Nun ja, was man bei Mummert & Partner sehen konnte, unabhängig von der wissenschaftlichen Relevanz oder der methodischen Korrektheit der Studie, war, dass unliebsame Ergebnisse mit ebenso unliebsamen Reaktionen seitens des Auftraggebers, hier das Land NRW, beantwortet wurden.
Ich vermute, dass eine "aufrichtige" Arbeitszeitstudie im Wesentlichen folgende Dinge bestätigen wird:
a) Es gibt Lehrer, die aufgrund ihres Gesamtpakets an Aufgaben viel zu viel arbeiten müssen. Diese Lehrer müssten entsprechend entlastet werden.
b) Es gibt Lehrer, die zu wenig arbeiten. Da wäre es dann wichtig, die Ursachen zu ergründen.
c) Es gibt erhebliche Unterschiede zwischen den Fächern.
d) Es gibt objektive Kriterien für Belastung - hier die Arbeitszeit - aber eben auch solche, die nicht in der Arbeitszeit zu finden sind.
e) Korrekturfachlehrer haben eine im Vergleich zu Nebenfachlehrern unabhängig vom individuellen Fall statistisch eine objektiv höhere Arbeitszeit.
Das Ergebnis einer solchen Studie kann keinem Dienstherren gefallen, da dies in der Regel bedeuten würde, mehr Personal ins System zu stecken und die Pflichtstunden für zu viele Lehrkräfte abzusenken - sprich mehr Geld für Bildung auszugeben. Wie man damit umgeht, hat die Reaktion NRWs auf Mummert & Partner eindrucksvoll gezeigt.
Beiträge von Bolzbold
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Ich sage es immer wieder: Mummert und Partner. Die kamen zum Teil auf 3.500 Stunden. Da diese Studie aber dem Land als Auftraggeber nicht genehm war, verschwand sie sang- und klanglos in der Schublade. Einige Tätigkeiten (Konferenzen etc.) wurden zum Normaufwand deklariert, verschwanden so aus der Arbeitszeitberechnung - und schon stimmte die Rechnung wieder aus Sicht des Landes.
Das ist für Teilzeitkräfte - insbesondere für unterhälftige - fatal und somit ein richtig fieses Minusgeschäft.
http://www.rboelling.de/download/l-arbzeit.pdf -
Mein Lebenslauf war nicht geradlinig, weil es sich nun einmal so ergeben hat und ich das Leben nicht als Wettrennen begreife. Auch meine Kinder müssen nicht übergefördert werden, um im von vielen so empfundenen Wettrennen um gesellschaftliche Positionen einen Vorteil zu erlangen.
Ich bin Durchschnitt - weder Over- noch Unterachiever, habe mein privates Glück gefunden und bin auch beruflich gegenwärtig ein zufriedener Mensch. Und wenn Letzteres eines Tages nicht mehr der Fall sein sollte, muss ich halt etwas ändern. -
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Ich denke, da sind sich die meisten einig.
Der Weg ist egal, solange das Ergebnis für einen selbst (und im Falle des Lehrerberufs für seine SchülerInnen) in Ordnung ist. -
Ah ich habe nirgendwo gelesen, dass man eine bestimmte Dauer im Schuldienst sein muss, um am Austausch teilzunehmen. Gut zu wissen, dass auch nur die Zeit in der man offiziell vom Land angestellt ist zählt und Jahr(e), die man sonst schon unterrichtet hat, egal sind. Gut, dass man erst dann Erfahrungen sammelt und davor einfach ohne Sinne durchs Klassenzimmer getorkelt ist

#105
q.e.d.
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@Neutrino
Ich glaube, Du verwechselst Inkompetenz mit Unerfahrenheit. Das mag in einigen Fällen korrelieren, jedoch ist das natürlich kein Automatismus.
Wie Chili schon schrieb - ein wenig Demut oder Bescheidenheit wären hier vielleicht angebracht. Hier schreiben auch User mit 15 oder 20 Jahren Berufserfahrung. Ich persönlich würde mir auch nicht von einem Junglehrer oder Referendar die Welt erklären lassen wollen. Andererseits erkläre ich ihnen die Welt auch nicht unaufgefordert. Jeder soll bzw. muss seine Erfahrungen machen. -
Also ich habe nicht den direkten Weg genommen, weil ich ganz bewusst erst einmal sehen wollte, ob die dauerhafte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen etwas für mich ist. Durch zwei Jahre Arbeit als studentischer Erzieher in einem angesehenen Internat habe ich sehr viel darüber gelernt und glücklicherweise einige zentrale Erfahrungen gemacht, die zu dem Zeitpunkt zwar frustrierend waren, mir dadurch aber selbige Erfahrung im Referendariat und in der Zeit als Junglehrer erspart haben.
@Neutrino
Was die Karriere im Schuldienst angeht, so kannst Du ja mal die Erfahrungen, die andere User (mich eingeschlossen) diesbezüglich gemacht haben, hier im Forum nachlesen. Ausgehend von einem durchschnittlichen Gymnasium treffen wir dort ca. 70 LehrerInnen an sowie drei A15er-KoordinatorInnen, eine Stellvertretung und eine Schulleitung an. Durchschnittlich fünf von 75 Lehrkräften können somit "Karriere" machen. Die anderen nicht, weil es dafür nicht nur rein rechnerisch keine Stellen gibt. Ausgehend von diesen Perspektiven bedeutet das für viele KollegInnen, dass spätestens bei A14 Schluss ist. Die Möglichkeiten, zur Bezirksregierung oder ins MSB zu wechseln, sind ebenso überschaubar.
Nur am Rande:
Ich finde Menschen, die auf der Basis dessen, was sie schreiben, so vor vordergründigem Selbstbewusstsein strotzen, auf Dauer etwas anstrengend. Wie ich anderenorts schrieb: Wahres Selbstbewusstsein oder gar Überlegenheit gegenüber anderen zeigt sich in der Regel darin, dass man dies eben nicht tagtäglich zur Schau stellen muss. -
Irgendwie kommt mir das Ganze nicht ganz koscher vor... ist aber nur so ein Gefühl.
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Was den Tellerrand angeht, so muss man m.E. vorher ansetzen. Was bewegt einen jungen Menschen dazu, Schule-Uni-Schule zu machen und dazwischen keine andere Station einzubauen? Da sind wieder wir selbst als Lehrkräfte gefragt.
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Ich denke, hier gibt es vermutlich nur ein "definitiv falsch", aber abseits davon jede Menge Bereiche, in denen man über dieses oder jenes Vorgehen diskutieren kann. Fakt ist, dass jedwedes Handeln von uns als Lehrkräften sowohl positive wie negative Auswirkungen oder Einflüsse auf unsere Schülerschaft haben KANN - aber eben nicht muss. Vor dem Hintergrund kann eine Diskussion über ein Selbstmordvideo für einige Lerngruppen sinnvoll sein, für andere wiederum nicht.
Es gibt auch die Möglichkeit, dieses Thema anzusprechen, ohne seine Schüler zu zwingen, sich damit auseinanderzusetzen - ebenso wenig, wie ich als Geschichtslehrer meine Oberstufler zwinge, sich eine Dokumentation mit gespielten Elementen anzusehen, in denen eine Vergasung live gezeigt wird. -
Man muss hier zwischen Selbstbewusstsein und Unverschämtheit unterscheiden. Ein selbstbewusster Mensch hat es nicht immer nötig, andere Menschen zu korrigieren. Für mich ist das eher ein Zeichen von Schwäche.
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Es wird sich nicht vermeiden lassen, dass die Generation "My life is an Instagram story" irgendwann auch im Referendariat bzw. im Schuldienst aufschlägt. Die Leute, die 20 Jahre jünger sind als ich, wirken auch auf mich zum Teil noch wie halbe Kinder. Das liegt zum Teil an ihrem Verhalten, zum Teil daran, dass ich einfach zunehmen ein älterer Sack werde.
Meine ReferendarskollegInnen waren größtenteils gestandene Menschen, darunter war niemand, den ich als Mädchen oder Jüngelchen bezeichnet hätte.
Heute wäre auch ich geneigt, die jungen dynamischen KollegInnen mitunter als genau das zu bezeichnen. Womöglich haben aber auch die KollegInnen, die entweder jetzt oder seit zehn Jahren pensioniert sind, auch so über mich gedacht. Ist eben eine Generationensache. Mir persönlich fällt es mitunter schwer, KollegInnen, die fast meine Kinder sein könnten, wirklich ernst zu nehmen. Ich kann das aber reflektieren, so dass ich selbstverständlich der 27jährigen Klassenlehrerin meines Sohnes, die locker eine meiner Abiturientinnen hätte sein können (meine ältesten ehemaligen Schüler sind 32), den ihr gebührenden Respekt entgegenbringe. -
Hach, iIch liebe dieses Wechselspiel von weltfremd und illegal. Immerhin kann man sich ganz gleich, wie man sich als Eltern entscheidet, aussuchen, von wem man sich dann eins verbal in die Fresse hauen lässt... Sollte irgendwann ein Elternteil sich bei mir als stellvertretendem Klassenpflegschaftsvorsitzenden über Probleme mit WhatsApp beschweren, wird es da herzlich wenig Verständnis von meiner Seite aus geben...
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Für NRW, wo ich wohne und zur Schule gegangen bin:
Bis 2006 hat der Drittelerlass gegolten. Somit fallen viele schulischen Entscheidungen bis 2006 da rein. Nun liegt die Verantwortung für die Notengebung beim Lehrer selbst. Damit ist bei uns oft argumentiert worden.
Klar der Drittelerlass ist nicht mehr rechtskräftig, doch lassen sich idR viele Eltern damit noch abspeisen. Wie moralisch das ist, frag gerne an meiner ehemaligen Schule nach. Ich finde es selbst nicht gut, aber das war immer die Argumentation dieser Lehrer und auch der Schulleitung.
Aber nur, weil die Eltern uninformiert sind. Es ist nicht nur moralisch fragwürdig - es ist schlichtweg unzulässig. Seitdem ich in der Schulbehörde arbeite und ja immer nur die Spitze des Eisbergs an Beschwerden mitbekomme, entwickle ich eine zunehmend stärker werdende Aversion gegen KollegInnen, die der Meinung sind, sie bräuchten sich nicht an geltende Verordnungen zu halten. Was glauben die eigentlich, wer die sind?!
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Der Schulleiter entscheidet über die Aufnahme - laut § 46 SchulG in NRW. Wenn also eine Schule einen Schüler loswerden will, geht das nur über ein Vier-Augen-Gespräch zwischen den beiden Schulleitungen. Und in der Regel läuft das in der Tat so: "Nimm Du einen von mir, dafür nehme ich einen von Dir."
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Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Eltern keine Lust haben, die Handys oder den Medienkonsum ihrer Kinder zu überwachen und in den "Infight" zu gehen. Von den Eltern der Klasse meines Älteste hieß es dann großspurig: "Ich vertraue meiner Tochter", "Mein Kind kann immer zu mir kommen, wenn etwas ist."
Als es Probleme im WhatsApp-Klassenchat gab, schauten auf dem Elternabend dann doch einige Eltern betreten, als ich dann sagte, dass SIE es waren, die um jeden Preis 10jährigen einen WhatsApp-Zugang - natürlich in der Regel unkontrolliert - einzurichten und über die möglichen Probleme gelächelt haben... -
Ich würde das als "Kraftmeierei" ansehen.
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Ich kann nur hoffen, dass das nicht der Fall war. Ein solches Video im Unterricht zu zeigen - gerade bei so jungen Schülern - halte ich für hochgradig verantwortungslos. Pädagogisch fiele mir da gerade keine sinnvolle Begründung ein, dies dennoch zu tun.
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