Beiträge von fossi74

    "Weltrettung" statt für die eigenen Interessen einzustehen, war halt schon immer eine besondere Eigenschaft vieler verbeamteter Lehrkräfte. Da leben viele halt in ihrem eigenen gutbürgerlichen Mikrokosmos und nehmen ihre Priviligien als selbstverständlich hin. Bis sie es nicht mehr sind...

    Du vertrittst hier also explizit die Ansicht, dass man die Wahlentscheidung AUSSCHLIESSLICH von den eigenen - und auch da nur: den eigenen finanziellen - Interessen abhängig machen sollte?

    Sorry, lieber Mikael, so sehr ich im Allgemeinen Deine pointierten Beiträge und Deine oft wohltuend nüchterne Sicht auf die Dinge schätze, aber das ist schlicht armselig. Zumal für einen Akademiker, der zu sein Du ja nicht müde wirst zu postulieren.

    Das geht jetzt ausdrücklich nicht gegen dich, AnnaMarie!

    Aber: Ich finde es nach wie vor skandalös (und äußerst bezeichnend für die Qualität dieser "Ausbildung"), dass jemand am Ende des Referendariats nicht einmal basale Kenntnisse über das Procedere der Einstellung in seinem Land hat.

    Lass Dir also ausdrücklich folgendes gesagt sein, liebe Anna Marie:

    1. Der SL hat in Bayern KEINERLEI Einfluss auf die Vergabe der Planstellen. Das macht einzig das km nach den von keckks genannten Kriterien.

    2. Hüte Dich vor Schulleitern, die Dir eine befristete Anstellung schmackhaft machen wollen, und zwar mit der Aussage, dass sie bei Bewährung "schon etwas machen könnten" hinsichtlich einer Planstelle: DAS IST GELOGEN und dient nur dem Ziel, dass Du Dich so stark engagierst wie möglich (bitte glaub mir das - ich kenne mehrere, die das jeweils mehrfach durch haben).

    3. Sorry, wenn ich das jetzt so deutlich sage: Mit der Kombi und dem Schnitt kannst Du eine Planstelle am Gymnasium in Bayern auf absehbare Zeit vergessen. Geo ist ein sterbendes Fach, und die Kollegen am Gym sind - so mein Eindruck, und ich habe es mit vielen Gymnasien in By und Bw zu tun - mittlerweile stark verjüngt.
    Sieh Dich nach Alternativen um: anderes Bundesland oder andere Schulformen sind erstmal Ansätze. In Bayern laufen derzeit Sondermaßnahmen für Mittelschule und Förderschule, in Bw gibt's ähnliches. Sagt man Euch das nicht im Seminar? Naja, siehe oben.

    Ich wünsche das Beste!

    Aber rentiert sich die Beziehungsarbeit auch ökonomisch?

    "Ökonomisch"="Ich profitiere davon für meine Arbeit, weil ich bestimmte Dinge dann leichter bearbeiten kann, sprich weniger Energie dafür aufwenden muss": Auf jeden Fall.

    "Ökonomisch"="Irgendjemand profitiert in Form von Geld": Natürlich nicht.

    So oder so eine etwas seltsam Frage. Erst recht für einen Lehrer.

    Firelilly: Wie immer kommst du vom Hölzchen auf's (auf DEIN) Stöckchen. Ich möchte z. B. nicht, dass von meinen Steuergeldern irgendwelche Weihnachtsfeiern bezahlt werden. Nicht im Finanzamt, nicht im Bauamt und nicht in Schulen.

    Ich bin ja nebenher noch ein bisschen am Abendgymnasium und kenne dort auch nur Doppelstunden. Vor- und Nachteile halten sich die Waage, wie ich finde: In Deutsch oder Englisch ist es von Vorteil, auch während der Stunde mal Zeit zum Üben zu haben, in Ethik (einstündig) ist es ein massiver Mangel, die Schüler nur alle zwei Wochen zu sehen. Selbst perfekt organisierte Menschen wie ich (Ironie) haben dann Schwierigkeiten, sich daran zu erinnern, was sie in der Vorstunde gemacht haben.

    @Mikael

    Oder hier aus der NZZ: http://ein%20assistenzarzt%20an%20einem%20deutschen%20krankenhaus%20verdiente%202018%20brutto%20rund%2081%20000%20euro%20und%20damit%20gerade%20einmal%204300%20euro%20mehr%20als%20ein%20lastwagenfahrer,%20der%20in%20den%20usa%20f%c3%83%c2%bcr%20walmart%20arbeitet.

    "Ein Assistenzarzt an einem deutschen Krankenhaus verdiente 2018 brutto rund 81 000 Euro und damit gerade einmal 4300 Euro mehr als ein Lastwagenfahrer, der in den USA für Walmart arbeitet."

    Ich glaube nicht, dass es "den" Lkw-Fahrer gibt, der für (ausgerechnet!) Walmart fährt und 77000 Euro verdient. Es mag solche Fälle geben, aber bei Walmart und Fahrer denke ich eher an minimum wages als an üppige Gehälter.

    Ohne die Hintergründe zu kennen: wenn eine landesweit zuständige Stelle bestätigt, dass alles korrekt zugegangen ist, würde ich mich schon fragen, ob ich vielleicht doch im Unrecht bin.

    Käme ich dann zu dem Schluss, dass dem nicht so ist, würde ich z. B. die Steuerbehörde informieren. Gegen die Vorwürfe, die gegen dich erhoben werden, musst Du Dich mit Hilfe der Dienstordnung und des Beamtenrechts wehren.

    Auf welcher Grundlage soll Dein Unterricht so engmaschig überwacht werden? Das wäre mal ein Ansatz.

    Ach ja, dass Du ob solcher Behandlung noch nicht dauerhaft erkrankt bist, ehrt Dich. Aber auch das solltest Du überdenken.

    Abschließend noch eines: Die lokale Presse interessiert sich meist sehr für mauscheleien in Behörden, vor allem, wenn es um veruntreuung von Geldern geht.

    Nicht nur den nervigen Taschenrechner habt ihr abgeschafft da unten, sondern man verdient auch noch mehr ;) .
    Aber ich bin trotzdem gerne in NRW.

    In Bayern sind es wohl noch ein paar Euro mehr. Nachdem ich den Thread gelesen habe, gelobe ich aber Folgendes:

    Ich werde mich nie mehr über mein Gehalt beklagen.
    So schlecht ist das nämlich gar nicht. Und zwar nach Abzug der sozialbeiträge.

    Nein, aber zwei pubertierende Töchter. Da kommt mir unser Haus manchmal so vor.

    Kapa hat geschrieben, in Japan danke der "Tennis" ab.
    Nervt dich die Autokorrektur am Handy auch manchmal?

    Diese Frau setzt auf Quereinsteiger:

    http://www.spiegel.de/karriere/lehre…-a-1261108.html

    "Das Lehrerzimmer ist ein Sammelbecken für Opfer." ... "Meine Hoffnung liegt auf den Quereinsteigern, die wegen des Lehrermangels jetzt verstärkt in die Schulen kommen."


    Warum wurde diese Nestbeschmutzerin im Interview nicht gefragt, welche Opferrolle sie im Lehrerzimmer eingenommen hatte?

    Die gute Frau war nur 22 Jahre Lehrerin. Ihre Rolle war also vermutlich die der schlechter bezahlten Angestellten.

    Davon ab: keine Ahnung, ob die Kommentare bei SPON moderiert sind. Bis jetzt finde ich sie aber erstaunlich ausgewogen. Das lässt ein kleines bisschen hoffen.

    Bei sowas geht mit auch immer die hutschnur hoch! Dieses bescheuerte Argument, man bräuchte Leute von "da draußen", damit die Schüler lernen wie es "da draußen im echten Leben wirklich ist" weil Lehrer davon ja keine Ahnung hätten.

    Aber nein, das versteht Ihr falsch. Die Schüler sollen einfach auf die Tatsache vorbereitet werden, dass sie es im "wahren Leben" öfter mit Pfeifen als mit kompetenten Zeitgenossen zu tun haben werden. Auf den Umgang mit ersteren gut vorbereitet zu sein und sich von ihnen nicht in seinem Fortkommen behindern zu lassen, halte ich für eine Kernkompetenz!

    Mein Schulleiter sieht mich immer noch entsetzt an, wenn ich solche Dinge formuliere.

    Das ist halt im System immer noch nicht vorgesehen. Ebenso wenig wie Kollegen, denen es völlig schnurz ist, wenn sie A 13 bleiben und demzufolge auch, wie die Beurteilungen ausfallen.

    Wieso verschmutzt ein Dienstwagen die Umwelt mehr?

    U. a., weil jedes Auto schon bei der Herstellung schon so viele Emissionen verursacht wie im Betrieb auf zigzehntausend Kilometer.

    Es ist in unserer Zeit schlicht nur noch wenigen Menschen möglich, absolut zuverlässig pünktlich da zu sein. Meine "Lieblingskollegin", die ich einerseits dringend in die Rente wünsche, ist andererseits immer unser Notnagel, um morgens pünktlich aufzuschließen. Das reibt sie uns dann natürlich gern unter die Nase. Aber wenn man 200 m Luftlinie von der Schule entfernt wohnt, weder Mann, Kinder noch Katze und keine Hobbys hat (außer sich mit seiner fast gleich alten und ebenso schrulligen Schwester zu streiten), dann ist man morgens pünktlich oder kommt gar nicht. Zu spät gibts dann halt nicht.

    Ja, es gab mal eine Zeit, da hatte Vati Residenzpflicht und Mutti war bei den Kindern zu Hause. Ich denke, da wird Vati auch selten zu spät gekommen sein (Mutti war im vergleichbaren Fall dank Lehrerinnenzölibat keine Mutti und hatte auch Residenzpflicht).

    Heute fährt Vati 30 km in die Schule, Mutti fährt auch 30 km (auch in die Schule; Lehrer paaren sich ja gern mit ihresgleichen), aber in die andere Richtung, und sie spielen morgens Schnick-Schnack-Schnuck, wer die Kinder wegbringt. Ganz unpolemisch: Es ist heute von keinem Arbeitnehmer mehr zu verlangen, dass er an seinem Arbeitsort wohnt. Das gibt unser Wirtschaftssystem einfach nicht mehr her, und deshalb muss man mit der Frage des pünktlichen Arbeitsbeginns auch pragmatisch umgehen.

    Dieses Handeln ist vermutlich lehrertypisch und wohl in erster Linie der Bequemlichkeit und danach dem Gefühl "Sonst geht es halt nicht, was wird dann aus den Kindern?" geschuldet.

    Achtung, es gibt hier Mitglieder, die durch solche Aussagen getriggert werden.

    Davon ab: Bequemlichkeit - Sorge um guten Unterricht - "War schon immer so." - den letzten Punkt halte ich fast für den wichtigsten.

    Man müsste wohl für diese fünf Euro Unterschied den Verwaltungsgerichtsweg durchklagen. Das macht wohl eher keiner.

    Sapere Aude! Sei der Erste und schaffe einen Präzedenzfall. Es würde viel, viel mehr gehen, wenn Lehrer mehr "Dienst nach Vorschrift" machen würden.

    Ich halte es für ebenso bezeichnend wie verräterisch, dass letzteres - nämlich Dienst nach Vorschrift zu machen - als die schärfste Drohung gegenüber dem Dientsherrn gilt, die der Beamte auszusprechen vermag. Denn eigentlich sollte Dienst nach Vorschrift doch der Standard sein, bei dessen Einhaltung es gut läuft, oder?

    Im konkreten Fall hat der BGH ja gerade eine Amtspflichtverletzung festgestellt, d.h. das OLG darf jetzt einen Sachverständigen prüfen lassen, ob die Unterlassung der Lehrer zu der Schädigung geführt hat, was dann eine Haftung nach sich ziehen dürfte. Das heißt jetzt natürlich nicht, dass es sich um strafbar falsches Verhalten handelt, falsch war es aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit.

    Im Endeffekt wird es sich - wie so oft - um eine Regelungslücke handeln, die letztendlich vom BVerfG geschlossen werden muss. Ich habe bis jetzt (allerdings auch durch Zeitmangel bedingt) noch keine obergerichtlichen Entscheidungen zum Thema "Garantenpflicht von Lehrkräften" gefunden; die Frage ist aber zu interessant, um sie fallenzulassen. Ich werde dieser Tage mal schauen, ob und was die einschlägigen Kommentare zu dem Thema sagen.

    Der Lehrer ist in seiner Funktion als Aufsicht sicherlich auch Garant für die körperliche Unversehrtheit seiner Schutzbefohlenen.

    Ja - aber in erster Linie dadurch, dass er für eine möglichst sichere Umgebung sorgt. Schüler an der Stange bis zur Hallendecke klettern zu lassen (ob man das überhaupt noch darf?), ohne Matten unterzulegen, wäre mit ziemlicher Sicherheit ein Verstoß gegen die Garantenpflicht. Das kann auch ganz andere Dimensionen annehmen, z. B. die Einfriedung des Pausenhofs, wenn bekannt ist, dass regelmäßig schulfremde Personen dort dealen oder sonstwie Ärger machen (Garantenstellung dann natürlich nicht für den einzelnen Lehrer, sondern den Schulleiter, der sich wiederum an den Schulträger halten muss). Ob mangelhafte (wenn sie es denn war!) Erste Hilfe auch dazu zählt, wird sich ja im weiteren Verlauf des Prozesses zeigen.

    Ansonsten gilt auch in dem Fall, in dem der Lehrer vor der Frage steht, ob er in den Fluss springen soll oder nicht, die Norm des § 323c StGB - Du musst tun, was Dir den Umständen nach zuzumuten ist. Dem Rettungsschwimmer ist es zuzumuten, in den Fluss zu springen (aber nicht 10 m vor dem Stauwehr), dem Laienschwimmer eher nicht.
    Ich kenne übrigens (persönlich) den Fall eines Rettungsschwimmers, gegen den mal wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt wurde, weil er einer Frau nicht nachgesprungen ist, die sich in Suizidabsicht in den Fluss gestürzt hatte. Das Verfahren wurde schnell eingestellt: Er hatte nämlich zwei Kleinkinder dabei, die er nicht unbeaufsichtigt am Flussufer lassen konnte.

    Jetzt habe ich gerade noch eine schöne Darstellung der Garantenpflicht gefunden, auch mit schönem Fallbeispiel. Siehe vor allem den Abschnitt "Garant und Qualifikation".

    Eines noch - unjuristisch, aber vielleicht angebracht: Wie beschissen die Situation natürlich für alle Beteiligten ist, sollte man nicht außer acht lassen - für den Schüler, der jetzt wohl ein Pflegefall ist, für dessen Eltern und für die beteiligten Lehrkräfte, die sich wahrscheinlich schwerste Vorwürfe machen und zusätzlich noch als ignorante Trottel dastehen, die nichts von Erster Hilfe verstehen.

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