Beiträge von fossi74

    Meine Wahlentscheidung ist z.B. im Mai gefallen, als Habeck und Scholz eine Koalition mit der Linken nicht kategorisch ausgeschlossen haben.

    Zwei Werbeaussagen scheinen mir tatsächlich unverwüstlich: "Kaffee billiger!" und "Wir oder Kommunismus!". Im Jahr 2021 ist das nur noch bizarr.

    Oh, das ist eine längere Geschichte... Kurzform: Die Stadt Würzburg wollte sich in den 50er Jahren als Schulstadt positionieren und gründete deshalb etliche Schulen in kommunaler Trägerschaft. Dass das ein überaus kostspieliges Unterfangen war, zeigte sich dann ab den 80er Jahren, als nicht nur die Gehälter, sondern auch immer mehr Pensionen zu stemmen waren. Deshalb gibt es seit dieser Zeit die Bestrebung, diese Schulen entweder zu verstaatlichen oder zu privatisieren. Die beiden städtischen Gymnasien wurden zunächst zusammengeschlossen und ein paar Jahre später in kichliche Hand gegeben, die FOS/BOS wurde verstaatlicht.

    Das hat allerdings nichts mit dem Sachaufwand zu tun, der liegt für die acht staatlichen Gymnasien natürlich immer noch bei der Stadt. Insgesamt hat Würzburg zehn Gymnasien, was bei knapp 130.000 Einwohnern eine ganz hübsche Zahl ist. Bildungsnotstand gibt es also nicht, wenn mal eines wegfällt!

    Glaube ich nicht. Ich denke die müssen dann woanders eingesetzt werden innerhalb der Kommune.

    Wie denn, wenn es keine andere entsprechende kommunale Schule mehr gibt? Das ist wie gesagt aber Theorie. Selbst in einem solchen Fall wird versucht, die Schule auslaufen zu lassen oder einen neuent Träger zu finden, um die Lehrkräfte nicht kündigen zu müssen. So geschehen z. B. in Würzburg, als auch das zweite städtische Gymnasium geschlossen wurde.

    Das hat aber schon ziemlich viel mit der schweiztypischen Kleinstaaterei zu tun und wäre in D mit seinen deutlich größeren Verwaltungseinheiten nicht möglich.

    Eine Ausnahme könnte ich mir vorstellen, nämlich die kommunalen Schulen, die es so wohl nur noch in Bayern gibt (mit der Kommune als Sachaufwandsträger und gleichzeitig Dienstherr der Lehrkräfte). Wenn da eine Schule geschlossen wird, müssen die Lehrkräfte natürlich irgendwie entsorgt werden. Konkrete Fälle dieser Art sind mir aber nicht bekannt.

    (-) Zu Zeiten des Lehrermangels wird man auch als angestellter Lehrer nicht gekündigt, selbst die absoluten Vollhonks nicht

    Danke für diesen differenzierten Beitrag! Zum Thema "Kündigung" muss man aber anmerken, dass selbst in Zeiten des Lehrerüberschusses keine angestellten Lehrkräfte "betriebsbedingt" gekündigt werden. Das ist schlicht nicht vorgesehen, auch wenn es theoretisch möglich ist. Belegbare Gegenbeispiele sind gern willkommen.

    Verhaltensbedingte Kündigung ist natürlich leichter möglich. Es bleibt aber ein schwieriges Unterfangen. Der gemeine Beamte stellt sich gern mit heimlichen Aufatmen vor, wie der Angestellte in der berüchtigten freien Wirtschaft morgens ins Büro kommt und dort die Kündigung vorfindet... Leute, vergesst es. Selbst dort sind verhaltensbedingte Kündigungen selten, weil eben angesichts sehr arbetnehmerfreundlicher Rechtsprechung schwierig.

    Da fängt sich der Beamte im Zweifelsfall viel leichter ein Disziplinarverfahren ein, gegen das er sich viel schwerer wehren kann als ein Angestellter gegen eine Abmahnung.

    Weg in den Schuldenstaat

    Ich frage mich ja, wohin diese Lieschen-Müller-hafte Angst vor der "Verschuldung" führen soll. Schon jetzt haben wir einen Investitionsstau von x00 Milliarden € - und das allein auf den Gebieten Straßenunterhaltung und Schulgebäude. Da reden wir noch nicht von digitaler Infrastruktur und anderen wichtigen Bereichen. Ob es da nicht sinnvoller wäre, wir nehmen die Kredite auf und halten das Land in Schuss, als unseren Kindern ein schuldenfreie, aber ruiniertes Land zu hinterlassen?

    Verzicht auf einen Teil meines Geldes in Form von Steuern bspw. Davon werden viele Dinge zugute schwächerer und/oder ärmerer Gruppen finanziert

    Ja, du hast natürlich recht - Steuern zu zahlen ist dann wirklich genug Solidarität. Soll doch jeder an sich denken, dann ist bekanntlich für alle gesorgt.

    Interessant zu bemerken an dieser Stelle: Der eigentliche Skandal sind nicht in erster Linie die Beamtenpensionen, sondern die Entwicklung der Gehälter und Renten. Es gibt einen Spiegel-Artikel aus 1961, der wortreich (und glaubhaft) schildert, wie bescheiden die Beamten damals versorgt waren:

    Der gerechte Anteil

    Ebenso interessant: Ein Artikel, der sich mit dem Problem "ausufernder" Renten befasst und dabei bereits den heute so umstrittenen Begriff "Grundsicherung" verwendet:

    Der Spiegel 29/1962

    Aus meiner Sicht wären zwei Schritte naheliegend und sinnvoll:

    1. Die Beamten und Selbstständigen schlicht in das Rentensystem einzubinden. Das würde sicher einigen Druck aus dem Kessel nehmen.

    2. Das völlig überholte Alimentationsprinzip zumindest etwas aufzuweichen und die unsäglichen Familien- und Kinderzuschläge abzuschaffen, die auch innerhalb der Beamtenschaft für berechtigten Unmut sorgen. Das ging ja auch beim Übergang von BAT zu TV-L völlig problemlos (und die Gewerkschaften haben kommentarlos zugeschaut).

    Das hier

    Fazit: Das System ist billiger für den Dienstherr und spart damit Steuern (zumindest jetzt - was in Zukunft ist?) und ist vielleicht deshalb auf den zweiten Blick vielleicht doch gar nicht soooo unsolidarisch.

    halte ich allerdings für eine ganz steile These. Denn auf wessen Kosten gehen denn die eingesparten Steuern? Richtig: Auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen und auf Kosten der zukünftigen Rentner, die nicht nur immer weniger Rente für immer höhere Beiträge bekommen, sondern im Alter mit ihren Steuern auch noch die Ruheständler durchfüttern dürfen.

    In BaWü gibts das nicht oder?

    Nein.

    - Erhebliche Unterschiede bestehen (noch) zwischen Beamtenpension und Altersrente des TVL-Beschäftigten

    Stimmt, wobei die verpflichtende Zusatzversorgung hier einen guten Teil auffängt, zumindest wenn man lange genug einzahlt. Zusammen mit dem Wegfall der für Beamte ebenfalls verpflichtenden PKV relativiert sich das noch einmal. Unterschiede gibt es aber nach wie vor.

    160km/h innerorts sind halt einfach nicht gut, auch nicht auf zwei Rädern.

    Na, da weiß ich ja jetzt, wofür ich fast 800 Euro Krankenkasse im Monat bezahle. Ein Hoch auf die Solidargemeinschaft! Immerhin: am Hirn hat der junge Mann sich wohl nichts getan. Ist wie mit elektronischem Schnickschnack am Auto: Was nicht drin ist, kann auch nicht kaputtgehen..

    Ich kenne übrigens ein Ehepaar mit zwei Mal A15, die nach 20 Jahren immer noch lamentierend in ihrer ehemaligen Studentenbude hocken, weil sie sich kein adäquates Haus leisten zu können meinen. Dabei bekommt man hier für 1 Mio. schon ganz nette Häuschen.

    (Das meine ich übrigens ganz unironisch. Ich kenne die beiden ganz gut und kann mir halbwegs ausrechnen, was sie auf der hohen Kante haben und was sie von den Eltern bekommen würden. Was dann noch zur Mio fehlt, wäre locker finanzierbar.)

    Ganz grob: Die Steuerlast ist natürlich gleich. Der Angestellte bezahlt Sozialabgaben (Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Krankenkasse), der Beamte nicht, weil er aus Steuermitteln versorgt wird. Deshalb hat der Beamte mehr Netto, obwohl sein Gehalt nominell niedriger ist als das des Angestellten. Dafür muss er sich selbst (= privat) krankenversichern. Der Staat übernimmt einen Teil der Krankheitskosten, deshalb ist die PKV für Beamte nicht so teuer wie für Selbstständige. Dennoch muss sie vom Nettoeinkommen abgezogen werden.

    Unterm Strich kann man sagen: Wenn du einigermaßen jung und gesund bist und sicher sein kannst, dass du in Hamburg oder SH bleiben willst, fährst du als Beamtin besser.

    Als Beamter schlecht dran bist du hauptsächlich in folgenden Fällen:

    - Zwang zur gesetzlichen Krankenversicherung, weil dich die PKV wegen Vorerkrankungen nicht oder nur sacketeuer versichert

    - wenn du das Bundesland oder auch nur die Schule wechseln willst

    - wenn du in mittleren Jahren zu einer Freiheitsstrafe von >= 1 Jahr verurteilt wirst, denn das hat deine Entlassung und den Verlust der Pensionsansprüche zur Folge.

    Mit vernünftig meine ich nun keine 200qm-Häuser, sondern ausreichend Platz für eine vierköpfige Familie

    Stimmt, ich hätte keine Lust, mit meinen drei Weibern auf 200 qm zu versauern! :cash:

    Ohne dicke Finanzspritze der Eltern geht das in vielen Gegenden gar nicht mehr

    Ich denke, das muss man differenziert sehen, auch im Kontext der stark gestiegenen Lebenserwartung. Meine Mutter z. B. hat erst mit 70 Jahren ihren Vater beerbt und hätte das Erbe eigentlich nicht mehr gebraucht, ihre Geschwister ebenso wenig. Vor 40 Jahren, als meine Eltern gebaut haben, wäre ihnen schon ein Drittel des geerbten Betrages zehnmal willkommener gewesen.

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