Und lass uns mal ehrlich sein: Es gibt genug Lehrer die wirklich digital zurückgeblieben sind oder sich schlichtweg weigern, sich auf den "neumodischen Kram" einzulassen. Das Internet IST nach wie vor für viele Menschen Neuland.
Je älter ich werde, desto stärker spüre ich selbst, wie mir "neumodischer Kram" vor allem in der digitalen Welt immer egaler wird, oder besser: Wie ich immer schneller und immer entschiedener feststellen kann, dies oder jenes nicht zu brauchen.
Aber.
Ich bin jetzt knapp 46 - mein Nick verrät es - und blicke auf ca. 30 Jahre Computer im Alltag (heißt: im Alltag einer Mehrheit der Bevölkerung) zurück. Ich kann mich erinnern, dass ich meine Facharbeit am Gym anno 92 noch auf der damals topmodernen elektrischen Schreibmaschine meines Vaters geschrieben habe. Es war mir zu blöd, mir die zehn an der Schule vorhandenen Macs mit anderen zu teilen und mich in die Bedienung einzufitzen. Das wurde dann aber schon damals im Gutachten zur Facharbeit kritisch angemerkt.
Mit Eintritt ins Studium habe ich mir dann selbstverständlich den ersten Computer angeschafft (einen Mac, als alle Welt auf Windows 95 verrückt und Apple kurz vor dem Abnippeln war. Mann, war ich ne coole Socke!) und mir mit der Zeit gründliche IT-Kenntnisse erworben - weil ich gemerkt habe, dass man das braucht und ein Computer nicht ganz so einfach zu bedienen ist wie ein Eierkocher. Schon 1996 hatte ich dann Internet zu Hause und habe auch dessen Entwicklung nicht kritiklos, aber aufgeschlossen verfolgt.
Mit der Zeit sind mir viele Kenntnisse auch wieder flöten gegangen. Mit heutiger Webseitenerstellung wäre ich überfordert, schon gar für mobile Geräte, und das ist nicht das einzige Beispiel. Trotzdem stecke ich hier noch jeden Schüler locker in die Tasche!
Worauf ich hinauswill: Für KollegInnen, die heute "digital zurückgeblieben" sind, habe ich keinerlei Verständnis. Die können doch beim Übergang von der Schreibmaschine zum PC maximal Mitte 30 gewesen sein! Kann man da schon so verknöchert und desinteressiert sein, dass einem so massive Arbeitserleichterungen, wie sie die Computertechnik mit sich gebracht hat, einfach egal sind?!
Mein Vater ist jetzt übrigens 82. Er hat sich damals noch wenige Jahre vor der Pensionierung einen PC angeschafft und konsequent nur noch damit gearbeitet. Heute hat und benutzt er selbstverständlich auch ein Smartphone (mal mehr, mal weniger erfolgreich).
Aber gut - man muss wohl akzeptieren, dass Menschen mit anderen Prioritäten gibt. Die wöchentlichen Mails der GS-Lehrerin meiner Tochter tragen als Absender "Gerda und Klaus Müller" (Namen geändert) und im "To:" stehen die Mailadressen sämtlicher Klasseneltern. Sich über solche Dinge aufzuregen, habe ich mir schon in Usenet-Zeiten abgewöhnt. Das sind wohl die gleichen Leute, die man früher belächelt hat, weil sie am Telefon immer extra laut gesprochen haben, damit man sie am anderen Ende besser versteht.