Beiträge von Bolzbold

    Titel und Eingangspost widersprechen sich inhaltlich, deshalb erst einmal zur Klärung: Du hast ein 1. Staatsexamen für gymnasiales Lehramt erfolgreich bestanden UND das dazugehörige Referendariat für gymnasiales Lehramt oder hast du das 2. Staatsexamen lediglich für die Sekundarstufe 1 erfolgreich abgeschlossen, weshalb du auch nur für die SEK.I eine Lehrbefähigung erlangt hast?

    Jetzt, wo Du es explizit erwähnst, ist es mir auch aufgefallen, wobei ich das semantisch für mich so "korrigiert" hatte. Die Problematik riecht danach, dass der TE nur eine LA-Befähigung für die Sek I hat, nicht für die Sek II. Ansonsten ginge es hier ja nur um einen Schulformwechsel innerhalb desselben Lehramts - und das wäre dann eine ganz andere Thematik - Stichwort Versetzung.

    Als jemand, der völlig ungläubig und kirchenunaffin sehr gerne an einer katholischen Schule gearbeitet hat und auch an seiner katholischen Refschule im Rückblick nichts auzusetzen hat: in diesem Fall kann ich Oppportunismus absolut verstehen. Beide Schulen hatten ein herausragendes Sozialklima, das Arbeiten gestaltete sich sehr angenehm, die Ausstattung war gut, und die Schulen haben mehr Möglichkeiten, sich fragwürdige schulpolitische Entwicklungen wie Inklusion in absurden Ausprägungen vom Hals zu halten. Dafür kann ich mich auch alle paar Wochen oder Monate mal mit in die Kirche stellen und mir meinen Teil dazu im Stillen und privat denken. Als "Fremdkörper" fühlt man sich auch an staatlichen Schulen nicht mehr oder weniger oft angesichts dessen, was man gezwungen ist, dort mitzutragen.

    Magst Du Letztgenanntes weiter ausführen? Wir sind ganz gleich an welcher Schule "gezwungen", bestimmte Dinge mitzutragen. Und es steht uns jederzeit offen, entsprechende Konsequenzen zu ziehen.

    Man kann nicht den Träger (hier die Institution Kirche im Allgemeinen) ablehnen - auch wenn es dafür sicherlich gute Gründe gibt - und gleichzeitig erwarten, dass man für eben jenen Träger dann arbeiten darf. Wenn der Grund für den Wunsch, für den Träger zu arbeiten, das Profil der Schule ist, dann scheint der Träger in diesem Bereich ja auch etwas zumindest ein bisschen richtig zu machen.
    Das Ansinnen hat unterschwellig etwas von Rosinenpickerei.

    Also wenn Überschüsse von Klassenfahrten einbehalten werden und Mittel zweckentfremdet werden, hört bei mir der Spaß auf. Und sie hatten sogar einen Amazon Prime Account über die Schule laufen, von dem -natürlich versehentlich - mehrfach privat bestellt wurde - so zu lesen bei dem einen oder anderen Portal.

    Ich kann weniger Korrekturen sehr gut verkraften. Zweifel bleiben, denn ich habe auch noch nichts vom Ministerium geschenkt bekommen.

    Die Gegenleistung ist die Ermittlung der (Ganzjahres)Vornote, die Korrektur der ZP10 und die Durchführung der mündlichen Prüfungen. Also ich würde da lieber eine reguläre Klassenarbeit korrigieren als parallel zum Abiturverfahren noch im ZP10 Verfahren drinzustecken.
    UND ES TRIFFT IMMER D/M/E ! ! !

    Hmmm, ich bin da mit Blick in die BASS ein wenig zwiegespalten.

    BASS 2023/2024 - 21-22 Nr. 21 Mehrarbeit und nebenamtlicher Unterricht im Schuldienst (schul-welt.de)

    Ist das Unterrichtstätigkeit im Sinne von 2.2 des Erlasses, oder ist liegt keine Mehrarbeit nach 2.2.2 vor?

    Die Klassenleiterstunde ist ja keine Unterrichtstätigkeit im eigentlichen Sinne und könnte theoretisch auch unter 2.2.3 fallen (sonstige Schulveranstaltung / Verwaltungsarbeit).

    Ich habe morgen früh sogar zwei (!) Ordinariatsstunden in meiner neuen achten Klasse, obwohl ich regulär die ersten beiden Stunden frei hätte. Ist isoliert betrachtet doof, aber ich nehme es als pädagogische Investition in die Klasse. Ich wäre da jetzt nicht auf die Idee gekommen, das als Mehrarbeit anzusehen oder dies mit meinem stv. Schulleiter zu diskutieren - und ich bin schulrechtlich beileibe nicht unbedarft.

    Eine wahnsinnige Entlastung von… vielleicht 20 Stunden pro Klasse? Bei einer Jahresarbeitszeit von 1800 Stunden (eher mehr) ein ganz großer Wurf. Rein inhaltlich würde ich sagen: hätte man schon immer so machen können.

    Allerdings will ich jetzt nicht wissen, wie lange es dauert die hausinternen Lehrpläne wieder umzutippen….

    Für KollegInnen mit zwei sprachlichen Fächern, die vorzugsweise in der Mittelstufe eingesetzt werden sind das dann schnell auch mal deutlich mehr als 20 Stunden. Von der organisatorischen Entlastung einmal ganz abgesehen.

    Gelandet und gar keinen Bock auf Arbeit morgen?

    Hurraaa!
    Mach was Dir Spaß macht und werde Lehrer*in.

    Selbst wenn man sich von den Klischees lösen möchte, bleibt die Kernbotschaft, dass Lehrkräfte wegen der Ferien nicht am nächsten Tag wieder arbeiten gehen müssen. Die drei Monate Ferien, oder gerne auch im Volksmund "bezahlter Urlaub" genannt, in Verbindung mit etwas, das Spaß macht, schürt Vorurteile. Wie man das allen Ernstes als erfolgreiche Kampagne verkaufen kann, ist ein Beleg dafür, wie sehr sich (Bildungs)Politik von der Sachebene entfernt hat.
    Natürlich muss man sich da als Kultusministerium loben - einen solchen Fauxpas einzuräumen käme hinsichtlich der Fachkompetenz einem Offenbarungseid gleich.

    Also hier bin ich definitiv nicht bei Dir, was Möglichkeit 2 angeht. Wenn man sich das Plakat anschaut und nur drei Sekunden darüber nachdenkt, wie es vermutlich 90% der Nicht-LehrerInnen im Vorbeigehen tun, dann bleibt eigentlich nur Möglichkeit a) übrig. Diese wird auch durch die jahrzehntelang tradierten Vorurteile stärker getriggert.
    Ich tue mich auch sehr schwer damit, Möglichkeit b) herauszulesen, weil sich dies nicht aus der optischen und verbalen Logik des Plakats unmittelbar ergibt.

    Vor diesem Hintergrund ist dieses Plakat ein Desaster, weil es mit den Klischees spielt, für die sich zu viele von uns immer noch rechtfertigen (müssen/wollen).

    Wie auch die NRW Kampagne ("Gönn Dir" etc.) wirkt dieses Plakat auf mich wie eine Art Anbiederung bei den potenziellen künftigen Lehramtsstudierenden, was bei mir ein "cringe"-Gefühl auslöst.

    Aus der Perspektive gerade der männlichen Schüler gilt Homosexualität als unmännlich. Es gibt für männliche Schüler nichts "Schlimmeres" als als schwul rüberzukommen. Mitten in ihrer sexuellen Identitätsfindung kommen dann noch Ängste und Vorurteile hinzu wie beispielsweise, dass ein homosexueller Schüler nichts Besseres zu tun hätte, als jedem anderen männlichen Schüler hinterherzulaufen und ihn anzugraben. So meine Erfahrungen mit SchülerInnen schon vor über 15 Jahren.

    RosaLaunes Position kann ich grundsätzlich nachvollziehen, denke aber, dass hier zu viel Fokus auf das, was die anderen denken könnten, gelegt wird. Gleichsam mag ich mir hier aber auch kein Urteil anmaßen, weil ich die Situation, in der sich homosexuelle Menschen befinden, nicht direkt nachempfinden kann - und ein Vergleich zu Menschen mit Migrationshintergrund aufgrund meiner Biographie taugt hier ja auch nicht.

    Es wäre sicherlich für alle Menschen gleich welcher sexuellen Orientierung einfacher, wenn wir alle nicht nur wüssten, dass es eben unterschiedliche Orientierungen gibt, sondern sie auch als gleichwertig wahrnähmen und es irgendwann "no big deal" wäre, welches Geschlecht jemand selbst besitzt und welches Geschlecht jemand liebt.

    ... und damit sind wir beim nächsten Aspekt der viel beschworenen "Lehrerpersönlichkeit": Während im Job das Thema INKLUSION tagtäglich gelebt werden soll (freilich ohne dass das pädagogisch-didaktisch wirklich ausreichend gelingt, aber das ist ein anderes Thema, auf das ich noch zu sprechen komme), ist man privat durchaus für Ausgrenzung zu haben!

    Ein Troll ist da schnell entdeckt. Oder ein Nazi. Oder halt irgendjemand, den man mit gutem Gewissen konsequent ausgrenzen kann! TROLL meint ja in diesem Sinne vor allem: du gehörst nicht dazu...du bleibst draußen!

    Überhaupt: Lehrer sind für viele Themen zu haben (das perfekte Arbeitsblatt, Tipp für günstige Matten zum Bodenturnen, die neueste App für LRS-Kinder...), aber sie wollen die grundsätzliche Knackpunkte des Systems, in dem sie voraussichtlich auch die nächsten Jahrzehnte gut versorgt sein werden, eher nicht hinterfragen.

    "Teachers against Trolls"

    In Ergänzung zu CDL:

    Es handelt sich offenbar nicht um den "gemeinen Troll" sondern um die weiterentwickelte Spezies, die sich im Gegensatz zum "gemeinen Troll" weitgehend vernünftig artikulieren kann.

    Die von Dir vorgebrachte Argumentation ist so alt wie dieses Forum hier und dient wie so oft nur dazu, die charakterliche Integrität Deines Gegenübers zu unterminieren. Was Du definitiv wahlweise verkennst, ignorierst oder ausblendest - und das könntest Du theoretisch erkennen, wenn Du hier wirklich einmal querliest, ist, dass hier sehr viele sehr kritische Personen schreiben, die mitnichten zu allem Ja und Amen sagen und dieses System sowas von nachhaltig hinterfragen.

    Auch ein "sophisticated troll" bedient sich der ausgetretenen Pfade der Klischees und Vorurteile und dreht jedes noch so angeführte Gegenargument so, dass es ihm als Bestätigung eben dieser Vorurteile gilt.

    Somit also nicht nur "teachers against trolls" sondern eigentlich "every decent user of any forum against trolls"

    Liebe Doris,

    ich habe gerade den Fragebogen ausgefüllt und bin doch etwas überrascht ob der Oberflächlichkeit dieser Umfrage.

    Welche Erkenntnisse erhoffen Sie sich von dieser Umfrage?

    Wenn Sie sich valide und reliable Ergebnisse zur Motivation von Lehrkräften erhoffen, wäre es dann nicht sinnvoll, auch Fragen zu den Ursachen von vorhandener oder nicht vorhandener Motivation zu stellen? Die vorgegebenen Items erfassen die Motivation in meinen Augen völlig unzureichend.

    Wie hoch schätzen Sie die Validität und Reliabilität der Antworten ein angesichts der Kategorisierung der Antwortmöglichkeiten in "nie", "einmal die Woche" etc.? Ich habe noch nie ernsthaft darüber nachgedacht, wie oft ich so oder so fühle oder so oder so drauf bin.

    Ich erinnere mich daran, wie ich als Anfang 20jähriger thematisch ähnliche Diskussionen geführt habe, die aber rückblickend betrachtet im Wesentlichen davon zeugten, dass ich vom Schulsystem und der Arbeit im System Schule (noch) weder Einblick, noch Überblick, sprich faktisch keine Ahnung hatte. Hätte ich damals eine Bachelorarbeit schreiben müssen (damals gab es das Bologna-System ja noch nicht), so hätte ich vermutlich ähnliche Items gewählt in der Hoffnung, Motivation und Denkweisen damit erfassen zu können.

    Mit den heutigen Möglichkeiten des Wissenserwerbs, der Wissensrecherche müsste man doch eigentlich über dieses Stadium hinauskommen.

    Ich habe einmal ein bisschen "gespielt". ChatGPT liefert da in meinen Augen schon ganz passable Ergebnisse.

    Natürlich! Hier ist eine Umfrage mit 20 Fragen zum Thema Lehrkräftemotivation und Denkweisen:

    1. Wie motiviert fühlen Sie sich als Lehrkraft in Ihrem Beruf?
    2. Welche Faktoren beeinflussen Ihre Motivation als Lehrkraft am meisten?
    3. Wie wichtig ist Ihnen die Anerkennung von Schülerinnen und Schülern?
    4. Inwiefern spielt die Unterstützung des Schulleitungsteams eine Rolle für Ihre Motivation?
    5. Welche Rolle spielen extrinsische Belohnungen (z. B. Gehaltserhöhungen) für Ihre Motivation als Lehrkraft?
    6. Wie wichtig ist Ihnen das Gefühl, einen positiven Beitrag zur Bildung und Entwicklung der Schülerinnen und Schüler zu leisten?
    7. Welche Möglichkeiten zur Weiterbildung und persönlichen Entwicklung werden Ihnen in Ihrer aktuellen Position geboten?
    8. Wie wichtig ist Ihnen eine positive Beziehung zu den Eltern der Schülerinnen und Schüler?
    9. Inwiefern wirken sich administrative Belastungen (z. B. Bürokratie) auf Ihre Motivation aus?
    10. Wie zufrieden sind Sie mit den vorhandenen Ressourcen (z. B. Unterrichtsmaterialien, Technologie) an Ihrer Schule?
    11. Wie wichtig ist Ihnen das Gefühl der Zusammenarbeit mit Ihren Kolleginnen und Kollegen?
    12. Welche Rolle spielt die Work-Life-Balance für Ihre Motivation als Lehrkraft?
    13. Inwiefern beeinflusst die öffentliche Wahrnehmung des Lehrerberufs Ihre Motivation?
    14. Wie wichtig ist Ihnen die Möglichkeit, kreativ im Unterricht tätig zu sein?
    15. Inwiefern haben Sie das Gefühl, dass Ihre Arbeit als Lehrkraft wertgeschätzt wird?
    16. Wie wichtig ist Ihnen eine positive Lernumgebung in Ihrer Schule?
    17. Inwiefern spielt die Autonomie bei der Unterrichtsgestaltung für Ihre Motivation eine Rolle?
    18. Wie wichtig ist Ihnen die Unterstützung von Seiten der Bildungsbehörden?
    19. Inwiefern wirkt sich das Verhalten und die Einstellung der Schülerinnen und Schüler auf Ihre Motivation aus?
    20. Wie wichtig ist Ihnen eine gute Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern?

    Das "dann erhöhen wir halt Erbschafts- und Vermögenssteuer und besteuern die Reichen", das hier bei einigen durchscheint, ist mir schlicht zu platt und für mich die links-progressive Variante einer Stammtischparole.

    Man sollte nicht vergessen, dass für den Aufbau dieses Vermögens in der Regel ja auch versteuertes Einkommen aufgewendet wurde. Käme man nun mit einem saftigen Steuersatz daher, müssten viele Erben ihre Immobilien veräußern, denn anders könnten sie die Erbschaftssteuer in der Regel nicht aufbringen.
    Was man auch bedenken sollte, eine Erbschaftssteuer jenseits von Gut und Böse (die Definition davon lasse ich bewusst offen) kommt mittelbar einer anteiligen Enteignung gleich. Je nach Größe des Immobilienbesitzes geht dann über zwei Generationen ein Großteil dieses Vermögens einfach an den Staat.

    Die Gerechtigkeitsdebatte wird sich immer im Kern darum drehen, dass alles, was einem nutzt und anderen, (die man als Feindbild auserkoren hat,) "schadet" als "gerecht" empfunden wird. Erst kommt man selbst, dann die anderen. Es bedarf schon eines reflektierten und "aufgeklärten" Gerechtigkeitsempfindens im Sinne des Nutzens der Allgemeinheit, um das zu vermeiden.

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