Beiträge von fossi74

    Miss Jones, echt jetzt, "Primimäuse"??? Find ich sogar in Anführungszeichen irgendwie unpassend, aber vielleicht ist das Geschmackssache.

    Muss doch beim Elternsprechtag demnächst mal die Lehrerin meiner Kleinen so nennen... vermutlich werde ich dann mit dem Messer gekillt, mit dem sie sich sonst die Zähne rasiert.

    Oh. Das ist dann natuerlich nicht so toll. Ich hatte angenommen in Deutschland wenigstens vergleichsweise zu verdienen. Derzeit komme ich bei 4 Tagen (also 80% einer vollen Stelle) auf umgerechnet ca. 1500 Euro netto.

    Lass Dich da mal nicht verrückt machen. Als Beamtin solltest Du an der Grundschule ca. 2600 bis 3000 rausbekommen (80% dann entsprechend 2000 bis 3400), je nach Erfahrungsstufe, Lohnsteuerklasse etc. Als Angestellte müssten auch auf jeden Fall mehr als 1500 drin sein. Mit Lohnsteuerklasse III (verheiratet, Du bist Hauptverdiener) und 2 Kinderfreibeträgen komme ich im TV-L-Rechner auf ca. 2000 netto. Also alles easy - die deutschen Lehrer sind nach denen in der Schweiz und Luxemburg die bestbezahlten in Europa.

    Ach so, Thema Kinderkrippe: Wir haben hier in Bayern auf dem großstadtnahen Land immer problemlos einen Platz bekommen (bei der Kleinen schon ab sechs Monaten) und dafür nie mehr als 200 Euro im Monat bezahlt.

    Ich habe andere Erfahrungen zu Berichtszeugnissen gemacht. Die meisten Eltern verstehen nicht, was genau der Lehrer da meint.

    Mein Lieblingsbeispiel stammt aus einer sehr angesehenen Eliteschule in Sachsen, wo es auch Noten gibt, aber wohl bis zur Oberstufe ellenlange Berichtszeugnisse formuliert werden. Da durfte ich mal eines lesen, das mit dem schönen Satz eingeleitet war: "Wenn man mit seiner ganzen Kreativität einfach mal drauflosbastelt, dann kann ein Trabi dabei herauskommen oder ein BMW." - aus dem Gedächtnis zitiert. In diesem Stil ging es dann weiter. Ich als Fachmann wurde aus dem Elaborat nicht schlau, die ratlosen Eltern auch nicht.

    Jahre später hatte ich - schon an der Klinikschule - mal eine Patientin von eben dieser Schule. Ich habe ihren Abschlussbericht (verfassen wir manchmal auf Anfrage der Heimatschule) dann genauso blumig-verschwurbelt-nichtssagend gehalten wie das erwähnte Zeugnis. Man war begeistert - einen so aussagekräftigen, klaren Bericht bekomme man ja selten von den Klinikschulen... :autsch: Und nein, es handelt sich nicht um eine weltanschaulich geprägte Schule da in Sachsen, sondern um ein ganz normales, wenn auch sehr bekanntes staatliches Gymnasium.

    Und die Formulierung, Deutschland sei ein deutschsprachiges Land, ist natürlich wenig geschickt - v.a. im aktuellen politischen Klima.

    Ich warte ja auf den Tag, an dem es als ungeschickt gilt, von einem strahlend blauen Himmel zu sprechen, weil das ja die Farbe der AFD ist. Mit anderen Worten: Wie sollte man die schlichte Tatsache, dass die Landessprache in Deutschland nun mal Deutsch ist, denn geschickter ausdrücken?

    Erfahrungswerte, wieviel man für anfallende Instandhaltung, Sanierungen etc. veranschlagen sollte bzw. wieviel Geld legt ihr jeden Monat hierfür zurück (zusätzlich zu dem Hausgeld, das monatlich als Hausgeld von der Eigentümergemeinschaft eingezahlt wird)?

    Wenn Du eine Hausverwaltung hast, die was taugt, sollte das nicht allzu viel sein bzw. kannst Du es locker aus Deinen laufenden Einnahmen bestreiten. Achte darauf, vor dem Kauf die relevanten Dokumente einzusehen (Teilungserklärung, Protokolle der Eigentümerversammlungen, Rechnungen über am Haus vorgenommene Bau-/Renovierungsmaßnahmen). Noch besser: Lass Dich eingehend beraten. WEG-Recht ist tückisch! Geh mal auf http://www.frag-einen-anwalt.de und schau Dir ein paar der dort beratenen Fälle an; ein guter Teil der Anfragen dort bezieht sich auf Probleme mit Eigentumswohnungen. Wie sagt man so schön - eine Eigentumswohnung ist die ideale Methode, die Nachteile von Miete und Eigentum zu kombinieren!

    Durch die offener formulierten Bildungsstandards hat man zugegebenermaßen eine größere Freiheit bei der Auswahl der Lektüren

    Kommt darauf an. In B-W gibt es ja die Pflichtlektüren fürs Abi, das ist Fluch und Segen. Ich liebe "Homo Faber" und finde "Agnes" ganz furchtbar... grundsätzlich gilt aber schon, dass man nicht immer völlig Neues ausprobiert, sondern öfter mal auf Lektüren zurückgreift, die man kennt und entsprechend vorbereitet hat. Das erleichtert die Sache natürlich ungemein. In Englisch fand ich das immer schwieriger, weil das Fach soviel Geschichte, Politik und Landeskunde einschließt. In der Oberstufe kann ein Text nach zwei Jahren schon völlig veraltet sein. Da kann man auch nicht auf irgendwann mal aus dem Urlaub mitgebrachte Zeitungen zurückgreifen, wie das in vor-Internet-Zeiten (z.B. in meinem Englisch-Lk '91 bis '93) völlig normal war.

    OT, aber passend zu vor-Internet-Zeiten: An meinem alten Gymnasium gehen jetzt etliche Kollegen in den Ruhestand, die als StR z.A. gekommen waren, als ich in der Unterstufe war. Irgendetwas tief in mir weigert sich, das zu akzeptieren...

    Und ja, das hat für mich einen extrem unangenehmen Beigeschmack. Erläutern muss man das wohl nicht.

    Ersetze bitte mal "Deutschland", "Deutsch" und "deutschsprachiges Land" durch "Spanien", "Spanisch" und "spanischsprachiges Land". Und ja, dann fände ich eine Erläuterung des von Dir empfundenen unangenehmen Beigeschmacks durchaus hilfreich.

    edit: Erst geschrieben, dann Thread zu Ende gelesen und WillGs Beitrag gesehen. Deshalb noch ein Gedanke zum Thema "Expats und ihr Verhältnis zur Landessprache": Ich habe einen guten Freund, der fast acht Jahre in Dänemark gearbeitet hat (EU-Projekt) und nach eigener Aussage kaum ein Wort Dänisch spricht, was ich - Freund hin, Freund her - ziemlich armselig finde, auch wenn man in Dänemark nun wirklich überall mit Englisch (oder auch Deutsch) gut weiterkommt.
    Ich bin alle zwei Jahre zum Urlaub in Dänemark und mache jedes Mal aufs Neue die Erfahrung, dass die Leute sich freuen, wenn man sie erstmal in ihrer Sprache anredet (ok, vielleicht lachen sie ja auch nur über mein grottiges Dänisch). Tiefergehende Sprachkenntnisse verlangt dann keiner, aber so als Einstieg möchte ich das nicht missen.

    Mal noch eine Zahl aus dem eigenen Erfahrungsschatz: Im Schuljahr 201/11 habe ich an der FOS/BOS mit D/E exakt 1.485 schriftliche Arbeiten korrigiert; natürlich nicht nur Klausuren, sondern auch die in Bayern so beliebten (und per FaKo bei uns damals in Anzahl und Umfang vorgeschriebenen) "Exen". Vokabeltestst habe ich nicht mitgezählt.

    Bei einer durchschnittlichen Korrekturdauer von 20 Minuten pro Exemplar komme ich also auf einen Zeitaufwand von 495 Stunden oder >12 Arbeitswochen.
    Warum ich gern an die Klinikschule gewechselt bin, auch wenn es da keine Ferien gibt, brauche ich wohl nicht mehr zu erläutern. Einen Rotstift besitze ich seit Jahren nicht mehr.

    Allerdings möchte ich die OT noch einmal eindringlich auf ein Faktum hinweisen: Geschichte ist auf Jahre hinaus mehrfach überversorgt und sollte UNBEDINGT gemieden werden.

    Auch ich dachte, dass das ernst gemeint wäre.

    Ach Gottchen, Ernst, Unernst, wenn man es immer so klar trennen könnte... nein, beim durchschnittlichen Schüler, der sich hin und wieder mal eine bessere Note meint erfeilschen zu müssen, würde ich das natürlich nicht machen. Bei einem hartnäckigen Fall, der JEDES Mal dasteht und diskutieren will, würde ich es mir überlegen - auch in dem Wissen, dass ich Gelegenheit haben werde, meine Versäumnisse nachzuholen. Und wenn er mich dieses eine Mal in Ruhe lässt: Nun, dann kriegt er eben dafür die bessere Note. Das ist im Übrigen nicht gerecht, aber lebensecht. Ich bin da wohl immer noch von meinen Jahren an der FOS/BOS geprägt, wo IMMER gefeilscht wurde und nach JEDER bekanntgegebenen Note die Taschenrechner auf dem Tisch lagen und der Schnitt tagesaktuell, aber meist falsch ausgerechnet wurde. Das ist halt der Effekt einer übersteigerten Wertschätzung von Noten.

    Was auch hilft: Einem reklamierenden Schüler einfach mal die Note um eine Viertelnote schlechter machen.

    Ich nehme Reklamationen immer nochmal mit nach Hause und wenn man dann einfach noch ein paar weitere Fehler entdeckt, sind es dann halt auch mal schnell 7 statt 8 Notenpunkte... Sowas spricht sich rum... ;)

    Und weil man seine Pappenheimer ja bald kennt, weiß man auch, bei welchen Kandidaten man sich beim Zusammenrechnen mal um einen halben Punkt vertun könnte, während man ein paar Fehlerchen unangestrichen lässt... "So, ich hab mich verrechnet, na lass mal sehen... oh, Du hast recht. Aber warte mal, hier ist noch ein Fehler und da und da... oh, jetzt muss ich Dir doch noch nen Notenpunkt abziehen... wie schade!"

    Vielleicht hast du irgendwann mal eine oder zwei Hohlstunden und kannst es da versuchen.

    Oh nein, in so einer Situation muss niemand warten, bis er "irgendwann mal" eine Hohlstunde hat und dann gnädigerweise mal telefonieren darf. Ich würde dem SL die Situation kurz schildern und ihn bitten, beim LBV anzurufen. Eine Abschlagszahlung sollte kein Problem sein. Mach den faulen Deppen ruhig Beine - ja, die Ausdrucksweise war Absicht.

    Falls es Dich tröstet: In Bayern ist die Lage genauso problematisch - selbst bei Leuten, deren Verträge Jahr für Jahr unverändert verlängert werden.

    Ach so, eines noch: Für das Septembergehalt sind ab 1. Oktober (§ 286 Abs. 2 S. 1 BGB) Verzugszinsen fällig, § 288 BGB. Die würde ich ebenfalls einfordern.

    Für Literatur- und Kulturwissenschaftler, für durch "harte" Studiengänge wie Naturwissenschaften, Mathematik oder Medizin Überforderte sowie für Dauerkranke ist der Lehrerjob der Jackpot schlechthin.

    Für Leute, die dauernd im Erziehungsurlaub sind, natürlich auch...

    Ich darf ergänzen: Für Pensionäre ebenso. Wie gesagt: Theoretisch mögliche Höchstrente (wird von niemandem erreicht, ist nur eine Rechengröße) ca. 2.600 €, Ruhegehalt A12 nach 32 Jahren (mein Vater, Dienstantritt '69, pensioniert 2002): um die 3.000 €. Warum die Politik da nicht schon längst massiv gekürzt hat, ist mir - trotz der großen Zahl an Beamten, die so rumläuft - schleierhaft. Schon wenn man sagen würde, es gibt nicht mehr ca. 73%, sondern nur noch 60% des letzten Gehalts, würde man Milliarden einsparen - und die Beamten stünden immer noch besser da als so gut wie jeder Rentner, zumal sie ja keinen Cent dafür einbezahlen.

    Disclaimer: Ich spreche natürlich nicht von AT-Beschäftigten mit lukrativen Posten, die mit Mitte 50 den goldenen Handschlag bekommen. Solche Leute sind genauso eine Ausnahme wie Beamte in der GKV oder frühpensionierte Beamte, die sich mit der Mindestpension begnügen müssen (die allerdings mit rund 1.600 € noch fast doppelt so hoch ist wie die EU-Rente, die z.B. ein angestellter Lehrer im Fall der Fälle zu erwarten hat).

    Viele Grüße
    Fossi
    - der früher auch immer gedacht hat, dass es den Beamten ja gar nicht sooo viel besser gehe.

    ...ein "prominentes", wenn auch mittlerweile verstorbenes Beispiel, das zwar "Ausbildung", aber in dem Job (Jurist afaik) NULL Berufserfahrung hatte, sondern direkt in die Politik geschlittert ist (auf der entsprechenden Schleimspur): Westerwelle.
    Und Mikael hat Recht - da sitzen eine Menge "Pseudos", häufig mit irgendwo abgepinnten oder ergaunerten akademischen Graden... Wie war das noch... Guttenberg - Copy-Paste?

    Ach komm - auch wer als Jurist keine Berufserfahrung mitbringt, hat doch eine (anspruchsvolle!) Ausbildung absolviert. Und auch ein Guttenberg hat ein Studium erfolgreich absolviert, Plagiat hin oder her. Unter der Gruppe, die Mikael genannt hat, würde ich "gelernte Arbeitslose" verorten, die man gelegentlich auf kommunaler Ebene auf den Listen der Linkspartei findet.

    Ich will ehrlich sein: Ich mag dieses Politiker-Bashing nicht. Es gibt wahrlich viele unter ihnen, die keine großen Leuchten sind. Dennoch gilt: It'a dirty job, but someone's gotta do it. Ich jedenfalls würde dieses Leben keine drei Monate aushalten. Der Praktiker, der im reifen Alter und mit viel Erfahrung in die Politik geht, ist nun mal die Ausnahme, das ist wohl auch unserem (alles in allem doch recht bewährten) System geschuldet.

    Die Parlamente sind voll von Leuten, die niemals eine Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen haben.

    Naja, die Parlamentarier ohne jede Ausbildung dürften aber an einer Hand abzuzählen sein. Da würde ich doch um konkrete Beispiele bitten.

    Und personelle oder finanzielle Verantwortung tragen die auch nicht, denn die trägt im Zweifel immer der Steuerzahler....

    Das ist allerdings nicht von der Hand zu weisen.

    Normale Lehrer haben eine niedrigere formale Qualifikation und weder personelle noch finanzielle Verantwortung.

    Um mal auf einem anderen gern diskutierten Gebiet ein wenig Öl in dieses Feuer zu gießen: Schaut Euch mal die kürzlich offengelegten Gehaltsstrukturen bei der ARD an... ich sag nur: Kameramann (Ausbildungsberuf mit null Verantwortung!): bis zu 7.600 €... DAS sind Pfründe, da kann man schon mal ins Grübeln kommen ob des "Rundfunkbeitrags" (den ich - Disclaimer - grundsätzlich für sinnvoll halte. Über seine Verwendung lässt sich allerdings öfter mal trefflich streiten).

    Ach so, zum Thema "Verantwortung bei Lehrern": Die ist ja wohl eher im theoretischen Bereich zu verorten. An schlechtem Unterricht ist noch keiner gestorben.

    edit: Jetzt bin ich doch auch mal auf einen Thread reingefallen, der nicht mehr ganz taufrisch ist. Man sollte halt erst lesen und dann posten. Aber so unzeitgemäß möchte ich ja nicht sein.

Werbung