Ist doch krass viel Arbeit für den Lehrer, oder? 3teilige Vorbereitung für jede Stunde, jedes Fach, jede Klasse...?
Bezieht sich wahrscheinlich auf die Gesamtschule ohne irgendwelche Differenzierungskurse in irgendeinem Fach?
Oder die Inklusion?
So wie hier:
Für viele unvorstellbar, mit Sonderpädagogen im Klassenleitungsteam und Doppelbesetzung durch den Klassenlehrer in anderen Fächern
Wenn man sowas hätte, wäre das toll. EducatedGuess schrieb hier von Erfahrungen an der Gesamtschule.
Meine Erfahrungen am Gymnasium: Streiche Sonderpädagogen komplett. Doppelbesetzung komplett. Je schwerwiegender die Behinderung eines SuS, desto wahrscheinlicher ist es, dass (fast) dauerhaft ein I-Helfer mit dabei ist.
Glücklicherweise klappte bei uns die Kommunikation zwischen I-Helfer und Elternhaus immer sehr gut. War der I-Helfer krank, kam das Kind nicht in die Schule. Ich musste also nie die Klasse allein / ohne Unterricht lassen, weil jemand beim Toilettengang (und in vielen vielen vielen anderen Situationen) Hilfe benötigt.
Grundsätzlich fand ich die Unterrichtsvorbereitung in I-Klassen spannend. Man entwickelt einen ganz anderen Blick auf die eigenen Unterrichtsinhalte. Wie kann man das "herunterbrechen"? Handlungsorientiert aufbereiten? (Davon profitieren auch die "regulären" SuS.) Wo findet sich ein gemeinsamer Nenner? Wie kann man auch SuS, die nicht lesen können, mit Arbeitsblättern sinnvoll "versorgen"? (wiederkehrende Symbole, wenig Text, ...) Wie schafft man möglichst viele Berührungspunkte zwischen den SuS?
[Allerdings sage ich meinen SuS auch regelmäßig, dass das der Grund ist, warum ich täglich in die Schule komme: Weil ich etwas Neues lernen möchte. Das kostet Zeit.]
Das alles bedeutet eine mehrteilige Vorbereitung. SuS im Bereich GB (oder wahrscheinlich auch Lernen) benötigen für die Bearbeitung aber länger. Bewährt hat sich mMn, dort "Projekte" oder Einheiten für mehrere Stunden zu entwerfen, die dann gemeinsam mit I-Helfern bearbeitet werden können.
Die Lehrwerke der Verlage sind übrigens meist sehr ähnlich über die Schulformen hinweg. Zudem gibt es meist eine differenzierende Version für Gesamtschulen. Dort werden die identischen Themen behandelt. Zum Beispiel für Englisch bedeutet dies, dass alle SuS eines 8. Jahrgangs (egal welche Schulform, egal welches Lehrwerk (zumindest in NDS)) sich mit dem Thema USA beschäftigen. Das Lehrwerk für die Hauptschule bietet deutlich weniger Wortschatz & Grammatik an als das Lehrwerk für das Gymnasium. Die "Story" des Lehrwerks bleibt identisch. Gibt es schulformübergreifende Materialien, dann orientieren sich diese am Curriculum/den Inhalten der Realschule. Bei der Inklusion eines SuS im Bereich Lernen sollte man also eigentlich die entsprechenden Hauptschul-Lehrbücher des eingeführten Verlags -fast- nutzen können.
Bliebe nur noch das "Problem" (wie oben erwähnt), dass SuS im Bereich Lernen vielleicht tatsächlich (mit Wiederholung & Aufhebung des Förderstatus) den regulären Hauptschulabschluss schaffen könnten. Nur nicht am Gymnasium (wohl aber an Hauptschule, Realschule, Oberschule, Gesamtschule).
PS:
Ich schreibe immer aus der Perspektive NDS. Das merkt man z.B. am Begriff "Oberschule". Das ist "hier" eine Kombination von Haupt- und Realschule (manchmal auch Gymnasium). In Berlin bezeichnet das ein Gymnasium...