Jetzt meine ich mich aber daran zu erinnern, dass du an anderer Stelle im Forum mehrfach betont hast, wie froh du bist, den Beamtenstatus los zu sein und entsprechende Freiheiten zu genießen. Man kann natürlich dann deshalb trotzdem die Beamtenprivilegien unfair finden, aber "bei dem Thema leicht reizbar" zu sein, wenn man doch eigentlich sehr zufrieden mit seiner (wenn ich richtig verstanden habe) freiwilligen und bewussten Entscheidung für das Angestelltenverhältnis ist, erscheint mir irgendwie grotesk. Noch grotesker wird es natürlich, wenn man es - leich polemisch - so formuliert: "Du kannst nicht die Vorteile des Angestelltenverhältnis genießen und gleichzeitig den Beamten ihr Privilegien neiden!".
Doch, das geht ganz wunderbar, nämlich aus zwei Gründen:
Zum Einen bin ich - wie die ganz überwiegende Mehrheit der Menschen (sprich: eigentlich alle außer Gandhi und Mutter Teresa) - äußerst wandlungsfähig, was meine Überzeugungen angeht, ganz nach dem Motto von Erzkanzler Adenauer [1]: "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern!".
Zum Zweiten - und das ist jetzt im Gegensatz zu Punkt 1 ernst gemeint: Ja, ich bin aus diversen Gründen nicht unglücklich darüber, kein Beamter zu sein ("den Status los zu sein" trifft es nicht ganz; ich war außer im Ref nie Beamter). Ich neide den Beamten auch keineswegs ihre Privilegien wie die "unbegrenzte" Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall (ein zweischneidiges Schwert!), die tolle PKV (die im Endeffekt nur einen Haufen unbzahlter Büroarbeit bedeutet) oder die drollig-anachronistische Tatsache, dass ein Beamter zusätzliches Geld bekommt, wenn er verheiratet ist und Kinder hat. Immerhin war das bei Angestellten auch mal so, bis die Gew-erkschaft sich diesen unsäglichen TVöD hat aufschwätzen lassen.
Trotzdem halte ich die gegenwärtig geübte Praxis der Pensionen für skandalös und verstehe nicht, warum Bund und Länder nicht schon längst das milliardengroße Einsparpotential erkannt haben, das hier schlummert.
Konkret: Die Beamtenpensionen lagen mal bei 75%. Das war ganz ok, obwohl das Rentenniveau nur bei irgendwas um 60% lag. Schließlich mussten die Pensionen schon immer versteuert werden, und die Beamten zahlen auch ein Fünftel ihrer KV-Beiträge (das kann im Einzelfall viel sein) selbst.
Seitdem ist aber das Rentenniveau kontinuierlich gesunken. Derzeit liegt es bei 48%, in absehbarer Zeit wird es bei 45% sein. Ja, auch die Beamtenpensionen sind gesunken - von 75% auf armutsrisikobehaftete 71,75%! Man wundert sich eigentlich, warum in den Innenstädten nicht massenweise ältere Herren im Cordsakko sitzen mit Schildern vor sich, "Studiendirektor a.D. bittet um milde Gabe für dringende Wohnmobilreparatur".
Viele von Euch werden schon einmal eine Berechnung der zu erwartenden Pension erhalten haben und kennen also die entsprechenden Werte. Zum Vergleich: Meine letzte Rentenberechnung (kommt jährlich) weist eine zu erwartende Rente von ca. 1800€ aus - bei einem derzeitigen Bruttoeinkommen von knapp 5.500!
Ich bin also eigentlich nicht ob der üppigen Pensionen gereizt, sondern wegen des Umgangs mit dem Rentensystem hierzulande. Gäbe es ein gemeinsames System für alle (auch Beamte und Selbstständige), wäre ein ganz anderes Rentenniveau möglich. Österreich macht es vor.
Und komme mir jetzt keiner mit dem Unsinn, er "zahle" als Beamter ja 14% seines Bruttoeinkommens als Pensionsrücklage. Diese Pensionsrücklage gibt es nicht, und die 14% sind in keiner Besoldungstabelle ausgewiesen. Außerdem kann es dem Beamten egal sein, ob ein Pensionsfonds existiert oder nicht; sein Geld bekommt er so oder so.
So, wer meckert, sollte auch motzen Vorschläge machen:
Ansätze gäbe es einige. So könnte man z.B. sagen, Beamte bekommen maximal den theoretischen Höchstsatz der gesetzlichen Rente (derzeit ca. 2.600€) als Pension. Von mir aus steuerfrei. Damit stehen sie immer noch besser da als sämtliche Rentner (wie gesagt, der Höchstsatz ist ein theoretischer). Ergänzend könnte man den Beamten anbieten, freiwillig z.B. beim VBE oder auch - warum nicht - bei der DRV eine Zusatzrentenversicherung abzuschließen. Geld dafür hätten die Beamten, denn sie zahlen ja bislang gar keine Rentenbeiträge.
Alternative: Beamte werden (wie oben schon erwähnt) in der gesetzlichen RV versichert und zahlen dafür die normalen Beiträge. Ergänzend könnte man sie ja wie die angestellten Lehrer in den VBE mit aufnehmen.
Das hätte für die Beamten übrigens auch Vorteile, vor allem die Sicherheit, die so erwirtschaftete Rente auch bis zum Tod genießen zu dürfen, ohne dass sie der Dienstherr wegen irgendwelcher Kinkerlitzchen kürzt oder streicht. Hier in der Nähe wurde jetzt ein ex-OStR verurteilt, weil er vor Jahren Schülerinnen unsittlich usw. Wenn er aus dem Knast wieder raus ist, darf er sich über eine halbe gesetzliche Rente freuen, wozu ich unbekannterweise viel Vergnügen wünsche. Man kann nur hoffen, dass er sich vom Gehalt etwas aufgebaut hat, sonst wird das ein kärglicher Lebensabend. Mit der gesetzlichen Rente geht so etwas nicht.
So, und jetzt geh ich mein Weihnachtsgeld verprassen. Waren immerhin fast 1500 netto; ein kleiner Lichtblick. Da gibt es dann an Weihnachten wengistens echte Butter zu den Pellkartoffeln, und wir können einen Hering an die Esstischlampe hängen, an dem reihum jeder mal lecken darf. Spendenkonto bei allen Banken und Sparkassen unter dem Kennwort "fossi".
[1] Ja, genau der Adenauer, der den Grundstein dafür gelegt hat, dass die gesetzliche Rente heute mit dem Rücken an der Wand steht.
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