Meine Güte, vielleicht geht es auch einfach mal etwas weniger fatalistisch.
Uns geht es nicht so schlecht und es ist auch nicht so, dass Deutschland und der Rest der Welt unwiederbringlich auf den Abgrund zusteuern. Leider ist es auch in der gesellschaftlichen Mitte Mode geworden, sofort den Weltuntergang herbei zu reden, sobald sich Dinge in eine Richtung entwickeln, die nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen.
Das ist nicht zwingend fatalistisch sondern eine durchaus begründete Sichtweise. Ich will ferner gar nicht in Abrede stellen, dass es uns aktuell in der Tat noch recht gut geht. Da widerspreche ich dann auch Menschen in meinem Umfeld, die Deutschlands wirtschaftlichen Niedergang herbeireden. Was hier aber weltpolitisch gerade passiert, ist so unvorhersehbar, gleichzeitig aber hinsichtlich des Einhaltens bestimmter globaler Grundregeln eine Zäsur.
Für mich stellen die Entwicklungen in den USA neben dem Angriffskrieg Russlands eine weitere Zäsur dar. Der Umstand, dass die "Sanktionen", die die EU gegenüber Russland verhängt hat, wahlweise umgangen werden, wahlweise nicht nachhaltig wirken und dass demnächst wohl einige zentrale Entscheidungen anstehen, die das Schicksal der Ukraine in die eine oder die andere Richtung lenken werden, stimmt mich nicht positiv.
"Damals" im Kalten Krieg gab es irgendwo ungeschriebene Regeln, an die man sich gehalten hat. Ich habe mit zehn Jahren ein Bewusstsein dafür gehabt, dass die Welt jederzeit durch einen Atomkrieg untergehen kann, aber das hat mich weder als Kind noch als junger Erwachsener nachhaltig beschäftigt. Der Untergang der UdSSR hat mein Sicherheitsgefühl in der Tat verstärkt.
Dieses Sicherheitsgefühl ist mittlerweile trotz oder wegen meiner historisch-politischen Bildung deutlich geschrumpft. Keine der drei Mächte ist heute noch berechenbar, weder die USA, noch Russland oder China. Was sie eint, ist die Unberechenbarkeit. Wer mächtig genug ist, braucht sich nicht an Regeln zu halten - das ist das Credo, was alle drei Mächte verbreiten.
Gleichschaltung in den USA, Angriffskrieg von Russland und Säbelrasseln in China.
Alles Aspekte, die ich sicherlich oft genug ausblenden kann und mich in meine Bubble zurückziehen kann und fühlen kann, wie gut es mir doch geht. Aber ich bin ein schlechter nachhaltiger Verdränger.