynamik im Verhältnis zu den Kollegen, wenn in der ESL ist, auch wenn man "nur" Koordinator ist. Das liegt an den beschrieben Sachverhalten, aber auch am Herrschaftswissen, das aus den SL-Sitzungen entsteht und aus Sachzwängen, die anders wahrgenommen werden (müssen) und dazu führen, dass man andere Meinungen herausbildet als früher.

    Das sollte man schon auf dem Schirm haben, wenn man diese Schwelle von A14 zu A15 überschreitet.

    Das Überschreiten dieser Schwelle erfolgte bei mir quasi gleitend - die ersten 15 Monate hatte das außer einer höheren Besoldung keine Auswirkungen, weil meine Rolle und meine Funktion innerhalb der Behörde identisch geblieben war.

    Aber in der Sache, was das Herrschaftswissen betrifft, hast Du sicherlich Recht. Das war mir klar, als ich noch in der Behörde gearbeitet habe. Dass das in der Schule nun die entsprechenden Auswirkungen hat, habe ich nicht erwartet. Nun weiß ich es und werde einen Weg finden, damit umzugehen.

    Ich finde, da solltest du dich auch selbst fragen, welchen Teil du daran hast, dass sich jemand nicht traut, seine Beschwerde direkt an dich heranzutragen.

    Dafür erkenne ich in der konkreten Situation keinen Anlass. Die mir unbekannte Person kennt mich effektiv noch gar nicht und ich bezweifle, dass ich nach drei Monaten, die ich an der Schule bin, einen solchen Eindruck hinterlassen habe.

    Ich finde es interessant, wie man offenbar gesehen wird. Da ich als Rückkehrer aus der Behörde vorgestellt wurde, wissen das natürlich alle KollegInnen. Vielleicht muss ich mich auch einfach damit abfinden, dass es so ist wie von Zak beschrieben. Dann werde ich Wege finden, damit umzugehen.

    Für mich ist diese Art der Kommunikation seitens der Lehrkraft, die mir das über den LehrerInnenrat hat mitteilen lassen, nur so völlig fremd.

    Mit der Rückkehr in den aktiven Schuldienst bin ich nun als Koordinator für das Schwerpunktprofil meiner Schule zuständig. Soweit so gut. Wieder einmal bin ich in der Situation, dass ich dachte, ich würde nun die Spielregeln kennen, habe mich aber offenbar ebenso wieder einmal getäuscht. (Nun gut, ich lerne schnell dazu.)

    In meiner neuen Funktion bin ich nun formal auch Mitglied der erweiterten Schulleitung. Das habe ich eher als einen Nebenaspekt erachtet, habe mir darauf auch entsprechend nichts eingebildet und habe mich darauf konzentriert, gute Arbeit abzuliefern. Aufgrund des Umstands, dass ich faktisch ein volles Deputat unterrichte, unterscheidet mich nichts von einer "gemeinen" Lehrkraft.

    Neulich bin ich zum ersten Mal mehr oder weniger direkt damit konfrontiert worden, dass ein ESL-Mitglied offenbar auf der anderen Seite der Theke steht. Ich gehe hier nicht auf die Einzelheiten ein, aber es trug sich zu, dass ich von einem Mitglied des LehrerInnenrats angesprochen wurde, weil sich ein/e KollegIn über etwas im Rahmen eines Projekts, das ich geleitet bzw. abgeschlossen habe, beim LehrerInnenrat beschwert hat. Leider wollte der/die BeschwerdeführerIn offenbar anonym bleiben und ist nicht direkt an mich herangetreten.

    Ich finde so ein Verhalten einer erwachsenen Person ehrlich gesagt ziemlich daneben, nicht zuletzt weil das genau das Verhalten ist, was wir uns bei unseren SchülerInnen nicht wünschen. Konflikte klärt man meines Erachtens direkt zwischen den betroffenen Personen - gerade unter Erwachsenen.

    Die andere Seite der Medaille ist, dass die Schulleitung die Mitglieder der erweiterten Schulleitung in regelmäßigen Sitzungen im Vorfeld über Dinge informiert und sich von uns auch ausführlich beraten lässt. Der Teamgedanke wird von meiner Schulleitung in der Tat groß geschrieben. Dadurch, dass auf Konferenzen die Sitzordnung dergestalt ist, dass alle Mitglieder der (erweiterten) Schulleitung vorne gemeinsam nebeneinander aufgereiht sitzen (das ist bei acht Personen schon eine gewisse Breite...) und das Kollegium im Pulk quasi wie im Zuschauerraum, entsteht eine gewisse "Frontstellung", die ich von Anfang an als unangenehm empfunden habe.

    Ich hätte nicht gedacht, dass meine "Zwitterrolle" offenbar ein gewisses Maß an Argwohn seitens des Kollegiums auf sich ziehen könnte - vielleicht ist das bei jemandem, der als Versorgungsfall aus der Behörde an die Schule gekommen ist sogar noch besonders ausgeprägt.

    Wie sieht das bei Euch Koordinatorinnen und -koordinatoren aus? Wie wird Eure Rolle wahrgenommen, wie reagiert das Kollegium auf Euch? Wie nehmt Ihr Euch selbst wahr?

    Wenn die SuS' trotz schlechter Noten ihre LKs zur Q-Phase oder zum 3. Semester wählen müssen und der Ansicht sind, dass es irgendwie schon laufen wird - möglicherweise per göttlicher Intervention, nur eben nicht durch eigenes Zutun - dann kommt genau DAS dabei herum.

    Ich habe selbst jahrelang SuS' durch die GOSt hindurch beraten - und es war immer dasselbe Schema. "Ja, ich tu dann mal was." "Ja, morgen fange ich an." "Ja, mal schauen." Und letztlich scheitern sie spätestens bei der Zulassung oder eben in der Abiturprüfung.


    Profunde Beratung in Verbindung mit akuter inkurabler Beratungsresistenz auf der Gegenseite kann dann leider nichts mehr erreichen.

    Mit dem ist jetzt übrigens ein Disput ausgebrochen, den ich in 9 Jahren zum ersten mal erlebe. Er hat mir eine schriftliche Beschwerde zu einer Prüfung abgegeben die an Absurdität nicht zu übertreffen ist. Ich wisse ja schliesslich, dass er weiss, weil er ja mal so eine schlaue Antwort im Unterricht gegeben hat und deswegen könne ich in der schriftlichen (!) Prüfung da jetzt keine Punkte abziehen für was, was er einfach nicht geschrieben hat ... Der denkt wirklich, ich hätte keine anderen Hobbys. :autsch:

    Echt jetzt?

    Mit der obersten (sic!) Behörde? Dann wäre das in der Tat eskaliert und die obere Behörde hätte eine Stellungnahme erstellen müssen. Das wäre eigentlich bei einer solchen Angelegenheit äußerst ...

    ... ungewöhnlich.

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